Das Wichtigste in Kürze
- Vielfalt heißt: Jeder Mensch ist einzigartig, und jede und jeder ist willkommen. Das gilt auch in der Jugendfeuerwehr.
- Fünf einfache Übungen machen Vielfalt spielerisch erlebbar: Welcome Diversity, Knobeln, Sich ein Bild machen, Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte und Balance.
- Alle Übungen dauern 10 bis 20 Minuten und brauchen kaum Material.
- Freiwilligkeit und Schutz der Privatsphäre sind überall wichtig. Niemand muss etwas preisgeben oder mitmachen.
- Die Übungen stammen aus dem DJF-Vielfaltsprojekt „Im Tandem für eine bunte Jugendfeuerwehrwelt“.
1. Welcome Diversity (10 Minuten)
- Ziel: Vielfalt sichtbar machen, aktivieren, kennenlernen.
- Gruppe: 7 bis 21 Jugendliche. Kein Material. Im Raum oder draußen.
- So geht es: Alle stehen im Kreis mit Abstand. Die Leitung liest Aussagen vor. Wer zustimmt, geht in die Mitte. Zum Beispiel: „Es gehen alle in die Mitte, die gut geschlafen haben / die in einem anderen Verein sind / die einen Freund im Ausland haben …“.
- Auswertung: Die Aussagen zeigen Merkmale, die Vielfalt ausmachen. Betone am Ende, dass es darum geht, verschiedene Seiten von Vielfalt sichtbar zu machen.
- Beachten: Wähle Aussagen, die zur Gruppe passen und niemanden bloßstellen.
2. Knobeln (10 Minuten)
- Ziel: Zeigen, dass Spiele verschiedene Namen und Formen haben, und unter Zeitdruck Absprachen einhalten.
- Gruppe: 8 bis 24 Jugendliche. Figurenanleitung als Material.
- So geht es: Zwei Teams. Es gibt drei Figuren: Tiger (Arme gestreckt, Hände wie Krallen, „Grrrr“), alte Frau (gebückt, geht am Stock) und Samurai (Arm wie ein Schwert, Ausfallschritt, „Ha!“). Jedes Team spricht sich ab, welche Figur alle darstellen. Auf Kommando zeigen beide Teams ihre Figur. Tiger schlägt alte Frau, Samurai schlägt Tiger, alte Frau schlägt Samurai.
- Idee dahinter: So wie man „Schere, Stein, Papier“ auch „Tsching, Tschang, Tschong“ nennt, sind viele Dinge unterschiedlich benannt. Das Team muss sich schnell einigen und an die Absprache halten.
3. Sich ein Bild machen (20 Minuten, plus 5 pro Kleingruppe)
- Ziel: Merken, dass jeder ständig andere einschätzt und Vorurteile hat, und erleben, wie es ist, wenn andere falsch über einen urteilen.
- Gruppe: 7 bis 21 Jugendliche. Blätter mit Fragen, Filzstifte, Klebeband, Musik. Drinnen.
- So geht es: Jeder bekommt ein Blatt mit Fragen auf den Rücken. Zur Musik geht man durch den Raum. Stoppt die Musik, beantwortet jeder die erste Frage auf dem Rücken des nächsten Kindes, ohne dass es die Antwort sieht. Dann weiter mit der nächsten Frage. Fragen können sein: Wieso bin ich in der Jugendfeuerwehr? Was ist mein Lieblingsessen? Wo möchte ich einmal leben? In was bin ich besonders gut? Was regt mich auf? Wichtig: Fair antworten und niemanden absichtlich schlecht beschreiben.
- Auswertung in Kleingruppen (etwa fünf Personen): Jeder liest, was über ihn steht. Passt es zu meinem Selbstbild? Wie fühle ich mich, wenn andere mich einschätzen? Gab es kränkende Antworten? Wie kommt Fremdwahrnehmung zustande?
- Beachten: Selbstbild und Fremdbild stimmen nicht unbedingt mit „der“ Wahrheit überein. Fremdbilder beruhen oft auf Äußerlichkeiten. Schütze die Privatsphäre.
4. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte (20 Minuten)
- Ziel: Über Aufstellen im Raum zeigen, wie vielfältig Lebenswege und Eigenschaften sind.
- Gruppe: 7 bis 21 Jugendliche. Vier Blätter mit den Himmelsrichtungen. Drinnen oder draußen.
- So geht es (örtlich): In der Mitte ist der Ort, an dem ihr seid. An den Rändern liegen Zettel mit Nord, Ost, Süd, West. Die Kinder stellen sich dorthin, wo ihr Geburtsort liegt, wo sie jetzt wohnen oder wo ihr weitester Urlaub war.
- So geht es (zeitlich oder alphabetisch): Die Kinder stellen sich ohne Sprechen in einer Reihe auf, zum Beispiel nach der Dauer in der Jugendfeuerwehr, nach Alter oder nach dem Anfangsbuchstaben des Vornamens.
- Beachten: Manche haben schon an vielen Orten gelebt, andere schon immer am selben. Gründe können freiwillig oder unfreiwillig sein, zum Beispiel Umzug der Familie, Flucht, Trennung, Schule oder Ausbildung. Die Leitung schützt die Privatsphäre.
5. Balance (20 Minuten)
- Ziel: Zeigen, dass Nachgeben und Flexibilität das Miteinander stärken.
- Gruppe: 8 bis 20 Jugendliche. Kein Material.
- So geht es: Zu zweit gegenüber, eine Armlänge Abstand, Handflächen aneinander. Wer die Füße bewegt, hat verloren. Man darf drücken, schieben oder auch nachgeben. Nach ein paar Minuten werden die Partner gewechselt. Nach zwei bis drei Wechseln weist die Leitung darauf hin: Es ist schwerer, jemanden aus dem Gleichgewicht zu bringen, der mit der Bewegung mitgeht.
- Auswertung: Es gibt verschiedene Strategien (Drücken, Schieben, Tempowechsel, Nachgeben). Übertrage das auf Zusammenarbeit, Konflikte und Verhandlungen: Wer flexibel reagiert, kommt leichter gemeinsam ans Ziel.
- Beachten: Es gibt Körperkontakt, darum ist die Teilnahme freiwillig. Weise darauf hin, aufeinander aufzupassen und keinen Kampf daraus zu machen. Es besteht Unfallgefahr, wenn jemand nach hinten fällt.
So setzt du es ein
- Passend wählen: Nicht jede Übung passt zu jeder Gruppe. Kenne die Besonderheiten deiner Jugendfeuerwehr.
- Gut auswerten: Ohne Gespräch bleibt es ein Spiel. Frage: Was habt ihr gemerkt? Wie hat es sich angefühlt? Was nehmen wir mit?
- Vorbildlich bleiben: Wer Vielfalt anspricht, sollte sie selbst leben.
- Mehr dazu: Siehe die Seiten Kinderrechte und Motivation und Umgang. Für ältere Gruppen gibt es außerdem Vielfalt und Migration.
Quelle
In eigenen Worten nach den Methoden 1 bis 5 aus „Gemeinsam Vielfalt gestalten!“ (Autor: Cihad Taşkın), angewandte Methoden aus dem DJF-Vielfaltsprojekt „Im Tandem für eine bunte Jugendfeuerwehrwelt!“, gefördert von der Motorola Solutions Foundation, veröffentlicht im Bildungsprogramm der Deutschen Jugendfeuerwehr (bildung.jugendfeuerwehr.de, Praxistipps).