Das Wichtigste in Kürze
- Lebensbedrohliche Blutungen stoppst du zuerst. Fester, direkter Druck mit der Hand oder einem Verband auf die Wunde, dann Druckverband. Hilft Druck bei einer Blutung an Arm oder Bein nicht, legst du so schnell wie möglich ein Tourniquet an (nach ERC 2025) und notierst die Uhrzeit.
- Hochlagern und Abdrücken an Druckpunkten gelten nach der ERC-Leitlinie 2025 nicht als wirksam. Ältere Lehrbücher und manche Rettungsdienst-Anleitungen nennen das Hochlagern der verletzten Gliedmaße noch. Entscheidend bleibt der feste Druck.
- Ab etwa 1 Liter Blutverlust beim Erwachsenen droht der Schock.
- Offene Brustwunde: nicht abdecken. Sie bleibt frei, damit Luft entweichen kann, nur ein spezieller Ventilverband darf sie bedecken, wenn du dafür geschult bist.
- Bauchverletzung: keine Nahrung, nichts trinken, Lage nehmen lassen, die der Betroffene selbst einnimmt, Notruf sofort.
- Verdacht auf Wirbelsäulen- oder Beckenverletzung: nicht bewegen, außer bei Lebensgefahr.
Starke Blutung
- Einmalhandschuhe tragen. Betroffene am besten liegend.
- Sofort fest auf die Wunde drücken, mit Hand oder sauberem Tuch. Bei einem Standard- oder blutstillenden Verband drückst du auf dem Verband weiter.
- Druckverband: Wundauflage des ersten Verbandpäckchens auf die Wunde, das zweite Päckchen in der Verpackung als Druckpolster darauf und fest wickeln.
- Der verbundene Bereich wird möglichst nicht mehr bewegt. Fremdkörper in der Wunde nicht entfernen, den Verband nicht wieder abnehmen und nicht direkt auf der Wunde knoten. Blutet es durch, legst du ein weiteres Druckpolster darüber.
- Blutet der Verband stark durch, drückst du mit der Hand weiter (Handschuhe), bis der Rettungsdienst da ist.
- Notruf spätestens jetzt. Warm halten (Rettungsdecke auch unter die Person), Beine etwas erhöhen (nicht bei Atemnot), betreuen.
- Tourniquet: Bei lebensbedrohlicher Blutung an Armen oder Beinen, die durch Druck nicht stehen bleibt. Nur anwenden, wenn du dafür geschult bist. Breite etwa 4 cm und mehr, Zeitpunkt aufschreiben. Hersteller-Angaben zu Anlage, Stärke und Dauer beachten.
- Blutstillende Verbände sind eine Option nach ERC, in der betrieblichen Ersten Hilfe aber nur bei geschultem Personal.
Kopf, Amputation, Zähne
- Nasenbluten: aufrecht sitzen, Kopf leicht nach vorn beugen, die Nasenflügel etwa 10 Minuten zudrücken, kühles Tuch in den Nacken. Den Kopf nicht in den Nacken legen, das Blut nicht schlucken, nicht hinlegen. Hört es nicht auf oder folgt es einem Unfall oder Schlag auf den Kopf: Rettungsdienst.
- Kopfwunden bluten immer stark, sehen aber oft schlimmer aus, als sie sind. Verbandmaterial aufdrücken (die Person kann selbst drücken), sitzende Haltung, bei Möglichkeit Druckverband, Atemwege frei halten.
- Gehirnerschütterung: kurzer Blackout, Erinnerungslücken, Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Körperliche Aktivität beenden, zum Arzt. Immer Rettungsdienst, auch wenn es harmlos aussieht: Das Gehirn kann mit Verzögerung anschwellen. Kopf und Oberkörper leicht erhöht, bei Bewusstlosigkeit Seitenlage.
- Amputation: zuerst die Person versorgen, Blutung stillen, keine Abbindung mehr, wenn Druck reicht. Erst danach das Amputat: nicht reinigen, steril oder sauber einwickeln, in einen wasserdichten Beutel und diesen in einen zweiten Beutel mit Eis oder Eiswasser legen, kein direkter Eiskontakt, mit Name und Zeit beschriften und mit der Person in dieselbe Klinik bringen. Auch abgetragene Haut zählt als Amputat.
- Ausgeschlagener Zahn: feucht in sauberem Tuch, Wurzel nicht anfassen, am besten in Dentalrettungsbox, sonst kurz in H-Milch, sofort zum Zahnarzt.
Bauch und Brustkorb
- Bauchverletzung: Schmerzen, gespannte Bauchdecke, blass, Schock. Offene Wunde keimfrei abdecken, Lage so, wie der Betroffene sie wählt (oft gekrümmt, Knierolle), zudecken, nichts essen oder trinken. Auch bei Durst nicht.
- Brustkorbverletzung: offene Brustwunden bleiben unbedeckt (ERC 2025). Blutung nur lokal durch Druck stillen, beobachten, ob Blut oder Gerinnsel die Wunde verstopfen. Atemnot: Oberkörper erhöht.
- Rippenbruch: flache Atmung, Atemnot. Oberkörper erhöht, wenn möglich auf die verletzte Seite lagern.
Knochenbrüche
- Offener Bruch: sofort keimfreier Wundverband. Geschlossener Bruch: Schwellung, kann kühl (Umschlag) gehalten werden.
- Ruhigstellen über die angrenzenden Gelenke hinaus mit weichem Polster. Nicht einrenken, eine Fehlstellung nicht korrigieren, Schmuck ablegen, Gefühl und Durchblutung hinter dem Bruch prüfen, nichts essen oder trinken lassen (mögliche Operation).
- Bein: mit Decke, Kleidung, Kissen umpolstern und in der gefundenen Lage lassen.
- Arm, Hand, Schulter: Person hält den Arm am Körper, mit ein bis zwei Dreiecktüchern fixieren.
- Beckenbruch: starke Schmerzen im Unterbauch, Beine kaum bewegbar, innere Blutung mit zunehmendem Schock. Nicht bewegen (außer bei Lebensgefahr), Beine mit Knierolle stützen.
- Wirbelsäule: Rückenschmerzen und Bewegungsunfähigkeit nach Unfall, selten Lähmungen. Person in der gefundenen Lage lassen, Notruf, zudecken.
- ERC 2025 zur Halswirbelsäule: Bei Sturz aus Höhe, Verschüttung, Verkehrs- oder Sportunfall Hals ruhig halten. Wache Person hält den Hals selbst in bequemer stabiler Lage, nie zwingen. Bewusstlose auf dem Rücken: hinter dem Kopf knien und Kopf und Hals halten. Gesicht nach unten: als Ganzes zu mehreren auf den Rücken drehen, Hals in einer Linie. Lebensrettende Maßnahmen haben Vorrang.
Was heißt das für dich?
- Druck, Druckverband, Tourniquet nur als geschulter Helfer.
- Brustwunde offen lassen, Bauchverletzte nicht füttern.
- Wirbelsäule und Becken nicht bewegen, außer bei Lebensgefahr.
Siehe auch: Erste Hilfe: Vorgehen, Wiederbelebung, Hitze, Kälte und Verbrennung, Technische Rettung (Pkw).
- Starke Blutung
- Direkter Druck, dann Druckverband, bei Extremität notfalls Tourniquet
- Tourniquet
- Zeit der Anlage notieren
- Blutverlust Schockgefahr
- Etwa 15 bis 20 Prozent, etwa 1 Liter
- Offene Brustwunde
- Nicht abdecken, nur geschulte Ventilverband
- Bauchverletzung
- Nichts essen, nichts trinken
- Amputat
- Nicht reinigen, steril einwickeln, kühlen ohne Eiskontakt
- Ausgeschlagener Zahn
- In Dentalrettungsbox oder H-Milch
- Gehirnerschütterung
- Kopf-Oberkörper leicht erhöht, nie allein lassen