Reizgase und Pfefferspray

Gefahrgut und ABC

Das Wichtigste in Kürze

  • Reizgase und Pfefferspray reizen Augen, Atemwege und Haut. Sie wirken innerhalb von Sekunden und können bis zu 30 Minuten anhalten, bei hoher Dosis auf der Haut bis zu 48 Stunden.
  • Wirkstoffe: CS, CN, CR, CA (Tränengase) wirken durch Zellschädigung, OC (Capsaicin) und PAVA (Pfefferspray) durch Nervenreizung.
  • Typisch: Handsprays (Reichweite etwa 1,5 bis 5 m) in Menschenansammlungen, Schulen, Geschäften. Der Reizstoff ist ein Feststoff in Lösungsmittel, er setzt sich als feine Partikel auf Oberflächen ab.
  • Maßnahmen: Räume räumen und lüften, Betroffene betreuen, Kleidung ablegen, Haut mit viel Wasser und Seife spülen, Augen bei geöffnetem Lidspalt mehrere Minuten spülen.
  • Messen geht kaum: Mehrgasmessgeräte, PID, IMS und Prüfröhrchen erkennen Reizgase wegen der sehr kleinen Wirkkonzentration nicht.

Wirkung

  • Augen: stechender Schmerz, massiver Tränenfluss, Lidschluss (beim Pfefferspray etwa 5 bis 10 Minuten). Hohe Konzentrationen von CN können bleibende Augenschäden verursachen.
  • Atemwege: Brennen, Hustenreiz, mehr Schleim, Atemnot, selten Ersticken. Bronchitis und Asthma verschlimmern sich. In sehr hoher Dosis drohen Wassereinlagerungen und Blutungen in der Lunge.
  • Haut: Kribbeln, Brennen, Rötung, bei hohen Konzentrationen von CN und CS Schwellungen und Blasen. Juckreiz beim Pfefferspray 15 bis 40 Minuten.
  • Wichtig: Es gibt Fallberichte über Todesfälle im Zusammenhang mit Pfefferspray und Drogenkonsum.

Technik

  • Reizgase werden unter Druck (häufig Propan oder Butan) in Dosen gehalten. Der Reizstoff ist ein Feststoff, gelöst in einem Lösungsmittel, und wird als Aerosol freigesetzt.
  • Feste Bestandteile lagern sich als feinste Partikel auf Oberflächen ab und verdampfen je nach Menge, Verteilung und Temperatur in die Raumluft.
  • Besonderheiten: Mischungen mehrerer Reizstoffe kommen vor, und Reizstoffe können dem Wasser von Wasserwerfern zugesetzt werden. Auch Polizeigeschosse mit Capsaicin gibt es.
  • Pfefferspray: Wirkstoff OC (Capsaicin aus Chilischoten) oder PAVA (synthetisch, gleiche Wirkung), etwa 3 bis 13 % in Lösungsmittel.

Maßnahmen bei Freisetzung in Gebäuden

  1. Betroffene Räume räumen und ausreichend lüften.
  2. Betroffene medizinisch betreuen.
  3. Kontaminierte Kleidung ablegen.
  4. Nach Hautkontakt: mit viel Wasser und Seife abspülen.
  5. Nach Augenkontakt: bei geöffnetem Lidspalt mehrere Minuten unter fließendem Wasser spülen, Arzt hinzuziehen.
  6. Verdächtige Flächen mit Wasser und Seife abwaschen.

Nachweis

  • Herkömmliche Geräte (Mehrgasmessgerät, PID, IMS, Prüfröhrchen) reichen nicht, die Wirkkonzentration ist zu klein.
  • Nachweis über Wischprobe von kontaminierten Flächen mit Laboranalyse (GC-MS, Dünnschichtchromatographie, Flüssigchromatographie). Hilfe leisten Analytische Task Force und Giftnotrufzentralen.

Was heißt das für dich?

  • Lüften, räumen, spülen: meist reichen Wasser und Seife.
  • Messgerät schweigt, die Augen nicht: Beschwerden ernst nehmen.
  • Gefährdete Personen (Asthma, Drogenkonsum) besonders beobachten.

Siehe auch: Atemgifte, Messen bei Gefahrstofflagen, Polizei.

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Reichweite
Handsprays etwa 1,5 bis 5 m
Wirkdauer
Bis etwa 30 Minuten, Haut je nach Dosis bis 48 Stunden
Wirkstoffe
CS, CN, CR, CA, OC (Capsaicin), PAVA
Treibmittel
Oft Propan oder Butan
Nachweis
Wischprobe und Laboranalytik (Analytische Task Force)
Augen
Lidschluss für etwa 5 bis 10 Minuten

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