Das Wichtigste in Kürze
- Ein Übertritt ist ein Wechsel in eine neue Gruppe mit neuen Menschen. Gut vorbereitet fällt er leichter, und weniger Kinder gehen dabei verloren.
- Zwei Übergänge gibt es: von der Kindergruppe in die Jugendfeuerwehr und von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung.
- Bewährt hat sich ein fließender Übergang statt einem harten Schnitt: erst mitlaufen, dann wechseln.
- Feste Ansprechpersonen und Paten nehmen Unsicherheit.
- Rechte, Pflichten und Altersgrenzen regeln das Land und die Wehr. Frag bei Wehrführung und Landesverband nach.
Von der Kindergruppe in die Jugendfeuerwehr
Wann? Das Alter ist je nach Land verschieden. Die Deutsche Jugendfeuerwehr nennt als Regel zehn Jahre. Entscheidend sind das einzelne Kind und die Lage vor Ort.
Zwei Wege:
- Fließend: Die Dienstzeiten laufen parallel. Ab etwa 9 bis 9,5 Jahren wechseln die Kinder zwischen beiden Gruppen und treten mit zehn ganz über. So kennen sie Betreuende und Jugendliche vorher.
- Fester Termin: Der Übertritt findet an einem festen Tag statt, gern mit einer kleinen Feier. Vorher besuchen die Kinder einzelne Dienste der Jugendfeuerwehr.
Was hilft:
- In kleinen Gruppen wechseln, zwei bis drei Kinder zusammen. Freunde nicht trennen.
- Die Teams vernetzen. Die Betreuenden der Jugendfeuerwehr wissen, was die Kinder schon können, und bauen darauf auf. So gibt es Erfolgserlebnisse.
- Paten: Ältere Jugendliche besuchen die Kindergruppe schon vorher und sind dann bekannte Gesichter.
- Eltern einbinden: Ein Elternabend oder Einzelgespräche klären neue Dienstzeiten, Abläufe, Termine und Erwartungen.
- Ehemalige als Helfer: Jugendliche, die früher in der Kindergruppe waren, helfen dort mit. Der Kontakt bleibt.
Danach wird es anders: In der Kindergruppe geht es etwa zu 70 % um Soziales und zu 30 % um Technik. In der Jugendfeuerwehr ist das Verhältnis ungefähr ausgeglichen. Dazu kommen ein neues Team, neue Rituale und neue Rollen. Plant Zeit und Geduld ein, und beginnt mit Spielen zum Kennenlernen.
Von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung
Für viele Jugendliche ist der Wechsel selbstverständlich. Die Deutsche Jugendfeuerwehr nennt 69 % der über 16-Jährigen. Trotzdem gibt es Hürden und Möglichkeiten, sie abzubauen:
- Konkurrenz: Sportvereine und andere Verbände werben dieselben Jugendlichen. Bietet etwas, das zu den Wünschen der Jugendlichen passt.
- Zeitaufwand: Viele wissen nicht, was auf sie zukommt. Einsätze sind nicht planbar. Sprecht offen mit Jugendlichen und Eltern. Schule und Ausbildung dürfen im Zweifel Vorrang haben.
- Kennenlernen: Die Neuen kennen oft einzelne, aber nicht die ganze Einsatzabteilung. Gemeinsame Übungen und Veranstaltungen helfen. Stellt die Neuen beim ersten Dienst namentlich vor.
- Rauer Ton: In der Einsatzabteilung geht es manchmal direkter zu. Führungskräfte sollten den Ton bewusst wählen.
- Wartezeit: Lange Wartezeit demotiviert. Früh einkleiden und einen Meldeempfänger zu geben, zeigt Zugehörigkeit.
Was sich Jugendliche wünschen:
- Respekt auf Augenhöhe
- Anerkennung dessen, was sie schon können
- Keine Überforderung
- Geduld und eine gute Fehlerkultur
- Feste Ansprechpersonen
- Mitbestimmung, abwechslungsreiche Dienste, Spaß und Kameradschaft
- Rücksicht auf ihre neue Rolle als Erwachsene
Mögliche Schritte (Beispiel Hamburg)
Die Deutsche Jugendfeuerwehr nennt diese Schritte als Orientierung. Landes- und Wehrregeln gehen vor, auch in Brandenburg.
- Übertrittsgespräch mit der Jugendlichen oder dem Jugendlichen, Eltern, Wehrleitung und Jugendwart
- Probedienste
- Aufnahme auf Probe nach Abstimmung der Wehr
- Aufnahmeantrag
- Führungszeugnis beantragen
- Ärztliche Untersuchung zur Feuerwehrtauglichkeit
- Einkleidung und Rückgabe der Jugendkleidung
- Grundausbildung und Abnahme
- Endgültige Aufnahme
- Feierliche Anerkennung
Das Übertrittsgespräch
- Wer: Die oder der Jugendliche, die Wehrleitung, der Jugendwart und die Eltern. Möglichst alle, die Verantwortung tragen.
- Wie: Wertschätzend. Erwartungen, Fragen und Sorgen bekommen Raum.
- Wovon: Rollenwechsel, neue Anforderungen, Zeitpunkt, Teilnahme an Übungs- und Einsatzdiensten, Untersuchung, Ablauf der Grundausbildung. Dabei gelten weiter Jugendschutz und Aufsichtspflicht.
Patenschaft
Eine feste Ansprechperson in der Einsatzabteilung hilft sehr. Sie sollte einfühlsam sein, Freude an der Aufgabe haben, Fehler verständnisvoll behandeln und in der Einsatzabteilung anerkannt sein. Der Pate nimmt Unsicherheit, hilft bei Formularen, Kleidung und Lehrgangsanmeldung, führt in die Gruppe ein und weist behutsam auf Fehler hin. Er findet das Gleichgewicht zwischen Führen und Loslassen.
Wer macht was?
- Jugendwart: kennt die Jugendlichen und bleibt auch nach dem Wechsel ansprechbar, als Rückhalt und Türöffner.
- Wehrleitung: plant und begleitet den Übergang, nimmt am Gespräch teil, bereitet die Führungskräfte vor und besucht schon vorher Treffen der Jugendfeuerwehr.
- Eltern: werden in alle Absprachen einbezogen, besonders beim Zeitaufwand.
Das Wichtigste in einem Satz
Der Übertritt beginnt in den Köpfen der Verantwortlichen, lange bevor die Altersgrenze erreicht ist. Er gelingt, wenn man die Sicht der Jugendlichen einnimmt und sie teilhaben lässt.
Quelle
In eigenen Worten nach den Kapiteln „Übertritt Kindergruppe/Jugendfeuerwehr“ und „Übertritt Jugendfeuerwehr/Einsatzabteilung“ im Bildungsprogramm „Mehr ausBILDUNG“ der Deutschen Jugendfeuerwehr (bildung.jugendfeuerwehr.de). Die Schritte sind ein Beispiel aus Hamburg und keine Brandenburger Vorgabe.