Eisrettung: Eisunfälle

Technische Hilfeleistung

Das Wichtigste in Kürze

  • Erste Maßnahme: Leine über die Person hinweg werfen. Der Leinenbeutel fliegt über sie, nicht auf sie. Das Leinenende ist vorher gesichert. Wurfweite etwa 15 m.
  • Niemand betritt das Eis ohne Sicherung: mindestens Leinensicherung und darüber eine Rettungsweste (mind. 150 N). Kein Feuerwehrhelm.
  • Der Brustbund sitzt vorn, nie auf dem Rücken (Strangulation). Wer einbricht, muss über den Bauch herausgezogen werden.
  • Liegend robben und das Gewicht verteilen: Steckleiterteil und Schleifkorbtrage abwechselnd vorschieben.
  • Gefährlichster Moment: Die gerettete Person kommt zurück aufs Eis. Dann ist am meisten Abstand zur Eiskante nötig.
  • Bergungstod: Wer nicht mehr mithelfen kann, ist schwer unterkühlt. Nur waagerecht, schonend und mit möglichst wenig Bewegung retten.
Überlebenszeit
Bei 0 °C Wassertemperatur unter 30 Minuten
Auftrieb Weste
Mindestens 150 N
Wurfleine
Etwa 15 m Wurfweite, über die Person hinweg
Einstiegsöffnung Taucher
Etwa 2 m × 2 m
Taucheinsatz
In der ersten Stunde meist noch sinnvoll
Überlebensfälle
Mehrfach über 45 Minuten im Wasser
Alarmierung
Bei jedem Eisunfall eine Tauchergruppe mit alarmieren

Warum es schnell gehen muss

Eingebrochene kühlen sehr schnell aus. Bei 0 °C liegt die Überlebenszeit unter 30 Minuten. Mit zunehmender Unterkühlung setzen Muskelstarre und Bewusstseinstrübung ein, ab etwa 33 °C Körperkerntemperatur. Eine Selbstrettung gelingt oft nicht: Es fehlt ein Halt, und die Eiskante bricht ab, wenn man sich darüber schieben will. Besonders oft trifft es Kinder, die das Risiko nicht erkennen. Die Tragfähigkeit einer Eisdecke ist schwer einzuschätzen und kann über ein Gewässer stark wechseln.

Rettung von außen: die Leine

  1. Leinenbeutel mit Feuerwehrleine werfen, das Ende zuvor sichern.
  2. Über die Person hinaus werfen, sodass die Leine auf oder neben ihr liegt.
  3. Die Person kann sich festhalten und teils schon herausgezogen werden. Die Retter bleiben am Ufer.

Rettung auf der Eisfläche

Auch wenn die Leine hilft: Man muss immer damit rechnen, dass die Person nicht mehr selbst mithelfen kann, und bereitet die Rettung am Eisloch vor.

Ausrüstung des Retters:

  • Leinensicherung mit Feuerwehrleine am Brustbund oder an einem Auffanggurt. Er sitzt vorn auf dem Bauch, nie auf dem Rücken. Der Retter bewegt sich meist auf dem Bauch, aber beim Herausziehen muss er sich selbst aktiv helfen können, und der Brustbund auf dem Rücken würgt.
  • Rettungsweste mit mindestens 150 N, über der Leinensicherung, damit sie sich entfalten kann.
  • Kein Feuerwehrhelm. Der Auftrieb der Weste schiebt den Helm im Wasser hoch, der Kinnriemen kann würgen. Ausnahme: Arbeiten wie Leitern vom Fahrzeug nehmen oder eine Motorsäge auf dem Eis.
  • Kälteschutz (Tauchanzug, Überlebensanzug), wenn vorhanden. Er ersetzt die Weste nicht. Sonst Mütze oder Haube und wasserfeste Handschuhe, damit man das nasse Opfer greift.
  • Die Helfer am Ufer sichern die Leinenenden mit wasserfesten Handschuhen. Eine nasse Leine hält man sonst nicht.

Technik:

  • Nie im Stehen. Der Retter robbt und verteilt sein Gewicht auf eine große Fläche.
  • Am besten mit Steckleiterteil und Schleifkorbtrage: Leiter ausstrecken, den Korb in Richtung der Person schieben, in den Korb umsteigen, Leiter vorschieben, wiederholen.
  • Leiter und Korb werden mit einer Leine gesichert, damit man von Land aus helfen und alle zurückziehen kann.
  • Statt des Korbes ginge ein Rettungsbrett, doch der Knoten der Sicherungsleine erzeugt auf dem flachen Brett eine Punktlast auf dem Eis.
  • Kann die Person noch helfen, schiebt man ihr das Steckleiterteil zu, sie hält sich fest und wird mit Unterstützung vom Land herausgezogen.
  • Kann sie nicht mehr helfen, zieht der Retter sie aus dem Wasser, eventuell mit einer Bandschlinge. Er wird dabei immer von Land über die Sicherungsleine unterstützt, weil er keinen festen Stand hat.
  • Schleifkorb-Kippen: Der Korb wird neben die Person etwa zu zwei Dritteln ins Wasser geschoben, an der Eiskante in die Waagerechte gebracht und samt Person an der Leine herausgezogen. Das geht auch bei größeren Personen. Langsam kippen, um die Eiskante wenig zu belasten (die Last ist durch den Auftrieb gering, rund 5 kg).
  • Drehleiter: Bei sicherem Standplatz am Ufer erreicht man die Person besser und beginnt aus dem sicheren Korb. Die eigentliche Rettung per Drehleiter geht nur, wenn es der Zustand der Person zulässt.

Erstversorgung: Bergungstod vermeiden

Kann die Person die Rettung nicht mehr aktiv unterstützen, ist von einer schweren Unterkühlung (33 °C und weniger) auszugehen. Der Körper hält dann nur noch den Kern (Herz, Lunge) warm, Arme und Beine sind viel kälter. Starke Bewegung spült kaltes Blut in den Kern, verstärkt die Unterkühlung und kann Herzrhythmusstörungen auslösen: der Bergungstod (medizinisch Afterdrop).

  • Die Person nach dem Eis nur waagerecht transportieren und lagern. Gliedmaßen möglichst wenig bewegen. Umlagern mit der Schaufeltrage.
  • Wenn möglich an einen geschützten, warmen Ort (Fahrzeug, Gebäude).
  • Nasse Kleidung aufschneiden statt auszuziehen, dann in Decken und Rettungsfolie hüllen.
  • Nicht trocken reiben und nicht massieren.
  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, bei fehlender oder abnormaler Atmung wiederbeleben.
  • Bei vollem Bewusstsein und aktiver Mithilfe: heiße Getränke, aber nie Alkohol. Er weitet die Gefäße und fördert die Auskühlung.

Person unter dem Eis

Durch Starre und Bewusstlosigkeit oder durch die Rettung selbst kann die Person unter das Eis geraten. Dann hilft nur eine Tauchergruppe. Bei einem Eisunfall wird immer eine Tauchergruppe mit alarmiert (am besten schon in der Alarm- und Ausrückeordnung hinterlegt).

  • Taucher mit Kälteschutz und Erfahrung sind für die Rettung auf dem Eis bevorzugt. Läuft die Rettung schon, prüft man kritisch, ob ein Wechsel des Retters noch sinnvoll ist. Auch jede weitere Person auf dem Eis erhöht die Belastung.
  • Keine Tauchversuche mit Atemschutzgeräten. Schon in wenigen Metern Tiefe ist das lebensgefährlich wegen der Druckverhältnisse.

Vorbereiten für die Taucher:

  • Einstiegsöffnung auf etwa 2 m × 2 m erweitern, bei dickem Eis mit Motorsäge. Die Kanten werden zum Beispiel mit Leiterteilen gesichert.
  • Arbeitsplattform für Signalmann und Sicherungstaucher am Loch, im einfachsten Fall ein Rettungsboot.
  • Ausleuchten, mit voll ausgefahrenem Lichtmast nah am Ufer. Das Licht soll von oben ins Wasser fallen und nicht nur an der Oberfläche spiegeln. Das hilft den Tauchern unter Wasser.
  • Wärmebildkameras orten niemanden unter Eis.

Wie lange? Die Stoffwechselvorgänge verlangsamen sich stark in der Kälte, deshalb kommt der Körper länger mit dem vorhandenen Sauerstoff aus. Es gibt mehrere Fälle mit über 45 Minuten Überleben. Ein Taucheinsatz ist in der ersten Stunde meist noch sinnvoll. Über den Einsatz der Taucher entscheidet der Taucheinsatzführer. Wie lange insgesamt gerettet wird, entscheiden technischer Einsatzleiter und Notarzt (oder LNA) gemeinsam.

Einsatzbeispiel (Kind im Weiher)

Der Gruppenführer ordnet an: Eisfläche wird nicht betreten. Angriffstrupp wirft die Leine zu. Wassertrupp sperrt die Eisfläche und bereitet Steckleiterteil mit Leinensicherung vor. Schlauchtrupp betreut die weiteren Kinder am Ufer. Der Zugführer lässt die Erstversorgung vorbereiten, einen weiteren Rettungswagen und Notfallseelsorge für die Kinder anfordern. Die Retter tragen Rettungsweste und wasserfeste Handschuhe, ohne Helm.

Siehe auch