Das Wichtigste in Kürze
- Eine Evakuierungsübung (Alarmprobe) trainiert das Verlassen eines Gebäudes im Notfall, an Schulen und Kitas zweimal im Schuljahr. Verantwortlich ist die Einrichtungsleitung, nicht die Feuerwehr.
- Die Feuerwehr berät und beobachtet, sie spielt bei der Übung keine aktive Rolle. Kein Blaulicht, kein Martinshorn, kein Übungsrauch (Disconebel).
- Die erste Übung wird angekündigt, die zweite nicht. Die unangekündigte Übung prüft, ob die Verbesserungen wirken.
- Ziele: Evakuierung in höchstens 5 Minuten, Vollzähligkeit in höchstens 10 Minuten. Beides gilt vor dem Eintreffen der Feuerwehr.
- Nach der Übung gibt es immer Protokoll, Auswertung und Verbesserungen. Mängel meldet die Leitung dem Träger.
- Häufigkeit
- Zwei Übungen pro Schuljahr (Schulen vorgeschrieben, Kitas empfohlen)
- Erste Übung
- Etwa drei bis vier Wochen nach den Sommerferien, angekündigt
- Zweite Übung
- Im zweiten Halbjahr, nicht angekündigt
- Vorlauf
- Planung mindestens sechs Wochen vorher
- Ziel Evakuierung
- Höchstens 5 Minuten bis alle draußen sind
- Ziel Vollzähligkeit
- Höchstens 10 Minuten bis alle Meldungen vorliegen
- Verantwortlich
- Einrichtungsleitung
- Feuerwehr
- Berät, beobachtet, hilft bei Bedarf
- Übungsrauch
- Nicht verwenden
Warum üben?
- Kinder können Gefahren nicht selbst einschätzen. Lehrer und Erzieher müssen im Notfall sofort richtig handeln. Dafür braucht es Routine durch regelmäßige Übung, nicht nur Theorie.
- Die Übung prüft, ob Brandschutzordnung, Alarmordnung und Evakuierungskonzept praktisch funktionieren, und zeigt bauliche und technische Mängel.
- Je nach Gefahr ist das richtige Verhalten verschieden: Bei Brand verlassen alle das Gebäude. Bei einem Amokalarm bleiben alle in den Räumen und verbarrikadieren sich, also das Gegenteil des Brandalarms. Wer die Gefahr nicht erkennt, handelt falsch.
- Bei einem echten Notfall dauert es mehrere Minuten, bis die Feuerwehr kommt. In dieser Zeit muss das Gebäude schon leer sein und die Leitung muss wissen, ob jemand vermisst wird.
Verhalten bei Alarm
- Sofort reagieren. Nie sagen „das ist nur ein Probealarm“. Nichts aufräumen, nichts packen.
- Alle Gegenstände bleiben im Raum. Einzige Ausnahme: das Klassen- oder Gruppenbuch mit der Anwesenheitsliste.
- Keine Jacken und Straßenschuhe anziehen, dafür ist im Ernstfall keine Zeit. Hausschuhe sollten wenigstens einen kurzen Aufenthalt im Freien erlauben.
- Fenster bleiben, wie sie sind. Die Tür wird zugezogen, nicht abgeschlossen.
- Der Lehrer oder Erzieher kontrolliert den Raum, in Kitas auch mögliche Verstecke. Ein Türanhänger „Raum evakuiert“ kann das markieren, die Feuerwehr sucht diese Räume dann später ab.
- Zügig, direkt, ohne Rennen und Drängeln zur Sammelstelle. Aufzüge nicht benutzen. Verrauchte Wege meiden und den zweiten Rettungsweg nehmen (zum Beispiel durch die Zwischentür zum Nachbarraum). Diese Tür muss frei bleiben.
- An der Sammelstelle: Die Gruppe bleibt zusammen, niemand geht eigenmächtig zurück. Der Lehrer oder Erzieher prüft die Vollzähligkeit anhand der Liste und meldet sie der Einrichtungsleitung, am besten durch Handzeichen oder farbige Tafeln (Grün: vollzählig, Rot: Personen fehlen oder verletzt). Er verlässt dabei die Gruppe nie.
Aufgaben
- Einrichtungsleitung: steht so, dass sie alle Gruppen sieht (oder teilt sich auf Sammelstellenbeauftragte auf). Sie nimmt die Meldungen entgegen, fragt bei Vermissten nach Zahl und vermutetem Ort, organisiert Erste Hilfe und meldet der Einsatzleitung Status, Vermisste und Verletzte. Beendet wird die Übung von der Leitung, im Ernstfall in Absprache mit der Einsatzleitung.
- Evakuierungshelfer: leiten Personen, unterstützen Hilfsbedürftige, suchen Räume ab (Pausenräume, Toiletten), schließen Türen und markieren kontrollierte Räume. Sie gehen zu zweit, nicht in den unmittelbaren Gefahrenbereich, mit Handy-Verbindung nach draußen.
- Verwaltung, Küche, Reinigung, Besucher, Handwerker nehmen alle teil. Küchenkräfte betätigen zum Beispiel den Not-Aus, die Verwaltung sichert Akten nur, wenn das schnell geht.
Sammelstelle
- Ein vorher festgelegter sicherer Ort im Freien, auf direktem Weg erreichbar, ohne Stolperfallen und ohne Überqueren stark befahrener Straßen.
- Außerhalb der Bewegungsflächen der Feuerwehr. Sie muss von einer Straße aus erreichbar sein, damit die Kinder abgeholt oder mit Bussen verlegt werden können.
- Jede Klasse und Gruppe hat einen festen Platz (Zusatzschild mit Klasse oder Symbol, Bodenmarkierung). Die Festlegung geschieht mit der Feuerwehr oder Brandschutzdienststelle.
Planung
- Mindestens sechs Wochen vorher beginnen. Termin früh abstimmen, denn die Feuerwehr braucht mehrere Wochen und das Wartungsunternehmen der Brandmeldeanlage hat selten kurzfristig Zeit. Oft lohnt es sich, die Übung auf den Wartungstermin zu legen.
- Übungsleitung bestimmen, Übungsbeobachter einweisen (zum Beispiel freie Lehrer, Hausmeister, geeignete Eltern). Beobachter gelten als „nicht vorhanden“. Der Brandschutzbeauftragte wird beteiligt.
- Kinder vorbereiten: In Kita und Grundschule eine Einheit vorher. Auf ängstliche oder traumatisierte Kinder achten (zum Beispiel ein Partnerkind an die Hand). Eltern informieren (Elternbrief oder Elternabend), bei angekündigter Übung auch über Abholen, Besprechen zu Hause und traumatische Erfahrungen.
- Nachbarn informieren, damit niemand die Feuerwehr alarmiert.
- Am Tag: Personal da? Wetter in Ordnung? Sammelstelle frei? Rettungswege ohne Baustelle? Anlage betriebsbereit?
Alarm und Technik
- Der Alarm soll so ausgelöst werden wie im Ernstfall (Durchsage, Anlage). Hausalarm (Brandwarnanlage): nur Signal im Haus, keine automatische Meldung an die Feuerwehr. Brandmeldeanlage: alarmiert zusätzlich die Leitstelle und steuert Aufzüge, Rauchabzug und Feststellanlagen.
- Vor dem Auslösen einer Brandmeldeanlage muss die Übertragung an die Leitstelle abgeschaltet werden (Fachkraft des Wartungsunternehmens). Danach sofort wieder einschalten. Die Feuerwehr kann die Leitstelle vorher und nachher informieren.
- Feststellanlagen: Brandschutztüren vor der Übung von Hand schließen, damit die Bedingungen realistisch sind.
- Digitales Klassenbuch: Auf Papier ist die Anwesenheitsliste im Notfall oft besser. Prüfen, ob das System offline, bei jedem Wetter und mit WLAN an der Sammelstelle läuft, und ob es eine zweite Möglichkeit gibt, die Vollzähligkeit festzustellen.
- U3-Bereich: Kinder bis fünf Jahre gelten als nicht selbstrettungsfähig, bis drei Jahre müssen Erzieher sie tragen. Hilfsmittel (Evakuierungswagen, große Sporttaschen für bis zu zwei Kinder, Staffellauf-Methode) ohne Kinder mit Gewichten (10 bis 15 kg je Kind) erproben. Gruppen unter drei Jahren gehören ins Erdgeschoss.
Szenarien und Übungsrauch
- Meist wird Brand geübt. Beobachtet wird, ob „verrauchte“ Bereiche gemieden werden. Gelegentlich übt man auch, dass der erste Rettungsweg nicht nutzbar ist.
- Gefahrstoff (zum Beispiel im Chemieraum) und Gasaustritt nur gemeinsam mit der Feuerwehr planen, denn die Gefahrenbereiche sind nicht sofort erkennbar. Amok oder Bombendrohung: nach der Alarmordnung, ob man das übt, entscheidet die Leitung.
- Kein Übungsrauch (Disconebel). Das Aerosol ist schwerer als Luft und sinkt nach unten, echter Brandrauch steigt nach oben und breitet sich unter der Decke aus. Das Bild ist also falsch und lässt die Gefahr unterschätzen. Dazu kann es Kinder mit Atemwegserkrankungen gefährden.
- Alternativen: verrauchte Bereiche mit Absperrband, Stoffdecken, Vorhängen, Schildern „Rauch“ oder Rauchfotos kennzeichnen.
- Kein Event. Blaulicht und Martinshorn erschrecken Kinder und lenken ab, in Einzelfällen wurden Kinder dadurch traumatisiert.
Protokoll und Auswertung
- Auf die Sekunde erfassen: Alarmauslösung, Evakuierung abgeschlossen, Vollzähligkeit festgestellt, Übung beendet.
- Beobachter notieren: Hörbarkeit und sofortige Reaktion (kein Wegräumen), geordnet ohne Gedränge, Türen zugezogen und nicht abgeschlossen, Aufzug gemieden, verrauchte Bereiche gemieden, vermeidbare Verzögerungen (Jacken, Schuhe, Fenster), Betreuung der Kinder an der Sammelstelle.
- Ziel: Evakuierung höchstens 5 Minuten, Vollzähligkeitsmeldung höchstens 10 Minuten.
- Auswertung sofort mit allen Beteiligten, offen und sachlich. Bauliche und technische Mängel (Engstellen, Türen gegen die Fluchtrichtung, zu schwere Türen, zu leiser Alarm) meldet die Leitung unverzüglich dem Träger. War die Übung nicht erfolgreich, gibt es eine außerplanmäßige Wiederholung.
- Verbesserungen sofort umsetzen, nicht erst zur nächsten Übung. Der Ernstfall kann heute eintreten.
Aus der Praxis
Bei einer begleiteten Übung wollte eine Schulleiterin die Kinder bei Rot über die Fußgängerampel schicken, ein Auto kam mit Tempo. Ein beobachtender Feuerwehrmann konnte die Gruppe gerade noch stoppen. Das Beispiel zeigt: Auch bei einer Übung gelten die Verkehrsregeln, und eine Sammelstelle muss auf sicherem Weg liegen. Ein solcher Vorfall wird nachbesprochen und im Protokoll festgehalten.