Medienpädagogik in der Jugendfeuerwehr

Pädagogische Grundlagen

Entwurf: noch nicht von Jugendwarten fachlich geprüft

Das Wichtigste in Kürze

  • Medienpädagogik hat zwei Seiten: Medien gut einsetzen (Mediendidaktik) und Kindern helfen, Medienkompetenz zu erwerben (Medienerziehung).
  • Fünf Ansätze gibt es: bewahrend, reparierend, aufklärend, alltagsorientiert-reflexiv und handlungsorientiert. In der Jugendarbeit passt oft der handlungsorientierte.
  • Nicht das Medium bringt den Lernerfolg, sondern die gute Planung dahinter.
  • Du musst nicht alles wissen. Kinder haben oft schon viel Wissen. Du bist Begleiter, Berater und Moderator.
  • Du bist Vorbild: Auch dein Umgang mit dem Smartphone und mit Fotos wird beobachtet.

Zwei Aufgaben

  • Mediendidaktik: Fachwissen und Fertigkeiten mit Hilfe von Medien vermitteln, digital wie analog (auch Bücher und Texte). Der Lernerfolg hängt von der didaktischen Planung ab, nicht vom Medium. Eine Präsentation ist nicht automatisch besser als ein Vortrag.
  • Medienerziehung: Kindern helfen, reflektiert, kritisch und verantwortungsvoll mit Medien umzugehen. Sie beginnt früh, schon beim Bilderbuch, und findet im Elternhaus, in der Schule und in der Jugendarbeit statt.

Fünf medienpädagogische Ansätze

  1. Bewahrend: Schutz vor schädlichen Inhalten (Gewalt, Pornografie, Mediensucht) durch Jugendmedienschutz, medienfreie Zeiten und das Stärken der Widerstandskraft.
  2. Reparierend: Medieneinflüsse lassen sich nicht immer vermeiden. Dann hilft das Gespräch beim Verarbeiten. Oft stecken belastende Lebensumstände dahinter, die Medienkonsum nur ausgleichen soll.
  3. Aufklärend: Wissen über Medien vermitteln und einen Blick hinter die Kulissen erlauben. So wächst Medienkritik. Gut vor- und nachbereiten, denn Faszination kann auch steigen.
  4. Alltagsorientiert-reflexiv: Den eigenen Medienalltag betrachten: Welche Bedürfnisse, Rituale und Wirkungen gibt es? Ziel ist ein bewussterer Umgang.
  5. Handlungsorientiert: Kinder werden selbst Medienmacher, zum Beispiel mit Zeitungsseiten, Radio- oder Social-Media-Beiträgen und Werbespots. Wichtig sind gemeinsame Reflexion und Fragen zu Privatsphäre und öffentlicher Präsenz.

Tipp: In der Jugendarbeit wird meist handlungsorientiert gearbeitet. Nur einen Ansatz zu nutzen wäre zu wenig. Je nach Lage und Gruppe können alle sinnvoll sein.

Was du als Gruppenleitung tust

  • Angebote auswählen und medial aufbereiten.
  • Vorher und nachher mit den Kindern sprechen: Wünsche einbeziehen, gemeinsam reflektieren (Spaß, Lernerfolg).
  • Rollen wechseln: Wissen vermitteln, moderieren, beraten und selbst lernen. Kinder können oft mehr, als du denkst. Du musst nicht alles wissen.
  • Nicht allein lassen: Erwachsene unterstützen methodisch, damit Medien nicht nur konsumiert, sondern als nützlich erkannt werden.

Medien einschätzen

Vier Fragen helfen:

  • Ist das Medium vertretbar?
  • Ist es stimmig, verständlich und gut gemacht?
  • Ist es glaubwürdig und gültig?
  • Ist es relevant für uns?

Medien beim Lehren einsetzen

  • Chancen: Der Sehsinn wird angesprochen. Man erreicht Menschen an anderen Orten (zum Beispiel per Videokonferenz). Inhalte sind unabhängig von Ort und Zeit abrufbar. Selbstgesteuertes und gemeinsames Lernen wird möglich. Online- und Präsenzphasen lassen sich verbinden.
  • Abwägen: Kosten und Nutzen, Zugänglichkeit für alle und die Voraussetzungen der Kinder.
  • Nachher reflektieren: Was hat funktioniert? Welche Rolle hatte ich?

Beispiel Knoten: Du erklärst den Knoten und die Kinder machen ihn nach (Wissensvermittlung). Oder die Kinder drehen Erklärvideos, in denen sie den Knoten selbst erklären. Dann kommen Sprache, Zusammenarbeit und Medientechnik (Kamera, Bildaufbau, richtiger Inhalt) dazu.

Handlungsempfehlungen für Betreuende

  • Regeln gemeinsam festlegen für die Mediennutzung in der Jugendfeuerwehr und Nutzungsvereinbarungen besprechen.
  • Den eigenen Medienumgang prüfen und Vorbild sein.
  • Mit Fotos und eigenen Bildern bewusst umgehen, auch Sexting und Sexismus ansprechen.
  • Selbstdarstellung und Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Medien prüfen.
  • Persönliche Daten im Netz schützen lernen und vermitteln.
  • Cybermobbing, Hass und Gewalt im Netz thematisieren.
  • Ansprech- und Vertrauensperson sein, offen für Chancen und bereit, von den Kindern zu lernen.
  • Medienkritik üben und selbst medienpädagogisch dazulernen.
  • Informationsquellen: KIM- und JIM-Studien, „Schau hin!“, klicksafe und die Landesmedienanstalten.

Ideen für Gruppenstunden

  • Erklärvideos zu Knoten, Geräten oder dem Notruf drehen.
  • Werbespot oder Social-Media-Beitrag für die Jugendfeuerwehr gestalten, mit Regeln zu Fotos und Datenschutz.
  • Fake News erkennen: Quellen prüfen und seriöse von unseriösen Informationen unterscheiden.
  • Gezielt im Internet suchen und Suchmaschinen nutzen lernen.
  • Memes und Nachrichten gestalten, zum Beispiel „Gutes tun, Gutes berichten“.
  • Medienvereinbarungen gemeinsam erarbeiten.

Rahmenbedingungen

Damit das gelingt, muss die Jugendfeuerwehr Medienpädagogik wollen und unterstützen. Geräte müssen angeschafft werden können, und Gruppenleitende brauchen bei Bedarf Fortbildungen und Ideen.

Fragen zum Nachdenken

  • Welchen Ansatz nutzen wir bisher am meisten?
  • Wann haben die Kinder zuletzt selbst etwas mit Medien erstellt?
  • Was wissen die Kinder, das ich von ihnen lernen kann?

Quelle

In eigenen Worten nach den Seiten „Medienpädagogik“ (Autorin: Isabell Schlick, Saarländische Jugendfeuerwehr) und „Medienpädagogische Handlungsempfehlungen“ im Bereich „Medien in der Jugendfeuerwehr“ des Bildungsprogramms „Mehr ausBILDUNG“ der Deutschen Jugendfeuerwehr (bildung.jugendfeuerwehr.de). Die medienpädagogischen Ansätze folgen Süss, Lampert und Wijnen (2010).