Das Wichtigste in Kürze
- Erste Maßnahme: Leine über den Ertrinkenden hinweg werfen. Die Retter bleiben so aus dem gefährlichen Bereich der Person.
- Niemand geht ohne Eigensicherung ins oder aufs Wasser. Mindestens Rettungsweste (150 N), kein Helm. Wer ins Wasser geht, nimmt ein Auftriebsmittel mit, das er der Person entgegenhält.
- Rettung möglichst aus einem Boot. Ein Ertrinkender in Panik klammert und kann den Retter mit nach unten ziehen.
- Ist die Person untergegangen: nur Tauchergruppe. Untergangsstelle markieren, keine Tauchversuche mit Atemschutzgeräten.
- Fließgewässer: Taucher suchen an der Untergangsstelle, Fußstreifen, Boote und Hubschrauber stromabwärts. Bei erfolgloser Suche auch stromaufwärts.
- Schneller als man joggen kann: Rettung im Wasser nur durch Strömungsretter.
- Wurfleine
- Etwa 15 m, über die Person hinweg
- Rettungsweste
- Mindestens 150 N Auftrieb, nicht mit Helm
- Ertrunkene im Fluss
- Am Grund wie ein Treibanker, kaum Abtrieb
- Treibende Person
- Bei 1 m/s etwa 600 m in 10 Minuten
- Stark strömend
- Ab etwa 2,5 bis 3 m/s
- Wathose
- Nur bis etwa 40 cm Wassertiefe, nie anleinen
- Taucheinsatz
- In der ersten Stunde meist noch sinnvoll
Wie Ertrinken abläuft
Zuerst wehrt sich die Person aktiv, gerät schnell in Panik und klammert sich an alles. In dieser Phase kann sie einen Retter so umklammern, dass eine Rettung unmöglich ist und er selbst in Gefahr gerät. Später gerät sie unter Wasser und erstickt langsam. Am Ende erschlafft die Muskulatur und der Körper sinkt meist auf den Grund.
Betroffen sind oft Kinder, die nicht sicher schwimmen, Jugendliche und junge Erwachsene unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und ältere Personen, bei denen die Belastung und die Temperaturschichtung im Wasser Kreislaufprobleme auslösen. Im Sommer kommen Unwetter und plötzliche Überschwemmungen mit reißenden Strömungen dazu.
Rettung von außen
- Leinenbeutel mit Feuerwehrleine über die Person hinaus werfen, Leinenende vorher sichern, Wurfweite etwa 15 m.
- Die Person hält sich fest und wird teils schon herausgezogen. Die Retter bleiben außerhalb des gefährlichen Einwirkbereichs.
Rettung im Wasser
Kann die Person die Leine nicht fassen oder ist zu weit weg, beginnt die Rettung im Wasser, möglichst aus einem Boot. Geht das nicht, muss ein Retter ins Wasser, immer mit Eigensicherung.
- Rettungsweste: mindestens 150 N, ohne Feuerwehrhelm (der Auftrieb schiebt den Helm hoch, der Riemen kann würgen). Ausnahme zum Beispiel beim Leiternabnehmen.
- Hilfsmittel: Jeder Gegenstand mit Auftrieb eignet sich. Man streckt ihn der Person entgegen, sie klammert sich daran, ohne den Retter zu gefährden. Beispiele: aufgeblasene Rettungsweste, Festkörperweste, mit Ölbindemittel gefüllter Schaummittelkanister, Leckdichtkissen. Kein Hebekissen, es hat keine Rückschlagventile.
- Kleidung: Bei warmem Wasser die Einsatzjacke ablegen. Stiefel nur ablegen, wenn der Zugang auch ohne gefahrlos ist (zum Beispiel am Badestrand). Sie ziehen nicht stark nach unten, behindern aber das Schwimmen und ermüden. Schaftstiefel füllen sich zusätzlich mit Wasser.
- Kälteschutz (Tauchanzug, Überlebensanzug) als Ergänzung. Er ersetzt die Weste nicht.
Wenn die Person untergegangen ist
Dann hilft nur eine Tauchergruppe, die man bei jeder Wasserrettung mit alarmiert (ideal in der Alarm- und Ausrückeordnung hinterlegt). Auch die DLRG wird je nach Region über die Leitstelle beteiligt.
- Keine Tauchversuche mit Atemschutzgerät, sie sind wegen des Drucks schon in wenigen Metern lebensgefährlich. Tauchen ist Feuerwehr- oder Einsatztauchern vorbehalten.
- Wichtigste Vorbereitung: genau klären, wo die Person untergegangen ist, und die Stelle markieren (zum Beispiel mit einem Schaummittelkanister). So kann die Tauchergruppe gleich beginnen.
- Nachts die Wasserfläche ausleuchten, mit voll ausgefahrenem Lichtmast nah am Ufer. So hellt das Licht das Wasser gleichmäßig auf und spiegelt nicht nur.
- Wärmebildkameras orten Ertrunkene unter Wasser nicht.
- Der Taucheinsatzführer entscheidet, ob getaucht wird. Wie lange gerettet wird, legen technischer Einsatzleiter und Notarzt gemeinsam fest.
- Bei Unterkühlung läuft der Stoffwechsel langsam, auch im Sommer sind mehrfach Überlebende nach über 45 Minuten bekannt. Ein Taucheinsatz ist in der ersten Stunde in der Regel noch sinnvoll.
Badesee
Ertrunkene sinken in einem See meist auf den Grund und werden nicht abgetrieben. Schwierig ist der genaue Unfallort. Sah man die Person noch an der Oberfläche, hilft eine Peilung: ein markantes Objekt (Baum, Haus) in einer Linie mit der Person merken und den eigenen Standort markieren. Ist unklar, ob die Person wirklich ertrunken ist, helfen Lautsprecherdurchsagen und das Absuchen des Ufers.
Fluss
- Eine Person treibt an der Oberfläche stark ab. Luftpolster in der Kleidung verzögern das Absinken, besonders im Winter. Bei 1 m/s sind es etwa 600 m in 10 Minuten. Bei großen Flüssen reicht die Strömung grob von 0,5 m/s (Niedrigwasser) bis 3 m/s (Hochwasser).
- Nach dem Untergehen lässt der Abtrieb stark nach, die Strömung ist knapp unter der Oberfläche am größten. Ein Körper am Grund wirkt wie ein Treibanker und bleibt meist fast an Ort und Stelle.
- Vorgehen:
- Taucher suchen an der vermuteten Untergangsstelle oder, wenn unbekannt, an der Einstiegsstelle.
- Fußstreifen, Boote und ggf. Hubschrauber suchen stromabwärts. Der Strömungsabtrieb grenzt den Bereich ein. Hubschrauber erkennen Treibende von oben, ein Polizeihubschrauber ortet mit Wärmebild nur Personen an der Oberfläche.
- Ufer kontrollieren, wenn sich die Person selbst gerettet haben könnte.
- Bleibt die Suche erfolglos, zuerst den Suchsektor stromabwärts verschieben, dann auch stromaufwärts ausdehnen. Oft liegt das Opfer wenige Meter oberhalb der angegebenen Stelle, weil Zeugen sich irren oder die Person noch ein Stück schwimmen konnte.
- Wehre sind sehr gefährlich: Oberhalb entsteht schon bei kleinen Wehren, kleinem Höhenunterschied und minimalen Undichtigkeiten (ein Ast in der Dichtlippe) ein Sog, der mehrfach Taucher getötet hat. Unterhalb bildet sich eine Wasserwalze. Nur mit Erfahrenen entscheiden.
Stark strömendes Wasser
Nach Starkregen steigen auch kleine Bäche schnell und die Strömung kann Pkw mitreißen.
Besondere Gefahren:
- Leinensicherung: Ein angeleinter Retter kann nicht mit der Strömung treiben. Das Wasser staut sich an ihm und kann ihn unter Wasser drücken. Herausziehen ist dann nicht mehr möglich, die Kräfte erreichen bei 3 m/s mehrere kN (1 kN entspricht etwa 100 kg).
- Wathose: Nur bis etwa 40 cm Tiefe geeignet. In Strömung wirkt sie wie ein Strömungssegel, nach einem Sturz wird sie zum Treibanker. Wer in der Wathose angeleint ist, wird unter Wasser gedrückt. Wathose nie anleinen und immer mit Rettungsweste tragen.
- Treibgut: Äste, ganze Bäume, Fahrzeuge. Gefährlich vor allem für Retter, die sich nicht mit der Strömung bewegen.
- Strudel und Walzen hinter Hindernissen oder Überfällen ziehen selbst Personen mit aufgeblasener Weste nach unten.
Strömungsretter: Starke Strömung beginnt bei etwa 2,5 bis 3 m/s (in engen Bächen bei Hochwasser auch 5 m/s und mehr). Retten im Wasser ist dann nur speziell ausgebildeten und ausgerüsteten Strömungsrettern vorbehalten.
Rettung von außen bei starker Strömung:
- Der Retter steht stromabwärts der Person und wirft die Leine entgegen, nicht hinterher.
- Hat die Person die Leine, wird sie nicht ans Ufer gezogen, sondern nur festgehalten. Die Strömung drückt sie von selbst ins ruhigere Ufergebiet, dort erfolgt die eigentliche Rettung.
- Wer die Leine hält und wer am Ufer hilft, sichert sich gegen das Hineinfallen.
- Bei schmalen Gewässern kann man eine Leine schräg in flachem Winkel zum Ufer über den Bach spannen. Die Person „hangelt“ mit der Strömung zum Ufer. Nie im rechten Winkel, daran kann man sich nur festhalten, aber niemals herausziehen.