Tür zum Brandraum öffnen: Vorgehen und 4-Punkte-Check

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Tür zu einem Brandraum oder zu einem verrauchten Raum ist immer gefährlich. Dahinter kann eine Raumdurchzündung, Rauchdurchzündung oder Rauchexplosion passieren, ohne Vorwarnung.
  • Vorbereiten: wenn möglich mobilen Rauchverschluss setzen, die Tür beurteilen, das Hohlstrahlrohr entlüften und das Strahlbild einstellen.
  • Die Tür wird möglichst zerstörungsfrei geöffnet, damit sie sich wieder schließen lässt. Den Handrückentest gibt es in diesem Verfahren nicht mehr: Die Lage hinter der Tür gilt immer als kritisch.
  • Direkt nach dem Öffnen macht der Strahlrohrführer den 4-Punkte-Check: Personen im Nahbereich? Rauch sichtbar? Feuerschein sichtbar? Raumgeometrie? Zusammen mit einer möglichen Rauchkühlung dauert das höchstens 15 Sekunden.
  • Nach einer Rauchkühlung bleibt die Tür 20 bis 30 Sekunden zu, erst dann wirkt sie.
Quelle
Leitfaden Innenangriff der Landesfeuerwehrschule Schleswig-Holstein (Stand März 2026), Handlungsanweisung für Aus- und Fortbildung
Dauer des 4-Punkte-Checks
höchstens 15 Sekunden, zusammen mit einer möglichen Rauchkühlung
Tür nach der Rauchkühlung
20 bis 30 Sekunden geschlossen halten
Hohlstrahlrohr
mindestens 200 l/min, Pointer auf 12 Uhr
Hinweis
Das Verfahren ist ein Vorschlag aus der Ausbildung eines Landes. In Brandenburg gelten die Weisungen deines Trägers und der LSTE.

Warum die Tür so gefährlich ist

Das Öffnen einer Tür zu einem Brandraum oder zu einem Raum mit angesammeltem Brandrauch ist für den Trupp immer eine erhebliche Gefahr. Mit plötzlichen, extremen Brandverläufen muss jederzeit gerechnet werden: Raumdurchzündung, Rauchdurchzündung und Rauchexplosion (siehe Seite Innenangriff unter Atemschutz). Ein umsichtiges, eingespieltes Vorgehen ist deshalb wichtiger als Schnelligkeit allein.

Vorbereiten: Rauchverschluss und Tür beurteilen

Wenn möglich, wird vor dem Öffnen der mobile Rauchverschluss (Rauchvorhang) gesetzt. Er hält Rauch und Wärme aus den nicht verrauchten Bereichen fern und verringert den Sauerstoff, der in den verrauchten Bereich strömt. Danach lässt sich die Angriffsleitung problemlos vornehmen. Er passt nicht an jede Tür, zum Beispiel nicht an zweiflügelige Türen, und sollte nach der Türgröße beschafft werden (siehe Seite Mobiler Rauchverschluss).

Vor dem Öffnen klärt der Trupp:

  • Aus welchem Material ist die Tür?
  • In welche Richtung öffnet sie? Sind Türbänder zu sehen oder zu ertasten (auch bei Nullsicht)?
  • Ist sie geschlossen oder verschlossen? Muss zusätzliches Material zum Öffnen angefordert werden?
  • Tritt Rauch aus den Türschlitzen aus? Gibt es Verfärbungen durch Wärme? Ist sie schon durchgebrannt?

Zerstörungsfrei öffnen, kein Handrückentest

Eine Tür wird möglichst zerstörungsfrei geöffnet. Wird sie eingetreten oder mit grober Gewalt geöffnet, lässt sie sich unter Umständen nicht mehr schließen. Rauch und Wärme verteilen sich dann unkontrolliert, Luft strömt in den Brandraum, und es kann zu Phänomenen extremer Brandausbreitung kommen. Außerdem lassen sich die Strömungspfade nicht mehr lenken.

Der Handrückentest galt lange als Standard. Bei einer gut isolierenden Tür sagt er nichts über die Temperatur aus, oder das Ergebnis wird falsch gedeutet. Die Tür wurde danach ohnehin immer geöffnet. Dazu kostete das Ausziehen des Handschuhs Zeit und verschlechterte den Sitz der Schutzausrüstung. Deshalb verzichtet das Verfahren darauf: Die Lage hinter einer vermeintlichen Brandraumtür wird immer als kritisch angenommen, und der Trupp öffnet mit Eigenschutz und dem Ziel, Brand- und Rauchausbreitung zu verhindern.

Tür öffnet nach innen

  • Der Truppführer hockt auf der Schlossseite der Tür. An der Klinke oder dem Knauf befestigt er eine Bandschlinge (mit doppeltem Ankerstich, damit sie nicht abrutscht), mit der sich die Tür wieder schließen lässt. Dann drückt er die Klinke herunter und stößt die Tür mit der Axt auf. Wenn möglich, steht er danach seitlich der Tür.
  • Der Truppmann hockt auf der Scharnierseite mit dem entlüfteten und eingestellten Hohlstrahlrohr.
  • Die Leibung der Tür dient dazu, den mobilen Rauchverschluss mit geringem Risiko zu setzen.
  • Beim Vorgehen in den Brandraum wird die Tür mit Keilen gesichert, damit der Schlauch nicht eingeklemmt wird.

Tür öffnet nach außen

  • Der Truppführer hockt auf der Scharnierseite. Er öffnet die Tür von Hand und führt sie gleichzeitig mit dem Fuß oder Unterschenkel. So kann sie nicht unkontrolliert und schnell entgegenkommen, was bei Überdruck im Brandraum passiert. Das Türblatt schützt ihn gut vor Rauch und Flammen.
  • Der Truppmann hockt auf der Schlossseite mit entlüftetem Hohlstrahlrohr und macht den 4-Punkte-Check.
  • Der Rauchverschluss ist hier schwieriger zu setzen, weil er innerhalb des möglichen Gefahrenbereichs angebracht wird. Der Strahlrohrführer muss dabei dauernd bereit sein, und Rauchgase können sich in der Zwischenzeit ausbreiten.

Der 4-Punkte-Check

Nach dem Öffnen macht der Strahlrohrführer in geduckter Haltung einen Schritt in den Raum (Seitenkriechgang). Er prüft vier Punkte, damit er nicht nur auf eine Sache schaut. Der Check und eine mögliche Rauchkühlung sind ein Arbeitsschritt von höchstens 15 Sekunden, damit möglichst wenig Wärme und Rauch austreten und Sauerstoff eintritt.

  1. Personen im Nahbereich? Menschen fliehen meist über den ersten baulichen Rettungsweg, deshalb liegen sie oft nahe der Eingangstür. Sind welche zu sehen, werden sie sofort aus dem Gefahrenbereich gerettet, dann wird die Tür geschlossen, und erst danach meldet der Trupp dem Einheitsführer.
  2. Rauch sichtbar? Wichtig sind Sichtweite, Dynamik und wie tief die Rauchschicht abgesunken ist. Die Farbe spielt eine untergeordnete Rolle: Auch aus hellem Rauch können extreme Brandphänomene entstehen. Pulsierender Rauch oder angesaugte Frischluft im unteren Bereich sind Warnzeichen für extreme Brandphänomene. Bei dichtem, dynamischem Rauch ist immer mit einer Rauchdurchzündung zu rechnen.
  3. Feuerschein sichtbar? Wo, wie weit weg? Ist ein Löschangriff von der Tür aus möglich, wird er eingeleitet. Die Wurfweite des Strahlrohrs dient zur Eigensicherung, und es wird direkt gelöscht. Das senkt die Wärmefreisetzung, die giftigen Rauchgase und die Temperatur und verbessert die Chancen vermisster Personen.
  4. Raumgeometrie? Breite und Höhe, Richtung (geradeaus, links, rechts), Treppe auf- oder abwärts, Rauminhalt, Hindernisse. Davon hängen die Schlauchreserve und das Strahlbild für eine Rauchkühlung ab.

Ergibt der Check nichts Besonderes, geht der Trupp durch die offene Tür weiter. Wird eine Gefährdung festgestellt, schließt der Trupp die Tür, der Strahlrohrführer meldet dem Truppführer seine Beobachtungen, und beide sprechen das weitere Vorgehen ab.

Rauchkühlung und Wartezeit

Nach einer Rauchkühlung bleibt die Tür 20 bis 30 Sekunden geschlossen, weil die Wirkung erst dann eintritt: Das Wasser verdampft in der heißen Rauchschicht und entzieht ihr Energie, der entstehende Dampf wird weiter erwärmt und entzieht noch mehr. Nicht in jedem Raum ist eine Rauchkühlung nötig, man handelt nach den Gegebenheiten (siehe Seite Innenangriff unter Atemschutz).

Strahlrohr führen

  • Dynamische Strahlrohrführung: Das Strahlbild wird laufend angepasst (Rauchkühlung, Raumkühlung, Brandbekämpfung, geänderte Raummaße). Das eine ideale Strahlbild gibt es nicht. Dafür ist regelmäßiges Training mit dem Hohlstrahlrohr der eigenen Feuerwehr nötig.
  • Das Hohlstrahlrohr soll mindestens 200 l/min abgeben. Im Innenangriff bleibt der Pointer auf 12 Uhr, das Strahlbild wird nur durch Drehen des Absperrorgans verändert. Eine Hand liegt am Strahlregler, die andere am Absperrorgan. So weiß der Strahlrohrführer auch bei Nullsicht, was eingestellt ist.
  • Der Truppführer führt den Schlauch mit, und der Trupp einigt sich, auf welcher Seite des Schlauchs er geht.
  • Den Flash-Over-Reflex („nach hinten werfen“ und Mannschutzbrause nach oben) sieht der Leitfaden als überholt an: Der Trupp liegt durcheinander und kann nicht mehr zurückweichen, der Strahlrohrführer kann nicht gezielt löschen und sieht den Rückzugsweg nicht, und die durchnässte Schutzkleidung kann Wärme durchlassen.

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