Brandschutz für Menschen ab 60

Bürgerinformation und Prävention

Das Wichtigste in Kürze

  • Über zwei Drittel der Brandtoten sind älter als 60 Jahre (Stand 2017). Der Anteil der Brandtoten dieser Gruppe stieg viel stärker (+25 %) als ihr Bevölkerungsanteil (+8 %). Das Alter allein erklärt das nicht, die nachlassende Selbsthilfefähigkeit ist der Grund.
  • Ursachen: Beweglichkeit, Sinne und Reaktion lassen nach, Medikamente wirken, viele leben allein und kommen wenig aus der Wohnung. Lebenserfahrung gleicht das nur bis zu einem „Punkt der Gefahr“ aus. Viele merken ihn nicht oder verdrängen ihn.
  • Die häufigsten Gefahren: vergessenes Essen auf dem Herd, Rauchen im Bett oder Sessel, defekte Elektrogeräte, Kerzen, Mehrfachstecker, Wäschetrockner, Akkus von E-Bike und Handy.
  • Wirksame Hilfen: Rauchwarnmelder (10-Jahres-Batterie, vernetzt), Herdwächter, Hausnotruf, Löschspray oder Schaumlöscher, Zweitschlüssel bei Nachbarn, Licht mit Bewegungsmelder, frei gehaltene Fluchtwege.
  • Üben: Notruf mit dem Handy trainieren und den Notfall zu Hause einmal durchspielen.
Zielgruppe
Personengruppe 60+, Teilnahme freiwillig
Brandtote 60+
Über zwei Drittel aller Brandtoten (Stand 2017)
Notruf
112 europaweit, kostenfrei, auch ohne Guthaben
Ärztlicher Bereitschaftsdienst
116117 (nicht für Notfälle mit Lebensgefahr)
Rauchwarnmelder
Q-Melder mit 10-Jahres-Batterie, wenn möglich vernetzt
Herdwächter
Schaltet das Kochfeld bei Gefahr ab, ein Herdwarner nur ein Alarmton
Kostenübernahme
Krankenkasse zahlt auf Antrag spezielle Melder bei bestätigter Seh- oder Hörschädigung
Feuerlöscher-Alternative
Löschspray oder Schaumlöscher mit 2 kg

Gefahrenquellen im Alltag

  • Elektrogeräte und Leitungen: geknickte Kabel, Tierbisse, alte Leitungen. Reparieren nur der Fachbetrieb, alte Anlagen prüfen lassen (E-Check). Ältere Geräte gegen solche mit Abschaltautomatik tauschen (Bügeleisen, Wasserkocher, Kaffeemaschine, Gasherd mit Gas-Stopp). Bei Gewitter den Netzstecker ziehen.
  • Mehrfachstecker: nicht überlasten, nicht hintereinander stecken, auf GS-, CE-, VDE- oder TÜV-Zeichen achten.
  • Wärmestau: Lüftungsöffnungen nicht zustellen oder zuhängen, Geräte nicht dicht an die Wand stellen. Auch Heizdecken können zur Gefahr werden.
  • Anderes Brandverhalten: Früher Holz, heute viele Kunststoffe. Es bleibt weniger Zeit bis zur Rauchgasdurchzündung (Flashover), das Feuer breitet sich viel schneller aus.
  • Offenes Feuer und Kerzen: nicht im Durchzug aufstellen, Merkzettel, wenn man eine Kerze angezündet hat. Am Adventskranz und Weihnachtsbaum elektrische Lichter mit Prüfzeichen oder LED-Kerzen, kippsicherer Ständer, Tannengrün frisch halten. Draußen kein Spiritus und kein Abflämmen von Unkraut.
  • Rauchen: nie im Liegen (Bett, Couch, Sessel), die Glut immer im Aschenbecher ausdrücken, die Gute-Nacht-Zigarette draußen. Kippen und Streichhölzer erst entsorgen, wenn sie ganz kalt sind (Aschenbecher nach 24 Stunden leeren).
  • Herd: Essen auf dem Herd macht oft Wohnungsbrände. Erinnerungsstütze (Zettel, Küchenuhr), den Herd nicht als Ablage nutzen, Induktion und Herdwächter sind sicherer. Fettbrände auf dem Herd und in der Dunsthaube sind eine eigene Gefahr.
  • Bügeleisen: auch bei kurzen Pausen in die Halterung stellen. Wäschetrockner: Flusensieb reinigen, nicht stark fetthaltige Wäsche trocknen.
  • Brandlast auf Fluchtwegen: Schuhschränke, Kinderwagen, Teppiche, Altpapier gehören nicht in den Flur.
  • Akkus: E-Bike, Pedelec, Laptop und Handy nur mit dem passenden Ladegerät und intakten Kabeln laden, nicht unbeaufsichtigt.

Was geht noch, was nicht mehr?

  • Entstehungsbrand löschen: Welcher Löscher steht wo, wie schwer ist er (zu schwer?), wie lange ist er gültig, wie lange reicht er? Alternativen: Löschspray, 2-kg-Schaumlöscher, Topfdeckel, Wassereimer, Sand. Auch Sprudel oder Sekt helfen bei einem ganz kleinen Feuer.
  • Sich retten: Brauche ich Rollator, Rollstuhl oder Stock, und liegen sie nachts in Reichweite? Liegen Brille, Hörgerät, Handy, Medikamente und wichtige Papiere griffbereit? Schaffe ich es allein bis vor die Haustür? Wer hilft mir (Familie, Nachbarn, Hausnotruf)?

Hilfsmittel

  • Rauchwarnmelder erkennen den Brand, löschen ihn aber nicht und rufen nicht die Feuerwehr. Gute Q-Melder haben eine 10-Jahres-Batterie und weniger Fehlalarme. Vernetzte Melder und optische Signale helfen, wenn man nachts ohne Hörgerät schläft. Kombination mit dem Hausnotruf ist möglich. Wer sie montiert und wartet, regelt die Rauchmelderpflicht.
  • Herdwarner und Herdwächter: ein Sensor überwacht das Kochfeld, warnt oder schaltet den Strom ab.
  • Hausnotruf, häufig mit Rauchmelder kombinierbar. Seniorenhandy (große Tasten, laut, einfaches Menü, SOS-Taste, Fallsensor).
  • Notruf-Fax für Menschen, die nicht gut telefonieren können (vorher mit der Leitstelle absprechen). Nothilfe-SMS ebenso.
  • Geländer, Rampen, Haltegriffe. Evakuierungstücher für bettlägerige Personen (eine Person kann sie ziehen). Licht mit Bewegungsmelder im Flur. Aufzug nur, wenn er im Brandfall benutzt werden darf.
  • Zimmertüren geschlossen halten, sie bremsen Feuer und Rauch. Türen nicht verschließen, am besten ein Schloss mit Panikfunktion (lässt sich von innen ohne Schlüssel öffnen).
  • Nachbarschaftshilfe: Zweitschlüssel für den Notfall, Hilfe bei der Rettung, Austausch der Melderbatterie.

Notruf

  • 112 gilt europaweit und ist kostenlos, auch ohne Guthaben. In Grenznähe kann ein Handyanruf bei einer ausländischen Leitstelle landen.
  • Keine Scheu: Die Leitstelle fragt, man antwortet. Sie gibt auch Verhaltenstipps und leitet bei der Ersten Hilfe an.
  • 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst, die 112 ist nur für Notfälle.
  • Üben: den Notruf mit einer Notruftelefonanlage oder dem Handy durchspielen, mit genug Zeit.

Wie Feuerwehren die Zielgruppe erreichen

  • Teilnahme ist freiwillig. Man erreicht sie über Seniorenbeauftragte, Seniorentreffs, Kirchen, Wohlfahrtsverbände, Vereine, die Altersabteilung und Veranstaltungen wie „Sicher im Alter“ mit der Polizei. Auch Multiplikatoren wie Pflegedienste, Essen auf Rädern, Fahrdienste, Fußpflege und Friseur helfen.
  • Die Gruppe ist sehr unterschiedlich (fit, mit Hilfsmitteln, auf Unterstützung angewiesen, bettlägerig; eigene Wohnung, Betreutes Wohnen; verschiedene Kulturen). Die Veranstaltung wird individuell angepasst.
  • Brandschutzaufklärer brauchen Einfühlungsvermögen, Respekt vor der Lebensleistung und fundiertes Fachwissen, gepflegtes Auftreten und passende Termine. Sie sollten möglichst die Lehrgänge „BA für Senioren“ und „BA bei Menschen mit Behinderung“ besucht haben. Die Teilnehmer sollen selbst erzählen, ein Mutiger fängt an.

Siehe auch