Das Wichtigste in Kürze
- Polizeilage: Täter mit Stich- oder Schusswaffe, Geiselnahme, Amok, Terror, Tumult, Suizid. Hier führt die Polizei, die Feuerwehr arbeitet in Absprache mit ihr und nur dort, wo die Polizei den Bereich als sicher eingestuft hat.
- Erkennen: Ist das Meldebild unklar, kann es eine Feuerwehr-, Rettungsdienst- oder Polizeilage sein. Bei Verdacht Polizei sofort einbinden.
- Grundsätze: kurz im Gefahrenbereich bleiben, Deckung suchen, Rückzugsweg kennen, Stoßtrupptaktik anwenden. Im Zweifel zurückziehen und Einsatzziele aufgeben.
- Eigene Sicherheit zuerst: Fahrzeuge in Fluchtrichtung abstellen, volle Schutzkleidung, Rollschläuche statt Schnellangriff.
- Der Einsatz belastet: frühzeitig PSU für Einsatzkräfte und PSNV für Betroffene anfordern.
- Führung
- Polizei, Feuerwehr in enger Abstimmung
- Bombendrohung am Telefon
- Zuhören, nicht unterbrechen, Notizen, Fragen stellen, Polizei informieren
- Verdächtiger Gegenstand (USBV)
- Nichts anfassen, nicht rauchen, Hitze meiden, Polizei und Entschärfer rufen
- Funk
- Polizei-Funkgerät (HRT) aushändigen, gleiche Gesprächsgruppe
- Ziviltipp bei Amok
- Flucht, Verstecken, nur zuletzt Gegenwehr
- USBV
- Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung
Erkennen und Taktik
Die Polizeilage ist ein eigener Lagetyp. Suizid, Täter mit Stich- oder Schusswaffe und Tumult sind Polizeilagen, Geiselnahme, Terroranschlag und Amok sind große Polizeilagen. Bei unklarem Meldebild wird gemeinsam mit der Polizei entschieden.
Taktische Möglichkeiten (je nach Lage):
- Angriff: geschützter Löschangriff, Ausrüstung der Polizei zur Verfügung stellen.
- Verteidigung: polizeiliche, gesicherte oder rettungsdienstbasierte Erstversorgung von Verletzten.
- In Sicherheit bringen: Rettung durch die Polizei, mit einem Fahrzeug oder durch Feuerwehr und Rettungsdienst.
- Rückzug: Kräfte zurückziehen und Einsatzziele aufgeben, wenn es zu gefährlich wird.
Einsatzgrundsätze: Aufenthalt im Gefahrenbereich so kurz wie möglich, Stoßtrupptaktik, Deckung suchen, Rückzugsweg festlegen.
Kräfte und Raum ordnen:
- Auftragstaktik, taktische Reserven schaffen, dienstfreie Kräfte hinzuziehen.
- Anfahrt mit der Polizei abstimmen. Gefahrenbereich, Übergabepunkte und Patientenablagen festlegen.
- Kräfte in Bereitstellung halten: Haltepunkte, Ringbereitstellung oder an Wachstandorten. Polizeiliche Sperr- und Kontrollstellen beachten, gegebenenfalls ist der ÖPNV gesperrt.
Kommunikation mit der Polizei: Ansprechpartner festlegen (Streifenführer, Dienstgruppenleiter, Einsatzabschnittsleiter, Polizeiführer), Direktkontakt herstellen, ein Handfunkgerät der Polizei aushändigen, die gleiche Gesprächsgruppe nutzen und Verbindungsbeamte austauschen.
Typische Einsatzlagen
Verdächtiger Gegenstand (USBV-Verdacht):
- Erkunden: Wo liegt er? Wer hat ihn gefunden? Wann? Wie sieht er aus? Gibt es verdächtige Geräusche? Welche Versorgungsleitungen verlaufen am Fundort?
- Maßnahmen: Polizei und Entschärfer hinzuziehen, Unbefugte fernhalten. Nie davon ausgehen, dass es der einzige Gegenstand ist.
- Verboten: nichts anfassen, nicht rauchen, Hitze vermeiden, den Gegenstand nicht mit anderen verdächtigen Gegenständen zusammenbringen.
Telefonische Bombendrohung:
- Zuhören und nicht unterbrechen, sofort Notizen machen, den Anrufer zum Weitersprechen bringen.
- Festhalten: Datum, Uhrzeit, Dauer, Rufnummer, Wortlaut, Sprache, Akzent, Geschlecht, Alter, Sprechtempo, Lautstärke, Hintergrundgeräusche.
- Fragen: Wann explodiert sie? Wo liegt sie? Wie sieht sie aus? Was für eine Bombe ist es? Wie wird sie gezündet? Warum haben Sie sie gelegt?
- Danach Meldung an Führungskraft oder Lagedienst und die Polizei, Aufzeichnung sichern.
Unfriedliche Versammlungen (Demonstrationen, Krawall):
- Vorplanung mit Polizei: Versammlungsform, Teilnehmerzahl, gewaltbereite Teilnehmer, Strecke, Auflagen, temporäre Wachen, An- und Abfahrtswege für Patienten, Sanitätsdienst, Verbindungsbeamte.
- Im Einsatz: Gefahreneinschätzung der Polizei abwarten, komplette Schutzkleidung, Führungsdienst entsenden, Fahrzeuge geschützt und in Fluchtrichtung abstellen, Rollschläuche statt Schnellangriff, PSU/PSNV bereithalten. Polizeiliche Maßnahmen wie Einkesselung und Raumschutz beachten.
Einsätze an Schulen: Ansprechpartner sind Schulleitung und Krisenteam, eventuell Klassenlehrer und Schulsanitätsdienst. Informationen kommen vom Klassenbuch und Krisenteam. Für die Schüler Zahl, Altersgruppe und Einschränkungen klären und Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter einbinden.
Belastung und Betreuung
- PSU für Einsatzkräfte ist angezeigt bei Polizeilage, Kinderreanimation, Suizid, vielen Toten oder Schwerverletzten, langer Bergung oder Leichenteilen, vielen betroffenen Kindern, hoher Medienpräsenz, Gefahr für Kräfte und belastenden Notrufen.
- Warnzeichen einer Belastung: Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Alpträume, Ängste, Unzufriedenheit, aufsteigende Bilder.
- PSNV für Betroffene (zum Beispiel PSNV-Zug) bei MANV mit 10 oder mehr Betroffenen, vielen Toten, vielen Angehörigen und Vermissenden, vielen Schulkindern, hoher Medienpräsenz, schwerem Arbeitsunfall mit mehr als 5 Betroffenen, Todesnachricht oder Polizeilage. Niederschwellig alarmieren und von Fachkräften sichten lassen. Man braucht Unterbringung (Bus, Zelt, Turnhalle), Verpflegung und Informationsquellen (Gefahrentelefon, Personenauskunftsstelle, Presse, NINA). Die Betreuung läuft als eigener Einsatzabschnitt unter einer Einsatzkraft mit OrgL-Qualifikation und einer PSNV-Fachkraft.
- Persönliches Stressmanagement: eigenes Verhalten reflektieren, mit Kräften haushalten, Pausen und Urlaub, Sport, Hobbys, ein stabiles soziales Umfeld, Austausch mit Vertrauenspersonen, Sache und Person trennen.
Hinweise für Zivilpersonen in einer Polizeilage
- Flucht: Fluchtweg einprägen, Gepäck zurücklassen, Hände sichtbar halten.
- Verstecken: außerhalb der Sicht des Täters, Zugang blockieren, Türen verschließen.
- Letzte Option: Wenn das eigene Leben unmittelbar bedroht ist, den Täter außer Gefecht setzen (Gewalt, Gegenstände werfen).
- Notruf: Standort von Verletzten und Täter, Zahl und Beschreibung der Täter, Zahl und Art der Waffen, Zahl der bedrohten Personen.
- Wenn die Polizei eintrifft: ruhig bleiben, Anweisungen befolgen, Hände hoch, Finger gespreizt, schnelle Bewegungen vermeiden, nicht schreien. Bei der Räumung keine Fragen stellen und in die Richtung laufen, aus der die Polizei kommt.