Das Wichtigste in Kürze
- Belastende Einsätze gehören zum Dienst. Starke Gefühle danach sind normale Reaktionen auf ein unnormales Ereignis, kein Zeichen von Schwäche.
- Warnzeichen: aufdrängende Bilder und Geräusche, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Rückzug, Vermeidung. Halten sie länger an, such dir Hilfe.
- Hilfe holen ist erlaubt und gewollt: bei der Wehrführung, bei den Ansprechpartnern der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) oder beim Einsatz-Nachsorge-Team (ENT) Brandenburg.
- Führungskräfte sind in der Pflicht: Belastung erkennen und Hilfe über die Leitstelle anfordern, schon an der Einsatzstelle oder später zur Nachbesprechung.
- Das ENT ist rund um die Uhr über jede Leitstelle in Brandenburg erreichbar.
- Fachbegriff
- PSNV = Psychosoziale Notfallversorgung, hier für Einsatzkräfte
- Angebot in Brandenburg
- Einsatz-Nachsorge-Team (ENT) des Landes
- Erreichbarkeit
- rund um die Uhr über alle BOS-Leitstellen im Land Brandenburg
- Gründung des ENT
- April 1999
- Charakter
- vertraulich, kollegial, unabhängig, konfessionell ungebunden
- Nachbesprechung
- strukturiert etwa 3 bis 28 Tage nach dem Ereignis
- Kostenträger bei Erkrankung
- Feuerwehr-Unfallkasse im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags
Was ist belastend?
Als Feuerwehrangehörige erlebst du häufiger kritische Situationen als die meisten Menschen. Meist verarbeitest du das mit einem stabilen Umfeld und guter Vorbereitung durch die Ausbildung. Manchmal aber wird ein Ereignis zu viel, auch für erfahrene und routinierte Einsatzkräfte. Typische Auslöser:
- Tod oder schwere Verletzung einer Kameradin oder eines Kameraden im Einsatz
- viele Verletzte oder Tote, besonders Kinder
- persönlich bekannte oder verwandte Opfer
- die Einsatzsituation erinnert an dein eigenes Umfeld
- eigene Verletzung oder Lebensgefahr
- Einsätze mit Waffengebrauch
- Schuldgefühle, auch wenn sie unbegründet sind
- lang andauernde, schwierige Einsätze und alles, was du selbst als außergewöhnlich belastend erlebst
Wie ein Ereignis auf dich wirkt, kannst du vorher nicht genau sagen. Gefühle und körperliche Reaktionen nach so einem Einsatz sind normal und klingen meist nach einiger Zeit ab. Oft treten sie erst später auf, nicht gleich beim Einsatz.
Wann ist Hilfe nötig?
Wenn dich das Erlebte nicht loslässt, achte auf diese Zeichen. Sie können sofort oder mit Verzögerung auftreten:
- Belastende Bilder, Gedanken, Geräusche oder Gerüche drängen sich immer wieder auf.
- Schlafstörungen, Albträume, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen.
- Veränderter Appetit, Übelkeit.
- Innere Leere, Rückzug, Interessenverlust.
- Vermeidung: Du gehst Orten, Gesprächen und Tätigkeiten aus dem Weg, die an das Ereignis erinnern.
- Versagensängste und Selbstzweifel.
Halten diese Zeichen länger an, kann das auf eine drohende Erkrankung hinweisen, in seltenen Fällen auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Achte auch auf Bemerkungen von Menschen, die dir nahestehen: Sie merken oft zuerst, dass du dich veränderst. Rasches Erkennen und schnelle Hilfe verhindern Folgeschäden.
Das Einsatz-Nachsorge-Team Brandenburg (ENT)
In Brandenburg gibt es für Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Katastrophenschutz das Einsatz-Nachsorge-Team (ENT). Es besteht seit 1999 und arbeitet mit dem Innenministerium, dem Landesfeuerwehrverband, der Landesschule (LSTE), der Feuerwehr-Unfallkasse, der Notfallseelsorge/Krisenintervention und der Bundesvereinigung für Stressbewältigung nach belastenden Ereignissen (SbE) zusammen.
Wer sind die Helfer? Erfahrene Einsatzkräfte aus Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst mit einer speziellen Zusatzausbildung (nach dem C.I.S.M.-System, das ist das „Critical Incident Stress Management“) und psychosoziale Fachkräfte, die den Einsatzalltag kennen. Sie arbeiten vertraulich, kollegial, unabhängig und konfessionell ungebunden, überwiegend ehren- und nebenamtlich und landesweit.
Was bietet das ENT an?
- Einsatzabschluss direkt nach dem Einsatz
- Kurzbesprechungen kurz nach dem Ereignis
- strukturierte Nachbesprechungen, etwa 3 bis 28 Tage nach dem Ereignis
- Einzel- und Gruppengespräche
- Vermittlung in professionelle therapeutische Hilfe, wenn nötig
- Schulungen zur Stressverarbeitung für Einsatzkräfte
- Beratung von Führungs- und Einsatzkräften zu Belastungen durch Ereignisse
Wie kommt die Hilfe zu dir?
- Für Einsatzanforderungen rund um die Uhr über alle BOS-Leitstellen im Land Brandenburg, zum Beispiel die Integrierte Regionalleitstelle Nord-West, Telefon 0331 3701-0.
- Persönlich über die ENT-Einsatzkoordination, auch anonym: 0151 61582699 (Stand März 2026).
- Beratung, Information und Unterstützung über die ENT-Leitung. Mehr unter mik.brandenburg.de/ent, E-Mail info@ent-brandenburg.de.
Aufgaben der Führungskräfte
Wehrführer und Einsatzleiter haben hier eine zusätzliche Fürsorgepflicht:
- Erkennen, wenn ein Ereignis eine erhöhte psychische Belastung für die Einsatzkräfte bedeutet.
- Hilfe über die Leitstelle anfordern, direkt zur Einsatzstelle oder später zu einer Nachbesprechung. Ausgebildete Fachkräfte begleiten dann das Team und vermitteln bei Bedarf weitere Hilfe bis zur medizinischen Betreuung, in Absprache mit der Feuerwehr-Unfallkasse.
- Das Thema in der Ausbildung ansprechen: Einsatzbelastungen gehören in die Aus- und Fortbildung. So wird der offene Umgang mit belastenden Ereignissen schon vorher gelernt, und die Möglichkeit eines Gesprächs mit dem Hilfsteam ist allen bekannt.
- Auf Veränderungen achten, auch lange nach dem Einsatz.
Und wenn daraus eine Erkrankung wird?
Entsteht durch ein belastendes Ereignis im Feuerwehrdienst eine Erkrankung, stehen dir die Feuerwehr-Unfallkassen im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags zur Seite und sorgen für die bestmögliche Betreuung. Wichtig ist, dass der Zusammenhang mit dem Dienst dokumentiert ist (Meldung an die Wehrführung, Eintrag im Verbandbuch).
Wie du als Kamerad helfen kannst
- Frag nach, wie es dem anderen geht, und hör zu, ohne zu bewerten.
- Keine Sprüche wie „Stell dich nicht an“. Belastung ist keine Schwäche.
- Biete an, gemeinsam Hilfe zu holen, zum Beispiel die Wehrführung oder das ENT anzusprechen.
- Bleib dran: Reaktionen können erst nach Tagen oder Wochen auftreten.