Das Wichtigste in Kürze
- H:Rettung aus Höhen und Tiefen: Bauunfall, Absturz, Schacht, Windkraftanlage. Laut Katalog Gruppe mit 1 LF, DLK, Einsatzmittel für Höhensicherung bzw. Höhenrettung, Rettungsdienst mit Notarzt.
- Absturzsicherung für alle Einsatzkräfte im Absturzbereich, Anschlagpunkte oberhalb des Arbeitsstandorts.
- Schächte und Behälter: Sauerstoffmangel und giftige Gase sind nur mit Messgerät erkennbar. Atemschutz, Sicherung (Leine), Sicherungsposten. Niemand steigt ungesichert ein.
- Windkraftanlage: Betreiber früh einbinden, Brand in der Gondel kontrolliert abbrennen lassen, 500 m (bei Wind 1.000 m) absperren, Höhenrettungsgruppe anfordern.
- Aufzug: Hauptschalter aus, Fahrkorb nur bis zum nächsten Stockwerk, keine Eingriffe in die Steuerung.
- Stichwort
- H:Rettung aus Höhen und Tiefen (Nr. 15 im Katalog)
- Beispiele laut Katalog
- Bauunfall, Rettung aus Höhe, Rettung aus Schacht, Windkraftanlage
- Taktische Einheit
- Gruppe
- Fahrzeuge
- 1 LF
- Besondere Einsatzmittel
- DLK, Einsatzmittel für Höhensicherung bzw. Höhenrettung
- Rettungsdienst-Stichwort
- ja
- Rettungsmittel
- ohne Personen in Gefahr: RTW; mit Personen in Gefahr: RTW + NA
- Hinweis
- Welche Kräfte für das Stichwort ausrücken, steht in der Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr, die Katalogwerte sind nur Hinweise. Vor Ort entscheidet der Einheitsführer. Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.
Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.
Grundlagen und Gefahren
Absturz und Höhe
- Wer in den Gefahrenbereich geht, wird gesichert (siehe Seite „Haltegurt und Absturzsicherung“).
- Anschlagpunkte grundsätzlich oberhalb des Arbeitsstandorts (Grundsätze der FwDV 1).
- Rettungswege: Drehleiter, Leitern, Schleifkorbtrage, Seilrettung (siehe Seiten „DLK: Drehleiter mit Korb“ und „Auf- und Abseilgerät“).
- Höhenrettungsgruppe anfordern, wenn die Mittel der Wehr nicht reichen.
- Psychische Belastung und Panik der betroffenen Person beachten.
Schacht, Behälter, enge Räume
- Gefahren: Sauerstoffmangel, giftige Gase, Explosionsgefahr, Ertrinken. Sauerstoffmangel ist nicht wahrnehmbar, nur messbar.
- Gasmessung: Sauerstoffgehalt und Gefahrstoffe messen, bevor jemand einsteigt (siehe Seite „Atemgifte“).
- Atemschutz: nur mit Atemschutz einsteigen (siehe Seite „Pressluftatmer“). In Ausnahmefällen darf ein einzelner Atemschutzgeräteträger vorgehen, wenn Leinen- oder Abseilsicherung und Sicherungsposten gewährleistet sind (nach FwDV 7).
- Sicherungsposten: Person außerhalb, die ständige Verbindung hält und die Rettung einleitet. Sie steigt nie selbst ein.
- Selbstrettung des Retters ist wichtig: Leine, Abseilgerät, zweiter Trupp bereit.
Vorgehen Schritt für Schritt
Allgemein
- Lage erkunden: Wo ist die Person, welcher Zustand, welche Gefahren (Absturz, Gas, Einsturz, Strom)?
- Sichern: Absturzsicherung für Retter, Sicherungsposten, Schacht und Behälter nur mit Atemschutz und Gasmessung.
- Erstversorgung und Betreuung der Person, Rettungsdienst einbinden.
- Rettung: über Drehleiter, Leitern, Schleifkorbtrage oder Seilrettung. Spezialkräfte bei komplexer Lage.
- Übergabe an den Rettungsdienst, Gerät prüfen, Meldung.
Aufzugsunfall
- Standort der Kabine erkunden, Zustand der Personen beurteilen, beruhigen und betreuen.
- Aufzug am Hauptschalter stromlos schalten (vor Beginn!). Kein Eingriff der Feuerwehr in die elektrische Steuerung.
- Maschinenraum besetzen (gegen Wiedereinschalten, Bremse aktiviert halten).
- Fahrkorb nur bis zum nächsten Stockwerk bewegen. Erkunden, ob die Fangvorrichtung ausgelöst hat. Bei über 50 % Tragfähigkeit grundsätzlich nach unten fahren.
- Befreiung: leichte Fälle mit Brecheisen und Keilen, sonst untere Führung des Fahrkorbs abschrauben, Korb wegschwenken.
- Direkt angetriebene (hydraulische) Aufzüge: nur Fachfirma darf nach Stromabschaltung verfahren.
- Absturzsicherung an offenen Fahrschachttüren.
- Einsatzende: Aufzug außer Betrieb (Schilder an Schachttüren), Werkzeug entfernen, Triebwerkraum verschließen, Aufzugsfirma und Hausverwaltung informieren.
Windenergieanlage
- Erkunden: Anfahrtsweg, Höhe des Ereignisses, Rotor dreht oder steht? Betreiber sofort kontaktieren (Anlagen-ID am Turmfuß).
- Brand in der Gondel: kontrolliert abbrennen lassen, Anlage nicht betreten. Absperrung 500 m, bei markantem Wind 1.000 m (herabfallende Teile).
- Eisabwurf und Rotorblätter: Wurfweite bei drehendem Rotor etwa (Rotordurchmesser + Nabenhöhe) × 1,5, pauschal 500 m.
- Elektrik: Not-Stopp-Taster schaltet nicht spannungsfrei! Freischaltung durch den Betreiber. Abstände einhalten.
- Brand im Turmfuß oder Trafohaus: Not-Stopp drücken, bei Kabelbrand Zuluftöffnungen und Türen verschließen, Löschversuche mit Sicherheitsabständen. PCB in Trafos und CFK-Fasern beachten.
- Höhenrettung: früh spezialisierte Höhenrettung alarmieren. Aufstieg dauert bis 60 Minuten. Wartungspersonal arbeitet zu zweit, kann sich bei Unverletztheit selbst abseilen.
- Keine Selbstüberschätzung: Steig- und Befahreinrichtungen nur durch unterwiesenes Personal.
Person droht mit Sprung
- Geduld, ohne Blaulicht anfahren, Aufstellung nicht im Blickfeld der Person.
- Gefahrenbereich räumen und absperren, Sprungpolster außerhalb der Sichtlinie vorbereiten (siehe Seite „Sprungpolster und Sprungtuch“).
- Zugänge durch Feuerwehr und Polizei sichern.
- Kontakt führen Fachkräfte (Polizeipsychologe, Notarzt, geschulte Kräfte, Seelsorge). Kein Megaphon, Vertrauensperson hinzuziehen, keine unmöglichen Versprechen.
- Zugriff nur als letzte Maßnahme, wenn der Erfolg sicher ist. Absturzsicherung der Zugriffskräfte.
Typische Fehler
- Ohne Absturzsicherung gearbeitet.
- Schacht ohne Messung betreten.
- Aufzug nicht stromlos.
- Windkraftanlage betreten bei Brand oder ohne Betreiber.
- Sicherungsposten steigt selbst ein.
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