Das Wichtigste in Kürze
- Eine Wärmebildkamera (WBK) ist ein Sichtgerät, kein genaues Thermometer. Sie zeigt Temperaturunterschiede als Bild. Die angezeigten Gradzahlen sind nur Schätzwerte relativ zur Umgebung.
- Zwei Kategorien: AOR-Kamera (Angriff, Orientierung, Rettung) für Trupps im Innenangriff, und taktische Kamera (CBRN, Führung, unterirdische Verkehrsanlagen) als Zusatzgerät.
- Jeder Trupp im Innenangriff braucht eine eigene Kamera, auch der Sicherheitstrupp. Darum sind zwei AOR-Kameras je Löschfahrzeug empfohlen.
- Früh einschalten, am besten schon auf der Anfahrt. Die Kamera braucht Sekunden für Selbsttest und Kalibrierung.
- Es gibt keine deutsche Norm. Hersteller orientieren sich an der US-Norm NFPA 1801.
- Norm
- Keine deutsche oder EU-Norm, Orientierung an NFPA 1801
- Schutzart
- Mindestens IP 67 (staubdicht, 30 Minuten bis 1 m Tiefe unter Wasser)
- Gewicht AOR-Kamera
- Höchstens 0,9 kg
- Gewicht taktische Kamera
- Höchstens 1,2 kg
- Betriebszeit
- Mindestens 4 Stunden ohne Akkuwechsel
- Betriebstemperatur
- Mindestens −20 bis 55 °C
- Messbereich AOR
- Mindestens −20 bis 550 °C (empfohlen bis 900 °C)
- Bildwiederholrate
- Mindestens 25 Hz
- Auflösung des Sensors
- Mindestens 320 × 240 Pixel (empfohlen 640 × 480)
- Thermische Empfindlichkeit
- 0,06 K oder besser
- Displaygröße AOR
- Mindestens 2,5 Zoll
- Einschaltzeit
- AOR höchstens etwa 6 Sekunden, taktisch etwa 15 Sekunden
Was die Kamera tatsächlich zeigt
- Sie fängt Infrarotstrahlung auf (moderne Geräte im Bereich von etwa 8 bis 14 Mikrometern) und macht daraus ein Bild. Dafür braucht sie kein Licht, sie funktioniert in Dunkelheit und Rauch.
- Sie sieht Oberflächentemperaturen, nicht ins Innere. Dicke Wände, Glas und Wasser zwischen Kamera und Objekt blockieren oder verfälschen das Bild.
- Das Sichtfeld ist klein (etwa 40 bis 60° breit), das menschliche Auge sieht viel mehr. Man muss die Kamera deshalb bewusst schwenken.
- Temperaturen sind relativ. Spiegelnde Flächen reflektieren Wärmestrahlung anderer Körper, dann stimmt die Punktmessung nicht. Im Gefahrguteinsatz, wo kleine Unterschiede zählen, ist besondere Vorsicht nötig.
- Sättigung: Wird die Höchsttemperatur der Kamera überschritten, ist das Bild nur noch eine helle Fläche ohne Kontraste. Dann kann man die Lage nicht mehr beurteilen. Geräte mit höherem Messbereich sättigen später.
Darstellungsmodi
Die Hersteller bieten verschiedene Modi an. Es gilt: wenige, klar festgelegte Modi ausbilden, sonst verwirren sie im Stress.
- TI Basic: Grauwerte, ab einer bestimmten Hitze farbig eingefärbt (Gelb, Orange, Rot). Standard im Brandeinsatz.
- TI Basic Plus: wie Basic, dazu Temperaturanzeige mit Messpunkt. Die NFPA verlangt dafür eine eigene Schulung.
- Erkundungsmodus: für niedrige Temperaturen und kleinste Unterschiede. Gut zum ersten Betrachten eines Brandobjekts von außen, für die Suche nach Personen und für Glutnester bei den Nachlöscharbeiten.
- Hot-Tracker: zeigt die wärmsten Stellen farbig. Cold-Tracker: markiert die kälteste Stelle.
- Schwarz/Weiß: Warm ist hell, kalt ist dunkel. Invers-Modus: umgekehrt. Der Wechsel der Polarität kann bei der Personensuche zusätzliche Details zeigen.
- Freeze: hält das Bild an, damit man zum Beispiel um die Ecke schauen oder dem Trupp etwas zeigen kann. Dabei kann sich die Lage unbemerkt verändern.
Handlungsablauf im Brandeinsatz
- Erkundungsmodus zur Beurteilung des Objekts von außen und beim ersten Betreten. Wärmequellen und Wärmeströmung werden früh farbig sichtbar.
- Zu TI Basic wechseln (automatisch oder von Hand), sobald das Bild sättigt, und damit kritische Stellen während der Brandbekämpfung erkennen.
- Bei den Nachlöscharbeiten zurück in den Erkundungsmodus, damit man Glutnester früher sieht.
Anforderungen an das Gerät
- Robust: In den Tests der NFPA 1801 wird die Kamera mehrfach aus 2 m auf Beton fallen gelassen, erhitzt und kurz einer Flamme ausgesetzt und 24 Stunden rotierend, kalt und nass belastet. Danach muss sie noch ein gutes Bild liefern.
- Hitzebeständig: Je nach Einsatz stehen drei Stufen zur Auswahl (zum Beispiel 150 °C für 5 Minuten plus 260 °C für 1 Minute). Taktische Kameras für Gefahrstoff oder unterirdische Anlagen verlangen mehr.
- Mit Handschuhen bedienbar, möglichst einhändig, höchstens 3 Tasten plus eine Sondertaste, nur eine Menüebene.
- Ladehalterung im Fahrzeug, die Kamera lädt über Kontakte außen oder induktiv. So dringen keine Feuchtigkeit und Partikel ein.
- Tragevorrichtung (Handschlaufe, Nackenband oder selbstaufrollendes Band) gegen Verlust. Sie muss sicher an der Schutzausrüstung befestigt sein.
- Reinigbar mit gängigen Mitteln, Tüchern und Bürsten. Das gehört zur Einsatzstellenhygiene.
- Explosionsschutz (ATEX) ist bei taktischen Kameras für Gefahrstoffe nötig. Die Anzeige von Batterie, Überhitzung und Farbskala gehört an feste Stellen im Display.
Welche Kamera wohin
- Löschstaffel und Löschgruppe: nach Norm mindestens eine, empfohlen zwei AOR-Kameras. Die Norm lässt die zweite entfallen, wenn der Sicherheitstrupp seine Kamera von einem anderen Fahrzeug bekommt.
- Tanklöschfahrzeug: eine AOR-Kamera.
- Einsatzleitwagen, Kommandowagen und Gerätewagen Gefahrgut: eine taktische Kamera (nur auf Wunsch des Bestellers).
- Vegetationsbrand: zusätzliche kleine, leichte Kameras mit Hot-Tracker und Akku oder Powerbank, zum Finden von Glutnestern.
- Gefahrgut ohne Gerätewagen: mindestens eine taktische Kamera „CBRN“.
Beschaffung und Ausbildung
- Nie nur nach Katalog kaufen. Die Geräte müssen in der Hand liegen und einheitlich getestet werden, mit dem eigenen Handschuh und in einer Übung zur Menschenrettung und an realem Feuer (Brandübungsanlage).
- Vor der Indienststellung muss jeder Anwender geschult sein, auch in den Darstellungsmodi, in kalter und heißer Umgebung. Die NFPA empfiehlt dafür etwa 8 Stunden Fortbildung im Jahr.
- Bildaufnahmen helfen bei Ausbildung und Nachbereitung. Im Einsatz, vor allem in Wohnungen, kann das Filmen rechtlich heikel sein.