Sandsäcke und Hochwasserschutz

Technische Hilfeleistung

Das Wichtigste in Kürze

  • Sandsäcke nur zu ½ bis ⅔ füllen (etwa 18 bis 20 kg), Öffnung umschlagen, nicht zubinden. Die Säcke müssen sich anpassen und tragbar bleiben.
  • Sandsackdamm: Längs verlegen, Basis zum Wasser, jede zweite Lage um 90° drehen, Basisbreite etwa 2 × Höhe + 1 Sack. Auf Verbund wie bei einer Mauer achten.
  • Gebäude nie vollständig abdichten. Wasser muss teils eindringen, damit das Haus standsicher bleibt. Sandsäcke vor Türen und Fenstern halten Schlamm ab.
  • Keller erst auspumpen, wenn kein Wasser mehr nachläuft. Sonst kann der Grundwasserdruck Wände eindrücken oder das Haus aufschwimmen lassen.
  • Zuständig sind die Fachbehörden und Gebäudeeigentümer. Feuerwehr unterstützt und stimmt sich eng ab. Fachberater (THW, Hochwasserfachberater, Statiker) früh hinzuziehen.
  • Deichverteidigung ist Spezialwissen mit eigenem Vorgehen (Auflast, Quellkade).
Füllgrad
Mindestens ½, höchstens ⅔
Gewicht gefüllt
Etwa 18 bis 20 kg
Standardgrößen
30 × 60 cm und 40 × 60 cm (leer)
Basisbreite Damm
2 × Höhe + 1 Sandsack
Helferkette
Pro Meter ein Helfer, versetzt gegenüber, Säcke nicht werfen
Europalette
Etwa 70 Säcke in 7 Lagen, 1.200 bis 1.400 kg
Notdamm
Etwa halbe Sackzahl und halbe Zeit eines regulären Damms
Quellkade
Basis 2h + 1 Sack, Abstand zur Quelle 50 cm

Zuständigkeit und Beratung

Hochwasserabwehr ist grundsätzlich Aufgabe der Fachbehörden und der Gebäudeeigentümer. Die Feuerwehr wird im Rahmen der Gefahrenabwehr (öffentlicher Notstand) tätig, oder wenn die Gemeinde sie beauftragt, und unterstützt die Behörden. Eine enge Abstimmung ist zwingend. Bei Hochwasser empfiehlt sich Fachberatung: THW oder Hochwasserfachberater (zum Beispiel über die Akademie Hochwasserschutz ausgebildet, viele bei der DLRG). Außerhalb klassischer Hochwassergebiete haben Feuerwehren oft wenig Erfahrung mit Sandsäcken, deshalb hier die Grundlagen.

Sandsäcke

  • Sandsäcke schützen schnell und flexibel Gebäude und Bereiche. Sie sind ungefüllt platzsparend lagerbar (Paletten, Gitterboxen), günstig (gefüllt rund 1,50 Euro) und können nach kurzer Einweisung auch Laien füllen und verbauen.
  • Jute oder Kunstfaser: Beide lassen sich gemeinsam verbauen. Jutesäcke müssen absolut trocken gelagert werden. Standardgrößen 30 × 60 cm und 40 × 60 cm.

Füllen und Verschließen

  • Füllgrad: mindestens halb, höchstens zu zwei Dritteln. Mehr nicht, sonst passen sich die Säcke beim Verlegen nicht an, und sie werden für Helferketten zu schwer.
  • Öffnung einfach umschlagen. Das geht schnell und reicht. Zubinden nur, wenn Säcke lose auf der Ladefläche transportiert und abgekippt oder geworfen werden. Dann oben an der Öffnung binden, damit die Flexibilität bleibt. Vernähen lohnt nur mit leistungsstarken Füllmaschinen.
  • Hilfsmittel: Verkehrsleitkegel mit der Spitze nach unten als Trichter auf Steckleiterteile legen (Spitze etwa 10 cm abschneiden, solche Kegel nie mehr zur Verkehrsabsicherung nutzen), Füllrohr (zu zweit oder allein), Betonmischfahrzeug (Sand über Fülltrichter oder Rutsche) oder maschinelle Füllstationen.
  • Leistung von Hand (nach Akademie Hochwasserschutz): 2 Helfer 50 Säcke pro Stunde ohne und 100 mit Hilfsmittel, 10 Helfer 500 ohne und 800 mit Hilfsmittel, 50 Helfer 2.500 ohne und 4.000 mit Hilfsmittel.

Transport

  • Gewicht: Gefüllt, zu ⅔, etwa 18 bis 20 kg, je nach Füllgrad und Sandfeuchte.
  • Palette (Europalette 120 × 80 cm): Pro Lage vier Reihen zu je zwei Säcken mit dem Sand zur Palettenkante, Öffnung zur Mitte, in der Mitte zwei Säcke quer zur Fixierung. Sieben Lagen mit je 10 Säcken, also 70 Säcke und 1.200 bis 1.400 kg.
  • Fahrzeuge: Nutzlast beachten. GW-L1 zusätzlich 2 bis 3 t (1 bis 2 Paletten), GW-L2 4 bis 6 t (3 bis 4 Paletten). Pritschen-Transporter meist 1 bis 2,5 t, Kipper 7,5 t bis etwa 3 t, Kipper 16 t bis etwa 8 t. Laden und entladen mit Gabelstapler oder Traktor mit Ladegabel, nicht einzeln von Hand. Ladung gegen Verrutschen sichern.
  • Helferkette: Pro Meter ein Helfer, die Nachbarn stehen versetzt, Gesicht zu Gesicht. Sandsäcke werden nicht geworfen.
  • Überflutete Straßen nur in seltenen Notfällen (zum Beispiel Menschenrettung) befahren: Fahrbahn kann unterspült sein, Kanaldeckel können fehlen, die Wassertiefe wird oft falsch eingeschätzt.

Verbau: Sandsackdamm

  • Längs verlegen (in Richtung des Damms), weil quer mehr Säcke pro Meter nötig sind. Bei umgeschlagener Öffnung liegt die umgeschlagene Seite zum Wasser, die Lasche unten und verklemmt.
  • Aufbau: Basis aus zwei Reihen, dann eine Reihe der zweiten Lage, dann immer eine weitere Basisreihe und die nächsten Lagen. Bei beidseitig abgeschrägtem Damm gilt: Zahl der Basissäcke = Zahl der in die Höhe gelegten Säcke. Die Basis wird flach, kraftschlüssig, dicht und im Verbund verlegt, wie eine Steinmauer.
  • Sandsacknotdamm: bei rauem Untergrund, kleiner Fließgeschwindigkeit und wenig Treibgut eine schnellere, sackarme Alternative. Die Schräge (etwa 45°) zeigt zur Wasserseite, die senkrechte Seite zur Luftseite. Dadurch drückt das Wasser den Damm auf den Boden, und die Standsicherheit gegen Rutschen steigt. Alle Säcke mit leichtem Gefälle zum Wasser (Dachziegelprinzip), Längs- und Querverband. Aufgeschnittene Säcke als Anker auf der Luftseite erlauben später den Ausbau zum regulären Damm.
  • Mengenrichtwerte je Meter Dammlänge: Höhe 0,5 m etwa 40 Säcke (3 Minuten bei 10 Helfern), 1,0 m etwa 120 (9 Minuten), 1,5 m etwa 275 (21 Minuten), 2,0 m etwa 500 (38 Minuten). Beim Notdamm etwa die Hälfte an Säcken und Zeit.

Logistik

Der Erfolg hängt an der Logistik. Vorab klären: Lagerort und Menge der Säcke, zusätzliche Beschaffung, Sandquellen, Transportfahrzeuge (Feuerwehr, Bauhof, Firmen), Landwirte mit Traktoren und Ladegabel. Man braucht viele Helfer, die regelmäßig abgelöst werden, also Personalreserven, Getränke und Verpflegung. All das gehört in einen Einsatzplan.

Gebäudesicherung

  • Türen und Fenster nicht vollständig abdichten. Oft gelingt es ohnehin nicht, und Wasser muss teils eindringen, damit das Gebäude standsicher bleibt.
  • Sandsäcke vor Türen und Fenstern wirken aber als Filter und halten Schlamm und Schmutz ab, das senkt den Schaden und erleichtert die Reinigung. Keine vollständige Abdichtung mit Folie. Vorher prüfen, ob sich das Wasser umleiten lässt.
  • Keller auspumpen: Erst warten, bis kein Wasser mehr in das Gebäude läuft, weder aus der Kanalisation noch von außen. Drückt Grundwasser gegen Mauern und Bodenplatte, fehlt im leeren Keller der Gegendruck. Dann können Mauern eingedrückt, die Bodenplatte angehoben oder das ganze Haus aufschwimmen, bis zum Einsturz. Läuft noch Wasser nach, ist gezieltes Fluten sicherer als Abpumpen. Vor dem Abpumpen einen Statiker oder Baufachberater der Feuerwehr oder des THW hinzuziehen.

Deichverteidigung in Kürze

Die Deichverteidigung verlangt spezielle Ausbildung und läuft nach eigenem Vorgehen, zum Beispiel nach der THW-Taschenkarte Deichverteidigung.

  • Auflast mit Filter / Deichfußsicherung: Am Deichfuß beginnend Sandsäcke den Deich hinauf (etwa ⅔) und ins Hinterland legen. Erste Lage quer, den Boden zum Wasser, alle 5 Säcke eine stiefelbreite Entwässerungsfuge („das Gras muss den Himmel sehen“). Danach jede Lage um 90° drehen, mindestens 4 Lagen. Geotextil nur auf Anordnung. Beispiel: Eine rund 5 m breite Auflast auf 10 m Deichlänge braucht mehrere tausend Säcke.
  • Quellkade (bei Sickerwasser und Quellen am Deichfuß): Man baut einen Ring um die Quelle mit Abstand von etwa 50 cm. Basisbreite = 2 × Höhe + 1 Sack. So staut sich Wasser um die Quelle auf und der Druck sinkt, ohne dass Boden mitgerissen wird. Bei Höhen über 0,80 m sind mindestens 10 Lagen nötig. Seitengräben müssen verrohrt werden.
  • Folie: großzügig überlappend, eng anliegend, die Überlappungsöffnung zeigt in Strömungsrichtung.

Rückbau

Rückbau und Entsorgung sind nicht Aufgabe der Feuerwehr, sondern der Fachbehörden. Sand und Säcke sind meist stark verschmutzt und müssen entsorgt oder gereinigt werden, was Kosten verursacht und viel Zeit kostet, weil die Helfer dann nicht mehr da sind.

Siehe auch