Das Wichtigste in Kürze
- Mehrzweckstrahlrohre (BM, CM, DM) liefern Vollstrahl, Sprühstrahl und „Wasser halt“. Hebel vorn = Vollstrahl, hinten = Sprühstrahl. Das Mundstück wird nur auf Befehl des Einheitsführers entfernt.
- Hohlstrahlrohr: stufenlos einstellbarer Sprühwinkel und Durchflussmenge, besserer Eigenschutz, Tröpfchen kühlen besser. Vor der Wasserabgabe Sprühwinkel und Durchfluss einstellen. Vorgehender Trupp muss Rückstoß, Verbrauch und Dampf kennen.
- Besetzung: CM der Truppmann. BM mit Stützkrümmer mindestens zwei, ohne mindestens drei Einsatzkräfte. Hohlstrahlrohr mit B-Kupplung Stützkrümmer oder dritte Kraft.
- Nie ein Strahlrohr geöffnet ablegen. In elektrischen Anlagen Sicherheitsabstände einhalten.
- Durchflussmengen (Richtwerte): CM etwa 100 l/min mit und 200 ohne Mundstück, BM etwa 400 und 800 l/min, Hohlstrahlrohr C etwa 130 bis 300 l/min.
- Richtwerte bei 5 bar
- CM mit Mundstück ca. 100 l/min, ohne ca. 200 l/min; BM mit ca. 400, ohne ca. 800 l/min; DM mit ca. 25, ohne ca. 50 l/min
- Richtwerte bei 6 bar (Bayern)
- CM 130 / 235 l/min, BM 415 / 785 l/min, C-Hohlstrahlrohr bis 235 l/min, B-Hohlstrahlrohr unter 400 l/min
- Hohlstrahlrohr C
- Durchfluss meist 130 bis 300 l/min, Sprühkegel bis über 120°, Tröpfchen etwa 0,3 mm; im Innenangriff mindestens 200 l/min Ausrüstungsvorgabe (C-Hohlstrahlrohr)
- Hinweis
- Nachschlagetext. Handgriffe und Kommandos übt ihr praktisch in der Wache. Maße und Durchflüsse sind Richtwerte und hängen von Fabrikat und Druck ab. Herstellerangaben und Weisungen deines Trägers gehen vor.
Mehrzweckstrahlrohre
Aufbau und Strahlarten
- Drei Stellungen: Vollstrahl (gebündelt, Reichweite), Sprühstrahl (zerstäubt, Wärmeschutz und Kühlfläche), Wasser halt (Absperrung bei 90°).
- Hebel: nach vorn Vollstrahl, nach hinten Sprühstrahl.
- Größen: BM (große Mengen, Rückstoß), CM (Standard im Angriff), DM (kleine Mengen, Vegetation). Die Größe beschreibt Kupplung und Düse.
- Mundstück: Es begrenzt die Menge. Ohne Mundstück etwa doppelte Menge, nur auf Befehl des Einheitsführers abnehmen.
Handhabung CM, BM und DM
- CM: Der Truppmann kuppelt und hält das Rohr.
- BM: Truppführer und Truppmann kuppeln das Rohr mit Stützkrümmer an den B-Schlauch. Der Stützkrümmer muss von mindestens zwei Einsatzkräften gehalten werden. Die B-Leitung stützt sich in der Achse des Krümmers am Boden ab und leitet den Rückstoß ab, deshalb die Leitung hinter dem Stützkrümmer etwa 5 m gerade verlegen. Ohne Stützkrümmer mindestens drei Einsatzkräfte, ebenso, wenn trotz Krümmer kein sicherer Stand besteht.
- DM: kleine Mengen, handlich, mit D-Schlauch.
- Immer: angekuppelte Strahlrohre nicht im geöffneten Zustand ablegen (Rückstoß!), Sicherheitsabstände an Strom, Wasserdampf beachten.
Hohlstrahlrohr
Aufbau, Einstellung und Wirkung
- Ringförmige Düse, die einen hohlen Strahlkegel erzeugt, mit Zahnkranz für feine Tropfen (etwa 0,3 mm), das erhöht die Kühlwirkung.
- Einstellbar: Sprühwinkel stufenlos (bis über 120°) und meist die Durchflussmenge. Beides vor der Wasserabgabe nach Befehl einstellen.
- Durchfluss: C-Hohlstrahlrohre meist 130 bis etwa 300 l/min. Für die Verhinderung einer Rauchdurchzündung gelten mindestens etwa 230 l/min als nötig, für den Innenangriff wird mindestens ein C-Hohlstrahlrohr mit 200 l/min vorgesehen.
- Vorteile: flächige Abdeckung, besserer Mannschutz durch den Sprühstrahl, wassersparend (regelbar), moderne Rohre ersetzen zunehmend Mehrzweckrohre im Gebäudebrand.
- Nachteile: teurer, Verstopfungsgefahr bei verschmutztem Wasser, verlangt Ausbildung.
Sicherheit und Rückstoß
- Der vorgehende Trupp muss Bedienung und Besonderheiten kennen: Löschwasserverbrauch, Rückstoßgefahr, Wasserdampfbildung.
- Hohlstrahlrohr mit B-Kupplung: Stützkrümmer oder dritte Einsatzkraft zur Unterstützung.
- Herstellerangaben beachten. Sicherheitsabstände in elektrischen Anlagen (Schaum und Wasser nur mit Abstand).
- Sprühstoß-Technik und Ampelregel im Innenangriff: siehe Seite „Innenangriff unter Atemschutz“.
Verletzungsgefahren durch den Löschwasserstrahl
Ein Gartenschlauch ist harmlos, ein Strahlrohr der Feuerwehr nicht. Ein gebündelter Strahl aus Mehrzweck- oder Hohlstrahlrohr kann Dachziegel wegschießen und Löcher in den Boden graben. Trifft er einen Menschen, drohen schwere Verletzungen, vor allem am Kopf: Augapfel-Prellungen, Netzhautverletzungen bis zum vollständig ausgespülten Auge, auch Ohrverletzungen. Außer Kontrolle geratene Strahlrohre schlagen um sich. Die Unfälle passieren häufig im Übungsdienst, bei Wettkämpfen („Löschangriff Nass“) und bei Neckereien.
Regeln für Übung und Einsatz:
- Nie auf den Kopf oder in Gesichter zielen, keine Spielereien und kein gegenseitiges Nassspritzen.
- An der Pumpe nur verantwortungsbewusste Maschinisten, die sie sicher beherrschen. Keine Jugendfeuerwehrmitglieder an der Pumpe.
- Kein „Spielen“ am Gashebel, keine Druckstöße.
- Verteiler und Strahlrohre nicht schlagartig öffnen oder schließen.
- Ausreichend Personen zum Halten der Strahlrohre.
Jugendfeuerwehr:
- Die Ausbildung folgt besonders den §§ 17 und 18 der UVV „Feuerwehren“. Kinder im Übungsdienst mit dem Strahlrohr müssen das 10. Lebensjahr vollendet haben und bekommen nur Aufgaben, die ihrer Konstitution entsprechen, mit geeigneter Schutzausrüstung.
- Bei Übungen mit Wasser steht eine direkte fachliche Aufsicht bereit, die sofort eingreifen kann (Einsatzabteilung).
- Wettkämpfe wie „Löschangriff Nass“ brauchen besondere Sorgfalt, denn Ausbildungsstand und Leistungsfähigkeit Jugendlicher sind sehr unterschiedlich, und Verletzungen in der Wachstumsphase können Komplikationen machen.
- Druck begrenzen: Die Länder regeln das verschieden. Im Bereich der Feuerwehr-Unfallkasse Mitte sowie beim Löschangriff Nass in Thüringen und Sachsen-Anhalt gilt höchstens 3 bar mit Druckbegrenzungsventil, im Norden gilt bisher 5 bar. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Wettbewerb für Jugendliche nur mit erfahrenem erwachsenem Maschinisten (mindestens 18 Jahre), einer zweiten erwachsenen Betreuungsperson, Druckbegrenzung auf höchstens 5 bar, mindestens zwei Jugendlichen je Strahlrohr (mindestens 12 Jahre) und voller PSA erlaubt. Für Brandenburg gelten die Vorgaben von Landesfeuerwehrverband und Unfallkasse. Frag dort nach.
Typische Fehler
- Rohr geöffnet abgelegt: peitscht, verletzt Kameraden.
- BM mit zu wenigen Kräften oder ohne Stützkrümmer.
- Mundstück ohne Befehl entfernt (doppelte Menge, Wasserengpass).
- Hohlstrahlrohr nicht vorab eingestellt (zu viel Dampf, zu wenig Durchfluss).
- Plötzlich zu- und aufgedreht: Druckstoß (siehe Seite „Verteiler“).