Brandtaktik für Gruppenführer

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Unter Stress helfen feste Standards. Wer sie auch bei kleinen Einsätzen übt, hat sie im großen Einsatz sicher abrufbar.
  • Fahrzeug 20 m hinter oder vor das Objekt, auf der Seite des Objekts, Platz für die Drehleiter lassen.
  • Vier Phasen der Erkundung in fester Reihenfolge: Frontalansicht, Befragung, Innenansicht, Gesamtansicht. Erst danach der erste Befehl (ausgenommen Menschen an verrauchten Fenstern).
  • Nie am Feuer vorbei. In der Regel gilt: das erste Rohr ans Feuer.
  • Menschen an verrauchten Fenstern sofort retten. Vermisste Personen im Rauch suchen Atemschutztrupps über den Treppenraum ab.
  • Belüften, wenn ein Trupp am Feuer ist, eine Abluftöffnung besteht und keine Person an verrauchten Fenstern steht.
Fahrzeugaufstellung
20 m über das Objekt hinaus, sonst 20 m davor
Verteiler
Mindestens 5 m vom Zugang
Mindestausrückestärke
Staffel mit 4 Atemschutzgeräteträgern
Erkundung
Frontalansicht, Befragung, Innenansicht, Gesamtansicht
Lagemeldung
Wer, was passiert, welche Maßnahmen, weitere Kräfte?
Steckleiter
Reicht bis zum 2. Obergeschoss
Schiebleiter
Reicht bis zum 3. Obergeschoss
Sprungpolster
Letzter Ausweg, Rettung bis etwa 16 m je nach Ausführung

Warum Standards? Der Faktor Stress

Im Einsatz stehen wir fast immer unter Stress: neue Lage, wenig Informationen, schnelle Entscheidungen mit Folgen für Gesundheit und Leben anderer. Unter Stress sinkt die Fähigkeit zum abstrakten Denken, es entsteht ein Tunnelblick. Wirksam dagegen sind oft geübte, eingeprägte Abläufe, wie sie auch Piloten, Taucher oder Spezialkräfte nutzen. Standards sind nicht immer die perfekte Lösung, aber sie funktionieren fast immer. Sie müssen ständig geübt und auch bei kleinen, „einfachen“ Einsätzen angewendet werden.

Im Feuerwehrhaus und auf der Anfahrt

  • Aus dem Alarmschreiben das Stichwort, die Adresse, die alarmierten Fahrzeuge und weitere Hinweise lesen. Bei Bedarf bei der Leitstelle nachfragen. Das Schreiben ist in jeder Wehr anders aufgebaut, das sollte man sich vor dem ersten Einsatz als Führungskraft erklären lassen.
  • Feuerwehrschlüssel immer mitnehmen, den Feuerwehrplan nehmen, wenn es einen gibt.
  • Mindestausrückestärke: eine Staffel mit vier Atemschutzgeräteträgern. Sonst nachalarmieren. Ob man wartet oder unterbesetzt ausrückt, wird im Einzelfall entschieden.
  • Mit dem Maschinisten die Anfahrt klären (Sperrungen, Besonderheiten). Bei Brandeinsätzen den Angriffstrupp grundsätzlich mit Atemschutz ausrüsten lassen.
  • Beim Ausrücken Status 3. Während der Fahrt gedanklich vorbereiten, sicheres Fahren fordern, Funk mithören, einen Blick auf die Karte werfen.

Fahrzeugaufstellung

Die Aufstellung ist meist die erste Entscheidung an der Einsatzstelle. Als Standard gelten drei Regeln:

  1. 20 m vor oder hinter dem Brandobjekt. Man fährt grundsätzlich 20 m über das Objekt hinaus. Das gibt den ersten Blick auf die Einsatzstelle und lässt Platz für nachrückende Kräfte. Geht das nicht, bleibt man 20 m davor stehen. Gemeint ist der Abstand zwischen Gebäudekante und Fahrzeug. Damit steht man außerhalb des Trümmerschattens, nie direkt vor dem Gebäude.
  2. Auf der Seite des Objekts aufstellen. Dann kann kein Verkehr zwischen Fahrzeug und Einsatzstelle durchfahren, und nachrückende Kräfte von der anderen Seite können flexibel aufstellen, ohne Schlauchleitungen zu queren.
  3. Platz für die Drehleiter lassen. Auch wenn sie noch nicht alarmiert ist, hält man alle möglichen Aufstellflächen frei, ebenso für Material, Verteiler und Schläuche. Je nach Auftrag und Gebäude steht die Drehleiter auch vor oder hinter dem Gebäude.
  • In Sackgassen stellt man sich nötigenfalls außerhalb der Straße auf, hält Ein- und Ausfahrten frei und fährt nur ausnahmsweise in Grundstücke oder Hinterhöfe.
  • Als zweites Fahrzeug gelten dieselben Grundsätze. Meist steht man dann 20 m vor dem Gebäude, weil das erste Fahrzeug schon hinausgefahren ist. Die Drehleiter muss an einem vorbeifahren können.
  • Danach Status 4 („Einsatzstelle erreicht“). Funk besetzt lassen, zum Beispiel durch den Maschinisten.

Einsatz mit Bereitstellung

Als Führungskraft braucht man Zeit zum Erkunden. Diese Zeit nutzt man für Maßnahmen, die man mit hoher Wahrscheinlichkeit braucht: Verteiler setzen, Schlauchmaterial bereitstellen, Wasserversorgung aufbauen, Sicherheitstrupp ausrüsten.

  • Befehlen kann man das, wenn die Fahrzeugaufstellung feststeht und entweder der Zugang bekannt oder das Objekt so überschaubar ist, dass die Lage des Verteilers keine Rolle spielt. Wenn die genaue Einsatzstelle unbekannt ist, ist es nicht sinnvoll.
  • Befehl: „Wasserentnahmestelle, Lage des Verteilers, Zum Einsatz fertig!“, Quittung durch den Angriffstruppführer. In der Stadt reicht „nächster Hydrant“. Der Verteiler liegt mindestens 5 m vom Zugang entfernt, meist außerhalb des Trümmerschattens und mit Platz für das Schlauchmanagement.
  • Man kann den Befehl schon im Fahrzeug geben, nach der Frontalansicht, oder später über Funk. Auch als zweites Fahrzeug möglich, wenn dieselben zwei Bedingungen erfüllt sind.

Führungskreislauf und die vier Phasen der Erkundung

Einsatzstellen sind in der Erstphase unübersichtlich, Betroffene und Helfer handeln oft chaotisch. Deshalb strukturiert man mit dem Führungskreislauf nach FwDV 100 (Lage feststellen, planen, befehlen, Kontrolle, dann wieder von vorn). Für die Lagefeststellung gelten die vier Phasen der Erkundung in dieser Reihenfolge:

  1. Frontalansicht: erster Blick, oft schon aus dem Fahrzeug. Wo brennt es, wo ist es verraucht (besonders das Geschoss)? Personen an Fenstern oder vor dem Objekt? Zugänge ins Gebäude?
  2. Befragung: nur so viel wie nötig. Wo brennt es (mindestens bis auf die Wohneinheit genau)? Sind dort noch Personen? Wie kommen wir hin (Weg, Alternativen, Schlüssel)? Sind weitere Personen im Gebäude (Zahl der Wohnungen)? Danach die Befragten an einen festen Ort schicken, um später nachfragen zu können.
  3. Innenansicht: Zugang prüfen (offen, aufbrechbar?). Treppenraum verraucht oder rauchfrei? Das ist die Rauchgrenze, sie entscheidet, wo ein Trupp seine Schlauchreserve legt. Dafür muss man nicht bis zur Rauchgrenze gehen, oft reicht ein Blick durchs Treppenauge. Personen sichtbar oder hörbar? Im Treppenraum rufen.
  4. Gesamtansicht: die übrigen Gebäudeseiten. Personen an Fenstern, weitere Zugänge (Terrasse, Balkon, Hintereingang), Brandausbreitung? Das kann der Melder mit Funkgerät erledigen, wenn er weiß, worauf er achten muss. Möglichst früh losschicken, zum Beispiel während der Befragung.

Grundsätzlich alle vier Phasen erkunden, bevor man Befehle gibt, auch wenn es sich nach Zeitverlust anfühlt. Fehlt etwa die Person am verrauchten Fenster auf der Rückseite, kann das den Einsatzerfolg gefährden. Als zweites Fahrzeug erkundet man gegebenenfalls nur einen Teil, nach Absprache oder auf Befehl des Zugführers.

Ergebnis ist ein Lagebild mit drei Fragen:

  • Wo brennt es? Rauch im ersten Obergeschoss und im Kellerabgang spricht für einen Kellerbrand. Feuer hinten im ersten Obergeschoss und Rauch bis ins Erdgeschoss spricht eher für gestauten Rauch im Treppenraum.
  • Wo sind Personen im Rauch? Sie sind unmittelbar durch Atemgifte gefährdet.
  • Personen über dem Feuer? Ihnen droht die Ausbreitung. Solange sie nicht im Rauch sind, ist ihre Rettung weniger dringend als die von Personen im Rauch.

Planung, Befehl, Lagemeldung

  • Planung: erst Menschenleben, dann Sachwerte. Das heißt aber nicht, dass der Angriffstrupp immer zuerst zur Rettung geht. Meist braucht man zuerst eine Maßnahme gegen den Brand, damit die Menschenrettung sicher läuft. Schlauchtrupp und Melder können gleichzeitig über Leitern Personen aus verrauchten Fenstern holen.
  • Stress und Entscheidungen: oft muss man „aus dem Bauch“ handeln. Dann helfen Standards und Einsatzgrundsätze. Hilfsmittel wie die Gefahrenmatrix nutzt man in der Vorbereitung, nicht im Einsatz.
  • Befehl: Vor jedem Befehl eine Lageeinweisung. Der vollständige Befehl nach FwDV 3 enthält Einheit, Auftrag, Mittel, Ziel, Weg, „Vor!“. Er darf gekürzt werden, wenn Angaben offensichtlich sind, aber er muss eindeutig bleiben, besonders beim Vorgehen im Gebäude.
  • Lagemeldung, wenn die ersten Maßnahmen laufen und alle beschäftigt sind: Wer meldet? Was ist passiert? Welche Maßnahmen sind eingeleitet (kurz, zum Beispiel „Brandbekämpfung mit einem PA-Trupp“)? Weitere Kräfte nötig? Achtung: „Keine weiteren Kräfte“ bedeutet, dass auch anfahrende Kräfte abbestellt werden. Maßnahmen vor Ort sind wichtiger als die Meldung. Eine Lage auf Sicht braucht es nur, wenn schon der erste Blick zeigt, dass zu wenig oder die falschen Kräfte alarmiert sind. Ist schon ein Zugführer da, meldet man an ihn.

Eigenschutz: Nie am Feuer vorbei

Menschenrettung hat höchste Priorität, aber kein Trupp wird am Feuer vorbeigeschickt, auch nicht zur Rettung. Man muss wissen, wo es brennt, deshalb braucht es eine gute Erkundung. Geht ein Trupp am Feuer vorbei, ohne dass ein anderer Trupp den Brand bekämpft und unter Kontrolle hat, besteht Lebensgefahr, im Treppenraum wie in der Wohnung. Ausbreitung von Feuer oder heißem Rauch kann den Rückweg abschneiden, kunststoffreiche Einrichtung begünstigt schlagartige Ausbreitung.

  • Daraus folgt: In der Regel das erste Rohr ans Feuer.
  • Findet der Trupp auf dem Weg Personen, rettet er sie. Dann findet aber keine Brandbekämpfung statt, das wirkt sich auf andere Trupps im Gebäude aus.

Möglichkeiten der Brandbekämpfung

  • Innenangriff: Wasser kühlt sehr gut, muss aber gezielt eingesetzt werden. Die meisten Wohnungsbrände löscht man so am besten. Er ist auch nötig, um weitere Kräfte bei der Menschenrettung zu schützen (Nie am Feuer vorbei). Nachteil: Atemschutz nötig, deutlich höheres Risiko.
  • Außenangriff: Wasser kommt ungezielt ins Objekt, mit hohem Wasserschaden, aber weniger Risiko. Geeignet, wenn die Gefahr zu groß ist (Einsturz, Explosion) oder der Sachwert sehr gering (Gartenhütte). Bei kleinen Bränden im Freien mit einem C-Rohr der Schnellangriff (je nach Ausführung 30 bis 50 m Schlauch).
  • Nie gleichzeitig Innen- und Außenangriff! Wird ein Trupp im Gebäude vom Strahl getroffen, verliert die Einsatzkleidung ihre Schutzwirkung, er bekommt viel Wasserdampf ab und kann von Trümmern getroffen werden.
  • Riegelstellung: Keine direkte Brandbekämpfung mehr, sondern Schutz der Nachbarobjekte. Das Wasser muss auf diese Objekte aufgebracht werden, damit es verdampft und Wärme aufnimmt. Eine „Wasserwand“ nimmt nur wenig Energie auf. Sinnvoll, wenn man das Gebäude aufgeben muss oder eine direkte Bekämpfung noch keine Aussicht hat.
  • Löscherfolg: Bei Zimmer- oder Wohnungsbrand sollten Flammen und Rauchfarbe sich innerhalb weniger Minuten, spätestens etwa einer Minute nach Wasserabgabe, verändern. Bleibt das aus, steht der Trupp an der falschen Stelle oder der Brand ist größer als erwartet.

Menschenrettung nach Lage der Person

Brände in Wohngebäuden brauchen mindestens einen Löschzug, weil mehr als zwei Atemschutztrupps nötig sind (Brandbekämpfung, Menschenrettung, Sicherheitstrupp). Alle betroffenen Personen werden dem Rettungsdienst vorgestellt, auch scheinbar Unverletzte (Adrenalin überdeckt Verletzungen, Brandrauch ist unsichtbar).

  • Personen an verrauchten Fenstern: sofort retten, auch unter Abbruch der Erkundung, der Befehl kann schon im Fahrzeug fallen. Schnellstes Mittel: tragbare Leitern. Die Steckleiter reicht bis zum 2. Obergeschoss, die Schiebleiter bis zum 3. Meist geht das ohne Atemschutz, weil niemand einsteigen muss. Eine Sicherung mit Feuerleine nur, wenn die Person nicht sicher absteigen kann und der Trupp sich gefahrlos selbst sichern kann (in verrauchter Wohnung meist nicht). Drehleiter als Alternative, aber Eintreffzeit und Aufstellfläche beachten, in niedriger Höhe sind Leitern oft schneller. Sprungpolster nur als letzter Ausweg (je nach Ausführung bis etwa 16 m, hohes Verletzungsrisiko). Die Person ansprechen, sagen, was passiert, und möglichst bis zur Rettung betreuen.
  • Personen in verrauchten Bereichen: Sie sind durch Atemgifte meist schon stark geschädigt und können nur ein Atemschutztrupp retten. Ist der Ort bekannt, geht der Trupp direkt dorthin, sonst wird der gesamte Bereich abgesucht. Vorgehen grundsätzlich über den Treppenraum: einfachster, schnellster und sicherster Weg, besonders mit bewusstlosen Personen, und der intuitive Fluchtweg.
  • Personen über dem Feuer: Sie sind von der Ausbreitung bedroht. An Fenstern oder Balkonen ansprechen und beruhigen. In einer rauchfreien Wohnung können sie vorerst bleiben, wenn Feuer und Rauch nicht dorthin gelangen. Alternativ führt ein Atemschutztrupp sie mit Brandfluchthauben über den Treppenraum hinaus. Das geht nur, wenn die Hauben in rauchfreiem Bereich angelegt werden und der Weg nur leicht verraucht ist. Die Person hat keine Schutzkleidung, man führt sie nie durch heißen Rauch oder am Brandherd vorbei. Hauben mit Atemfilter brauchen genug Sauerstoff.
  • Treppenraum noch nicht verraucht: Niemand ist eingeschlossen. Raucheintritt in den Treppenraum unbedingt verhindern: mit mobilem Rauchverschluss in die Brandwohnung vorgehen und, sobald dort eine Abluftöffnung besteht, über den Treppenraum belüften. Rauch kann sich auch über Mauerwerksspalten und die Fassade ausbreiten, und die Brandbekämpfung verändert den Rauch (mehr Volumen, steigt langsamer, breitet sich seitlich aus).
  • Treppenraum bereits verraucht: Die Bewohner sind praktisch eingeschlossen, jemand kann im Treppenraum bewusstlos liegen. Treppenraum absuchen, Wohnungstüren kontrollieren, Abluftöffnungen schaffen und entrauchen. Geschlossene Wohnungstüren zunächst zulassen, sonst lässt man Rauch hinein. Nur wenn eine Tür offen steht und Rauch eingedrungen ist, geht man sofort zum Absuchen hinein. Nach dem Entrauchen die übrigen Wohnungen kontrollieren.

Auswahl der Angriffswege

  • Treppenraum: wenn möglich immer der Angriffsweg. Die Trupps sind in gewohnter Umgebung, man sucht den Fluchtweg direkt mit ab, gerettete Personen kommen leicht ins Freie, und der Sicherheitstrupp hat es einfacher.
  • Alternativer Zugang (zum Beispiel Kellerabgang an der Rückseite): Müssen später Trupps über den Treppenraum nach oben, darf niemand am Feuer vorbeigehen. Der Vorgehende kann Feuer, Rauch oder heißen Wasserdampf in den Treppenraum drücken, und zwei Angriffswege erschweren die Belüftung. Ist der Treppenraum verraucht oder müssen weitere Trupps über ihn zur Rettung, wählt man den Treppenraum.
  • Fenster oder Balkon: nur in Ausnahmefällen. Man braucht Leitern, ein bewusstloser Mensch lässt sich kaum über eine Leiter retten, das Schlauchmanagement ist aufwendig. Scheiben einzuschlagen ist bei heutigen Verglasungen kaum möglich, und die großen scharfen Bruchstücke gefährden Mensch und Schlauch. Bei einem Atemschutznotfall ist der Sicherheitstrupp massiv erschwert.

Atemschutzeinsatz aus Sicht der Führungskraft

  • Sicherheitstrupp: Nach FwDV 7 bei jedem Atemschutzeinsatz mindestens einer. Die Führungskraft ist verantwortlich. Dem Angriffstrupp kann man den Befehl schon geben, wenn der Sicherheitstrupp noch Geräte anlegt, weil bis zum Betreten (Schlauchreserve legen, Lungenautomat anschließen, Rauchschutz-Vorhang) noch Zeit vergeht. Ein noch anfahrender Trupp zählt nicht, man wartet, bis er tatsächlich da ist.
  • Verzicht ist möglich, wenn keine Gefahr besteht oder der Trupp im Notfall ohne Atemschutz sofort gerettet werden kann, zum Beispiel beim Pkw- oder Müllcontainerbrand. Beim klassischen Gebäudebrand nicht.
  • Grundsätzlich hat jeder eingesetzte Trupp einen eigenen Sicherheitstrupp, außer der Zugführer befiehlt es anders. Die Zahl der Sicherheitstrupps bestimmt Zugführer oder Einsatzleiter.
  • Auflösen des Sicherheitstrupps: In der FwDV 7 nicht vorgesehen. Zur Rettung aus Lebensgefahr kann man davon abweichen, wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind: Es geht um Menschenrettung, es gibt keine andere Möglichkeit, und das Risiko für alle Trupps ist vertretbar. Das ist eine Einzelfallentscheidung als letzter Ausweg, die Führungskraft trägt die Verantwortung.
  • Atemschutzüberwachung: Dokumentation immer (Namen, Einsatzart, Einsatzdauer, auch nachträglich). Drucküberwachung von außen spätestens dann, wenn ein Sicherheitstrupp nötig ist, mit Druck und Uhrzeit notiert. Der Trupp überwacht seinen Druck selbst, die Außenüberwachung ist zusätzliche Sicherheit. Man darf delegieren, die Verantwortung bleibt bei der Führungskraft.
  • Atemschutznotfall:
  • Der verunfallte Trupp meldet „Mayday, Mayday, Mayday“ und schließt mit „Mayday, kommen“. Danach sofort jeden anderen Funkverkehr einstellen.
  • Standort, niedrigster Druck und Zustand abfragen. Ist nur ein Truppmitglied betroffen, soll der Trupp selbst mit der Rettung beginnen.
  • Den Sicherheitstrupp einweisen und zum verunfallten Trupp schicken. Bei einem durch den Brand ausgelösten Notfall (zum Beispiel Durchzündung) oder unklarer Lage mit Wasser am Rohr. Bei anderen Notfällen (Erschöpfung, Kreislauf) auch mit trockenem Rohr oder ohne Rohr an der intakten Schlauchleitung entlang.
  • Sofortige Rettung anstreben. Wechsel von Atemanschluss oder Lungenautomat nur im äußersten Notfall.
  • Sobald möglich Lagemeldung und weitere Kräfte nachfordern. Außen Übernahme und medizinische Versorgung vorbereiten.
  • Atemschutznotfälle regelmäßig üben.

Belüften

Ziel ist, die Brandstelle schnell rauchfrei zu bekommen: bessere Sicht, weniger Hitzebelastung, einfacheres Absuchen. Die Belüftung (Lüfter oder Fenster) bringt Sauerstoff an den Brand. Deshalb drei Bedingungen:

  1. Trupp am Feuer, Brandbekämpfung hat begonnen.
  2. Abluftöffnung vorhanden, möglichst nah am Brandherd. Sonst drückt der heiße Rauch den gleichen Weg zurück zum Trupp. Kein Trupp darf zwischen Feuer und Abluftöffnung stehen.
  3. Keine Personen an verrauchten Fenstern oder Balkonen. Der Lüfter drückt heißen Rauch aus diesen Fenstern und verschlechtert ihre Lage stark.
  • Den Lüfter kann man immer bereitstellen, der Start wird mit dem Trupp im Gebäude abgestimmt.

Nachlöscharbeiten und kalte Brandstellen

  • Sind alle Menschen gerettet, geht es nur noch um Sachwerte. Der größere Schaden entsteht oft durch Löschwasser, deshalb verhältnismäßig wässern.
  • Auch nach „Feuer aus“ und Entrauchen sind in der Brandwohnung viele Schadstoffe in der Luft. Eine Brandstelle nie sofort ohne Atemschutz betreten, auch nicht Anwohner oder Polizei.

Siehe auch