Aufzugsunfall: Person im Aufzug eingeschlossen

Technische Hilfeleistung

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst sichern, dann befreien: Den Aufzug am Hauptschalter stromlos schalten und gegen Wiedereinschalten sichern. Die Kabine darf sich während der Rettung nicht unkontrolliert bewegen.
  • Kein Eingriff in die Steuerung. Die Notbefreiung läuft über die Notbedienstelle (meist im Triebwerksraum) nach der Anleitung des Herstellers. Die Kabine wird nur bis zum nächsten Stockwerk gefahren.
  • Die Eingeschlossenen zuerst ansprechen, beruhigen und beobachten. Angstreaktionen sind häufig, und bei einer Notlage wird der Rettungsdienst nachgefordert.
  • Schachttüren nach dem Öffnen wieder schließen und die Verriegelung kontrollieren. Sonst droht Absturzgefahr in den Schacht.
  • Zuständigkeit: Der Betreiber muss einen Notfallplan haben. Nach der TRBS 3121 soll die Befreiung spätestens 30 Minuten nach dem Notruf beginnen.

Wer ist zuständig?

  • Betreiber: Nach der Betriebssicherheitsverordnung muss der Betreiber seit dem 1. Juni 2015 für jeden Aufzug einen Notfallplan haben. Er benennt eine beauftragte Person für die Personenbefreiung, die regelmäßig unterwiesen wird.
  • 30 Minuten: Die TRBS 3121 sieht vor, dass die Befreiung einer eingeschlossenen Person spätestens 30 Minuten nach dem Notruf beginnt. Gemeint ist, dass die helfende Person dann an der Anlage ist.
  • Feuerwehr: Ob und wann die Feuerwehr zur Befreiung ausrückt, hängt von Landesrecht und den örtlichen Regeln ab. Bei einem großflächigen Stromausfall ist mit mehreren Aufzugsbefreiungen gleichzeitig zu rechnen. Schon bei Stromausfällen von wenigen Minuten werktags kann das im städtischen Raum vorkommen.
  • Auch bei Brand sind Aufzüge im Blick zu behalten: Der Rauch kann die Lichtschranke der Tür blockieren, die Kabine bleibt dann im verrauchten Geschoss. Bei einem Brand in einem Gebäude mit Aufzug wird deshalb kontrolliert, ob dort noch Personen gefangen sind.

Erste Maßnahmen an der Einsatzstelle

  1. Kabinenstandort und Zahl der Personen ermitteln, Kontakt über die Sprechverbindung (Notruf) oder durch Rufen halten.
  2. Gesundheitszustand der Betroffenen prüfen, sie betreuen und bei Bedarf erstversorgen.
  3. Triebwerksraum öffnen lassen (zum Beispiel über den Hausmeister), sonst öffnet ihn die Feuerwehr. Die Notbefreiungsanleitung liegt meist dort oder an der Bedienstelle zur Notbefreiung.
  4. Hauptschalter ausschalten. Bei diesem Schritt wird nur der Motor abgeschaltet, Licht und Ähnliches bleiben an. Gegen Wiedereinschalten sichern, notfalls mit Posten am Hauptschalter.
  5. Kabine gegen Bewegung sichern und Hersteller-Notbefreiungsanleitung befolgen. In die elektrische Steuerung greift die Feuerwehr nicht ein.

Aufzugstypen im Überblick

  • Seilaufzug (Treibscheibe): Die Kabine hängt an Seilen, am anderen Ende ein Gegengewicht. Es gibt Anlagen mit Triebwerksraum und triebwerksraumlose, bei denen die Steuerung und die Notbefreiungseinrichtungen meist an der obersten Schachttür sitzen.
  • Hydraulikaufzug: Ein Kolben hebt die Kabine, direkt oder indirekt über Seile und Umlenkrolle. Zur Notbefreiung wird die Kabine über die Notablassvorrichtung nahe dem Öltank abgesenkt, bis sie bündig steht (Kennzeichnung durch Schild oder Anstrich, Leuchtanzeige).
  • Schnellläufer (Hochhaus): Der Antrieb ist meist getriebelos. Beim Öffnen der Bremse beschleunigt die Kabine rasch. Große Vorsicht.
  • Feuerwehraufzug: hat Sondersteuerung und Deckenluke. Siehe Feuerwehraufzug.

Kabine verfahren und Türen öffnen

  • Grundsatz: Die Kabine wird nur bis zum nächsten Stockwerk gefahren.
  • Vorher klären:
  • Fangvorrichtung ausgelöst? Dann nicht ohne Fachpersonal. Wenn bewegt, nur nach oben, mindestens 20 cm. Ist die Kabine „im Fang“, ist nur eine Befreiung nach oben möglich.
  • Welche Technik ist verbaut, welche Last ist in der Kabine? Bei mehr als 50 % der Tragfähigkeit wird nach unten gefahren.
  • In welche Richtung muss die Kabine?
  • Seilaufzug mit Bremslüftung: Wegen des Gewichtsunterschieds zwischen Kabine und Gegengewicht bewegt sich die Kabine meist von selbst, und die Bewegung kann schnell schneller werden. Bremse nur vorsichtig lüften. Nimmt die Kabine keine Fahrt auf, hilft das Handrad, die Drehrichtung steht am Triebwerk. Eine beginnende Beschleunigung nie mit der Hand am Handrad stoppen, sondern die Bremse schließen.
  • Gleichstromantrieb: Die Bremse ist nur für stehende Kabinen ausgelegt. Eine ohne Strom in Bewegung geratene Kabine lässt sich nicht ausreichend bremsen.
  • Elektrische Rückholsteuerung: Viele neuere Anlagen haben eine elektrische Notfahreinrichtung. Sie ist nach der Anleitung zu aktivieren. Bei Feuerwehraufzügen etwa wird die Kabine mit gleichzeitigem Drücken von Fahr- und Richtungstaster verfahren und bei der Bündig-Anzeige angehalten.
  • Bündig: Steht die Kabine innerhalb der Türentriegelungszone (ca. 200 mm über oder unter dem Stockwerksniveau), lassen sich Schacht- und Kabinentür öffnen. Bei Schiebetüren öffnet das Aufschieben der Schachttür oft beide Türen.
  • Schachttür öffnen (wenn die Kabine nicht dahinter steht): mit dem Dreikantschlüssel. Danach die Tür wieder schließen und die Verriegelung kontrollieren. Sonst besteht Lebensgefahr durch Absturz.
  • Elektrischer Betrieb geht nur bei verschlossenen Türen. Bei geöffneter Schachttür verhindert eine Sicherheitsschaltung die Fahrt.

Befreiung über Deckenluke

  • Viele Kabinen haben eine Deckenluke, durch die man von oben einsteigen kann. Das geht nur bei passender körperlicher Verfassung. Dabei ist an die Absturzsicherung zu denken: Auf jeder Kabine gibt es Anschlagpunkte für die Sicherung gegen Absturz.
  • Vorgehen bei einer Feuerwehraufzug-Anleitung (Beispiel Berlin): Schachttür über der Kabine mit dem Dreikantschlüssel öffnen, über die Schachtleiter aufs Kabinendach, Leiter aus dem Leiterkasten nehmen, Ausstiegsluke entriegeln, vorher die Personen in der Kabine informieren, dass die Decke herunterklappt, dann Leiter durch die Luke in die Kabine stellen. Danach den Schacht verlassen und die Schachttür schließen. Nur sachkundiges Personal nimmt den Aufzug wieder in Betrieb.
  • Feuerwehraufzüge sind außerdem so ausgestattet, dass sich eingeschlossene Einsatzkräfte von innen selbst befreien können (Leiter und Deckenausstiegsluke).

Eingeklemmte Person zwischen Kabine und Schachtwand

  • Triebwerksraum besetzen, Wiedereinschalten verhindern, Bremse aktiviert lassen.
  • Auf die Aufzugsanlage keine Rücksicht nehmen, wenn Menschenleben gefährdet sind.
  • Leichte Fälle: Brecheisen und Holzkeile genügen oft.
  • Sonst: die untere Führung der Kabine lösen und die Kabine wegschwenken.
  • Letztes Mittel: weitere Werkzeuge wie Säge oder Meißel.
  • Siehe auch H:Person-TMR.

Besondere Gefahren

  • Absturz in den Schacht und in die Kabine.
  • Angstreaktionen der Eingeschlossenen.
  • Bewegliche Teile und Drahtseile im Schacht verletzen.
  • Bei älteren Aufzügen liegt die Elektrik teils offen, siehe Elektrizität.
  • Eine Kabine kann sich beim Lösen der Bremse schneller bewegen als gedacht.
  • Ältere Schachttüren lassen sich nicht in jedem Geschoss von außen öffnen, wohl aber von innen.

Nach dem Einsatz

  • Aufzug bleibt außer Betrieb, der Hauptschalter bleibt aus.
  • Schachttüren mit „Außer Betrieb“-Schildern kennzeichnen.
  • Werkzeug am Motor und Getriebe wieder entfernen und den Triebwerksraum verschließen.
  • Offene Schachttüren gegen Absturz sichern.
  • Fachfirma, Hausmeister oder Hausverwaltung benachrichtigen.

Was heißt das für dich?

  • Die Anleitung lesen: Die Hersteller bauen Notbefreiungen verschieden. Ein Handgriff, der bei einem Aufzug stimmt, kann beim nächsten falsch sein. Suche die Notbefreiungsanleitung an der Notbedienstelle oder im Triebwerksraum.
  • Ruhe: Eingeschlossene sind meist unverletzt, aber ängstlich. Sprich mit ihnen und sag, was du tust.
  • Vorbereitung: Für Feuerwehraufzüge werden Kurzanleitungen erstellt, die mit der Feuerwehr abgestimmt und laminiert vor Ort bereitliegen (Beispiel Berlin: Lauftaschen mit Dreikantschlüssel und Anleitungen an der Brandmeldezentrale).
  • Maßgeblich sind die Anleitung des Herstellers und die Vorgaben der Landesfeuerwehrschule. Die Seite ist eine Zusammenfassung zum Lernen. Teile davon beruhen auf der Seite „Aufzugsunfall“ im Einsatzleiterwiki (CC BY-SA 4.0).
Notbefreiung durch den Betreiber
spätestens 30 Minuten nach Notruf (TRBS 3121, gemeint ist das Eintreffen des Hilfeleistenden)
Notfallplan
seit 1. Juni 2015 für alle Aufzüge Pflicht (BetrSichV)
Türentriegelungszone
ca. 200 mm über und unter dem Stockwerksniveau
Fangvorrichtung ausgelöst
Kabine nur nach oben bewegen, mindestens 20 cm, sonst Fachpersonal
Kabine über 50 % Last
Fahrtrichtung nach unten
Nach dem Einsatz
Aufzug außer Betrieb, Hauptschalter aus, Schachttüren kennzeichnen

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