Das Wichtigste in Kürze
- Vier Methoden zum Thema Migration aus dem DJF-Vielfaltsprojekt: Gründe für Auswanderung sammeln, die Migrationsgeschichte Deutschlands kennenlernen, Biografien von Arbeitsmigranten und von Geflüchteten erarbeiten.
- Ziel: Jugendliche erfahren, dass Wanderung von Menschen ein normales, immer wiederkehrendes Phänomen ist und dass es sehr verschiedene Gründe und Wege gibt.
- Für Jugendliche, nicht für Kinder: Die Methoden sind anspruchsvoll und brauchen Zeit (zwischen 15 und 75 Minuten). Sie passen eher zu älteren Gruppen.
- Sensibel vorgehen: Manche Jugendliche haben selbst Migrations- oder Fluchtgeschichten. Niemand muss etwas erzählen.
- Zahlen im Original sind von 2018. Prüfe aktuelle Zahlen bei der Bundeszentrale für politische Bildung, beim Statistischen Bundesamt oder beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
1. Warum Menschen auswandern: Brainstorming (mindestens 25 bis 30 Minuten)
- Gruppe: 10 bis 25 Jugendliche. Flipchart, Moderationskarten, Filzstifte, Kreppband, Klebepunkte.
- Ziel: Gemeinsam die Ursachen für Ein- und Auswanderung sichtbar machen. Es wird deutlich, dass manche Formen von Migration mehr Anerkennung finden als andere.
- Schritt 1: In Gruppen mit drei bis fünf Personen sammeln die Jugendlichen auf einem Flipchart mögliche Gründe. Auf das Papier wird ein Fahrzeug gemalt (Flugzeug, Schiff), in das alle Ideen kommen. Alle Ideen zählen.
- Schritt 2: Die Gründe werden auf Moderationskarten geschrieben.
- Schritt 3: Die Karten werden in der Gesamtrunde aufgehängt, gleiche Karten zusammengefasst und nach Überschriften geordnet, zum Beispiel wirtschaftliche, politische, persönliche und ökologische Gründe.
- Auswertung: Menschen wandern aus sehr unterschiedlichen Gründen, und es gibt dafür unterschiedliche rechtliche Begriffe (zum Beispiel Asylsuchende, Flüchtlinge, Arbeitssuchende). Man kann auch nach Push-Faktoren (was Menschen abstößt, etwa Diktatur oder Krieg) und Pull-Faktoren (was anzieht, etwa Rechtsstaat oder Arbeit) fragen.
2. Migrationsgeschichte Deutschlands als „Faktenblock“ (10 bis 15 Minuten)
- Gruppe: 10 bis 25 Jugendliche. Eventuell Präsentation oder Karten mit den Ereignissen.
- Ziel: Zeigen, dass Zu- und Abwanderung in Deutschland seit Jahrhunderten geschieht.
- Ablauf: Die Leitung führt ein und stellt Ereignisse der jüngeren Migrationsgeschichte vor, am besten bebildert. Das Original nennt zum Beispiel die Auswanderung vieler Deutscher in die USA im 19. Jahrhundert, die Gründung Freiwilliger Feuerwehren durch deutsche Auswanderer in Chile 1852, Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Anwerbung von Arbeitskräften („Gastarbeiter“) in den 1960er Jahren, Flucht aus der DDR und die Zeit um 2015 und 2016. Die genauen Zahlen findest du im Original und bei den genannten Stellen.
- Auswertung: Die Gruppe bespricht, was sie schon wusste und was neu ist.
3. Biografien aufgrund von Arbeitsmigration (etwa 75 Minuten)
- Gruppe: 7 bis 14 Jugendliche. Vorbereitete Länderkarten (zum Beispiel Türkei, Polen, Russische Föderation, Kasachstan, Rumänien, Italien, Syrien, Länder aus Afrika, andere Länder).
- Ziel: Ein Bewusstsein für tatsächliche Zahlen und ihre Dimension schaffen und zeigen, was Menschen bewegt, ihre Heimat zu verlassen.
- Ablauf: Die Leitung führt ein (15 Minuten), stellt die Eingangsfrage und nennt den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund. Danach suchen, lesen, notieren und präsentieren die Jugendlichen in Gruppen Biografien von Personen mit Migrationshintergrund (45 bis 60 Minuten). Danach werden die tatsächlichen Zahlen nach Herkunftsland mit den Schätzungen der Gruppe verglichen.
- Hintergrund: Anwerbung von Arbeitskräften in Westdeutschland (zum Beispiel aus der Türkei und Italien) und in der DDR (zum Beispiel aus Vietnam).
4. Biografien von geflüchteten Menschen (etwa 50 Minuten)
- Gruppe: 7 bis 14 Jugendliche. Internetzugang und Drucker oder Material für Collagen.
- Ziel: Für die Erfahrungen von Geflüchteten sensibilisieren und Biografien kennenlernen.
- Ablauf: Einführung, dann suchen und sichten (10 Minuten), lesen (15 Minuten), Notizen (5 Minuten), Collage (15 Minuten) und kurze Präsentation (je 5 Minuten). Leitfragen: Wo sind sie aufgewachsen und wie haben sie gelebt? Warum sind sie geflohen, über welche Länder und mit wem? Wo leben sie jetzt, und was machen sie?
- Linktipps aus dem Original: Biografien der UNO-Flüchtlingshilfe, kurze Lebensgeschichten bei „Am Nullpunkt“ und die Seite Kinder auf der Flucht. Prüfe die Inhalte vorher, ob sie zu Alter und Reife deiner Gruppe passen.
Tipps
- Vorbereitung: Lies das Thema vorher selbst durch und überlege, wie du mit schwierigen Aussagen umgehst.
- Respekt: Vorurteile ansprechen, ohne Einzelne bloßzustellen. Regeln für das Gespräch vorab vereinbaren (siehe Teambuilding und gemeinsame Regeln).
- Nicht allein stehen lassen: Wenn etwas belastet, sprich mit der Jugendleitung, dem Team oder wende dich an eine Beratungsstelle.
- Kein Zwang: Teilnahme und eigene Erzählungen sind freiwillig.
Quelle
In eigenen Worten nach den Methoden 6 bis 9 aus „Gemeinsam Vielfalt gestalten!“ (Autor: Cihad Taşkın), angewandte Methoden aus dem DJF-Vielfaltsprojekt „Im Tandem für eine bunte Jugendfeuerwehrwelt!“, gefördert von der Motorola Solutions Foundation, veröffentlicht im Bildungsprogramm der Deutschen Jugendfeuerwehr (bildung.jugendfeuerwehr.de, Praxistipps). Die Zahlen im Original stammen von 2018.