Das Wichtigste in Kürze
- Umpumpen ist Spezialarbeit für undichte oder umgekippte Behälter. Pumpe, Schläuche und Dichtungen müssen zum Stoff passen (Beständigkeit, Explosionsschutz) und auf die Anschlüsse abgestimmt sein.
- Elektrostatik ist die versteckte Zündquelle: nicht leitende Flüssigkeiten (Benzin, Diesel, Petroleum, Toluol) laden sich beim Fließen auf. Deshalb Potentialausgleich zwischen Havarist, Reservist und Pumpe.
- Umgekippte Tankwagen nie gefüllt aufrichten. Tanks aus Aluminium sind nicht druck- und vakuumfest und können bersten oder durch Unterdruck zusammenfallen.
- Zuerst Überblick: Lage stabil? Tritt Öl aus? Wie viel kann auslaufen? Welche Ventile sind noch erreichbar? Was ist der schlimmste Fall? Fachleute für Tankfahrzeuge holen.
- Jede Feuerwehr kann Ausbreitung stoppen (auffangen, abdichten, Unterziehplane), das Entleeren machen Spezialkräfte.
Pumpe und Stoff
- Einfluss des Stoffes: Dichte (je schwerer, desto geringer die mögliche Saug- und Förderhöhe), Siedepunkt (je tiefer, desto kleiner die Saughöhe), Dampfdruck, Viskosität (je zäher oder kälter, desto größer der Widerstand).
- Kavitation: Bei leicht siedenden Medien bilden sich Dampfblasen, die implodieren und die Pumpe schädigen. Klopfende Geräusche zeigen es an, dann Fördermenge und Ansaughöhe verringern.
- Gaspendelung: Bei tiefsiedenden, giftigen oder stark riechenden Flüssigkeiten verbindest du Havarist und Reservist über eine Gaspendelleitung oder bindest die Dämpfe.
- Pumpentypen: Verdrängerpumpen saugen selbst an und sind nicht dichteabhängig, laufen aber pulsierend. Kreiselpumpen fördern große Mengen und müssen gefüllt sein. Beide können trockenlaufempfindlich sein.
- Material: Der Reservist soll aus dem gleichen Material wie der Havarist sein, sofern dieser geeignet war. Übergangsstücke und Dichtungen müssen passen und beständig sein.
Ablauf und Regeln beim Umpumpen
- Reservebehälter bereitstellen, Potentialausgleich sicherstellen.
- Einlauf in den Reservisten mit Tauchrohr, das vermeidet elektrostatische Aufladung.
- Pumpe in eine Auffangwanne stellen, Kugelhähne am Anfang und Ende der Leitung einbauen, Chemiefachberatung einbinden, wenn die Zeit reicht.
- Vor dem Fördern Drehrichtung prüfen, Anschlüsse und Standsicherheit kontrollieren, PSA prüfen, nicht benötigte Personen aus dem Gefahrenbereich schicken.
- Ventile in Flussrichtung öffnen, Pumpe starten, Pumpvorgang überwachen (Trockenlauf verhindern).
- Nie gegen geschlossene Schieber pumpen (Ausnahme: pneumatische Membranpumpen).
- Danach grob dekontaminieren, reinigen und trocknen, damit beim nächsten Einsatz keine ungewollte Reaktion entsteht.
Elektrostatik und Potentialausgleich
- Warum: In explosionsgefährdeten Bereichen dürfen Personen, Gegenstände und Flüssigkeiten nicht gefährlich aufgeladen werden. Aufladung entsteht bei Reibung, Fließen, Zerstäuben, Mischen und durch mangelhaften Potentialausgleich.
- Je tiefer die Leitfähigkeit, desto höher die Neigung zur Aufladung. Wässrige Lösungen laden sich kaum auf, Benzin, Petroleum, Diesel, Toluol, Hexan stark. Große Grenzflächen, hohe Strömungsgeschwindigkeit und zweite, nicht mischbare Phasen (Wasser-Benzin-Gemische) verstärken die Aufladung.
- Gefährlich wird es beim offenen Umfüllen brennbarer Flüssigkeiten: Brennstoff, Sauerstoff und Zündquelle treffen zusammen.
- Pulver- und CO₂-Wolken können elektrostatisch geladen sein. Eine explosionsfähige Atmosphäre mit einem CO₂-Löscher zu inertisieren kann wegen der Entladung an der Austrittsöffnung gefährlich sein.
- Potentialausgleich verbindet Betriebsmittel elektrisch auf gleiches Potential. Erdung bezieht zusätzlich die Erde ein.
- Praxis: Sternerdung: Havarist, Reservist und Pumpe je mit einer eigenen Leitung an einen Sternpunkt (ohne feste Stelle die Pumpe). Feste Erdungspunkte an Tankanlagen, Gebäuden oder Bahnanlagen einbeziehen. Behelfserdung (Pfahl, Hydrant, Laterne) ist elektrostatisch nicht nötig.
- Bei Bahnanlagen immer Verbindung zur Schiene oder zu einem Bahn-Erdungspunkt herstellen (Bahn und Schiene).
- Kontaktstellen müssen blank sein (kein Rost, keine Farbe). Lineare oder ringförmige Verkabelung wird nicht empfohlen.
- Leitfähige Schläuche regelmäßig auf Widerstand prüfen. Stromerzeuger nur nach Herstellerangabe erden.
Tankfahrzeug: Besonderheiten
- Befüllung und Entladung erfolgen meist über Bodenventile, die Anschlüsse liegen in verschlossenen Armaturenkästen. Es gibt 1 bis 4 Kammern, teils mit Gaspendelung (geschlossenes System).
- Tankaufbau oft aus Aluminium, nicht druck- und vakuumfest. Kleine Über- oder Unterdrücke können ihn beschädigen. Ohne Druckausgleich beim Abpumpen fällt der Tank durch Unterdruck zusammen.
- Umgekippter Tank: Kipp- oder Belüftungsventile schließen nicht vollständig dicht, es kann Inhalt aus dem Gasumstellventil laufen. Verschiedene Produkte (zum Beispiel Diesel und Benzin) können zusammenfließen, das senkt den Flammpunkt deutlich, auch Diesel kann dann brennen.
- Batterie trennen: wenn möglich über den Batterietrennschalter. Danach lässt sich das Fahrzeug eventuell nicht mehr bedienen.
- Ist der Tank leer oder tritt nichts aus, unterstützt du nur Bergung und Abschleppen. Tritt Öl aus, Brandschutz sicherstellen, auffangen, abdichten, Unterziehplane.
- Notentleerung: durch Fachleute mit Notfallset (Anschlüsse und Armaturen). Schlauchcutter statt Seitenschneider nehmen, ungünstige Schnittflächen machen Verbindungen undicht.
Was heißt das für dich?
- Du sicherst die Lage, stoppst den Austritt und holst die Spezialkräfte. Das Umpumpen übernehmen sie.
- Aufladung vermeiden: Potentialausgleich, Tauchrohr, kein freies Fallenlassen brennbarer Flüssigkeiten.
- Tank nie gefüllt aufrichten. Er kann bersten oder implodieren.
Siehe auch: Auffangen, Abdichten, Binden, H:Öl, Dekontamination, Explosion.
Die Inhalte beruhen auf dem Handbuch für ABC-Einsätze der Feuerwehr Koordination Schweiz (Version 1.1, C-Wehr), nur technische Hinweise, nationale Besonderheiten sind nicht übernommen. Das ist eine Zusammenfassung zum Lernen, verbindlich sind Herstellerangaben, Einsatzplan und Anweisung der Fachberatung.
- Havarist
- Der beschädigte Behälter
- Reservist
- Der Ersatzbehälter, in den umgepumpt wird
- Verdrängerpumpe
- selbstansaugend, pulsierend, Pumpe nahe am Reservist
- Kreiselpumpe
- große Mengen, nicht selbstansaugend, Pumpe nahe am Havarist
- Saughöhe
- höchstens etwa 1 bar (10 m Wassersäule), sinkt bei dichten oder tiefsiedenden Stoffen
- Flammpunkt
- 10 % Benzin im Diesel senken ihn auf etwa die Hälfte (von etwa 76 bis 78 °C auf etwa 38 °C)