Das Wichtigste in Kürze
- H:VU LKW/Bus: Lkw- oder Busunfall, Lkw gegen Pkw/Lkw/Bus. Laut Katalog Zug mit 2 LF, 2 THL-Sätze und Arbeitsbühne, Führung MZF oder ELW 1, Rettungsdienst mit MANV-Stufe.
- Lkw: Fahrerhaus sofort mit Spanngurten sichern, dreifacher Brandschutz, zweiten Rettungssatz erwägen. Fahrgestell (Leiterrahmen) nie mit Hydraulik schneiden.
- Höhe verringern (Rettungsplattform, Fahrerhaus pneumatisch absenken, Reifen entlüften). Federspeicher der Bremse beachten.
- Bus: sehr wahrscheinlich MANV, Verletztenablage und Bereitstellungsraum weit entfernt, Notausstiege nutzen, Antriebsart feststellen, dreifacher Brandschutz.
- Bergung des schweren Fahrzeugs durch Kran und Bergeunternehmen, die Feuerwehr sichert und rettet.
- Stichwort
- H:VU LKW/Bus (Nr. 8 im Katalog)
- Beispiele laut Katalog
- LKW-/Busunfall, LKW gegen PKW/LKW/Bus
- Taktische Einheit
- Zug
- Löschmittel
- 2.000 l
- Fahrzeuge
- 2 LF
- Besondere Einsatzmittel
- 2 THL-Sätze + Arbeitsbühne
- Führungskomponente
- MZF oder ELW 1
- Rettungsdienst-Stichwort
- ja
- Rettungsmittel
- ohne Personen in Gefahr: RTW; mit Personen in Gefahr: RTW + NA; zusätzlich: MANV-Stufe
- Hinweis
- Welche Kräfte für das Stichwort ausrücken, steht in der Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr, die Katalogwerte sind nur Hinweise. Vor Ort entscheidet der Einheitsführer. Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.
Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.
Lkw-Unfall
Lage und Gefahren
- Fahrerhaus: Schutzkäfig aus hochfesten Stählen, Türen bis etwa 100 kg, Frontscheibe etwa 35 kg. Es ist nur aufgesetzt und kann sich verschieben.
- Kraftstoff: oft weit über 1.000 Liter. Kühlauflieger haben einen eigenen Dieselmotor (Start-Stop-Automatik!). Zusatzheizungen teils mit Gas.
- Ladung: bis etwa 30 Tonnen, oft mangelhaft gesichert. Gefahrgutkennzeichen prüfen (siehe Seite „Kennzeichnung: Warntafel, UN-Nummer, Gefahrzettel“).
- Druckluftbremse: Federspeicher können beim Druckverlust unkontrolliert wirken.
- Gefahrguttransporter haben Not-Aus-Schalter im Fahrerhaus und hinter der Beifahrerseite.
Sichern und Retten Schritt für Schritt
- Absichern (Verkehr), Brandschutz dreifach, zweiten hydraulischen Rettungssatz nachalarmieren.
- Fahrerhaus mit Spanngurten sichern (nur aufgesetzt).
- Erstzugang: Tür öffnen, alternativ Frontscheibe, Dachluke oder Rückwand (tragbare Leitern).
- Höhe verringern: Rettungsplattform (Drehleiter, Ladefläche eines anderen Lkw), Fahrerhaus pneumatisch absenken (bis etwa 30 cm, solange die Batterie angeschlossen ist), Reifen kontrolliert entlüften.
- Tür herausspreizen, A-Säule und Türholm nicht in einem Schnitt trennen, A-Säule schräg durchschneiden.
- Entlastungsschnitt im Schweller etwa 20 cm von der A-Säule (Verstärkungen beachten).
- Front mit Rettungszylinder wegdrücken, an der Schlossseite Schwelleraufsatz nutzen, bei Bedarf zweiten Zylinder an der ehemaligen A-Säule ansetzen, danach Frontpartie sichern (Spanngurt).
- Motor stoppen: wenn der Schlüssel unerreichbar ist, kann ein CO₂-Löscher den Motor abwürgen.
- Patient mit dem Rettungsdienst abstimmen: Fahrersitz und Lenksäule sind oft elektrisch oder pneumatisch verstellbar.
Typische Fehler
- Fahrgestell (Leiterrahmen) mit Hydraulikgerät geschnitten.
- Fahrerhaus nicht gesichert.
- Federspeicher unterschätzt.
- Ladungsrisiko ignoriert.
- Brandschutz nur einfach.
- Keine Höhenreduktion vor der Rettung.
Container mit Flexitank
Seit Ende der 1990er Jahre transportiert man Flüssigkeiten auch in Flexitanks: flexiblen Blasen aus Polyethylen oder PVC-Laminat, die lose in 20- oder 40-Fuß-Containern liegen. Sie fassen 10 bis 24 m³. Transportiert werden Lebensmittel (Wein, Fruchtsäfte, Speiseöle, Fette) und industrielle Flüssigkeiten (Farben, Schmieröle, Wachse, Transformatorenöle, Dünger, Herbizide). Für Gefahrgut nach ADR sind Flexitanks nicht zugelassen. Die Blase muss immer zu 100 % des Nennvolumens gefüllt sein. Sie hat ein Sicherheitsventil und ein Top- oder Bodenauslaufventil, und die Türseite des Containers ist mit einer Spundwand (Bulkhead) gegen Verrutschen gesichert.
Bei einem Unfall mit einem Container:
- Kennzeichnung suchen, die auf einen Flexitank hinweist, und feststellen, ob Flüssigkeit austritt und wie der Container liegt. Mit Verletzten oder Eingeklemmten rechnen.
- Gefahr Einsturz oder Herausdrücken: Öffnet man die Containertür unsachgemäß, kann die Blase mit der Spundwand herausdrücken und Kräfte gefährden. Oft schützt die verschlossene (verplombte) linke Tür das Verschieben. Es gibt nicht immer Kennzeichnungen.
- Vor dem Öffnen den Fahrer zur Ladung befragen, gegebenenfalls den Versender.
- Kranen: Der Schwerpunkt kann sich verlagern, der Container ist eine Last mit labilem Schwerpunkt. Dann ist eine Entleerung angezeigt. Umgestürzte Container vorsichtig bewegen.
- Ausbreitung: Auch ohne Gefahrgut kann die Ladung Umwelt und Einsatzkräfte gefährden. Große Mengen Milch schaden zum Beispiel Flora und Fauna.
Busunfall
Lage und Gefahren
- MANV wahrscheinlich: Leitenden Notarzt und Organisatorischen Leiter Rettungsdienst nachfordern.
- Antrieb feststellen (Diesel, Gas, Elektro, Hybrid), dreifacher Brandschutz.
- Reisebusse: Toiletten- und Schlafkabinen (kleine Bullaugen-Fenster), Gepäckräume kontrollieren.
- Linienbusse: Haltestellenbremse wirkt nur schwach, elektronisch, nach Abklemmen der Batterie funktioniert sie nicht.
- Frontscheibe bis etwa 150 kg. Doppeldecker: untere Scheiben haben tragende Funktion.
- Enge Treppen: oft nur Spineboard statt Trage.
Vorgehen Schritt für Schritt
- Lage melden, MANV anfordern, Verletztenablage und Bereitstellungsraum weit vom Unfallort einrichten.
- Antriebsart feststellen, dreifacher Brandschutz.
- Notausstiege und Dachluken öffnen oder vergrößern, Haltestangen und Sitze mit Rettungsschere entfernen.
- Fahrgäste aus dem Fahrzeug führen, Sammelplatz einrichten, Sichtung durch Rettungsdienst, Unverletzte betreuen.
- Komplette Fahrzeugkontrolle (Verstecke, Kabinen, Gepäckraum).
- Bergung durch Kran und Bergeunternehmen, Feuerwehr sichert.
Typische Fehler
- Bereitstellungsraum zu nah am Unfallort.
- Falsche Bremsannahmen (Linienbus).
- Übersehene Verstecke (Schlafkabine, Gepäckraum).
- Antrieb nicht geprüft.
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