Das Wichtigste in Kürze
- Eine psychische Ausnahmesituation ist ein Notfall. Aus einer Krise kann schnell Gefahr für die Person oder andere werden. Dahinter steckt oft eine körperliche Ursache (Unterzuckerung, Vergiftung, Infektion, Schlaganfall). Nicht vorschnell auf „psychisch“ festlegen.
- Zuerst Gefahr einschätzen: Waffen, Selbst- oder Fremdgefährdung, Spritzen, Eigenschutz. Ruhig, langsam und klar sprechen. Bei Gefährdung Polizei nachfordern.
- Suizidgedanken direkt ansprechen und konkret nachfragen (Plan, Zeitpunkt, Mittel). Die Person nicht allein lassen.
- Bei Rausch und Vergiftung nie Erbrechen auslösen. Packungen und Reste für den Rettungsdienst bereitlegen.
Psychische Ausnahmesituation
- Erkennen: verwirrt, ängstlich, aggressiv, Wahnerleben (Dinge sehen oder hören, die nicht da sind), Suizidgedanken. Depressiver Stupor: Die Person ist wach, aber völlig starr und sprachlos.
- Warum ein Notfall? Die Lage kann plötzlich kippen. Außerdem können körperliche Ursachen wie Unterzuckerung, Vergiftung, Infektion oder Schlaganfall ähnlich aussehen.
- Vorgehen:
- Eigenschutz und Gefahr: Waffen, gefährliche Gegenstände, Selbst- oder Fremdgefährdung.
- Ruhig, langsam und klar sprechen, offene Fragen stellen, Zeit lassen.
- Gefährliche Gegenstände wegräumen, wenn das ohne Gefahr möglich ist.
- Suizidgedanken direkt ansprechen, in der Leitung oder bei der Person bleiben.
- Bei Gefährdung Polizei nachfordern.
- Wahninhalte weder bestätigen noch bekämpfen, bei der Wirklichkeit bleiben und Sicherheit vermitteln.
- Nicht tun: nicht bedrängen, nicht festhalten, nicht diskutieren, keine Geheimhaltung versprechen.
- Hilfe für Anrufer und Betroffene: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, kostenfrei, rund um die Uhr.
Depression erkennen
- Mehr als Traurigkeit: anhaltend gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit, Antriebsminderung und rasche Erschöpfung.
- Weitere Zeichen: schlechte Konzentration, geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, pessimistische Zukunft, Suizidgedanken oder Selbstverletzung, Schlafstörungen (frühes Erwachen), verminderter Appetit.
- Körperliche Beschwerden sind häufig: Kopf-, Nacken- und Rückenschmerz, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Schwindel, Erschöpfung.
- Auslöser: Todesfall, Trennung, Mobbing, Überforderung, schwere Erkrankung. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen (Veranlagung, Stress, Einsamkeit, Probleme).
- Teufelskreis: Stress führt zu negativen Gedanken, Schlafproblemen und Rückzug, der Rückzug verstärkt wiederum die negativen Gedanken.
Suizidgefahr einschätzen
- Direkt fragen. Nachfragen verstärkt den Gedanken nicht, es entlastet.
- Was du erfragst:
- Hat die Person gesagt, dass sie sich das Leben nehmen will?
- Gibt es einen konkreten Plan oder Zeitpunkt, kommt sie an Mittel heran?
- Frühere Versuche? Hat sie sich verabschiedet, Briefe geschrieben, Sachen verschenkt?
- Hat sie schon etwas eingenommen (Tabletten, Alkohol, Drogen)? Ist sie verletzt, atmet sie normal?
- Ist sie allein, ist sie aggressiv oder bedroht sie andere?
- Alarmierung: Rettungsdienst, bei Eigen- oder Fremdgefährdung oder Vergiftung zusätzlich Notarzt, bei Gewalt oder drohender Zwangseinweisung Polizei.
- Bis zum Eintreffen: die Person nicht allein lassen, gefährliche Mittel wegräumen, ruhig und zugewandt bleiben.
Rausch und Vergiftung durch Drogen, Alkohol, Medikamente
- Erkennen: benommen, verwirrt, aggressiv, Krampf, bewusstlos. Nach Haushaltsmitteln bei Kindern siehe unten.
- Eigenschutz: Aggression, Waffen, Spritzen. Spritzen nicht anfassen.
- Erfragen: Was, wie viel, wann, auf welchem Weg? Verpackungen und Reste bereitlegen.
- Maßnahmen:
- Bewusstsein und Atmung prüfen.
- Bewusstlos mit Atmung: stabile Seitenlage, Atmung ständig prüfen.
- Keine normale Atmung: reanimieren.
- Wach: ruhig sprechen, warm halten, nicht allein lassen. Bei Aggression Abstand halten, Polizei nachfordern.
- Nicht tun: kein Erbrechen auslösen, nichts zu trinken geben, nicht festhalten, nicht diskutieren.
- Warnzeichen: flache oder langsame Atmung, blaue Lippen, Krampf, nicht weckbar, Brustschmerz.
Kind hat Waschmittel getrunken
- Waschmittelkapseln sehen aus wie Süßigkeiten. Oft Schaum vor dem Mund.
- Vorgehen: Kind aufrecht halten und beruhigen. Produkt, Verpackung, Reste bereitlegen, Name, geschätzte Menge und Uhrzeit notieren. Mund ausspülen und ausspucken lassen. Wenn wach und normal schluckend, wenige kleine Schlucke Wasser oder ungesüßten Tee.
- Giftinformationszentrum einbeziehen. Entschäumer nur auf dessen Anweisung.
- Auge: etwa 10 Minuten mit Wasser spülen. Haut: abwaschen.
- Nicht tun: kein Erbrechen auslösen, keine Milch, kein Salzwasser, Kind nicht hinlegen.
- Warnzeichen: Husten, Atemnot, Schaum vor dem Mund, Erbrechen, Schläfrigkeit, Krampf, Reiniger mit Säure oder Lauge. Bewusstlos mit Atmung: stabile Seitenlage. Keine Atmung: Kinderreanimation.
Was heißt das für dich?
- Gefahr zuerst, dann Gespräch.
- Suizid direkt ansprechen.
- Kein Erbrechen auslösen, Reste sichern.
Siehe auch: Vergiftung und akute Erkrankungen, Gehirn und neurologische Notfälle, Kindernotfälle, Psychosoziale Notfallversorgung.
- Zuerst
- Gefahr einschätzen, Eigenschutz
- Sprechen
- ruhig, langsam, klar, offene Fragen
- Suizidgedanken
- direkt ansprechen, nicht allein lassen
- Wahn
- weder bestätigen noch bekämpfen
- Rausch
- Was, wie viel, wann, auf welchem Weg
- Telefonseelsorge
- 0800 111 0 111, kostenfrei, rund um die Uhr
- Nicht tun
- Erbrechen auslösen, festhalten, diskutieren, Geheimhaltung versprechen