B:Pkw – Fahrzeugbrand (Pkw, Motorrad)

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Fahrzeugbrand (Pkw, Motorrad): Laut Katalog rückt eine Gruppe mit 1 LF aus, 1.000 l Löschmittel, vier Atemschutzgeräte.
  • Zuerst klären: Sind Personen im Fahrzeug? Dann hat die Rettung Vorrang.
  • Nie frontal vor die Motorhaube oder hinter die Heckklappe stellen. Reifen und Gasdruckfedern können platzen, Airbags und Gurtstraffer können auslösen.
  • Antriebsart prüfen: Benzin, Diesel, Autogas, Erdgas, Wasserstoff oder Elektro verlangen unterschiedliches Vorgehen.
  • Der Rauch eines Fahrzeugbrandes ist hochgiftig, daher Atemschutz.
Stichwort
B:Pkw (Nr. 2 im Katalog)
Beispiele laut Katalog
Pkw, Motorrad
Taktische Einheit
Gruppe
Löschmittel
1.000 l
Fahrzeuge
1 LF
Atemschutz
4 Atemschutzgeräte, 4 Atemschutzgeräteträger
Besonderheiten
außerorts 2.000; bei schlechter Löschwasserversorgung 2.000 (Zahlen = Löschmittel in Litern; SW = Schlauchwagen)

Hinweis zur Tabelle: Stand der Katalogdaten: Juli 2015. Die Angaben sind Hinweise für mögliche Einsatzmittelketten. Maßgeblich ist die örtliche Alarm- und Ausrückeordnung.

Vorgehen

  1. Aufstellen und Absichern: Fahrzeug auf der Straße so stellen, dass die Einsatzstelle gegen fließenden Verkehr geschützt ist, mit Warnblinklicht und blauem Blinklicht. Abstand zum Brand halten und Windrichtung beachten.
  2. Erkunden: Sind Personen im oder am Fahrzeug? Welche Antriebsart hat das Fahrzeug (Kennzeichnung, Aufkleber, ggf. Rettungsdatenblatt)? Brennt es nur im Motorraum oder ganz?
  3. Löschangriff: Der Angriffstrupp geht mit Atemschutz seitlich schräg vor, nicht in der Achse des Fahrzeugs. Bei Bedarf wird die Motorhaube vorsichtig geöffnet, mit bereitgehaltenem Löschmittel.
  4. Nachlöschen und Kontrollieren: Wärmebildkamera einsetzen, Glutnester und heiße Stellen ablöschen.
  5. Betriebsstoffe und Löschwasser: Auslaufende Betriebsstoffe auffangen oder abbinden, Gullys abdecken, die Untere Wasserbehörde informieren, wenn Stoffe in die Kanalisation oder ins Erdreich gelangen.

Die Antriebsart entscheidet

Benzin und Diesel: übliche Brandbekämpfung. Auslaufender Kraftstoff kann sich entzünden und unter dem Fahrzeug weiterbrennen.

Autogas (LPG) und Erdgas (CNG): Die Tanks haben Überdrucksicherungen und können kontrolliert abbrennen. Brennendes Gas nicht ohne Not löschen, sondern die Umgebung kühlen und eine Ausbreitung verhindern. Autogas ist schwerer als Luft und kann sich ähnlich wie Benzin ausbreiten.

Wasserstoff: Die Flamme ist kaum sichtbar. Fahrzeug mit Wärmebildkamera und Vorsicht erkunden.

Elektro- und Hybridfahrzeuge: In der Hochvolt-Batterie können bis zu 1.000 V anliegen. Hochvoltkabel sind orange und dürfen nicht durchtrennt werden. Batterien werden bevorzugt mit viel Wasser gekühlt und gelöscht, möglichst so, dass das Wasser in die Batterie gelangt. Strahlrohrabstände nach DIN VDE 0132 einhalten (zum Beispiel Vollstrahl 5 m, Sprühstrahl 1 m). Die Rauchgase können ätzend wirken, daher umluftunabhängiger Atemschutz.

Eine Hochvolt-Batterie kann auch Stunden oder Tage nach dem Unfall noch in Brand geraten. Abschleppdienst und Polizei darauf hinweisen.

Hilfreiche Informationsquellen

Das Rettungsdatenblatt (liegt oft hinter der Fahrer-Sonnenblende, teils über QR-Code an der Säule oder im Tankdeckel) zeigt, wo Batterie, Gasdruckbehälter und Airbags sitzen. Die Leitstelle kann über das Kennzeichen helfen.

Fahrzeugbrand: Gefahren und Angriff im Detail

  • Aufstellung: Fahrzeug erhöht und windabwärts stellen (auslaufende Flüssigkeiten), Verkehrsraum sichern, Absperrgrenzen festlegen.
  • Berstgefahren: Gasdruckfedern und Stoßdämpfer (explosionsartig), Reifen und Felgen, Airbags (thermische Auslösung), Kraftstoff, Gastanks.
  • Angriff schräg (nicht in Achse der Reifen oder Heckklappe), Strahlrohrwurfweite nutzen, alle Arbeiten seitlich.
  • Motorhaube und Kofferraum: Vor dem Öffnen Trupp mit Rohr bereitstellen.
  • Prioritäten: Kühlen und Schutz der Umgebung gehen in der Regel vor dem Ablöschen des Fahrzeugs.
  • Löschmittel: Wasser, Schaum, bei Bedarf Pulver, Vorsicht bei Metallbränden (zum Beispiel Magnesiumteile).
  • Selbststarter: Fahrzeuge können ohne Fremdeinwirkung den Motor starten und losrollen. Radkeile unterlegen, Fahrzeug sichern.
  • Nach dem Löschen: Batterie abklemmen, Löschwasserrückhaltung beachten (Betriebsstoffe), Abschleppdienst informieren.

Elektro- und Hybridfahrzeuge

  • Hochvoltsystem: in Pkw bis etwa 300 V, in Bussen bis etwa 700 V, Leitungen brauchen bis zu 5 Minuten, bis sie spannungsfrei sind. Orange Kabel nicht durchtrennen.
  • Lautlos: Auch ohne Motorgeräusch kann das Fahrzeug fahrbereit sein. Bei niedriger Batteriespannung kann bei Hybrid der Verbrennungsmotor von selbst anspringen.
  • Lithium-Ionen-Akku: viel Wasser zum Kühlen und Löschen, gegebenenfalls mit Zusatzstoffen. Sand und Metallbrandpulver sind ungeeignet.
  • Wasserstoff: Ab etwa 100 °C können Akkus aufplatzen, dabei kann Wasserstoff frei werden. Wasserstoffflamme ist kaum sichtbar, deshalb Wärmebildkamera.
  • Strahlrohrabstände nach DIN VDE 0132 einhalten (siehe Seite „Elektrizität“).
  • Nachbrand: Auch Stunden oder Tage später möglich. Abschleppdienst und Polizei informieren. Beschädigte Hochvolt-Batterien gelten als Gefahrgut, Transport und Lagerung nur durch autorisierte Personen.
  • Spannungsfreiheit bestätigt eine verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK).
  • Schutz: volle Schutzkleidung, umluftunabhängiger Atemschutz (Rauchgase ätzend).

Handlungsgrundlage bleibt die Alarm- und Ausrückeordnung deiner Wehr und die Weisung des Einheitsführers.

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