Fassadenbrand an Wärmedämmung

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Fassadenbrand an Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) brennt oft mehr, als du siehst: Brand im Hohlraum zwischen Wand und Dämmung, Überspringen von Brandriegeln, Ausbreitung in andere Geschosse, Kamineffekt hinauf zum Dach.
  • Stelle die Drehleiter direkt vor das Gebäude und kontrolliere den Übergang zum Dach. Nach dem Ablöschen öffnest du die Fassade großflächig, die Wärmebildkamera allein reicht nicht.
  • Bilde bei Bedarf eine Schneise: Entferne noch nicht betroffene Dämmung, damit das Feuer nicht weiterläuft. Löschnägel (Fognails) helfen zusätzlich.
  • Kontrolliere auch Dämmung, die eigentlich nicht brennbar ist. Holzfaserdämmung kann im Inneren brennen, ohne dass Wärmebildkamera oder Brandgeruch es von außen zeigen.
  • Später nachkontrollieren: Es kann auch nach 24 Stunden weiterglimmen.

Maßnahmen

  • Drehleiter direkt vor dem Gebäude aufstellen, Platz freihalten. Dabei den Trümmerschatten bedenken (herabfallende und tropfende Teile).
  • Übergang zum Dach kontrollieren. Vorsicht Kamineffekt, die Hinterlüftung wirkt wie ein Schornstein.
  • Fassade nach dem Ablöschen großflächig öffnen. Löschnägel einsetzen, wenn vorhanden.
  • Schneise bilden: noch nicht betroffene Dämmung entfernen.
  • Dämmung prüfen, die als nicht brennbar gilt.

Gefahren

  • Massive Rauchentwicklung und Rauchausbreitung. Brandriegel können übersprungen werden, das Feuer läuft in andere Geschosse.
  • Nicht sichtbarer Brand im Hohlraum zwischen Wand und Dämmung.
  • Fassadenteile fallen herab oder tropfen brennend ab.
  • Ohne Putz breitet sich der Brand noch schneller aus.

Beobachten

  • Beobachte die Rauchentwicklung ununterbrochen.
  • Beobachte die Verfärbung des Putzes ununterbrochen. Sie zeigt, wo es hinter der Oberfläche heiß ist.

Holzfassaden: wirksame Löscharbeiten

Die Fachempfehlung von AGBF und DFV „Wirksame Löscharbeiten an Holzfassaden“ (2023-03, überarbeitet am 11. Dezember 2025) beschreibt, wie die Feuerwehr eine Holzfassade erreichen muss. Die Muster-Holzbaurichtlinie verlangt: Jede Gebäudeseite mit Holzbekleidung muss für wirksame Löscharbeiten erreichbar sein.

  • Holzfassaden sind normalentflammbar, nicht schwerentflammbar. Das ist nicht zwangsläufig ein Problem, wenn die Voraussetzungen eingehalten sind.
  • Annahme der Empfehlung: Die Anforderungen der Muster-Holzbaurichtlinie sind vollständig eingehalten (nichtbrennbare Dämmstoffe, horizontale Brandsperren in jedem Geschoss, begrenzte Lüftungsspalte, ein 1 m breiter nichtbrennbarer Streifen neben Brandwänden). Dann beschränkt sich ein Brand in den ersten 20 Minuten auf das Brandgeschoss und das Geschoss darüber. Sind die Fassaden nicht nach der Richtlinie gebaut, ist eine Einzelfallprüfung unerlässlich, und es wird direkte Anleiterbarkeit mit der Drehleiter von jeder Stelle der Fassade angenommen.
  • Warum: Die Feuerwehr ist am kritischen Wohnungsbrand bemessen. Sie ist nicht dafür ausgelegt, anfangs einen Brand in mehr als zwei Geschossen zu bekämpfen. Die Möglichkeiten gegen einen Fassadenbrand sind in der Frühphase äußerst begrenzt.
  • Grundansatz: In der Erstphase wirksame Löschmaßnahmen durch Aufbringen von Löschwasser auf die Fassade sicherstellen. Abmontieren von Fassadenteilen ist später äußerst aufwendig, aber nicht mehr zeitkritisch.
  • Sprinklereffekt: Versuche mit Hohlstrahlrohren im Außenangriff bei höheren Gebäuden zeigten, dass durch den Sprinklereffekt an Decken über Balkonen oder der gesamten Fassade handgeführte Strahlrohre meist für einen ersten Löscherfolg ausreichen. Wegen der Brandsperren ist zunächst kein großflächiges Weiterbrennen abgelöschter Fassadenteile zu erwarten.

Erreichbarkeit nach Fassadenhöhe

  • Fall 1: mit Drehleiter. Bei Feuerwehrflächen nach DIN 14090 (oder landesrechtlich) gilt die Erreichbarkeit als erfüllt. Für wirksame Löscharbeiten reicht Schrägleiterung der Fassade, das hilft beim Baumbestand.
  • Fall 2: Fassadenhöhe bis 12 m. Erreichbarkeit mit handgeführten Strahlrohren, wenn die Feuerwehr ungehindert und barrierefrei zugänglich ist und der Bereich vor der Fassade leicht zugänglich ist.
  • Fall 3: Fassadenhöhe bis 16 m. B-Strahlrohre nötig (deutlich personalintensiver als C-Rohre). Bei Verzicht auf Feuerwehrflächen braucht es: freie, barrierefreie Zugänglichkeit, Entwicklungsflächen für den B-Rohr-Einsatz im Abstand von 6 m von der Fassade (daraus lässt sich eine horizontale Abdeckung von 7,5 m in jede Richtung annehmen), Löschwasserversorgung aus dem Hydrantennetz oder einer anderen Quelle (800 l/min des nächstgelegenen Hydranten, Lauflinie höchstens 75 m zum Grundstückszugang) und eine leistungsfähige Feuerwehr (mindestens ein Trupp für den B-Rohr-Einsatz, leistungsfähige B-Rohre auf den ersteintreffenden Fahrzeugen, wasserführende Löschfahrzeuge bis zur Sicherung der Wasserversorgung).
  • Fall 4: Fassadenhöhe bis zur Hochhausgrenze (25 m). Ab mehr als 16 m ist in der Regel eine Drehleiter nötig, aus dem Korb kommen handgeführte C- oder Hohlstrahlrohre zum Einsatz. Die Feuerwehrflächen müssen nicht vollständig DIN 14090 entsprechen, weil sie nur dem Ablöschen der Fassade dienen, nicht dem zweiten Rettungsweg. Wegen der Wurfweite ist ein Abstand von etwa 12 m zwischen Fassade und Feuerwehrfläche in der Regel akzeptabel.
  • Fall 5: Erreichbarkeit über Balkone, Laubengänge oder Vordächer. Möglich, mit früher Abstimmung mit der Brandschutzdienststelle, Bauteile mit ausreichendem Feuerwiderstand und genug Platz.
  • Fall 6: Hochhäuser. Hier ist eine Erreichbarkeit von außen nicht gegeben, die Fassade muss nichtbrennbar sein.

Was heißt das für dich?

  • Holzfassade mit Brand: Wasser auf die Fassade, früh und in großer Menge, am besten von außen mit Strahlrohr oder Drehleiter. Siehe Fassadenbrand.
  • Ab 16 m braucht es in der Regel die Drehleiter, bis 16 m B-Rohre mit einem Trupp und Wasserversorgung.
  • Objektbegehung mit der Brandschutzdienststelle lohnt sich, wenn in eurem Gebiet Holzfassaden gebaut werden. Siehe auch Hohlraumbrand im Holzbau.

Was heißt das für dich?

  • Brandriegel, Hohlräume und Dach im Blick behalten.
  • Öffnen statt nur Wärmebild.
  • Nach Stunden noch einmal prüfen.

Siehe auch: Moderne Bauweise, Dehnfuge und Holzfaserdämmung, Gebäudebrand groß.

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Dämmstärke
Bis zu 35 cm, oft mehrere Schichten
Gefahr im Hohlraum
Brand zwischen Wand und Dämmschicht, von außen nicht sichtbar
Unverputzte Dämmung
Brandausbreitung noch schneller
Fassadenteile
Fallen herunter oder tropfen brennend ab
Nachkontrolle
Weiterglimmen auch noch nach 24 Stunden möglich
Holzfaserdämmung
Kann innen brennen, ohne von außen erkennbar zu sein

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