Atemgifte an der Einsatzstelle

Gefahren der Einsatzstelle

Das Wichtigste in Kürze

  • Atemgifte sind feste, flüssige oder gasförmige Stoffe, die über die Atemwege schaden oder den Luftsauerstoff verdrängen.
  • Drei Wirkungen: erstickend, reizend/ätzend und auf Blut, Nerven und Zellen.
  • Viele Atemgifte sind farb-, geruch- und geschmacklos. Ohne Messgerät erkennt man sie oft nicht.
  • Schutz: Atemschutz tragen, verrauchte Räume und Keller nie ohne betreten. Im Zweifel Isoliergerät.
  • Wirkung kann zeitverzögert eintreten (Latenzzeit).

Wo kommen Atemgifte vor?

  • Bei jedem Brand, vor allem in geschlossenen Räumen: Brandrauch, besonders giftig beim Verbrennen von Kunststoffen (aus PVC entstehen Salzsäuredämpfe).
  • Thermische Zersetzung, zum Beispiel von Düngemitteln (nitrose Gase).
  • Tanks, Silos, Gruben, Kanalisation: Faulgase, Sauerstoffmangel.
  • Ausströmende Gase und auslaufende Flüssigkeiten: Dämpfe von Säuren, Laugen oder Benzin.
  • Terror und Anschläge: Kampfstoffe.

Wirkung auf den Körper

  • Erstickend: verdrängen den Sauerstoff (zum Beispiel Stickstoff, Methan, Erdgas, Wasserdampf). Gefahr plötzlicher Bewusstlosigkeit.
  • Reizend/ätzend: schädigen die Atemwege (zum Beispiel Ammoniak, Chlor, Säuredämpfe). Gefahr von Lungenversagen.
  • Auf Blut, Nerven, Zellen: hemmen den Sauerstofftransport oder schädigen Nervenzellen (zum Beispiel Kohlenmonoxid, Blausäure, Lösungsmitteldämpfe).

Erkennen und Verhalten

  • Anzeichen: Kopfschmerzen, Unruhe, Sehstörungen, Übelkeit, Hustenreiz, Erbrechen, Krämpfe, Atemnot.
  • Hinweise: Rauch, Warntafeln und Schilder, Messgeräte.
  • Atemschutz benutzen. Im Zweifel befiehlt der Einheitsführer Pressluftatmer. Atemschutz ist nur mit Ausbildung und Tauglichkeit zulässig (FwDV 7).
  • Betroffene Zivilpersonen können mit einer Brandfluchthaube geschützt werden.
  • Symptome sofort melden.

Reizgase: leicht und schwer wasserlöslich

Bei Reiz- und Ätzgasen hängt die Gefahr davon ab, wie gut sie sich in Wasser lösen:

  • Leicht wasserlösliche Stoffe (zum Beispiel Ammoniak) werden zum großen Teil in den oberen Atemwegen gelöst. Man merkt sie früh (Husten, Brennen).
  • Schwer wasserlösliche Stoffe (zum Beispiel nitrose Gase) dringen bis in die Lunge und lösen sich erst dort. Die Wirkung tritt erst nach einer Latenzzeit auf (die Zeit vom Eintritt des Atemgifts bis zum Erkennen der Schädigung). Sie kann mehrere Stunden betragen. Gerade deshalb sind diese Stoffe im Einsatz so gefährlich: Man fühlt sich zunächst gesund.
  • Konsequenz: Auch ohne Beschwerden nach Kontakt mit Reizgasen ärztlich untersuchen lassen.

Brandrauch: Mischung aus vielen Gasen

  • Brandrauch ist ein Gemisch aus gasförmigen, festen und flüssigen Verbrennungsprodukten. Die Zusammensetzung hängt von Brandgut, Temperatur und Sauerstoffangebot ab.
  • Hauptbestandteile: Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickoxide, Schwefeldioxid, Blausäure und unverbrannter Kohlenstoff (Ruß). Es wirken also mehrere Atemgifte gleichzeitig.
  • Schutz: Atemschutz und angepasste Einsatzhygiene (Schutzkleidung nach dem Einsatz reinigen, nicht essen oder rauchen mit verrußten Händen).

Siehe auch