Das Wichtigste in Kürze
- Verdeckte Brände im Bauteil sind tückisch: Der Brand glimmt unsichtbar in Dehnfugen oder Holzfaserdämmung, erzeugt Kohlenmonoxid und zündet später neu.
- Dehnfuge: Dichtstoff und Dämmmaterial großzügig entfernen, Brandstelle horizontal und vertikal freilegen, Löscherfolg mit Wärmebildkamera prüfen, auf Kohlenmonoxid kontrollieren.
- Holzfaserdämmung: kaum mit Wasser zu löschen. Ziel ist Ausbau, Schneisen oder Abriss, nicht Dauerberieselung.
- Immer Brandwache und Nachkontrolle, auch Stunden später: Wiederentzündung ist bis etwa zwölf Stunden nach dem Löschen beobachtet worden.
Dehnfugenbrand
- Fahrzeugaufstellung: Kommt die Drehleiter an die Dehnfuge?
- Erkunden: weitere Zugänge (zum Beispiel abgehängte Decken)? Bereiche hinter der Wand gefährdet, etwa durch Möbel direkt an der Mauer?
- Freilegen: Dichtstoff und Dämmmaterial gründlich und großzügig um die Brandstelle entfernen, horizontal wie vertikal. Notfalls das Mauerwerk bearbeiten oder mit Kernlochbohrung gezielt zur Dehnfuge vordringen.
- Löschmittel je nach Lage: Wasser mit Netzmittel, Nebellöschsystem (Fognail) oder Inertisieren mit Stickstoff. Beachte, wo das Löschmittel wieder austritt.
- Kontrolle: Wärmebildkamera oder Infrarotthermometer, die heiße Zone mit Stift markieren, um die Ausbreitung zu erkennen.
- Umgebung prüfen: Auch ohne sichtbaren Rauch auf Kohlenmonoxid messen, bei Bedarf belüften oder räumen.
- Brandwache stellen und später nachkontrollieren.
- Gefahren: unbemerkte Ausbreitung gefährlicher Brandgase weit weg von der Brandstelle, kleine Glutnester, die sich später neu entzünden.
Holzfaserdämmung
- Aufbau: Holzfasern (meist Weichholz mit hohem Harzanteil) werden mit Zusätzen zu Platten verpresst, bis etwa 240 mm dick, mehrlagig möglich. Brandschutz über Zusätze wie Ammoniumsulfat und Borsalz, wasserabweisend durch Bitumen, Paraffin oder Latex. Kürzel WF oder HFD.
- Einsatzgebiete: Wärmedämmverbundsystem an der Fassade, Zwischen- und Aufsparrendämmung, Innendämmung, Trittschalldämmung.
- Recht: In Standardgebäuden sind brennbare Dämmstoffe nur für bestimmte Bereiche zugelassen, in Sonderbauten grundsätzlich nicht, Landesrecht kann abweichen.
- Gefahren: Schon eine Schraube kann die Dämmung durch Wärmeleitung entzünden. Glimmbrand bleibt unbemerkt, breitet sich langsam aus und erzeugt Kohlenmonoxid, das durch Öffnungen und Diffusion Menschen gefährdet. Wiederentzündung ist mehrere Stunden bis zu zwölf Stunden nach dem Löschen möglich.
- Erkennen: Holzbauweise (viel Sichtholz, Passivhaus), Gebäude nach 2010, Dachgeschossaufstockung oder -ausbau, Meldebild „CO-Austritt“ mit erhöhten Werten ohne erkennbare Quelle (nach Bauarbeiten fragen). Verdachtsstellen punktuell öffnen, denn Schwelbrand ist nicht sicher mit Wärmebildkamera oder Geruch zu erkennen.
- Löschen: Die Dämmung ist wasserabweisend und dicht, im eingebauten Zustand fast nicht mit Wasser zu löschen. Netzmittel oder Druckluftschaum helfen nicht ausreichend. Löschmaßnahmen laufend bewerten, um Wasserschäden zu vermeiden. Bei Dachstuhlbränden nicht betroffene Gebäudeteile schützen (Planen, Wassersauger).
Drei Wege der Brandbekämpfung:
- Vollständiger Ausbau: Herstellerempfehlung, kann über 24 Stunden dauern und viel Personal und Logistik binden.
- Schneisen bilden: Den Brand durch brandlastfreie Streifen begrenzen. Betroffenen Bereich durch punktuelle Öffnungen bestimmen, Schneisen mit Rettungs- oder Kettensäge schneiden, von nicht betroffenen Bereichen zum Brandherd arbeiten, tragende Teile (Pfetten, Sparren) nicht schwächen, den Rest kontrolliert ausglimmen lassen. Voraussetzung: durchgehende Brandwache und CO-Überwachung.
- (Teil-)Abriss: Bei fortgeschrittenem Brand oft das verhältnismäßigste Mittel, mit Brandursachenermittlung und Versicherung abstimmen. Früh entschieden, spart er Einsatzdauer und Kräfte.
Ausgebautes Material: alles Betroffene entfernen, nicht in Haufen lagern (Haufen glimmender Platten haben sich wiederholt neu entzündet), Container-Transport zur Verbrennung begleiten oder die Platten im Freien ausbreiten und kontrolliert ausglimmen lassen.
Was heißt das für dich?
- Denk an das Unsichtbare: CO-Meldung ohne Quelle nach Bauarbeiten und Dämmung fragen.
- Nicht ertränken, sondern freilegen: Wasser nützt bei Holzfaser kaum.
- Brandwache und Nachkontrolle gehören zum Einsatz, auch nach Stunden.
Siehe auch: Moderne Bauweise im Brandeinsatz, Unterventilierte Brände, Kohlenmonoxid-Einsätze.
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- Glimmbrand
- Breitet sich nur wenige Millimeter pro Stunde aus, erzeugt Kohlenmonoxid
- Wiederentzündung
- Bis etwa 12 Stunden nach dem Löschen beobachtet
- Ausbau der Dämmung
- Kann über 24 Stunden dauern
- Hinweise
- Holzbau, Neubau nach 2010, Dachgeschossausbau, CO ohne erkennbare Quelle
- Löschmittel
- Wasser mit Netzmittel, Nebellöschsystem oder Stickstoff in der Dehnfuge