Das Wichtigste in Kürze
- Der Innenangriff ist die gefährlichste Phase im Löscheinsatz. Er braucht Atemschutz, Sicherheitstrupp, Atemschutzüberwachung und ständige Wasserabgabe.
- Die Ampelregel hilft, die Lage am Brandraum zu beurteilen: grün (keine Gefahr extremer Brandausbreitung), gelb (wahrscheinlich), rot (sehr hoch).
- In den Raum vorgehen nur bei grün oder gelb. Bei rot zuerst Abluftöffnungen von außen schaffen und massiv von außen kühlen.
- Hohlstrahlrohr statt CM-Rohr, dynamische Rohrführung („kleines Feuer – wenig Wasser, großes Feuer – viel Wasser“).
- Mobiler Rauchverschluss hält Flure und Treppenräume rauchfrei, ist aber keine Flammenbarriere.
- Hinweis
- Die Ampelregel ist eine Entscheidungshilfe aus der Lehre. Wie sie in deiner Wehr und an der Landesschule gelehrt wird, klärst du mit deinem Ausbilder.
Ablauf des Atemschutzeinsatzes
- Einsatzbefehl vom Einheitsführer: kurze Lageschilderung, Wasserentnahmestelle, Lage des Verteilers, Einheit – Auftrag – Mittel – Ziel – Weg, Einsatz mit oder ohne Bereitstellung.
- Ausrüsten: Schutzkleidung, Helm, Handschuhe, Stiefel, Haltegurt oder Rückzugs- und Selbstrettungssystem, Feuerschutzhaube, Atemschutzgerät, Feuerwehrleine, Handfunkgerät, Einsatzleuchte, Wärmebildkamera, Notsignalgeber, Brechwerkzeug.
- Melden bei der Atemschutzüberwachung: Namen, Uhrzeit beim Anschließen des Lungenautomaten, Erreichen des Einsatzziels, Standortänderungen, Beginn des Rückzugs.
- Erkunden (Einheits- und Angriffstruppführer): Bauweise, Zahl der Geschosse, Treppenraum, Verglasung, Zugänge, Rauchdichte, Verfärbungen, Temperatur, Möglichkeit der Wärmeabfuhr (Fenster, Rauch- und Wärmeabzugsanlage).
- Löschangriff aufbauen: Schlauchreserve verlegen (ein bis zwei C-Längen), Schlauch entlüften, „Wasser marsch“ an der Rauchgrenze, Rauchverschluss anbringen, Brechwerkzeug bereithalten, Türen vorsichtig öffnen.
- Sicherheitstrupp steht bereit (siehe unten).
Beurteilen mit der Ampelregel
Außen und innen wird beobachtet. Daraus ergibt sich die Gefahr einer extremen Brandausbreitung (Rauch- und Raumdurchzündung):
- Grün – keine Gefahr: kein oder kaum Rauchaustritt von außen, geringe Rauchbewegung beim Öffnen der Tür, Rauchschicht im oberen Drittel, begrenztes Feuer, Temperatur unter etwa 200 °C auf Deckenhöhe (Wärmebildkamera).
- Gelb – wahrscheinlich: mäßiger Rauchaustritt, starke Rauchbewegung beim Öffnen, dichte Rauchschicht in den oberen zwei Dritteln, rasanter Temperaturanstieg bei Luftzufuhr, 300 bis 450 °C auf Deckenhöhe.
- Rot – sehr hohe Gefahr: Raum in Vollbrand, dynamischer Rauchaustritt, Verfärbungen an der Tür, Ansaugen der Luft (pfeifende, brummende Geräusche), Flammen in der Rauchschicht, extrem dichte Rauchschicht bis zum Boden, Temperatur an Wänden und Decke über 500 °C.
Maßnahmen nach der Ampel
- Grün: mobilen Rauchverschluss setzen, möglichst nah am Brandherd eine Abluftöffnung schaffen, entrauchen, schadensarm vorgehen, Brandgut wenn möglich entfernen, sparsam mit Wasser.
- Gelb: wie grün, zusätzlich Löschmittel am Strahlrohr bereitstellen, vor dem Öffnen der Tür eine begrenzte Öffnung im oberen Türbereich schaffen (zum Beispiel mit Löschnagel), Rauchschichten kühlen, Brand mit angepasstem Wassereinsatz bekämpfen.
- Rot: Rauchverschluss setzen, mehrere Abluftöffnungen von außen schaffen, erst danach Überdruckbelüftung, massive Wasserabgabe in den Brandraum von außen (durch Fenster, Türen oder andere Öffnungen), Tür wenn nötig nur aus der Deckung öffnen.
In den Raum geht man nur, wenn die Situation grün oder gelb ist.
Besondere Brandphänomene
- Rauchdurchzündung (Rollover): Pyrolyse- und Schwelgase in der Rauchschicht zünden.
- Raumdurchzündung (Flashover): Übergang vom Entstehungsbrand zum Vollbrand bei ausreichender Luft. Anzeichen: sehr starker Temperaturanstieg, Absinken der neutralen Zone, Rauch entweicht unter Druck, Ausgasen, Flammenzungen an der Grenze Rauch/Luft wenige Sekunden vor der Durchzündung. Vorbeugen: Raum und Rauchgase kühlen, Rauchabzug sicherstellen.
- Rauchexplosion (Backdraft): Im geschlossenen, unterventilierten Raum reichern sich Pyrolysegase an (über der oberen Explosionsgrenze). Beim Öffnen strömt Luft ein, das Gemisch gerät in den zündfähigen Bereich und zündet an einer Zündquelle (zum Beispiel Glutnest, heiße Oberflächen ab etwa 500 °C). Indizien: späte Branderkennung, rußgeschwärzte Scheiben, geschlossener Raum, Lokomotiveffekt (Luftzug in den Raum und Rauchaustritt im Wechsel, zum Beispiel unter Türen). Sichere Anzeichen gibt es nicht. Maßnahme: von außen herunterkühlen (Löschnagel oder kleine Öffnung mit Hohlstrahlrohr) und sofort massiv Wasser abgeben.
Schlauchmanagement
- Der Einheitsführer legt Angriffsweg, Wasserversorgung und Löschmittel fest, der Truppführer entscheidet über die Zahl der Schläuche und die Art der Verlegung.
- Mindestens: ein C-Schlauch zwischen Verteiler und Gebäudeeingang, ein C-Schlauch pro Geschoss, mindestens einer, besser zwei pro abzusuchender Nutzungseinheit.
- Schlauchreserve vor die Brandwohnung legen, nicht vor das Gebäude. Auf der Treppe oder im Treppenauge geführte Schläuche mit Schlauchhalter sichern, Nachziehen auf der Treppe ist kaum möglich.
- Wasser am Strahlrohr ab der Rauchgrenze. Kommando „… Rohr, Wasser marsch!“, Leitung entlüften, Hohlstrahlrohr prüfen.
- Keller: Wasser am Rohr am Treppenabgang, Reserve im Erdgeschoss vor der Kellertreppe. Tiefgarage: Schlauchdepot. Hochhaus: Depot eine Etage unter dem Brandgeschoss. Trockene Steigleitung: Anschluss im sicheren Bereich, nicht genutzte Entnahmestellen prüfen.
Löschtechnik mit dem Hohlstrahlrohr
- Hohlstrahlrohr empfohlen: variable Wurfweite, bessere Löschwirkung durch kleinere Tropfen, variabler Sprühwinkel, Mannschutzfunktion. Mit dem CM-Rohr ist keine optimale Rauchkühlung möglich. Das Hohlstrahlrohr muss blind beherrscht werden. Man muss wissen, welche Durchflussmenge und welches Sprühbild eingestellt sind, bevor man öffnet.
- Dynamische Rohrführung: Trupp und Strahlrohr bewegen sich, Sprühbild und Menge passen sich an. Das Rohr wird immer wieder geschlossen, die Lage neu beurteilt, kein Dauerfeuer.
- Temperaturcheck (Impulslöschverfahren): kurzer Sprühstoß schräg nach oben vorn. Kommt Wasser zurück, ist der Rauch kalt. Kommt keins zurück, ist er heiß. Sparsam anwenden, sonst Dampf und Verbrühungsgefahr.
- Rauchgaskühlung: dynamisch in die Rauchschicht, etwa 45° Sprühwinkel, etwa 200 l/min. Dem Rauch wird Energie entzogen, danach direkte Brandbekämpfung.
- Raumkühlung (Wand – Decke – Wand): bei Vollbrand, mindestens 200 l/min, Strahl so senkrecht wie möglich in die Rauchschicht, dann mit ruhigen Seitwärtsbewegungen von Wand über Decke zur anderen Wand. Eine Öffnungszeit von 6 bis 12 Sekunden entspricht etwa 20 bis 40 l. Tür nach der Wasserabgabe schließen, um dem Wasserdampf zu entgehen. Die neutrale Schicht möglichst wenig verwirbeln.
- Gefahr bei falscher Anwendung: Verbrühung durch Dampf, Verbrennung durch heruntergedrückte Brandgase, provozierte Durchzündung. Über dem Trupp dürfen keine unerfassten heißen Rauchgase sein.
- Tiefenwirkung: im Wechsel Sprühstrahl und Vollstrahl. Indirekt („über Bande“) kann man Brandherde erreichen, die man nicht direkt trifft. Zum richtigen Zeitpunkt in die direkte Brandbekämpfung übergehen.
Mobiler Rauchverschluss
- Vorteile: Treppenräume und Flure bleiben rauchfrei (Rettungsweg), Angriffswege lassen sich entrauchen, Stichflammen beim Türöffnen werden reduziert, nach dem Verlassen des Brandraums steht der Trupp in einem weitgehend sicheren Bereich.
- Grenzen: funktioniert nur bei rechtwinkliger Türzarge, ist nur Rauch-, keine Flammenbarriere, beseitigt nicht die Gefahr einer Rauchgasdurchzündung. Menschenrettung darf nicht verzögert werden.
Absuchen und Wärmebildkamera
- Räume werden zweimal durchsucht: erste Suche schnell (Menschenrettung), zweite Suche gründlich. Bei unkritischer Lage reicht eine.
- Systematisch im Uhrzeigersinn an Wand und Möbeln entlang. Niemals einen Ort als leer vermuten. Nicht auf Hinweise Dritter verlassen. Rückzugsweg sichern (Kontakt zur Schlauchleitung oder Feuerleine), Truppmann und Truppführer gehen nebeneinander.
- Verdachtsorte zuerst: nachts Schlafzimmer, tagsüber Küche, Wohn- und Kinderzimmer. Kinder verstecken sich (unter und hinter Betten, in engen Räumen), Erwachsene versuchen zu fliehen (zuerst Fluchtwege) und suchen ihre Kinder.
- Kennzeichnen durchsuchte Räume (Türanhänger, Kennzeichnungsleine, Wachskreide) und per Funk melden, dabei den Standort angeben.
- Wärmebildkamera: Hilfsmittel, kein Ersatz für die Grundsätze (Rückzugsweg, Kommunikation, Trupp bleibt Einheit). Würfelblick: voraus, Decke, Boden, links, rechts, zurück. Zwischen den Blicken wird die Kamera abgesetzt. Grenzen: Glas und Wasser blockieren die Infrarotstrahlung, Dampf stört, glatte Flächen spiegeln, Entfernungen sind schwer zu schätzen.
Lagemeldungen und Funk
Der Atemschutztrupp meldet dem Einheitsführer: bei Einsatzbeginn (Anschluss des Lungenautomaten), beim Erreichen des Einsatzziels, beim Erreichen des Brandraums, beim Auffinden einer Person, bei lageentscheidenden Veränderungen (verschlossene Tür, besondere Gefahren), bei Standortwechsel (Geschoss, Abschnitt) und beim Rückweg. Dazu regelmäßig den niedrigeren Behälterdruck von Truppführer und Truppmann. Meldungen auf das nötige Maß beschränken.
- Funk reißt kurz ab (Unterbrechung): Trupp geht zurück, bis wieder Kontakt besteht.
- Funk bricht ganz ab (Abbruch): Der Einheitsführer setzt einen Sicherheitstrupp ein.
Sicherheitstrupp und Notfall
- Sicherheitstrupp: an jeder Einsatzstelle bereit, komplett ausgerüstet, Lungenautomat noch nicht angeschlossen, C-Schlauch am zweiten Abgang, hört den Funkverkehr mit. Tasche mit Fluchthaube, Rettungstuch mit zwei Karabinern, Rettungsschere oder -messer, Bandschlinge (optional: Atemluftflasche mit Verlängerung, Rettungshaube, Leuchte, Keile, Brechwerkzeug).
- Rettung: Der Sicherheitstrupp folgt in der Regel der Schlauchleitung des verunfallten Trupps. Nach dem Schema Retten – Suchen – Finden – Atemluft – Rettung. Nicht zeitkritisch: schonende Rettung (Trage, Rettungsbrett). Zeitkritisch: Sofortrettung in den rauchfreien Bereich und lebensrettende Sofortmaßnahmen.
- Du in Not als Atemschutztrupp: Ruhe bewahren, bewusst atmen, Lage prüfen (Trupp vollständig? Zwangslage? Funkkontakt? Luftvorrat?), Notruf absetzen (Notruftaste am Digitalfunkgerät oder „Mayday, mayday, mayday – eigener Funkrufname – Standort – Notlage – Mayday – kommen“), Umgebung nach Vermissten absuchen, Rückweg gemeinsam antreten. Nur bei Ausfall der Luftversorgung Lungenautomat trennen oder Maske abnehmen und Ersatzluft oder als letzte Möglichkeit die Fluchthaube nutzen.
- Ursachen von Atemschutznotfällen: einsatzbedingt (Durchzündung, Einsturz, versperrter Rückweg, unzureichende Überwachung), technisch (fehlende Kurzprüfung, vereister Druckminderer, versehentlich geschlossenes Ventil, Funkabbruch), personenbedingt (Kondition, Erkältung, Überwärmung, Flüssigkeitsmangel, Angst, hektisches Arbeiten).