Das Wichtigste in Kürze
- Mitglieder zu halten ist wichtiger, als neue zu werben. Wer einmal dabei ist und sich wohlfühlt, bleibt oft viele Jahre.
- Der häufigste Austrittsgrund ist „keine Lust mehr“. Laut der Jahresstatistik 2018 der Deutschen Jugendfeuerwehr nannten das 27 % der Ausgetretenen.
- Was bindet: Freundschaften, abwechslungsreiche Dienste, Mitbestimmung, Anerkennung und ein Betreuungsteam, das Freude hat.
- Nicht alles lässt sich verhindern. Umzug, Schule, Ausbildung und neue Interessen gehören zum Erwachsenwerden.
- Niemand soll gedrängt werden, in die Einsatzabteilung zu wechseln.
Warum kommen Kinder, und warum gehen sie?
Am Anfang stehen meist die Begeisterung für Fahrzeuge und Einsatzkräfte und oft der Berufswunsch „Feuerwehrfrau“ oder „Feuerwehrmann“. Eltern melden ihr Kind dann an. Mit der Zeit kommen Freundschaften, die Ausbildungsthemen, Wettbewerbe und Freizeiten dazu.
Gegenkräfte, die zum Austritt führen können:
- Wohnortwechsel
- Schulwechsel mit anderem Schwerpunkt
- Neue Interessen und Hobbys
- Andere Vereine und Verbände
- Zeitmangel durch Ganztagsschule und andere Termine, die sich überschneiden
- Der Leitungsstil des Betreuungsteams
- Die Zusammensetzung der Gruppe
Die Austrittsgründe in Zahlen
Die Deutsche Jugendfeuerwehr hat in ihrer Jahresstatistik 2018 nach den Gründen für Austritte gefragt:
- Keine Lust mehr: 27 %
- Stärkere andere Interessen: 17 %
- Sonstige Gründe: 15 %
- Wohnortwechsel: 13 %
- Schule oder Berufsausbildung: 12 %
- Wechsel in einen anderen Verein: 9 %
- Kein Interesse an der Einsatzabteilung: 5 %
- Ausschluss: 2 %
Was daraus folgt:
- Keine Lust (27 %): Hier hilft ein altersgerechtes, abwechslungsreiches Angebot. Für ältere Jugendliche kann es eigene Treffen mit mehr Tiefe geben.
- Andere Interessen (17 %): Das ist ein natürlicher Teil des Erwachsenwerdens. Du musst es nicht verhindern.
- Anderer Verein (9 %): Zeigt, dass die Feuerwehr mit Spaß, Wohlfühlatmosphäre und Mitbestimmung der Jugendlichen mithalten muss. Auch Kooperationen mit anderen Vereinen können helfen.
- Schule und Ausbildung (12 %): Flexible Angebote helfen, zum Beispiel gleiche Lerneinheiten zu mehreren Terminen.
- Kein Interesse an der Einsatzabteilung (5 %): Führt Gespräche und respektiert die Entscheidung.
Wie du Kinder und Jugendliche halten kannst
Konzept und Programm
- Baut die Ausbildung aufeinander auf und vermeidet Wiederholungen ohne Mehrwert.
- Gestaltet Themen spannend und mit Mitmachen.
- Plant Höhepunkte im Jahr: Zeltlager, Ausflüge, Spielenachmittage, Weihnachtsfeier.
- Wählt altersgerechte Methoden und plant Bewegung und Pausen ein. So werden Kinder weder über- noch unterfordert.
Haltung und Stimmung
- Ein Team, das sich abspricht und seine Aufgaben kennt, gibt Halt.
- Ein Team, das selbst Freude hat, steckt die Kinder an.
- Alle sollen sich willkommen und gleichberechtigt fühlen.
- Schätze die Besonderheit jedes Kindes. Das stärkt Toleranz und Offenheit.
Motivation und Bindung
- Macht Gemeinschaft und Freundschaft erlebbar.
- Zeigt, wie wertvoll Hilfe für andere ist.
- Nutzt äußere Anreize: interessante Dienste, Besuch bei einer Berufsfeuerwehr, Zeltlager, Wettkämpfe.
- Gebt Rückmeldung und Anerkennung, auch durch die Einsatzabteilung.
- Findet früh heraus, was die Jugendlichen interessiert und können. So passt der spätere Weg.
- Bindet Kinder und Jugendliche früh in das Umfeld der Wehr ein. Das erleichtert den späteren Übertritt.
Wie du auch die Betreuenden hältst
Viele Betreuende nennen die leuchtenden Augen der Kinder als Grund, weshalb sie dabei sind. Auf Dauer reicht das neben Beruf und Familie nicht. Gebraucht werden:
- Ein abgestimmtes Team mit gegenseitigem Respekt und klarer Aufgabenverteilung.
- Mindestens zwei Erwachsene für zehn Kinder, damit Verantwortung und Aufgaben geteilt werden.
- Mitsprache: Alle dürfen Ideen zur Planung einbringen.
- Gute Rahmenbedingungen: zum Beispiel eigene Umkleiden. Ein langer Streit um Räume und Geld zermürbt.
- Anerkennung von außen: Rückmeldung von Wehrleitung, Gemeinde und Eltern.
Ein Beispiel aus der Praxis
Die Landesjugendfeuerwehr Bremen hat die Kampagne „Ehrensache, ich mache weiter!“ gemacht. Ihr Leitgedanke: *Mitgliederwerbung ist Silber, Mitgliederbindung ist Gold.* Sie hat dazu einen Leitfaden für Betreuende, Jugendwarte und Wehrleitungen erstellt. Er beschreibt, warum Jugendliche in die Einsatzabteilung wechseln und welche Anforderungen dort auf sie warten.
Fragen zum Nachdenken
- Warum sind unsere Kinder bei uns? Wir fragen sie.
- Wann hat zuletzt jemand gesagt, wie er die Gruppenstunde fand?
- Welche zwei Dinge würden unsere älteren Jugendlichen gern anders machen?
Quelle
In eigenen Worten nach den Kapiteln „Vom Motiv zur Motivation“ und „Tipps zur Mitgliederbindung“ im Bildungsprogramm „Mehr ausBILDUNG“ der Deutschen Jugendfeuerwehr (bildung.jugendfeuerwehr.de). Die Zahlen stammen aus deren Jahresstatistik 2018. Der Bremer Teil beruht auf dem Leitfaden „Ehrensache – ich mache weiter“ der Jugendfeuerwehr Bremen (2015).