Das Wichtigste in Kürze
- Plötzlicher Druck hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in den linken Arm, Blässe und kaltem Schweiß ist ein akutes Koronarsyndrom, bis das Gegenteil bewiesen ist. Notruf sofort, Oberkörper hoch, nicht bewegen, nicht allein lassen, keine Schocklage.
- Akute Atemnot bei bekannter Herzschwäche (Sprechen nur in kurzen Sätzen, schnelle Verschlechterung, blass und kaltschweißig, sitzend am Fenster) ist ein zeitkritisches Lungenödem. Oberkörper hoch, Beine tief, frische Luft, Rettungsdienst und Notarzt sofort.
- Ohnmacht (Synkope) bei älteren Menschen ist ein Warnzeichen. „Wieder wach“ ist keine Entwarnung.
- Am Telefon wird nicht ausgeschlossen, sondern nach dem schlimmsten Fall entschieden.
- Bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung: sofort Wiederbelebung und AED.
Brustschmerz: der Fall Herzinfarkt
- Alarmierend: plötzlicher starker Druck hinter dem Brustbein bei Belastung, Ausstrahlung in den linken Arm, Blässe und kalter Schweiß, höheres Alter. Auch unspezifische Zeichen (Oberbauch- oder Rückenschmerz, Übelkeit, Schwäche) können auf einen Infarkt hindeuten.
- Wichtige Fragen: Wo? (Adresse, Zugang), Beginn und Dauer, Stärke, Atemnot, Übelkeit, Schwindel, Ohnmacht, Bewusstsein und Atmung, Vorerkrankungen (Herzinfarkt, Stent, Bypass, Bluthochdruck, Diabetes), Medikamente (Blutverdünner, Nitro-Spray schon genommen?), Anzahl der Helfer.
- Weitere Ursachen für Brustschmerz: Lungenembolie, Aortendissektion (reißender Schmerz zwischen den Schulterblättern), Spannungs- oder Pneumothorax, Rhythmusstörung, Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündung, hypertensive Krise, Magen- und Speiseröhrenerkrankungen, Rippen- und Muskelschmerz, Panikattacke.
- Maßnahmen: Ruhe, nicht bewegen, nicht umhergehen lassen. Oberkörper hoch (Herzbettlagerung). Enge Kleidung öffnen, beruhigen, nicht allein lassen. Tür aufschließen oder jemanden zum Einweisen schicken, Medikamentenliste bereitlegen. Nichts essen oder trinken. Atmung beobachten, bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung sofort Wiederbelebung.
- ERC 2025: Bei Brustschmerz mit Verdacht auf Herzbeschwerden 150 bis 500 mg Aspirin als Kautablette, außer bei bekannter Allergie. Bei bekannter Angina pectoris hilfst du beim Nitro-Spray oder den Kapseln. Am Notruftelefon gilt dagegen oft: keine zusätzlichen Tabletten einnehmen lassen. Die Leitstelle gibt vor, was in deinem Rettungsdienstbereich angeleitet wird.
- Rettungsmittel: RTW mit Notarzt, Hinweis an die Besatzung „Verdacht auf Herzinfarkt“.
Akute Atemnot bei Herzschwäche
- Red Flags: nur kurze Sätze möglich, schnelle Verschlechterung innerhalb von Minuten, blass und kaltschweißig, Sitzhaltung am Fenster (er sucht Luft), bekannte Herzinsuffizienz.
- Wahrscheinliche Ursachen: akute Linksherzinsuffizienz mit Lungenödem (am wahrscheinlichsten), akutes Koronarsyndrom, Rhythmusstörung, kardiogener Schock, Lungenembolie, Lungenentzündung, Asthma oder COPD, hypertensive Entgleisung.
- Wichtige Informationen: Bewusstsein, Lippenfarbe (blau?), Atemgeräusch (brodelnd, pfeifend), Husten und Auswurf (schaumig, rosa?), Brustschmerz, Beginn und Verlauf, Medikamente, Gewichtszunahme oder dicke Beine in den letzten Tagen, Sauerstoffgerät im Haus.
- Dringlichkeit: höchste, zeitkritisch. RTW und Notarzt sofort, keine Verzögerung für weitere Fragen.
- Anweisungen: Oberkörper hoch, Beine tief, nicht flach hinlegen, Fenster öffnen, enge Kleidung lösen, ruhig halten, nicht allein lassen, eigene Medikamente nur nach Plan, nichts essen oder trinken, Haustür öffnen, Haustiere wegsperren, jemand weist den Rettungsdienst ein. Bei Bewusstlosigkeit und fehlender normaler Atmung Wiederbelebung.
- Übergabe an den Rettungsdienst: Alter, Geschlecht, Adresse und Zugang, Meldebild („akute Atemnot bei bekannter Herzinsuffizienz, kurze Sätze, blass, kaltschweißig“), Beginn und Verlauf, Vorerkrankungen und Medikamente, angeleitete Maßnahmen, Besonderheiten (Treppen, Aufzug, Tiere), Rückrufnummer.
Schnelle Fälle: Was ändert die Einschätzung am stärksten?
- Plötzlich keine Luft, sitzt aufrecht: Sprechfähigkeit und Lippenfarbe (Schweregrad) und die Vorgeschichte: Herzschwäche (Lungenödem), Asthma oder COPD, lange Bettruhe oder Operation oder Beinschwellung (Lungenembolie). Brustschmerz spricht für Infarkt.
- Ohnmacht, jetzt wieder wach: Herzrasen oder Brustschmerz vorher, bekannte Herzerkrankung oder Rhythmusstörung, Blutverdünner und Sturzfolgen (Kopf), normale Atmung jetzt.
- Sehr hoher Blutdruck, Kopfschmerz, Sehstörung: Schwangerschaft (Präeklampsie, Eklampsie, Klinik mit Geburtshilfe) oder neurologische Ausfälle (Gesicht, Arm, Sprache: Schlaganfall oder Hirnblutung), Bewusstsein, Krampfanfall.
- Blass, schwitzt, verwirrt: Diabetes und Insulin (Unterzuckerung, Blutzucker messen), dann Blutung (Erbrechen, schwarzer Stuhl), Fieber und Infekt (Sepsis), Brustschmerz.
Rhythmus und Defibrillator
- Langsamer Puls mit Kreislaufproblemen: Notarzt und RTW (symptomatische Bradykardie ist gefährlich). Zeichen: Schwindel, Ohnmacht, Bewusstseinstrübung, Atemnot, Brustschmerz, Herzerkrankung, Betablocker. Hinlegen, wenn keine Atemnot, Ruhe, Medikamente bereitlegen.
- Schneller Puls mit Beschwerden: Notarzt, wenn die Person instabil ist (Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Bewusstseinstrübung, Schock). Ruhe, Oberkörper hoch, nicht belasten.
- Bewusstlos ohne normale Atmung: sofort Wiederbelebung, Notarzt und RTW, AED holen.
- Implantierter Defibrillator (ICD): Hat er ausgelöst, wie oft? Bei Auslösung mit Beschwerden, mehrfacher Auslösung oder Bewusstlosigkeit Notarzt. Wiederbelebung und AED wie bei jedem, Pads mehr als 8 cm vom Gerät entfernt kleben. Der Schock des ICD ist für Helfer ungefährlich, höchstens ein Kribbeln.
Telefonreanimation im Verlauf
- Erste Fragen: Adresse bestätigen, reagiert die Person, atmet sie normal? Rettungsdienst alarmieren.
- Nicht normal: Rücken, harte Unterlage, Handballen auf die Mitte der Brust, 100 bis 120 pro Minute, 5 bis 6 cm, Brustkorb vollständig entlasten, nicht unterbrechen. Der Disponent zählt laut mit.
- Zweiter Helfer da: nach etwa 2 Minuten ablösen, Haustür öffnen, Rettungsdienst einweisen, AED holen.
- AED da: einschalten, Sprachanweisungen folgen, Brust frei, Pads kleben, bei Analyse und Schock nicht berühren, sofort weiterdrücken.
- Rettungsdienst trifft ein: Tür offen halten, weiterdrücken, bis das Team übernimmt, kurze Übergabe (Zeitpunkt, Beginn der Reanimation, Zahl der Schocks, Vorerkrankungen).
Was heißt das für dich?
- Brustschmerz: Notruf, Oberkörper hoch, nicht allein lassen.
- Atemnot mit Herzschwäche: Oberkörper hoch, Beine tief.
- Bewusstlos und kein normaler Atem: drücken und AED.
Siehe auch: Schockformen, Wiederbelebung, Vergiftung und akute Erkrankungen, AED bei der Feuerwehr.
- Herzinfarkt
- Druck hinter dem Brustbein, Ausstrahlung, blass, kaltschweißig
- Lagerung
- Oberkörper hoch, niemals Schocklage
- Aspirin (ERC 2025)
- 150 bis 500 mg Kautablette, nicht bei Allergie
- Bradykardie mit Beschwerden
- Notarzt, hinlegen, wenn keine Atemnot
- Tachykardie mit Beschwerden
- Notarzt bei Instabilität, Ruhe, Oberkörper hoch
- ICD
- Schock für Helfer ungefährlich, Pads mehr als 8 cm vom Gerät
- Hypertensive Krise
- Über 180/110 mmHg
- Wichtigste Informationen
- Bewusstsein, Atmung, Beginn, Vorerkrankungen, Medikamente