Busbrand: Warum die Zeit zur Selbstrettung so kurz ist

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Etwa 80 Prozent der Busbrände entstehen im Motorraum. Seit 2016 sind Motorlöschanlagen in den europäischen Regeln verankert und sollen nach einer Übergangsfrist für alle Busse verbindlich werden.
  • Brände im Innenraum sind seltener, aber wegen der rasanten Brand- und Rauchausbreitung besonders gefährlich. In einem modernen Reisebus ist die größte Brandlast nicht mehr der Treibstoff, sondern die Innenraummaterialien (viel Kunststoff).
  • Bei mehreren Ereignissen dauerte es deutlich weniger als fünf Minuten von der Brandentstehung bis zum Vollbrand. Beim Eintreffen der Feuerwehr kann der Übergang zum Vollbrand schon stattgefunden haben. Wer sich bis dahin nicht selbst gerettet hat, dem kann die Feuerwehr oft nicht mehr helfen.
  • Besonders gefährdet: mobilitätseingeschränkte Personen und Brände nach einem Unfall mit austretendem Kraftstoff.
  • Das Positionspapier von DFV, vfdb und AGBF (26. September 2017) fordert strengere Vorgaben für Materialien, Rauchfreisetzung und Wärmefreisetzung sowie bessere Schulung der Fahrer.

Warum Busbrände so gefährlich sind

  • Beispiele aus der Praxis: Der Busbrand 2008 bei Hannover und 2017 auf der A 9 bei Hof zeigten, dass die Zeit für eine Selbstrettung zu kurz sein kann. Bei Bränden 2011 (A 4 in Hessen) und 2012 (A 7 bei Soltau) retteten sich Schüler nur durch einen Sprung aus den Fenstern. Auf der A 3 im Westerwald (April 2017) konnten Rollstuhlfahrer nur durch Ersthelfer rechtzeitig gerettet werden. In Frankreich starben 2015 bei einem Busbrand 43 Menschen.
  • Wo es brennt: Etwa 80 Prozent der Busbrände beginnen im Motorraum. Brände außerhalb des Motorraums, die sich im Innenraum ausbreiten, sind selten, aber wegen der dokumentierten rasanten Brand- und Rauchausbreitung besonders gefährlich.
  • Materialien: In den letzten Jahrzehnten hat der Kunststoffanteil stark zugenommen. In einem modernen Reisebus ist die größte Brandlast nicht mehr der mitgeführte Treibstoff, sondern der Innenraum.
  • Vorschriften: Die Brandschutzanforderungen für Busmaterialien liegen deutlich unter denen für Personenzüge, Schiffe und Flugzeuge. Die geltenden Vorschriften gehen auf die 1960er-Jahre zurück, damals sollte ein Fahrzeug nicht durch Raucherutensilien in Brand geraten. Getestet wird mit verhältnismäßig kleinen Zündquellen, eine Begrenzung von Wärme- und Rauchfreisetzung gibt es nicht. Hohe Wärmefreisetzung begünstigt eine schnelle Brandausbreitung.
  • Rauch: Er behindert die Sicht, ist giftig und schränkt die Fluchtmöglichkeiten stark ein.
  • Kraftstoff: Nach einem Unfall ausgetretener Kraftstoff kann den Brand stark beschleunigen. Das wird beim Brand in Frankreich 2015 und auf der A 9 2017 als weiterer Faktor für die heftige Ausbreitung vermutet.
  • Vergleich: Wegen der hohen Personendichte ist ein Reisebusbrand nicht mit einem Wohnungsbrand vergleichbar. Linienbus und Straßenbahn oder Reisebus und Fernzug haben vergleichbare Risiken, aber sehr unterschiedliche Vorschriften.
  • Motorlöschanlagen: Sie sind laut Papier ein großer Fortschritt für Brände im Motorraum. Brände außerhalb des Motorraums sind seltener, aber besonders gefährlich.

Was das Papier fordert

  • Gesamtkonzept für die Brandsicherheit in Bussen inklusive Normierung.
  • Begrenzung der Entflammbarkeit und der Wärmefreisetzung der Materialien, um die Selbstrettungszeit zu verlängern. Laborprüfung in vertikaler Anordnung als Mindestanforderung.
  • Begrenzung der Rauchfreisetzung und Beachtung der Toxizität der Brandgase.
  • Begrenzung der Brandentwicklungsgeschwindigkeit und der Gesamtwärmefreisetzung (wichtig für Tunnel und Depothallen).
  • Zulassung von Materialien nach DIN EN 45545-2 (Schienenfahrzeuge) ohne weitere Prüfung auch für Busse.
  • Überprüfung der Regeln zu mitgeführten brennbaren Flüssigkeiten (Betriebsstoffe).
  • Brandsicherheit elektrischer Komponenten (Entstehung durch Kurzschluss, Weiterleitung).
  • Schulung der Fahrer zu den Räumungszeiten, auch mit Blick auf immer ältere Fahrgäste.

Was heißt das für dich?

  • Die Zeit ist kurz: Bei einem Busbrand zählt jede Minute. Bei Eintreffen kann schon ein Vollbrand vorliegen. Die Selbstrettungszeit ist knapp, mobilitätseingeschränkte Personen sind besonders gefährdet und brauchen oft Hilfe.
  • Motorraumbrand ist die Regel, Innenraumbrand die Ausnahme, aber mit schneller Rauchausbreitung. Zu Brandbekämpfung am Fahrzeug siehe LKW- und Fahrzeugbrand, zu Unfällen mit Bussen Verkehrsunfall mit LKW und Bus.
  • Nach Unfällen: Auslaufender Kraftstoff kann den Brand stark beschleunigen.
  • Alternative Antriebe (Elektrobusse) bringen eigene Gefahren, siehe Alternative Antriebe.
  • Das Papier ist ein Positionspapier von 2017 und beschreibt Forderungen, keine aktuell geltenden Vorschriften.
Quelle
Positionspapier „Empfehlungen zur Verbesserung der Brandsicherheit von Bussen“ (2017-4), Deutscher Feuerwehrverband, vfdb und AGBF, 26. September 2017
Brandentstehung
etwa 80 % im Motorraum
Zeit bis Vollbrand
bei verschiedenen Ereignissen deutlich weniger als fünf Minuten
Größte Brandlast moderner Reisebus
Innenraummaterialien statt Treibstoff
Materialvorschriften
gehen auf die 1960er-Jahre zurück (Raucherutensilien als Zündquelle)
Forderung
Materialien nach DIN EN 45545-2 (Schienenfahrzeuge) ohne weitere Prüfung für Busse zulassen
Beispiele
A 9 bei Hof 2017, Hannover 2008, A 4 Hessen 2011, A 7 Soltau 2012, A 3 Westerwald 2017, Frankreich 2015 mit 43 Toten

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