H:Natur – Sturm-, Starkregen- und Schneeschäden

Technische Hilfeleistung

Das Wichtigste in Kürze

  • H:Natur sind witterungsbedingte Schäden: Sturm, Starkregen, Schnee, Hitze. Laut Katalog Staffel mit 1 LF und Beleuchtungssatz, Drehleiter gegebenenfalls.
  • Wetterlagen bringen viele Einsatzstellen gleichzeitig. Die Einsatzleitung führt eine Einsatzstellenliste und arbeitet nach Priorität: Menschenleben und akute Gefahr zuerst.
  • Die Feuerwehr greift ein, wenn eine Gefahr für Leben oder öffentliche Sicherheit besteht (zum Beispiel Baum auf Straße, Gleis, Haus). Nicht bei reinen Bagatell-Schäden.
  • Gefahren: herabstürzende Äste und Dachteile, Trümmerschatten, herabhängende Leitungen (unter Spannung!), Absturz auf Dächern.
  • Dach in Gefahr? Bei extremen Stürmen erst nach dem Abflauen arbeiten, mit Absturzsicherung oder von der Drehleiter.
Stichwort
H:Natur (Nr. 2 im Katalog)
Beispiele laut Katalog
Schäden durch witterungsbedingte Ereignisse
Taktische Einheit
Staffel
Fahrzeuge
1 LF
Besondere Einsatzmittel
Beleuchtungssatz
Drehleiter
gegebenenfalls ja
Hinweis
Welche Kräfte für das Stichwort ausrücken, steht in der Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr, die Katalogwerte sind nur Hinweise. Vor Ort entscheidet der Einheitsführer. Die Handgriffe übst du praktisch in der Wache.

Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.

Lage verstehen

Wetterlagen und Priorität

  • Flächenlage: Viele Notrufe in kurzer Zeit. Die Leitstelle und die Einsatzleitung arbeiten Einsätze nach Priorität ab.
  • Reihenfolge: 1. Menschen in Lebensgefahr, 2. akute Gefahr für Personen oder Verkehr (Baum auf Straße, Gleis, Hauswand), 3. Schäden mit Folgeschäden (Dach offen bei Regen), 4. reine Sachschäden.
  • Einsatzstellenliste: Jede Einsatzstelle wird mit Ort, Gefahr und Stand erfasst. Einsatzleiter melden den Stand an die Leitstelle, damit erledigte Stellen nicht mehrfach angefahren werden.
  • Kräfte schonen: bei langen Lagen Ablösung, Verpflegung und Einsatzzeit beachten.

Typische Einsätze

  • Sturm: Bäume und Äste auf Straße, Gleis, Gebäude und Fahrzeuge. Dachziegel und Bauteile lose. Zäune, Gerüste, Werbetafeln.
  • Starkregen: Wasser im Keller, Straßenüberflutung, Rückstau, Unterführungen (siehe Seite „H:klein“).
  • Schnee: Dachlasten (Einsturzgefahr), Bäume unter Schneelast. Dacheinstürze sind ein eigenes Lagebild.
  • Hitze und Trockenheit: Vegetationsbrand-Gefahr, Tiere in Not (siehe Seiten „Vegetationsbrand“ und „H:Tier in Not“).

Vorgehen

Schritt für Schritt

  1. Lage prüfen: Ist die Gefahr akut (Personen, Straße, Strom, Gebäude)?
  2. Abstand und Aufstellung: Fahrzeug außerhalb des Trümmerschattens, nicht unter Bäumen oder an Fassaden mit losen Teilen aufstellen.
  3. Absichern: Straße sperren oder Verkehr leiten (siehe Seite „Einsatzstelle gegen Verkehr sichern“).
  4. Leitungen: herabgefallene Leitungen als unter Spannung behandeln, Abstand, Netzbetreiber informieren (siehe Seite „Elektrizität“).
  5. Arbeiten: Bäume zersägen (siehe Seite „Motorkettensäge“), Dächer notdürftig sichern (Planen), Wasser pumpen.
  6. Arbeiten in der Höhe: nur mit Absturzsicherung (siehe Seite „Haltegurt und Absturzsicherung“) oder von der Drehleiter (siehe Seite „DLK: Drehleiter mit Korb“).
  7. Ergebnis melden: Stand der Einsatzstelle an die Leitstelle, Übergabe an Eigentümer, Straßenbaulastträger, Netzbetreiber.

Dach und Höhe

  • Bei akutem Sturm: Nicht aufs Dach, solange Böen anhalten. Erst nach dem Abflauen arbeiten.
  • Zugang: Drehleiter oder Leiter, Retter am Haltegurt, Ankerpunkte oberhalb des Arbeitsplatzes (siehe Seite „Haltegurt und Absturzsicherung“).
  • Notdichtung: Planen, mit Brettern oder Latten befestigen. Statik abwägen, besonders bei Schnee.
  • Nicht begehbare Dächer (Eternit, Glas, Folienplatten, Schneebrett) nie betreten.

Zusammenarbeit und Nachsorge

Wer ist noch beteiligt?

  • Netzbetreiber (Strom, Gas), Straßenbaulastträger, Polizei (Verkehr), Forst (Wald), Deutsche Bahn (Gleise).
  • THW bei großen Flächenlagen und schwerem Gerät.
  • Bürger: Hinweise zu Sturm und Hitze auf der Seite „Bürgerinformation“ (siehe Seiten „Sturm“ und „Hitze“).

Sicherheit der Einsatzkräfte bei Hochwasser

Hochwasserlagen dauern oft lange und haben eigene Tücken. Das beste Mittel ist Vorbereitung: Taktiken üben, Szenarien durchspielen und an die unerwarteten Dinge denken: verschmutztes Wasser, überflutete elektrische Anlagen, wechselndes Wetter, Tiere und die Helfer selbst.

  • Pausen und Ablösung: Der Einsatz dauert meist lange. Die Kräfte werden je nach Dauer und Intensität regelmäßig abgelöst, es gibt ausreichende Pausen, und es wird genug getrunken. Schwere körperliche Belastung führt zu früher Erschöpfung.
  • Medizinische Betreuung der Einsatzkräfte vor Ort und Anweisungen des medizinischen Personals befolgen.
  • PSA je nach Lage und Größe wählen, mit Blick auf die Vorbildwirkung. Bei langer Sonne Haut- und Kopfschutz.
  • Insekten: Schutz vor Zecken, Bienen, Eichenprozessionsspinnern und Mücken, etwa durch Impfungen, Salben oder passende Kleidung.
  • Tiere reagieren auf Stress unvorhersehbar. Erfahrene Kräfte einsetzen oder auf die Tierrettung warten.
  • Sandsäcke: Schweres Heben und Tragen über lange Strecken und Zeit vermeiden, Aufgaben wechseln.
  • Überflutete und unbekannte Ufernähe nur mit größter Vorsicht betreten: Unebenheiten, Löcher, spitze und scharfkantige Gegenstände.
  • Strom: Wasser leitet sehr gut. Bei überfluteten Wohnhäusern und Stallanlagen besteht Lebensgefahr durch Stromschlag. Das Gebäude komplett vom Netz nehmen und die eigene Stromversorgung der Feuerwehr aufbauen.
  • Kontaminiertes Wasser meiden, wegen Hautreaktionen, Ausschlägen, Allergien. Impfungen (zum Beispiel Hepatitis A) müssen gewährleistet sein.

Sicherheit und Eigenschutz gehen immer vor.

Typische Fehler

  • Fahrzeug unter Bäumen oder am Haus mit losen Teilen aufgestellt.
  • Leitung als „tot“ angesehen.
  • Aufs Dach bei Böen, ohne Sicherung.
  • Priorität nicht beachtet: Bagatelle vor Gefahr.
  • Erledigte Einsatzstelle nicht gemeldet.

Schneelast und Dachräumung

Hohe Schneelasten können die Statik eines Gebäudes gefährden. Schneelastbeseitigung ist keine übliche Aufgabe von Feuerwehr und THW, kommt aber in Ausnahmefällen zur Gefahrenabwehr vor. In der Vergangenheit betraten Kräfte ungesichert und ohne Kenntnis des Bauwerks das Dach und gerieten in vermeidbare Gefahren.

Ablauf (DFV-Fachempfehlung):

  1. Schneelast messen lassen durch Fachleute (Statiker, Bauaufsicht, qualifizierte THW-Fachberater). Ein Gliedermaßstab mit Normgewicht genügt nicht, weil er Dichte und Vereisung nicht erfasst.
  2. Standsicherheit durch einen Baufachberater oder Statiker bewerten lassen. Mögliche Ergebnisse:
  • a) keine Maßnahme nötig,
  • b) Standsicherheit gefährdet, Räumung möglich,
  • c) akut gefährdet, Räumung nicht mehr möglich: Gebäude sofort sperren.
  1. Räumplan aufstellen, damit die Räumenden das Dach nicht zusätzlich belasten. Einsatzkräfte vorab eindringlich unterweisen.

Regeln auf dem Dach:

  • Eigenschutz geht vor, Personenschutz vor Sachschutz. Das Räumen nur mit Absturzsicherung oder Anschlag an einem geeigneten Festpunkt. Haltegurt und Feuerwehrleine schützen nur bedingt, nur nutzen, wenn ein Absturz bei Durchbruch und an der Kante sicher gehalten wird. Sonst PSA gegen Absturz mit Kerndynamikseilen.
  • Auf Gefahren hinweisen: Blitzschutzleitungen (Stolpern), verdeckte Lichtkuppeln und Schächte.
  • Keine schweren Geräte (Schneefräsen) aufs Dach.
  • Räumstreifen zuerst mit einer Person, nach zwei geräumten Metern darf eine zweite dazukommen. Feldweise nach Räumplan räumen.
  • Nicht zu viele Kräfte gleichzeitig auf dem Dach, keine Personenansammlungen.
  • Räumen darf keine anderen Bereiche überlasten (tiefere Flachdächer, Schneehaufen). Tauwasser muss abfließen können.
  • Fürsorge: Räumen ist anstrengend, Gefahr von Unterkühlung und Austrocknung, auf Verpflegung achten.

Lizenz und Quellenhinweis

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Siehe auch