Das Wichtigste in Kürze
- Erste Hilfe an der Einsatzstelle beginnt immer mit Eigenschutz. Erst die Stelle sichern, dann retten, dann helfen. Nach den ERC-Leitlinien 2025 gelten drei Grundregeln: Sicherheit prüfen, so schnell wie möglich 112 rufen, nur Ausrüstung und Medikamente verwenden, in deren Gebrauch du geschult bist.
- Beurteile jede kranke oder verletzte Person nach dem ABCDE-Schema und achte sofort auf lebensbedrohliche Blutungen.
- Aus der Gefahrenzone rettest du Betroffene mit dem Rettungsgriff, erst danach beginnt die Erste Hilfe. Wer nicht in Lebensgefahr ist und nicht aussteigen will, bleibt bis zum Rettungsdienst im Fahrzeug.
- Eine bewusstlose Person, die normal atmet, kommt in die stabile Seitenlage. Bei Trauma oder Schnappatmung dagegen nicht.
- Wärmeerhalt und ständige Betreuung gehören zu jeder Hilfe: Rettungsdecke (silberne Seite zur Person), Zuwendung, nie allein lassen.
Ablauf an der Unfallstelle
- Unfallstelle sichern: Warnweste, Warnblinker, Warndreieck (innerorts etwa 50 m, außerorts etwa 100 m), Absperrband im Betrieb. Bei Verkehrsunfällen hinter der Leitplanke aufhalten.
- Aus akuter Gefahr retten, nur mit Blick auf deine eigene Sicherheit.
- Notruf absetzen und Erste Hilfe leisten. Umstehende direkt ansprechen und einteilen. Laut um Hilfe rufen, damit andere aufmerksam werden.
- Brennende Personen kannst du mit Wasser oder Feuerlöscher löschen, nie ins Gesicht.
Notruf: wichtige Angaben
- Wo? zuerst der genaue Ort (Ort, Straße, Hausnummer, Zufahrt, Stockwerk). Nicht auflegen, warte auf Rückfragen der Leitstelle.
- Was ist passiert, wie viele Betroffene, welche Verletzungen, Lebensgefahr? Lautsprecher des Telefons nutzen, so hast du die Hände frei.
- Den Rettungsdienst einweisen (eine Person am Straßenrand), besonders bei unübersichtlichen Orten.
- Bei Vergiftungen rufst du nach dem Notruf die Giftinformationszentrale an (Berlin/Brandenburg 030 19240).
- 110 ist die Polizei, 112 die Rettungsleitstelle.
Rettung aus Fahrzeug und Gefahrenbereich
- Wer nicht aussteigen kann, wird aus dem Fahrzeug gerettet, besonders bei Brandgefahr oder Bewusstlosigkeit.
- Ansprechen, Absicht erklären, Gurt lösen (notfalls durchtrennen), Füße nicht eingeklemmt, Person fassen und vorsichtig herausziehen, zweite Person hält die Beine.
- Rettungsgriff: von hinten unter Nacken und Schultern greifen, zum Sitzen bringen, dabei den Kopf mit den Unterarmen stützen. Dann mit beiden Armen unter den Achseln durchfassen, einen Unterarm quer vor die Brust legen und mit beiden Händen überhaken, nicht umfassen. Dicht am eigenen Körper auf die Oberschenkel ziehen und an einen sicheren Ort bringen, möglichst auf eine Decke.
- Kinder nimmst du einfach auf den Arm.
- Helmabnahme bei Bewusstlosen: zweite Person hält Helm und Kopf stabil, öffnet Visier und Kinnriemen, Brille entfernen, dann den Helm vorsichtig nach oben abziehen. Danach Atmung prüfen. Notfalls auch allein, den Kopf nicht aufschlagen lassen.
Kontakt zur betroffenen Person
- Auf Augenhöhe gehen, von vorn mit Blickkontakt kommen, Namen nennen, nach Namen, Schmerzen und Ablauf fragen.
- Vorsichtigen Körperkontakt herstellen (Hand halten), immer sagen, was du tust. Mitteilen, dass der Rettungsdienst unterwegs ist.
- Auf Angst, Scham oder Wut gefasst sein.
Bewusstlosigkeit und Seitenlage
- Ansprechen, an den Schultern rütteln (bei Säuglingen und Kleinkindern nie schütteln). Keine Reaktion, keine Bewegung, Augen zu: bewusstlos.
- Hilfe rufen, 112, Atmung prüfen: Kopf überstrecken (zwei bis drei Finger am Kinn, andere Hand an der Stirn), sehen, hören, fühlen, höchstens 10 Sekunden.
- Keine normale Atmung (auch Schnappatmung): sofort Wiederbelebung. Normale Atmung: stabile Seitenlage.
- Seitenlage: nahen Arm abwinkeln neben den Kopf, ferne Hand an die Wange führen und halten, fernes Bein über dem Knie fassen und die Person zu dir ziehen, Kopf nackenwärts beugen, Mund öffnen, Finger der nahen Hand unter die Wange legen. Zudecken, Atmung ständig prüfen.
- Nicht in Seitenlage bringen: bei Schnappatmung oder Trauma-Verdacht (nach ERC 2025). Lebensrettende Maßnahmen wie Seitenlage oder Helmabnahme dürfen wegen eines Wirbelsäulen-Verdachts nicht unterbleiben, wenn Atmung oder Leben bedroht sind.
Schock
- Anzeichen: blass, unruhig, ängstlich, zittert, kalte schweißnasse Haut, schwacher schneller Puls.
- Maßnahmen: Notruf, Zuwendung, warm zudecken (Rettungsdecke), Beine etwa 20 cm erhöhen, bei der Person bleiben.
- Nicht die Beine hochlagern bei Atemnot oder Herzbeschwerden, dann besser den Oberkörper erhöht lagern.
- Ab einem Blutverlust von etwa 15 bis 20 Prozent (etwa 1 Liter beim Erwachsenen) droht ein Schock.
Erste-Hilfe-Material und Dokumentation
- Verbandkästen vollständig und nicht abgelaufen halten (Kfz-Verbandkasten, Betrieb nach DIN 13157), regelmäßig prüfen.
- Jede Erste Hilfe dokumentieren (Verbandbuch oder Meldeblock). Das ist für die Unfallversicherung wichtig.
- Ersthelfer sind gesetzlich unfallversichert. Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar (§ 323c StGB), wer nach bestem Wissen hilft, wird bei Fehlern nicht bestraft, es sei denn grob fahrlässig oder vorsätzlich.
Was heißt das für dich?
- Sichern, retten, Notruf, helfen.
- ABCDE, zuerst lebensbedrohliche Blutung.
- Wärmen und betreuen, bis der Rettungsdienst übernimmt.
Siehe auch: Wiederbelebung, Blutungen und Verletzungen, AED bei der Feuerwehr, Infektionsschutz.
- Grundregeln ERC 2025
- Sicherheit prüfen, 112 rufen, nur geübte Maßnahmen
- Beurteilung
- ABCDE-Schema, zuerst lebensbedrohliche Blutung
- Atemkontrolle
- Höchstens 10 Sekunden
- Rettungsdecke
- Silberne Seite zur Person, auch unter den Körper schieben
- Schock-Lagerung
- Beine etwa 20 cm erhöht, nicht bei Atemnot oder Herzbeschwerden
- Warndreieck
- Innerorts etwa 50 m, außerorts etwa 100 m
- Giftnotruf Berlin/Brandenburg
- 030 19240
- Seitenlage
- Nicht bei Trauma oder Schnappatmung