Das Wichtigste in Kürze
- Zimmer-, Keller-, Dachstuhlbrand, landwirtschaftliches Anwesen, Wohnung: Laut Katalog 2 Züge, 4 LF, 4.000 l Löschmittel, 16 Atemschutzgeräte, 2 MZF oder ELW 1, Drehleiter erforderlich.
- Menschenrettung zuerst. Rauch ist die größte Gefahr, auch für Bewohner.
- Es gibt zwei Rettungswege: Treppenraum und Rettung über Drehleiter oder tragbare Leitern.
- Innenangriff nur mit Atemschutz, Sicherheitstrupp und ständiger Wasserabgabe. Die Atemschutzüberwachung muss laufen.
- Führung gliedern: bei mehreren Zügen Einsatzabschnitte bilden und früh Unterstützung anfordern.
- Stichwort
- B:Gebäude groß (Nr. 6 im Katalog)
- Beispiele laut Katalog
- Zimmerbrand, Kellerbrand, Dachstuhlbrand, landwirtschaftliches Anwesen, Wohnung
- Taktische Einheit
- 2 Züge
- Löschmittel
- 4.000 l
- Fahrzeuge
- 4 LF
- Besondere Einsatzmittel
- Drucklüfter, WBK
- Atemschutz
- 16 Atemschutzgeräte, 16 Atemschutzgeräteträger
- Führungskomponente
- 2 MZF oder ELW 1
- Eigensicherung
- im Katalog mit „ja“ gekennzeichnet
- Rettungsdienst-Stichwort
- ja
- Rettungsmittel
- ohne Personen in Gefahr: RTW; mit Personen in Gefahr: RTW + NA
- Besonderheiten
- bei schlechter Löschwasserversorgung 2.000 + SW (Zahlen = Löschmittel in Litern; SW = Schlauchwagen)
- Drehleiter
- erforderlich (DLK)
Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.
Vorgehen
- Aufstellen: Zufahrt und Aufstellflächen für Drehleiter und Rettungsdienst freihalten, Trümmerschatten beachten.
- Lagemeldung an die Leitstelle, bei Bedarf Nachalarmierung.
- Erkunden: Personen vermisst? Wo brennt es, wohin zieht der Rauch? Treppenraum rauchfrei?
- Menschenrettung: über den ersten Rettungsweg (Treppenraum) oder zweiten Rettungsweg (Drehleiter, tragbare Leitern). Betroffene dem Rettungsdienst übergeben.
- Brandbekämpfung: Angriffstrupp im Innenangriff mit Atemschutz, weitere Rohre zur Brandausbreitung, Wasserversorgung sicherstellen.
- Rauchausbreitung begrenzen: Türen schließen, später gezielt entrauchen (Drucklüfter).
- Nachlöschen: Wärmebildkamera, Bauteile öffnen, Glutnester ablöschen.
- Übergabe: Brandwache oder Übergabe an den Eigentümer, Polizei für die Ursachenermittlung.
Besondere Gefahren
- Rauchdurchzündung und Rauchexplosion: Bei starker Verrauchung und hohen Temperaturen können sich Rauchgase plötzlich entzünden. Türen kontrolliert öffnen, zügiges Kühlen der Raumdecke, nie ohne Schutz in verrauchte Räume.
- Kellerbrand: Der Rauch steigt über die Kellertreppe auf wie in einem Kamin, der Angriff erfolgt oft durch die Zuluftöffnung.
- Dachstuhlbrand: Kontrolle über die Drehleiter, Dachhaut öffnen, Einsturzgefahr beachten.
- Landwirtschaftliche Anwesen: Tiere, große Mengen Heu und Stroh, Maschinen, Treibstoffe, Dünger und Pflanzenschutzmittel, Gülle- und Biogasanlagen mit giftigen Gasen. Der Wasserbedarf ist oft sehr hoch (Schlauchwagen im Katalog).
- Einsturz: durchgebrannte Decken und Dächer, Wandrisse.
Atemschutz und Sicherheit
Mit 16 Atemschutzgeräten im Katalog ist klar: Mehrere Trupps arbeiten nacheinander. Die Atemschutzüberwachung erfasst jeden Trupp (Einsatzzeit, Flaschendruck). Ein Sicherheitstrupp steht bereit. Mehr dazu in der FwDV 7 und bei den Funktionen Sicherheitstrupp und Atemschutzüberwachung.
Gebäudebrand: Checkliste
- Räumung prüfen und Fluchtwege aus dem Gebäude sichern, besonders aus dem Bereich über dem Brandgeschoss.
- Geschosse kontrollieren: Räume kennzeichnen, Nutzungseinheiten über, unter und neben dem Brand prüfen.
- Rauchschutz: Treppenraumtüren schließen, RWA/RDA aktivieren, Treppenraum entrauchen und rauchfrei halten.
- Aufstellung: außerhalb des Trümmerschattens, Drehleiter direkt vor das betroffene Gebäude, RTW mit freiem Abfahrtsweg.
- Funk: In großen Gebäuden gibt es Funkprobleme (Gebäudefunk, Repeater).
- MANV einplanen: Bei verrauchtem Treppenraum im Mehrfamilienhaus mit etwa 5 bis 10 Rauchvergifteten rechnen.
- Nachlöscharbeiten: Wärmebildkamera, Wasserbetriebe informieren, Eigentumssicherung, Übergabe als „kalte Brandstelle“.
Kellerbrand
- Angriff möglichst durch eine Außentür (weniger Verqualmung des Gebäudes). Kellerfenster von außen als Abluftöffnung öffnen.
- Gefahren: Gasflaschen, Benzinkanister in Mieterkellern, Heizöl, Gas, Elektro (manchmal Trafostation, nicht betreten), herabhängende Leitungen, Rauch über Versorgungsschächte in höhere Etagen.
- Energieversorger verständigen und abschalten lassen, Wärmebildkamera, Angriff mit Belüftung und mobilem Rauchverschluss von Anfang an.
- Verbindung zu Nachbargebäuden prüfen (Rauch und Feuer).
Dachstuhlbrand
- Ziel: das Feuer innerhalb von spätestens 20 Minuten unter Kontrolle bringen, um Einsturz zu vermeiden. Nach etwa 15 Minuten können Dachziegel abrutschen, nach 20 bis 40 Minuten droht seitliche Instabilität (Giebelwände).
- Nagelplattenbinder: keine statischen Reserven, Totaleinsturz ohne Vorwarnung. Innenangriff nur in der Entstehungsphase ohne Dachbeteiligung.
- Außenangriff: Drehleiter mit C-Rohr, wenig Wasserschaden darunter. Bei geschlossener Dachhaut unwirksam.
- Reihenhäuser: Riegelstellung zum Nachbarschutz, Nachbargebäude kontrollieren, Fenster schließen. Innenangriff über das Treppenhaus an der Traufkante, nicht im Firstbereich.
- Reetdach: Wasser dringt kaum durch, Totalverlust wahrscheinlich, Trümmerschatten (Reetbündel rutschen ab).
- Trümmerschatten am Giebel meiden.
Landwirtschaftliches Anwesen
- Tiere: Panikreaktionen, Wachhunde, Pferde lassen sich oft an der Leine hinausführen. Mit dem Landwirt abstimmen, Unruhe vermeiden (keine Sondersignale kurz vor der Hofstelle).
- Lagerstoffe: Selbstentzündung bei Heu und Stroh, Staubexplosion, Düngemittel (nitrose Gase, giftige Dämpfe).
- Energie: Biogasanlagen (Explosionsgefahr), Druckgas- und Flüssiggastanks, große Kraftstoffmengen, mangelhafte Elektroinstallation. Absturzgefahr durch Gruben.
- Wasser: oft unzureichend, Pendelverkehr oder lange Schlauchleitung (siehe Seite „Wasserförderung über lange Schlauchstrecken“). Löschwasserrückhaltung bei Dünger prüfen.
Handlungsgrundlage bleibt die Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr und die Weisung des Einheitsführers.
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