Ammoniak: Gefahren und Einsatz

Gefahrgut und ABC

Das Wichtigste in Kürze

  • Ammoniak (NH₃) ist ein Atemgift mit Reiz- und Ätzwirkung, wassergefährdend und nach Erwärmung brennbar. Schon geringe Zündenergie zündet das Gas-Luft-Gemisch.
  • Austretendes Ammoniak bindet sich an die Luftfeuchtigkeit und wird als Nebel schwerer als Luft. Je feuchter die Luft, desto mehr sammelt sich am Boden und in Senken.
  • Sofort räumen und absperren: im Umkreis von 50 m, je nach Lagermenge anpassen. Fenster und Türen schließen, Klimaanlagen abstellen, tiefer gelegene Räume in Ausbreitungsrichtung kontrollieren.
  • Gasförmig: Dämpfe mit Wasserschleier niederschlagen (ersatzweise Sprühstrahl, Hydroschilder, Wasserwerfer). Flüssig: nicht auf Behälter oder Leck spritzen, das beschleunigt die Gasbildung.
  • Schutz: Chemikalienschutzanzug Form 3 (gasdicht) mit Atemschutz. Bei flüssigem Ammoniak zusätzlich Kälteschutz, kein PVC (wird brüchig).

Maßnahmen

  • Anfahrt mit dem Wind, Fahrzeugaufstellung organisieren, Bereitstellungsraum für CBRN-Einheiten einrichten.
  • Gefahrenbereich 50 m räumen und absperren (Hinweis: je nach Lagermenge anpassen, die Ausbreitung ständig beachten). Nachbargebäude nur räumen, wenn unbedingt nötig.
  • Vorgehen unter Schutzkleidung Form 3. Zündquellen beseitigen, Prüfröhrchen- und Ex-Messungen durchführen.
  • Betrieblichen Gefahrenabwehrplan beachten, gegebenenfalls TUIS anfordern.
  • Die Hinweise gelten für Austritt im industriellen Maßstab oder Gefahrgutunfall. Bei kleinen Austritten (zum Beispiel Haushaltskühlschrank mit Ammoniak) sind nicht alle Maßnahmen nötig.

Gasförmiger Austritt

  • In geschlossenen Räumen: Gebäude räumen, Raum und Gebäude möglichst dicht verschließen, Zündquellen ausschließen, Gebäude stromlos schalten lassen.
  • Bei Ammoniak-Nebel: Kanaleinläufe abdichten, Senken kontrollieren. Gelangt Ammoniak-Wasser in die Kanalisation, den Kanalbetreiber verständigen.
  • Behälter abdichten und gegebenenfalls ins Freie bringen.
  • Dämpfe niederschlagen mit Wasserschleier (ersatzweise Sprühstrahl), gegebenenfalls Hydroschilder und Wasserwerfer. Das anfallende Wasser auf den pH-Wert prüfen und gegebenenfalls auffangen.

Flüssiger Austritt (zusätzlich)

  • Nicht auf Behälter oder Leckstelle spritzen.
  • Kälteschutz im Chemikalienschutzanzug, keine Anzüge aus PVC.
  • Leck abdichten oder Flasche im Gasflaschen-Bergebehälter bergen.
  • Austrittsstelle abdecken (zum Beispiel mit PE-Folie oder Mittelschaum, die Schaumdecke vereist).

Gefahren

  • Atemgift mit Reiz- und Ätzwirkung, wassergefährdend.
  • Brennbar nach Erwärmung, schon bei geringer Zündenergie.
  • Kontakt mit flüssigem Ammoniak: schwere Erfrierungen und Zerstörung von Feuerschutzkleidung und einfacher Chemikalienschutzkleidung.
  • Schwergas-Verhalten: Nebel fließt in Senken.

Nachsorge

  • Dekontamination von Personal und Geräten mit Wasser, den Erfolg mit Universalindikatorpapier prüfen.
  • Wasserbehörde und Polizei informieren, gegebenenfalls die Bevölkerung warnen, Presseanfragen vorbereiten.

Erste Hilfe

  • Haut- oder Augenkontakt: zuerst kontaminierte Kleidung entfernen, dann 15 Minuten mit viel Wasser spülen.
  • Eingeatmet: Notarzt (Reizung der oberen Atemwege), Beatmungsgerät statt Mund-zu-Mund-Beatmung, Sauerstoff geben.
  • Erfrierungen durch flüssiges Ammoniak: vorsichtig mit kaltem Wasser auftauen.
  • Ruhe, Wärmeerhalt (Rettungsdecke), mit der Giftnotrufzentrale abstimmen. Bei vielen Betroffenen MANV auslösen.

Was heißt das für dich?

  • Sofort 50 m räumen, mit dem Wind anfahren, Senken im Blick.
  • Wasserschleier für Dämpfe, kein Wasser ins flüssige Leck.
  • Wasser auffangen und prüfen.

Siehe auch: Gaswolke bekämpfen, Schutzausrüstung, pH-Wert und Neutralisation, Auffangen, Abdichten, Binden.

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Absperrung
Sofort 50 m räumen und absperren, nach Lagermenge anpassen
Dichte
Als Nebel schwerer als Luft, sammelt sich in Senken
Schutz
Chemikalienschutzanzug Form 3 mit Atemschutz, bei Flüssigkeit Kälteschutz
Löschen von Dämpfen
Wasserschleier, Sprühstrahl, Hydroschilder, Wasserwerfer
Erste Hilfe
Haut und Augen 15 Minuten mit viel Wasser spülen
Wasser
pH prüfen, gegebenenfalls auffangen

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