Das Wichtigste in Kürze
- Dekontamination (Dekon) ist die Grobreinigung von Einsatzkräften, anderen Personen, Fahrzeugen und Geräten. Eine Verschleppung der Kontamination ist zu verhindern.
- Alle Einsatzkräfte werden vor dem Betreten des Gefahrenbereichs registriert.
- Stufe I Sofort-Dekon (zeitgleich mit dem ersten Trupp), Stufe II Standard-Dekon (Dekon-Platz, in der Regel 15 Minuten nach dem ersten Anlegen betriebsbereit), Stufe III erweiterte Dekon.
- Dekon P (Personal mit unbeschädigter PSA) und Dekon V (Verletzte, beschädigte PSA).
- Hautkontamination abspülen, nicht abreiben.
Die drei Stufen
- Stufe I – Sofort-Dekon: an der Grenze zum Gefahrenbereich gleichzeitig mit dem Einsatz des ersten Trupps. Bei beschädigter PSA, Hautkontakt, Atemluftmangel oder dringend zu behandelnden Verletzungen. Nicht an einen Dekon-Platz gebunden. Der Ort gilt danach als kontaminiert und wird abgesperrt. Ziel: lebensrettende Sofortmaßnahmen ohne Eigen- oder Fremdgefährdung ermöglichen.
- Stufe II – Standard-Dekon: bei jedem ABC-Einsatz unter PSA, an einem Dekon-Platz. Betriebsbereit spätestens 15 Minuten nach dem ersten Anlegen der PSA (zum Beispiel Anschluss des Isoliergeräts), außerhalb des Gefahrenbereichs. Ausnahmen kann der Einsatzleiter zur Menschenrettung zulassen. Kontaminierte Einsatzmittel sammeln und verpacken.
- Stufe III – Erweiterte Dekon: lagebezogene Erweiterung, zum Beispiel bei vielen Personen, mehreren liegend Verletzten, speziellen Stoffen, Witterungsschutz, warmem Duschen nach dem Einsatz, Sanitätskräften oder großen Abwassermengen.
Dekon-Platz
- Pflicht bei Gefahrengruppen II und III. Lage legt der Dekon-Einheitsführer mit der Einsatzleitung fest: windzugewandt, außerhalb des Gefahrenbereichs, gut erreichbar, mit Strom, Wasser und Abwasser.
- Zwei Seiten: Schwarz-/Rot-/Gelbbereich (unrein) und Weiß-/Grünbereich (rein). Grenzen deutlich markieren.
- Dort werden Kräfte, Geräte, Verletzte und andere Personen auf Kontamination geprüft, dekontaminiert, kontaminierte Schutzkleidung wird abgelegt. Erst dann geht es durch die Grenze.
Personen
- Dekon P: Einsatzkräfte mit geeigneter, unbeschädigter PSA, Kontamination nur auf der PSA, Inkorporation ausgeschlossen.
- Dekon V: gehfähige und nicht gehfähige Verletzte, Einsatzkräfte mit beschädigter PSA, mögliche Hautkontamination oder Inkorporation.
- Schon das Ablegen der Oberbekleidung erreicht oft einen hohen Dekontaminationsgrad.
- Radioaktivität: Kontaminationskontrolle, ab der dreifachen Nullrate gilt eine Person als kontaminiert. Die Kontaminationsfreiheit bestätigt die Fachbehörde.
- Bei Verdacht auf Exposition, Kontamination oder Inkorporation immer zum Arzt.
Dekon P, V und G im Detail
- Dekon P (Personal): Einsatzkräfte mit geeigneter, unbeschädigter PSA, Kontamination nur auf der PSA, Inkorporation ausgeschlossen.
- Dekon V (Verletzte): andere Personen oder Einsatzkräfte mit beschädigter oder ungeeigneter PSA, Hautkontamination möglich oder Inkorporation nicht auszuschließen.
- Dekon G (Geräte und Fahrzeuge): möglichst vor Ort, frühzeitig, damit das Material nicht weiter reagiert. Verpacken (Foliensack), kennzeichnen (Ort, Datum, Inhalt, Art der Kontamination), im Schwarzbereich belassen. Reinigung oder Entsorgung durch zertifizierte Unternehmen, nicht im Mannschaftsraum transportieren.
- Dekon-Platz: bei jedem ABC-Einsatz der Gefahrengruppen II und III, windzugewandt außerhalb des Gefahrenbereichs, gut erreichbar, Strom, Wasser, Abwasser. Aufteilung in Schwarz-/Rot-Gelb-Bereich (unrein) und Weiß-/Grün-Bereich (rein). Erst nach der Dekon darf man den unreinen Bereich verlassen.
- Sofort-Dekon (Stufe I) gilt als kontaminierter Ort und wird abgesperrt. Standard-Dekon (Stufe II) spätestens 15 Minuten nach dem ersten Anlegen einer PSA betriebsbereit.
Wichtige Regeln für Betroffene
- Lebensrettende Sofortmaßnahmen gehen vor Dekontamination, dabei Eigenschutz.
- Kontaminierte Verletzte werden unter Verantwortung des Rettungsdienstes (Notarzt) dekontaminiert. Keine Stoffe über Mund, Nase, Ohren oder offene Wunden aufnehmen (vorher abdecken).
- Haut: Gefahrstoffe abspülen, nicht abreiben. Oberkleidung ablegen bringt in der Regel schon einen hohen Dekon-Grad.
- Rettungsdienst informieren: Art der Kontamination, vermuteter Stoff, kontaminierte Fläche, Grad, Dauer der Einwirkung, bisherige Maßnahmen. Das Krankenhaus nach Möglichkeit vorab informieren.
- Strahlung: Kontaminationskontrolle, bei Überschreiten der dreifachen Nullrate gilt die Person als kontaminiert.
- Registrieren: Alle Einsatzkräfte vor dem Betreten des Gefahrenbereichs. Bei Verdacht auf Exposition: Arzt, bei krebserzeugenden Stoffen Bio-Monitoring.
Abschluss und Dokumentation
- Aufräumarbeiten nur im Rahmen der Gefahrenabwehr. Kontaminierte Ausrüstung verpacken und kennzeichnen, Abwässer des Dekon-Platzes entsorgen.
- Abtransport von ABC-Gefahrstoffen ist Sache von Fachfirmen oder dem Betrieb. Lagerung in Feuerwehrhäusern ist in der Regel nicht zulässig.
- Dokumentation: besondere Vorkommnisse, Angaben zum Stoff, Gefahrstoffnachweis, eingesetzte Trupps (PSA), Kontamination und Dekon. Aufbewahrung mindestens 40 Jahre. Bei Langzeitschäden zusätzlich Dokumentation analog TRGS 410 (krebserzeugende oder keimzellmutagene Stoffe).
Die Handgriffe und die Ausrüstung übst du praktisch mit der ABC-Einheit.