H:Person im Wasser/Eis – Wasser- und Eisrettung

Technische Hilfeleistung

Das Wichtigste in Kürze

  • H:Person im Wasser/Eis: Wasserrettung, eingebrochene Person. Laut Katalog Gruppe mit 1 LF und 1 Boot, Rettungsdienst mit Notarzt bei Personen in Gefahr.
  • Eigenschutz zuerst: Nie ungesichert aufs Eis, nie ins Wasser springen. Rettungsweste (ohnmachtssicher) für alle am und im Wasser. Kein Feuerwehrhelm auf dem Eis als Schwimmhilfe.
  • Wurfleine (bis etwa 15 m) über die Person werfen, Boot bevorzugen, Leiter oder Rettungsbrett auf dem Eis zur Lastverteilung, Retter sichern.
  • Unterkühlung ist die Hauptgefahr: Überlebenszeit bei 0 °C Wassertemperatur unter 30 Minuten. Taucher alarmieren, Tauchen nur durch Fachleute (FwDV 8).
  • Strömung über 3 m/s: akute Lebensgefahr. Wehre meiden. Wathosen nicht anleinen.
Stichwort
H:Person im Wasser/Eis (Nr. 14 im Katalog)
Beispiele laut Katalog
Wasserrettung, eingebrochene Person in See
Taktische Einheit
Gruppe
Fahrzeuge
1 LF
Besondere Einsatzmittel
1 Boot
Rettungsdienst-Stichwort
ja
Rettungsmittel
ohne Personen in Gefahr: RTW; mit Personen in Gefahr: RTW + NA
Hinweis
Welche Kräfte für das Stichwort ausrücken, steht in der Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr, die Katalogwerte sind nur Hinweise. Vor Ort entscheidet der Einheitsführer. Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.

Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.

Lage und Gefahren

Gefahren

  • Unterkühlung: Überlebenszeit bei 0 °C Wassertemperatur unter 30 Minuten. Bewusstsein und Kreislauf lassen schnell nach.
  • Dünnes Eis trägt keine Retter. Eisfläche nur gesichert betreten.
  • Strömung: über 3 m/s akute Lebensgefahr, Strudel und Wasserwalzen ziehen auch Retter mit aufgeblasener Weste nach unten.
  • Wehre (auch kleine) sind lebensgefährlich für unerfahrene Kräfte.
  • Umklammerung: Ein Ertrinkender kann den Retter in Panik festhalten.

Eigenschutz

  • Alle Einsatzkräfte im und am Wasser tragen Rettungswesten (ohnmachtssicher). Überlebensanzüge, wenn vorhanden.
  • Auf dem Eis: Leinensicherung und Rettungsweste, kein Feuerwehrhelm.
  • Wathosen nicht anleinen: Nach einem Sturz können sie sich nicht selbst retten und werden schnell unter Wasser gedrückt.
  • Stiefel nur ausziehen, wenn der Untergrund geeignet ist.
  • Wassereinstieg nur mit schwimmfähigem Hilfsmittel (aufgeblasene Weste, Festkörperweste, Schaummittelkanister, Leckdichtkissen, keine Hebekissen).

Vorgehen Schritt für Schritt

Rettung vom Ufer und vom Eis

  1. Ruhe bewahren, Rettungsdienst und weitere Kräfte alarmieren, Tauchergruppe nachalarmieren.
  2. Lage klären: Treibt die Person noch an der Oberfläche? Ist sie untergegangen? Wie weit ist sie abgetrieben?
  3. Wurfleine: Leinenbeutel über die Person werfen (Leinenende sichern), Wurfweite etwa 15 m. Bei Strömung gegen die Strömung (flussaufwärts) werfen, nicht hinterher.
  4. Rettungsring, Leitern, Rettungsbrett auf dem Eis zur Lastverteilung, flach robbend nähern (zum Beispiel mit Steckleiter und Schleifkorbtrage), Retter angeleint.
  5. Boot: Rettung möglichst vom Boot aus, mit Weste.
  6. Strömungsretter bei starker Strömung: Leine schräg über den Fluss spannen (schmale Gewässer), Retter anleinen.
  7. Person unter Eis oder Wasser: nur Tauchergruppe. Tauchen macht auch eine Stunde nach dem Einbruch noch Sinn. Keine Tauchversuche mit Atemschutzgeräten durch Feuerwehrkräfte.
  8. Untergangsstelle markieren (schwimmfähiger Gegenstand), nachts Lichtmast nah am Wasser.

Suche nach Vermissten

  • Fließgewässer: Suche beginnt an der Untergangsstelle, dann stromabwärts bis zur geschätzten Abdrift, Ufer kontrollieren, danach ein Stück flussaufwärts.
  • Schifffahrt einstellen lassen (Wasserschutzpolizei, Wasser- und Schifffahrtsamt).
  • Nachts: Der Hubschrauber kann oberflächentreibende Personen von oben erkennen, Wärmebildkamera funktioniert auf Wasser nicht (Reflexion).

Erstversorgung bei Unterkühlung

  1. Waagerecht und schonend bewegen.
  2. Nasse Kleidung vorsichtig entfernen (notfalls aufschneiden), in Decke und Rettungsfolie hüllen.
  3. Nicht trocken reiben oder massieren.
  4. An einem warmen Ort betreuen, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, wiederbeleben bei Atem- und Kreislaufstillstand.
  5. Warme Getränke ohne Alkohol nur bei vollem Bewusstsein.
  6. Rettungsdienst übernimmt, Beinahe-Ertrinken ärztlich abklären.

Typische Fehler

  • Ungesichert aufs Eis oder ins Wasser.
  • Tauchversuche ohne Fachleute.
  • Wathosen angeleint.
  • Leine flussabwärts geworfen.
  • Einsatz in Wehrbereichen ohne Spezialisierung.
  • Schifffahrt nicht gestoppt.

Lizenz und Quellenhinweis

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Siehe auch