Übungen wirksam gestalten

Gefahren der Einsatzstelle

Das Wichtigste in Kürze

  • Üben heißt wiederholen und besser werden. Wer jede Woche ein neues Thema nur „probiert“, übt nicht.
  • Leistung muss sichtbar sein: Zeit, Anzahl oder Ergebnis messen und mit dem eigenen letzten Mal vergleichen, nicht mit anderen.
  • Theorie und Praxis eng verzahnen: kurz erklären, dann sofort anwenden.
  • Zielgruppengerecht üben: Truppleute, Truppführer und Führungskräfte brauchen unterschiedliche Aufgaben.
  • Themenblöcke statt Wechsel: mehrere Termine hintereinander zum selben Thema, mit einem erkennbaren Ziel am Ende.
  • Üben darf Spaß machen. Spielerische, anspruchsvolle Aufgaben fördern Teamarbeit und Motivation.
Probe
Etwas ausprobieren, ob es überhaupt gelingt
Übung
Durch Wiederholen besser werden
Messlatte
Sofort ablesbar, objektiv, wiederholbar
Ausbildungswart
Koordiniert Ausbildungspläne, ergänzt den Gerätewart
Ziel
Konkretes Ereignis oder Termin, auf den hin geübt wird
Wettbewerb
Nur gegen die eigene Bestleistung, keine A- und B-Mannschaft

Warum die Vorbereitung oft hinter dem Einsatz zurückbleibt

Im Einsatz herrschen Zeitdruck, unbekannte Gefahren und hohe Verantwortung. Dagegen laufen manche Ausbildungsabende im Hörsaalstil ab (Vorschriften vorlesen, Geschichten aus dem Einsatz) oder als „beschauliches Werkeln“ am Gerät. Auch Einsatzübungen enden oft dort, wo es im Einsatz erst richtig beginnt: Der Aufbau klappt, das Wasser läuft, und dann wird abgebaut. Dazu kommt: Die Übungsleitung sucht sich meist eine Lage aus, die sie sicher beherrscht, also kann sie kaum scheitern, und die Trupps sehen wenig Fehler. Das Ergebnis ist ein Frust, den ein erfahrener Truppführer so zusammenfasst: „Wenn es doch im Einsatz auch so laufen würde.“

Gründe für Motivation: Warum Menschen Feuerwehr machen

Die meisten Mitglieder haben gute Gründe für ihren Dienst: anderen helfen, Gemeinschaft und Kameradschaft, Herausforderungen lösen („geht nicht gibt’s nicht“) und Faszination für Technik. Das Interesse ist da. Wo die Beteiligung nachlässt, liegt es meist an der Gestaltung der Ausbildung, nicht am fehlenden Willen. Ein Vergleich mit dem Sport zeigt, was dort anders ist: ein sichtbares Ergebnis, ein klares Ziel, wiederholtes Training. Der Wettbewerb um das Leistungsabzeichen zeigt, dass auch in der Feuerwehr Wettkampf und Training Spaß machen.

Sieben Ansatzpunkte für bessere Übungen

  1. Einen Ausbildungswart benennen. Ein Gerätewart kümmert sich um die Technik, für die Mannschaft braucht es ebenfalls jemanden. Er gestaltet nicht allein die Ausbildung, sondern entwirft die Pläne mit den Führungskräften, koordiniert, hilft bei der Übungsgestaltung und sorgt für Kontinuität. So wird aus einer Reihe von Einzelthemen ein sinnvoller Aufbau. Führungskräfte sind nicht automatisch gute Übungsleiter und mit Einsatz, Nachbereitung und Training oft überlastet.
  2. Theorie und Praxis nicht trennen. Die nötige Theorie, ohne unnötigen Ballast, direkt vor der Anwendung vermitteln. Beispiel: 20 Minuten Taktik an der Tafel, dann sofort raus und üben. So weiß jeder, was zu tun ist und warum. Hörsaalabende, deren Inhalt erst Monate später gebraucht wird, bleiben kaum hängen.
  3. Eine persönliche Messlatte schaffen. Jede Übung braucht ein unmittelbar ablesbares, objektives Ergebnis (zum Beispiel Zeit, Anzahl) und wiederkehrende, ähnliche Aufgaben, damit man sich mit dem letzten Mal vergleichen kann. Lob und Tadel der Übungsleitung allein genügen nicht, sie sind subjektiv. Geeignet sind Zeitmessungen beim Anlegen des Atemschutzgeräts (mit Kurzprüfung), Aufstellen tragbarer Leitern oder Aufbau eines Löschangriffs. Der Einwand „schnell ist nicht sicher“ gilt nur bei zufälligen Einzelergebnissen. Fordert man Wiederholbarkeit, wird sicheres Arbeiten zur Voraussetzung für gute Zeiten.
  4. Wettbewerb nur gegen sich selbst. Konkurrenz schafft schnell eine A- und eine B-Mannschaft. Die Messlatte vergleicht mit der eigenen Leistung („War ich schon mal besser?“). Aufgaben so wählen, dass nicht nur der Körperkräftigere oder Jüngere gewinnt, sondern Geschick zählt, damit auch Ältere und Erfahrene ihren Spaß haben.
  5. Spaß und Teamgeist zulassen. Spielerisch lernt man oft am schnellsten und dauerhaftesten. Beispiele aus der Lernunterlage: eine Technische-Hilfe-Übung an einem Altfahrzeug, bei der alles in Teile zerlegt werden soll, die durch einen Autoreifen passen (mit Absprache, Zeitdruck, Improvisation und Beachtung der Unfallverhütung). Weitere Ideen: möglichst schnell einen Wasserbehälter im Obergeschoss füllen (erst über den Treppenraum, später über die Leiter), Wasserentnahme aus einem offenen Gewässer, Paletten-Turm bauen und sichern, alle Geräte des Fahrzeugs entnehmen und in Gang setzen, Geräte mit Leine ins Obergeschoss ziehen (Stiche und Knoten), eine Person (Puppe oder großer Karton) über die Leiter retten. Der Aufwand für die Übungsleitung bleibt gleich: Aufgabe entwickeln, vorbereiten, überwachen, nachbesprechen.
  6. Zielgruppengerecht ausbilden. Nicht alle müssen alles wissen. Vergleich mit der einzügigen Dorfschule: Jede Stufe bekommt eigene Aufgaben. Beim Thema „Gefahren der Einsatzstelle“ brauchen Truppmitglieder etwas anderes als Einsatzleitung. Besser getrennt unterrichten und in der Einsatzübung wieder zusammenführen, mit jeweils passenden Aufgaben.
  7. Schwerpunkte und Ziele setzen. Der Ausbildungsplan wird in Themenblöcke gegliedert, die an mehreren Terminen hintereinander wiederholt werden, damit man den Übungseffekt sieht. Nach einem halben Jahr kommt das Thema wieder und alle können ihren Stand vergleichen (zum Beispiel Anlegezeit vor einem Jahr 45 Sekunden, jetzt 73). Zusätzlich braucht es ein Ziel, auf das man hinarbeitet: einen konkreten Termin, eine Aufgabe, ein Gegenüber zum Messen und Publikum, das die Leistung anerkennt.

Probe oder Übung?

  • Probe kommt von „probieren“: Man weiß nicht, ob es klappt. Es gibt nur einen Versuch, wie beim neuen Rezept.
  • Übung kommt von „üben“: Das Verfahren funktioniert, man wird durch Wiederholen sicherer und schneller, wie beim Radfahren lernen.

Wer jeden Abend ein anderes Thema (heute Technische Hilfe, nächste Woche Löschangriff, danach Rettung) abhakt, probiert nur. Fehler können nicht „absitzen“, und es wird egal, was herauskommt. Ausbildungspläne müssen Zeit lassen, aus Fehlern zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Einsatzübung vor den Augen der Öffentlichkeit

Die Lernunterlage schlägt vor, am Ende eines Themenblocks eine Übung im Ort zu machen, die das fehlende „Spiel“ ersetzt: Die Mannschaft rückt mit dem Fahrzeug zu einem Übungsobjekt aus, der Gruppenführer erkundet, und Passanten sehen, wie ruhig und geordnet die Feuerwehr arbeitet. Das gibt Anerkennung und Motivation. Die Nachbesprechung erfolgt anschließend im Feuerwehrhaus, nicht am Übungsobjekt, kurz und konstruktiv.

  • Voraussetzungen: Absprache mit Eigentümern und, wo nötig, Behörden, ein ungefährliches Übungsobjekt und eine klar erkennbare Übungssituation.
  • Kein Blaulicht, kein Wegerecht ohne Einsatz. Sonder- und Wegerechte gelten nur im echten Einsatz.
  • Wichtig ist nicht der Ort allein, sondern dass die Übung die Rolle des Ziels bekommt: Alle wissen, dass ein „Ernstfall“ ansteht, auf den die früheren Termine vorbereiten.

Siehe auch