Flusssäure: Gefahren und Erste Hilfe

Gefahrgut und ABC

Das Wichtigste in Kürze

  • Flusssäure (Fluorwasserstoffsäure, HF in Wasser) ist stark ätzend und ein starkes Kontaktgift. Sie verursacht äußerst schmerzhafte Wunden, das Einatmen der Dämpfe kann systemisch vergiften.
  • Heimtücke: Verätzungen tieferer Schichten und sogar der Knochen sind möglich, ohne dass die Haut außen verletzt wirkt. Der warnende Schmerz kommt oft erst nach Stunden, Symptome können 8 bis 24 Stunden später beginnen.
  • Handtellergroße Verätzung durch 40-prozentige Flusssäure ist in der Regel tödlich.
  • Schutz: mindestens Körperschutz Form 2 für den vorgehenden Trupp, Beständigkeitsliste des Anzugs beachten, so wenige Kräfte wie nötig.
  • Erste Hilfe: Notarzt, sofort entkleiden und dekontaminieren, Calciumgluconat-Gel auftragen, Voranmeldung im Krankenhaus.

Eigenschaften

  • Starke Säure, reagiert mit vielen Verbindungen unter starker Wärmeentwicklung und kann entflammbare, explosive Stoffe bilden. Bildet Wasserstoff bei Kontakt mit Metallen.
  • Greift Metall, Glas und Stein an und löst Silizium auf. Aufbewahrung nur in Kunststoff, Blei, Wachs oder Paraffin.
  • Verwendung: Herstellung anorganischer Fluoride, Reinigen, Ätzen, Emaillieren, verdünnt als Industrie- und Haushaltsreiniger, Elektronik und Halbleiterindustrie.
  • Fluorwasserstoff ist eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit, die schon bei 19 bis 20 °C siedet und an feuchter Luft stark raucht. Die Dämpfe sind giftig und schwerer als Luft, sie breiten sich am Boden aus.

Maßnahmen

  1. Gefahren- und Absperrbereich einrichten, nicht mehr Einsatzkräfte im Gefahrenbereich als nötig.
  2. Mindestens Körperschutz Form 2 für den vorgehenden Trupp, Dekon-Platz vorbereiten.
  3. Nicht in die Kanalisation: Rückhaltung.
  4. Aufnehmen mit geeignetem Bindemittel, gebundene Flusssäure bleibt gefährlich.
  5. Neutralisieren mit gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid), Kalkmilch oder kohlensaurem Kalk (Calciumcarbonat). Behälter nicht verschließen: exotherme Reaktion mit Wärme und CO₂.
  6. Verdünnung nur bei Kleinstmengen.
  7. Freiwerdendes Fluorwasserstoffgas gegebenenfalls mit Wasser niederschlagen.
  8. Unterstützung durch TUIS oder ATF anfordern.
  9. Atemfilter sind möglich, wenn keine weiteren gefährlichen Stoffe da sind (Filter E, gelb). Geeignete Behälter zum Aufnehmen: Polyethylen, Polypropylen, PVC, Teflon.
  10. Bei der Reinigung beachten: Dämpfe in hoher Konzentration können auf der Kleidung haften.

Warum Flusssäure so gefährlich ist

  • Fluorid reagiert mit körpereigenem Calcium. Ein deutlicher Abfall des Calciumspiegels und andere Stoffwechselveränderungen können tödlich enden, besonders Herzrhythmusstörungen, Herz- und Nierenversagen.
  • Symptome einer Verätzung: Rötung, weiße Flecken, Pochen.
  • Retter sind gefährdet durch direkten Kontakt mit dem Patienten oder seiner Kleidung und durch Dämpfe.

Erste Hilfe

  • Notarzt alarmieren. Patient immer entkleiden und dekontaminieren. Schnellstmöglich in ein geeignetes Krankenhaus, Voranmeldung.
  • Augen: 10 Minuten mit Wasser spülen, alternativ mit 1 %iger Calciumgluconat-Lösung, unverletztes Auge schützen, lockerer Verband.
  • Haut: benetzte Kleidung entfernen (Selbstschutz), mindestens 5 Minuten mit viel Wasser spülen (Notdusche), dann Calciumgluconat-Gel (2,5 %) reichlich auftragen und leicht einmassieren, auch ohne Schmerz. Zwischendurch spülen und neu auftragen, bis zur Schmerzfreiheit und danach 15 Minuten weiter. Ohne Gel: nasse Umschläge mit 10 %iger Calciumgluconat-Lösung. Spritzen unter die Haut nur durch Ärzte.
  • Atmungsorgane: an die frische Luft (Selbstschutz), die Person tragen, Oberkörper erhöht lagern, so schnell wie möglich Glucocorticoid-Dosieraerosol wiederholt einatmen lassen, bei Atemnot Sauerstoff. Bei Atemstillstand künstlich beatmen (Beatmungsbeutel).
  • Verschluckt: Mund ausspülen, Calciumgluconat-Lösung in kleinen Schlucken trinken lassen, ersatzweise Milch oder Kreideaufschwemmung.
  • Bei Kontakt mit mehr als 40 %iger Flusssäure, besonders am Oberkörper, ist gleichzeitiges Einatmen wahrscheinlich.

Was heißt das für dich?

  • Schmerz kommt zu spät: sofort spülen, auch wenn nichts wehtut.
  • Nur Kunststoff zum Aufnehmen, Behälter nicht verschließen.
  • Notarzt früh, Krankenhaus vorab informieren.

Siehe auch: pH-Wert und Neutralisation, Dekontamination, Fahrzeuge mit alternativen Antrieben.

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Siedeverhalten
Flusssäure siedet als Gemisch bei etwa 112 °C, über 40 % gast Fluorwasserstoff aus
Fluorwasserstoff
Siedet bei 19 bis 20 °C, stechend riechend, rauchend an feuchter Luft
Schutz
Mindestens Körperschutz Form 2, Beständigkeitsliste beachten
Neutralisation
Calciumcarbonat oder Kalk, Behälter nicht verschließen
Behälter
Polyethylen, Polypropylen, PVC, Teflon (kein Glas, kein Metall)
Gel
Calciumgluconat-Gel 2,5 % für die Haut
Filter
Gelber Filter (Kennbuchstabe E), nur wenn keine weiteren Stoffe vorhanden sind

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