Stallbrand und Tierrettung

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Menschenrettung geht vor, danach kommt die Tierrettung. Bei einem Stallbrand ist sie wegen der vielen Tiere eine große Herausforderung für die Einsatzkräfte.
  • Rinder laufen gern bekannte Wege, wehren sich im Stress gegen Unbekanntes und versuchen zurückzulaufen. Sie werden leicht geblendet und gehen ungern ins Dunkle.
  • Die Austriebsfläche ausleuchten, aber die Tiere nicht blenden. Den Sammelbereich draußen sicher absperren.
  • Selbstrettung der Tiere klappt kaum. Meist sind Innenangriff und Heraustreiben nötig. Dazu braucht man viele Helfer, ein Notfallbündnis mit Nachbarlandwirten hilft.
  • Vorplanung (Einsatzplan, Begehung, vorbereitete Öffnungen) entscheidet. Objektkunde ist hier besonders wichtig.
Häufigste Brandursachen in der Landwirtschaft
Elektrische Anlagen, Brandstiftung, Überhitzung (Wärmestau)
Fleckvieh-Kuh
Etwa 750 kg Körpergewicht: Festhalten oder Herausziehen ist unrealistisch
Löschwasserbedarf (Planungswert)
96 m³ für zwei Stunden, entspricht 1.600 l/min
Rettungsausgänge
Mindestens zwei, gegenüberliegend oder weit auseinander
Breite des Ausgangs
Mindestens zwei Tierbreiten

Warum Tierrettung schwer ist

  • Es gibt keine amtliche Statistik zu verletzten oder getöteten Tieren bei Bränden in Tierhaltungsbetrieben. Die vorhandenen Zahlen sind lückenhaft.
  • Als häufigste Ursachen in der Landwirtschaft gelten elektrische Anlagen, Brandstiftung und Überhitzung durch Wärmestau. Dazu kommen feuergefährliche Arbeiten, Selbstentzündung bei Lagerfehlern (Heu), menschliches Fehlverhalten und Blitzschlag.
  • Die Landesbauordnungen verlangen, dass bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.
  • Kaum Selbstrettung: Kennen die Tiere den Austrieb nicht, retten sie sich, wenn überhaupt, sehr spät. Ein Innenangriff und das Heraustreiben sind dann unbedingt notwendig.
  • Hoher Personalaufwand: Tiere aus mehreren Buchten oder einzelne Tiere (zum Beispiel in Kälberiglus) zu retten braucht viele Kräfte. Ein Notfallbündnis aus benachbarten Landwirten ist sehr wertvoll.

Verhalten von Rindern

  • Angst vor dem Unbekannten: Rinder laufen gern bekannte Wege, sträuben sich im Stress gegen Unbekanntes und versuchen zurückzulaufen.
  • Schlechte Hell-Dunkel-Anpassung: Sie werden leicht geblendet und laufen ungern ins Dunkle. Auf einer beleuchteten Fläche gehen sie besser. Deshalb: Austriebsfläche ausleuchten, Rinder nicht blenden.
  • Besondere Gefahrenmomente sind:
  • Bullen sollen nach den Regeln der Berufsgenossenschaft eigentlich in einer separaten Bullenbox stehen.
  • Eine Kuh um die Geburt kann einen überzogenen Beschützerinstinkt gegenüber dem Kalb haben.
  • Eine isolierte Kuh versucht unbedingt zur Herde zurückzukehren.
  • Eine Fleckvieh-Kuh wiegt etwa 750 kg. Ein Herausziehen oder Festhalten ist illusorisch.

Rettungswege vorbereiten

  • Rettungswege vorab planen und einen Sammelbereich außen festlegen.
  • Vertraute Wege nutzen, wenn möglich. Gut ausleuchten, aber nicht blenden.
  • Weg frei machen, Sicht auf eine freie Fläche geben, Ablenkungen vermeiden (auch durch die Aufstellung der Einsatzfahrzeuge).
  • Rutschfester, bekannter Boden. Harte Kontraste vermeiden: zum Beispiel Gülleabwurfgitter abdecken (Holzplatte mit Streben, aufgenagelte Gummimatten).
  • Den Sammelbereich ausleuchten und sicher absperren. Aufgaben verteilen: Tiere heraustreiben und draußen sicher verwahren. Ein Zurücklaufen verhindern.

Checkliste zur Beurteilung der Ausgänge

Hat die Tierhaltung …

  • mindestens zwei Ausgänge, die gegenüberliegen oder genug Abstand haben?
  • leicht zu öffnende Unterteilungen zwischen Tiergruppen, damit alle Tiere zu den Ausgängen getrieben werden können?

Ist der Ausgang …

  • den Tieren bekannt (Weideauftrieb, Umstallung, Laufhof)?
  • frei zugänglich (keine Kälberiglus, Klauenstände oder Stufen im Weg), unverwinkelt, mit möglichst wenig Absperrungen?
  • so beschaffen, dass der Untergrund dahinter betretbar ist (Gülleabwurfgitter abgedeckt, kein Abhang)?
  • frei von Brandlasten und möglichen Brandursachen in unmittelbarer Nähe (Futter, Einstreu, Dünger, Verteiler)?
  • mindestens zwei Tierbreiten weit?
  • so beschaffen, dass sich eine Sackgasse zum Ausgang bilden lässt, zumindest einseitig? Lassen sich Quergänge absperren?
  • so beschaffen, dass man eine freie Fläche sieht und diese ohne Blenden beleuchten kann?
  • auch im Brandfall (verformbares Metall) und ohne Strom zu öffnen, die Tür nach außen zu öffnen und der Boden rutschfest und bekannt?

Ist der Zielbereich für gerettete Tiere …

  • absperrbar, auch nachts für die Tiere gut sichtbar (kontrastreiches Flatterband, dicke Zaunelemente)?
  • weit genug entfernt von der Tierhaltung (Hitze, Rauch, Stress durch die Rettungskräfte)?
  • beleuchtbar?

Vorbeugender Brandschutz im Stall

Fragen, die eine Begehung mit der Feuerwehr klärt:

  • Räumliche Trennung von Einstreu, Futter und Dünger zur Tierhaltung, und von Arbeitsmaschinen zu brennbaren Stoffen (Pflanzenreste im Motorraum, Abstand zur Auspuffanlage).
  • Brandabschnitte: Brandlastfreie Binderfelder, bei angebauten Wohnhäusern eine Brandwand (F60). Feuerschutztüren müssen von selbst schließen.
  • Zufahrt: mindestens zweiseitig, auch im Winter befahrbar. Umfahrung ab etwa 3.000 m². Für Fahrzeuge 10 t Achslast bzw. 16 t Gesamtgewicht.
  • Löschwasser: 96 m³ für zwei Stunden (1.600 l/min).
  • Blitzschutz (äußerer und innerer Überspannungsschutz), Prüfung elektrischer Anlagen durch eine Elektrofachkraft (höchstens alle fünf Jahre), Brandfrüherkennung (Brandmeldeanlage im Technikraum, Stromausfallmelder mit Weiterschaltung aufs Handy), Feuerlöscher (alle zwei Jahre geprüft).
  • Organisatorisch: Notfallplan mit Telefonnummern von Feuerwehr, Nachbarlandwirten und Tierarzt, Tierrettungskonzept, Begehung und Übung mit der Feuerwehr, Aufklärung über häufige Brandursachen (Rauchen, feuergefährliche Arbeiten, Selbstentzündung von Heu, Wärmestau bei Heizgeräten und elektrischen Anlagen).

Siehe auch