Das Wichtigste in Kürze
- Das Wetter bestimmt, wohin sich Gas und Rauch bewegen. Wichtig sind Wind (Richtung und Geschwindigkeit), Bewölkung, Tageszeit und die Schichtung der Luft (labil, neutral, stabil).
- Wetterhilfsmeldung: Wo kein Wetterdienst misst, beobachtest du selbst Sicht, Bewölkung, Bodenzustand, Wind, Wettererscheinungen und Temperatur und gibst sie an Fachberater oder den Deutschen Wetterdienst weiter.
- Inversion (oben wärmer als unten) sperrt die Luft nach oben ab. Abgase und Gaswolken bleiben bodennah und konzentriert, auch in Tälern und Kesseln.
- Geruchsmeldungen ohne erkennbare Quelle: Ursache systematisch suchen, Meldungen der Leitstellen auswerten, Deutschen Wetterdienst für Ausbreitungsrechnung einbinden, Bevölkerung informieren.
Wetterhilfsmeldung
Die Meldung nennt: Standort (UTM-Koordinaten), Datum und Uhrzeit, dazu folgende Beobachtungen:
- Sicht: Tag: größte Entfernung, in der ein Objekt (Gebäude, Mast, Kirchturm) vor hellem Horizont noch erkennbar ist, bei unterschiedlichen Richtungen die kürzeste. Nacht: Entfernung einer gerade noch sichtbaren Lichtquelle, der Beobachter geht mindestens 5 Minuten vorher in die Dunkelheit.
- Bewölkung: in Achteln des Himmels, Art unerheblich, bei Dunkelheit die Fläche ohne sichtbare Sterne. Wolkenart: dichte Wolken (verdecken Sonne, Mond, Sterne vollständig) oder dünne.
- Bodenzustand: feucht (nach Regen oder Tau, keine Pfützen) oder nass (Pfützen).
- Windrichtung (woher): auf volle 10 Grad gerundet. Ohne Messgerät: Rauchfahnen, Fahnen (in unmittelbarer Nähe) oder leichte Teilchen ausstreuen (Abstand zehnfache Höhe des nächsten Hindernisses).
- Windgeschwindigkeit: Mittelwert über 10 Minuten. Normal in 10 m Höhe gemessen, am Boden (bis 2 m) den Wert mit 1,3 multiplizieren. Messgerät im freien Feld (Abstand zehnfache Hindernishöhe).
- Wettererscheinungen: Nebel (Sicht unter 1 km, Bodennebel unter Augenhöhe zählt nicht), Regen (jeder flüssige Niederschlag), Gewitter (sobald Donner zu hören ist, bis 15 Minuten nach dem letzten Donner).
- Lufttemperatur: in 2 m Höhe, nicht in der Sonne.
Schichtung der Atmosphäre
- Sehr labil (Klasse A nach Pasquill): Sommertage, wolkenarm oder windschwach, um die Mittagszeit.
- Labil (B): tags, windschwach, wenig Bewölkung.
- Neutral bis leicht labil (C): tags, mittlere Windgeschwindigkeit, bedeckt.
- Neutral (D): Tag und Nacht, höhere Windgeschwindigkeit.
- Leicht stabil (E): nachts, windschwach, bedeckt.
- Stabil (F): nachts, windschwach, wenig Bewölkung.
- Labil heißt gute Durchmischung (nachmittags im Sommer), stabil heißt schlechte Durchmischung (windschwache Nacht), Gase bleiben bodennah.
Ausbreitungstypen einer Abgasfahne
- Looping: labile Schichtung, Fahne schlängelt sich. Der Boden wird nahe an der Quelle belastet, die Belastung nimmt schnell ab. Typisch für sonnige Sommernachmittage.
- Coning: neutrale bis leicht stabile Schichtung, kegelförmige Fahne, geringe Verdünnung, berührt den Boden nicht direkt. Typisch bei bewölktem Wetter.
- Fanning: Inversion, die Fahne steigt bis zur Inversionsschicht, wird kaum verdünnt und bleibt weit konzentriert. Bodennah geringe Belastung, aber hoch an Geländeerhöhungen. Nachts und bei Tiefdruck, oft Vorstufe zur Fumigation.
- Lofting: Inversion am Boden, ihre Obergrenze auf oder unter der Schornsteinhöhe, die Emission liegt darüber. Schadstoffe sinken höchstens bis zur Obergrenze der Inversion ab.
- Fumigation: schädlichste Lage: labile Schichtung am Boden und Höheninversion darüber. Die Gase mischen sich nur in Bodennähe, bei langer Dauer reichern sie sich drastisch an, besonders in Tälern und Kesseln und in Ballungsräumen.
Geruchsbelästigungen im Freien
- Ursachensuche (Quellen): Industrie und Gewerbe (Mineralöl, Gießereien, Kokereien, Papier, Zucker, Brauereien, Kosmetik, Kraft- und Müllverbrennung), Landwirtschaft (Düngung, Biogas, Kompost), Kanalisation und Kläranlagen, Faulgase aus stehenden Gewässern, extremes Niedrigwasser, schlecht gewartete Feststofffeuerungen, Pipelines, Betriebsstoffe aus Flugzeugen (Schneisen), Entlüftung von Schiffen, Erdgas samt Odorierstoff. Informationen bei Umweltämtern, Betreibern, Flughäfen und Wasserschutzpolizei einholen.
- Meldungen auswerten: Reihenfolge und Ort der Anrufe in den Leitstellen von Polizei und Feuerwehr erlauben Rückschlüsse auf die Quelle.
- Deutscher Wetterdienst: hilft mit Ausbreitungsberechnungen.
- Bevölkerung informieren: Warn-Apps (zum Beispiel NINA, Katwarn), lokale Medien, soziale Netzwerke, Warnfahrzeuge. Besondere Objekte (zum Beispiel Krankenhäuser) gezielt bitten, Klima- und Lüftungsanlagen abzuschalten.
- Messen: Die Geruchsschwellen vieler Stoffe liegen unter der Nachweisgrenze von PID, IMS und Prüfröhrchen. Luftproben (über 5 l) sind möglich: Adsorptionsröhrchen (TENAX) oder Gasbeutel, die Auswertung machen Labore und ATF-Standorte.
Was heißt das für dich?
- Wind zuerst: Woher kommt er, wie stark, wie lange schon?
- Nacht und Windstille sind gefährlich: Gase bleiben am Boden und konzentriert.
- Melde, was du siehst: Eine kurze Wetterhilfsmeldung hilft Fachberatern enorm.
Siehe auch: Gefahrenbereich und Absperrbereich, Messen bei Gefahrstofflagen, Warnung.
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- Windgeschwindigkeit
- Mittelwert über 10 Minuten, üblich in 10 m Höhe, am Boden (bis 2 m) mal 1,3
- Temperatur
- In 2 m Höhe, nicht in der Sonne
- Gewitter
- Gemeldet, solange Donner hörbar ist, bis 15 Minuten danach
- Nebel
- Sicht unter 1 km
- Abstand für Windmessung
- Zehnfache Höhe eines Hindernisses
- Inversion
- Obere Luftschichten wärmer als untere