Vorgehen im Rauch: Orientierung, Seitenkriechgang und Stress

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Rauch zählt Orientierung vor Tempo. Der Trupp bleibt an einer Wand, tastet den Nahbereich ab und behält die Rauchschicht über dem Kopf im Blick.
  • Sind die eigenen Füße nicht mehr zu sehen, geht der Trupp tief: hocken oder kriechen, am besten im Seitenkriechgang.
  • Stress sinkt durch Drill. Geräte, Anlegen der PSA und feste Abläufe müssen so sitzen, dass sie ohne Nachdenken klappen.

Orientierung an der Wand

  • Der Trupp wählt eine Seite: Er geht rechts- oder linkshändig an einer Wand entlang. Die Seite wird mit dem Gruppenführer abgesprochen, damit sich die Trupps nicht gegenseitig im Weg sind und Räume nicht doppelt oder gar nicht abgesucht werden.
  • Warum Wand? Sie gibt eine feste Orientierungslinie und führt zurück. Wer mitten im Raum geht, verliert in Sekunden die Richtung.
  • Rückweg sichern: Die Angriffsleitung dient als Leitlinie. Der Trupp bleibt damit verbunden mit dem Ausgang.
  • Räume nacheinander absuchen und Türen nach dem Absuchen markieren, damit der folgende Trupp weiß, was erledigt ist.

Körperhaltung und Abtasten

  • Schwerpunkt nach hinten verlagern. Wer das Gewicht über den vorderen Fuß schiebt, stürzt bei einem Loch oder einer fehlenden Stufe.
  • Ein Bein nach vorn ausstrecken und damit den Boden vor sich abtasten. Das Standbein trägt das Gewicht.
  • Werkzeuge als verlängerter Arm: Mit dem Stiel einer Axt lassen sich Hindernisse und schlecht erreichbare Stellen, zum Beispiel Betten, absuchen, ohne den Körper vorzuschieben.
  • Hindernisse und Personen werden vorsichtig ertastet. Gerade im dichten Rauch liegen Opfer oft unter Decken, in Betten oder hinter Türen.

Seitenkriechgang

  • So geht es: Der Trupp geht in die Hocke, ein Bein wird nach vorn ausgestreckt, das Körpergewicht liegt hinten. So bewegt man sich seitlich vorwärts.
  • Warum?
  • Die Rauchschicht über dem Kopf bleibt im Blick. Wer Rauchbewegung und Verfärbung sieht, erkennt Gefahr früher.
  • Das ausgestreckte Bein tastet den Nahbereich ab.
  • Der Schwerpunkt liegt weit hinten, die Absturzgefahr sinkt.
  • Geeignet im Brandraum und im stark verrauchten Bereich. Bei Durchzündungsgefahr bleibt der Trupp tief, weil die heißen Gase oben liegen. Siehe Rauch lesen.
  • Kurzer Merksatz: Tief, Gewicht hinten, Bein vor, Rauch im Blick.

Stressresistenz

  • Stress lässt sich nicht wegtrainieren, aber abmildern. Wer die Geräte sicher beherrscht, hat im Einsatz Kapazität für Lage und Gefahren.
  • Technik muss sitzen: Schutzkleidung und Pressluftatmer anlegen, Strahlrohr bedienen, Fehlersuche am Hohlstrahlrohr (Spülstellung), Schlauchtragekorb. Alles, was die Wehr vor Ort hat, wird geübt.
  • Drill statt Hektik: Bestimmte Handgriffe werden drillmäßig geübt, damit sie ohne Nachdenken ablaufen.
  • Standards: Bei jeder Alarmierung, auch bei Brandmeldeanlagen, wird die komplette PSA angelegt (Haube, Tuch, Funk, Pressluftatmer). So sitzen die Handgriffe, wenn es beim echten Zimmerbrand mit Menschen in Gefahr ernst wird.
  • In Gebäuden üben, am besten in Übungsanlagen mit echten Bedingungen: Hitze, Rauch, enge Wege, Dunkelheit.
  • Stressanzeichen früh erkennen: schnelle Atmung, Tunnelblick, nachlassende Absprache. Dann Pause, Luftkontrolle, Meldung an den Gruppenführer. Siehe Atemschutznotfall.

Was heißt das für dich?

  • Wand, Bein vor, Gewicht hinten.
  • Keine Füße mehr zu sehen: runter auf den Boden.
  • Was du in Ruhe oft übst, klappt im Stress.

Siehe auch: Innenangriff unter Atemschutz, Rauch lesen, Tür-4-Punkte-Check, Atemschutzüberwachung.

Orientierung
an einer Wand entlang, rechts oder links nach Absprache mit dem Gruppenführer
Sicht verloren
eigene Füße nicht mehr sichtbar: bodennah vorgehen
Seitenkriechgang
Hocke, ein Bein nach vorn gestreckt, Gewicht nach hinten
Nahbereich abtasten
ausgestrecktes Bein, Axt oder Werkzeug als verlängerter Arm
Stressvorbeugung
Standards, Drill, volle PSA bei jeder Alarmierung

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