Das Wichtigste in Kürze
- Gebäude moderner Bauweise (Niedrigenergie-, Passiv- und Nullenergiehäuser) haben eine luftdichte Hülle, starke Dämmung und mehrfach verglaste Fenster. Das ändert das Brandverhalten.
- Brände bleiben lange unentdeckt: Es dringt wenig Rauch nach außen. Die Vorbrennzeit wird lang, es entstehen viele brennbare Rauchgase, die Gefahr von Rauchgasdurchzündung, Backdraft und Rollover steigt.
- Rauch- und Wärmeabzug ist schwer: Dächer sind stark gedämmt und haben meist keine Dachfenster. Die Lüftungsanlage ist nicht zur Rauchabführung gedacht und wird im Brandfall abgeschaltet.
- Fenster brechen spät auf: Scheiben reißen früh, bleiben aber lange dicht. Holzrahmen halten länger als Kunststoff. Normales Glas lässt sich mit Handwerkzeug öffnen, Verbundsicherheitsglas und einbruchhemmende Fenster nur mit großem Aufwand.
- Erkennen: Lüftungsein- und -auslässe, kein Schornstein, große Fenster nach Süden. Photovoltaik und fehlende Dachfenster sprechen nur zusammen mit anderen Merkmalen dafür.
Was ein Gebäude „moderner Bauweise“ ausmacht
- Luftdichtheit: Die Hülle ist so dicht, dass kaum Luft entweicht. Die Dichtheit liegt bei den meisten Altbauten deutlich darunter (bei rund 95 Prozent des Bestandes erreicht sie diesen Wert nicht).
- Wärmedämmung: Die Dämmung ist um ein Vielfaches besser als im Bestand (die Untersuchung nennt etwa den 8- bis 8,7-fachen Wert).
- Fenster: Zwei- oder Dreifachverglasung, auf der Südseite größere Flächen als im Norden.
- Lüftungsanlage: Sie ist immer vorhanden. Sie setzt Überströmöffnungen zwischen den Räumen einer Nutzungseinheit voraus.
- Heizung: meist ohne Schornstein, oft mit elektrischer Nachheizung.
- Dach: aus wirtschaftlichen Gründen meist ohne Dachfenster.
Auf den ersten Blick sieht man das nicht immer: Auch gewöhnlich wirkende Häuser können dazugehören.
Wie Brände dort verlaufen
- Lange Vorbrennzeit: Die dichte Hülle und mehrfach verglaste Fenster halten den Raum lange geschlossen. Der Brand bleibt im Gebäude und wird spät bemerkt.
- Schlechte Ventilation: Es entstehen brennbare Schwelgase und Kohlenmonoxid. Siehe Unterventilierte Brände.
- Rauchgasdurchzündung, Backdraft und Rollover werden wahrscheinlicher. Flashover ist bei geschlossenen Öffnungen selten, bei ausreichender Luft kann er wegen der Dämmung früher eintreten (wie viel früher, ist nicht bekannt).
- Rauchausbreitung: Über die Überströmöffnungen der Lüftung breitet sich Rauch schneller und weiter in der Nutzungseinheit aus. Das gefährdet auch die Selbstrettung.
- Schwelbrände in der Dämmung: Nach dem Löschen können unentdeckte Schwelbrände weitermachen. Zum Ablöschen müssen oft Wände geöffnet werden.
- Außenangriff: Wenn der Innenangriff nicht mehr möglich ist, bleibt nur der Außenangriff. Er ist weniger zielgenau, der Wasserschaden wird groß, ein Totalverlust kann folgen.
Rauch- und Wärmeabzug ist schwierig
- Dächer ohne Fenster und mit starker Dämmung lassen sich mit normalem Werkzeug kaum öffnen. Der fehlende Abzug heizt das Gebäude weiter auf und verschlechtert die Sicht.
- Lüftungsanlagen sind nicht für Rauchabführung geeignet. Abschalten, wenn es der Einsatz erlaubt.
- Dachfenster, wenn vorhanden, sollten sich zentral maschinell öffnen lassen (Empfehlung der Forschung).
- Brandmeldung auch außen anzeigen: Weil man von außen wenig sieht, wird eine Anzeige außerhalb des Gebäudes empfohlen.
- Schnell ansprechende Melder sind unverzichtbar, damit Bewohner früh gewarnt werden (Rauchmelder).
Fenster öffnen
- Scheiben reißen früh, aber bleiben im Rahmen und halten den Raum lange dicht. Das erhöht die Gefahr von Rollover und Backdraft.
- Holzrahmen halten bei Hitze länger als Kunststoffrahmen, der Abzug setzt später ein.
- Normales Glas (Float, Wärmeschutzglas) lässt sich mit Feuerwehrwerkzeug öffnen. Verbundglas und einbruchhemmende Verglasung sind deutlich aufwendiger, besonders in Obergeschossen.
- Werkzeug: Schlosserhammer, Maurerbeil und Nageleisen sind für Wärmeschutzglas gut geeignet. Trennschleifer nur bedingt, Nothammer, Federkörner und Schneidbrenner nicht. Beginne mit Axt, Halligan-Tool oder ähnlichem und weiche erst bei Misserfolg auf den Trennschleifer aus. Sie sind sofort greifbar und Teil der Beladung.
- Unbekannt, welche Scheibe: Du weißt im Einsatz oft nicht, welche Verglasung verbaut ist. Plane Zeit für das Öffnen ein.
- Löschsysteme ohne Öffnen: Mobile Systeme (zum Beispiel Löschlanzen oder Schneidlöschsysteme) können einen Raum kühlen, ohne Türen und Fenster zu öffnen.
Gebäude erkennen
Die Forschung teilt Merkmale in zwei Gruppen:
- Starke Hinweise: Ein- und Auslässe der Lüftungsanlage (sie liegen oft auch auf dem Grundstück), fehlender Schornstein, große Fenster nach Süden.
- Schwächere Hinweise: Photovoltaik (auch bei Altbauten verbreitet) und fehlende Dachfenster. Sie zählen nur zusammen mit den starken Merkmalen.
Beim Lageerkunden prüfst du: Wo sind Lüftungsöffnungen? Gibt es Schornstein? Wie sind die Fenster verteilt? Sag der Einsatzleitung, wenn du ein Gebäude moderner Bauweise vermutest.
Merksätze für den Einsatz
- Rechne mit unterventiliertem Brand und mit Rauchgasdurchzündung. Öffne nicht schlagartig (Tür zum Brandraum).
- Lüftungsanlage abschalten, Entrauchung planen, Öffnungen zuerst, dann Lüfter (Belüftung).
- Mehr Atemschutz: Einsätze dauern lange und erfordern viele Geräteträger. Ablösung planen.
- Nachkontrolle: Wärmebild und Öffnen von Dämmschichten, um Glutnester zu finden (Wärmebildkamera).
- Photovoltaik: Strom auch bei Brand beachten (Solaranlagen).
Siehe auch: Unterventilierte Brände, Innenangriff, Gebäudebrand.
Das ist eine Zusammenfassung zum Lernen. Zahlen stammen aus Untersuchungen und gelten als Richtwerte.
- Hülle
- luftdicht und stark gedämmt, mehrfach verglaste Fenster
- Lüftung
- Lüftungsanlage mit Überströmöffnungen, nicht zur Entrauchung geeignet
- Dach
- meist ohne Dachfenster, Rauchabzug schwer
- Gefahren
- lange Vorbrennzeit, Rauchgasdurchzündung, Backdraft, Rollover, Schwelbrand in der Dämmung
- Fenster
- Rissbildung früh, aber lange dicht, Holzrahmen halten länger
- Wichtig für
- Gruppenführer, Truppführer, Atemschutzgeräteträger