Das Wichtigste in Kürze
- Das Feuerverhalten hängt von drei Dingen ab: Brennmaterial, Wetter und Gelände (Topographie). Mit dem Verbrennungsdreieck zusammen ergibt das das „Vegetationsbranddreieck“.
- Wind wirkt am stärksten und ändert sich am schnellsten. Bergauf brennt es schneller, bergab langsamer.
- 30-30-30-Regel: über 30 °C, Wind über 30 km/h, Luftfeuchte unter 30 % = extremes Feuerverhalten ist wahrscheinlich.
- Brandarten: Bodenfeuer, Untergrundfeuer, Kronenfeuer, Vollfeuer. Ein Kronenfeuer hält sich nicht ohne ein Bodenfeuer darunter.
- Gebäudetaktik passt nicht 1:1. Die Einfache Taktische Waldbrandprognose (ETW) bewertet Wind, Hang und Hangausrichtung ohne Technik.
- Hinweis
- Die Regeln folgen bundesweiten Ausbildungsempfehlungen (AG Nationaler Waldbrandschutz). Ob einzelne Regeln in Brandenburg als Weisung eingeführt sind, entscheidet der Träger des Brandschutzes. Brandenburger Vorgaben stehen auf der Seite „Löschwasser und Unterstützung“.
- Ausbreitung
- Faustwert: Ein Vegetationsbrand breitet sich mit etwa 10 % der Windgeschwindigkeit aus. Unterschätzen ist gefährlich.
Warum anders als der Gebäudebrand?
Vegetationsbrände laufen schneller und dynamischer als früher, weil Trockenphasen länger werden. Die Waldbrandsaison beginnt früher und dauert länger. Die meisten Brände entstehen durch Menschen (Fahrlässigkeit und Brandstiftung), nur sehr selten durch Blitz oder Selbstentzündung im Moor.
Bei einem Gebäude spielen Wetter, Gelände und Brennmaterial kaum eine Rolle, bei Vegetationsbränden entscheiden sie alles. Taktik aus dem Gebäudebrand lässt sich deshalb nicht einfach übertragen.
Aufbau der Vegetation
- Wald hat fünf Schichten: Wurzel-, Moos-, Kraut-, Strauch- und Baumschicht.
- Wiese hat vier Schichten: Boden-, Streu-, Blatt-/Stängel- und Blütenschicht.
Je nach Jahreszeit ist die Vegetation unterschiedlich brandgefährlich.
Einflussfaktor Brennmaterial
- Art: Laub-, Nadel-, Misch-, Bruchwald, erntereifes Getreide brennen unterschiedlich. Nadelholz enthält zum Beispiel mehr brennbare Stoffe wie ätherische Öle.
- Leichtes Brennmaterial (Blätter, Nadeln, Gras, Sträucher, Streu): trocknet schnell, entzündet sich leicht, brennt schnell und heftig, aber kurz und ist besser zu löschen.
- Schweres Brennmaterial (Äste, Stämme, Stümpfe): reagiert langsam auf das Wetter, gibt viel Wärme ab, brennt lange und braucht sorgfältiges Nachlöschen.
- Menge: je mehr Brandlast, desto stärker das Feuer.
- Feuchte: nasses Material brennt schlecht, ausgetrocknetes brennt schnell und stark.
- Anordnung: Senkrecht können Feuerbrücken (tief beastete Bäume) ein Bodenfeuer in die Krone leiten. Waagerecht begünstigt durchgehendes Brennmaterial die Ausbreitung. Lücken (Wege, Schneisen) hemmen sie.
Einflussfaktor Wetter („Feuerwetter“)
- Wind: bringt Sauerstoff, bestimmt die Richtung der Ausbreitung.
- Sonne: erwärmt und trocknet den Brennstoff.
- Niedrige relative Luftfeuchtigkeit: erhöht die Intensität.
- Temperatur: beeinflusst die Luftfeuchte.
- Niederschlag: befeuchtet, senkt die Entzündbarkeit.
- Wetterumschwung und Inversion: damit ist mit extremem Feuerverhalten zu rechnen. Rauch kann absinken und Kohlenmonoxid auch einige hundert Meter vom Brand entfernt gefährlich machen.
- 30-30-30-Regel: Temperatur über 30 °C, Wind über 30 km/h, Luftfeuchte unter 30 %.
- Gewitter und Kaltfronten: Blitzgefahr auf freier Fläche und stark wechselnder Wind.
Einflussfaktor Topographie
- Hangneigung: Ein Feuer bergauf wärmt das Material vor sich schneller vor und breitet sich schneller aus. Je steiler, desto gefährlicher. Bergab ist es meist langsamer. Rollende Glut kann aber unterhalb neue Brände entfachen, also im Rücken.
- Hangausrichtung: Südhänge sind wärmer, trockener und leichter. Nordhänge sind feuchter. Im Sommer können über 20 °C Unterschied zwischen Sonne und Schatten liegen. Osthänge werden morgens zuerst erwärmt, Westhänge nachmittags zuletzt.
- Höhe und Geländeform: In Schluchten und engen Tälern wirkt der Kamineffekt und verstärkt Wind und Ausbreitung.
- Lokale Winde (vor allem Mittelgebirge): Tagsüber weht der Talwind hangaufwärts, abends der Bergwind hangabwärts, dazwischen herrscht Windstille. Ein Föhn kann plötzlich und heftig auftreten und lässt Brände auch bergab schnell laufen.
Einfache Taktische Waldbrandprognose (ETW)
Die ETW hilft ohne technische Hilfsmittel, vom ersten Fahrzeugführer bis zur Einsatzleitung, das Feuerverhalten zu beurteilen. Man betrachtet drei Faktoren, jeweils feuerverstärkend (positiv) oder feuervermindernd (negativ):
- Faktor Wind: am stärksten und am wechselhaftesten. Er kann Hanglage überlagern und ein Feuer bergab treiben.
- Faktor Hangneigung: Position des Feuers am Hang (Feuer nah am Brennstoff und Wind treiben bergauf, bergab wirkt nur Strahlung, kurze Flammen).
- Faktor Hangausrichtung: Sonneneinstrahlung, also wie warm das Brennmaterial wird, im Tagesverlauf.
Dazu kommt die sichtbare Flammenlänge. Die Faktoren sind selten scharf zu trennen, man schätzt einen Bereich von 0 bis 3:
- Faktor 0: das Feuer erlischt meist von selbst.
- Faktor 1 bis 2: gut mit Handwerkzeug zu bekämpfen (Feuerpatsche, Sandwurf, Löschrucksack).
- Faktor 2 bis 3: Schlauchleitungen oder mehrere Wasserrucksäcke nötig. Die Maßnahmen kommen der Laufgeschwindigkeit des Feuers kaum hinterher.
- Faktor 3: kaum sicher zu bekämpfen. Defensive Maßnahmen (Kontrolllinien) sind sinnvoll.
Wichtig ist, Änderungen der Faktoren früh zu erkennen. Manchmal ist es richtig, ein Feuer zeitweise weiterbrennen zu lassen und auf ein Taktikfenster (günstige Bedingungen) zu warten. Ob das geht, hängt von Gelände und bedrohten Siedlungen ab.
Brandarten
Vegetationsbrand ist der Sammelbegriff: Feld- und Wiesenbrände (abgeerntet oder nicht), Heidebrände, Waldbrände, Moor- und Torfbrände, Brände an Hängen, Brände in besonderen Gebieten (zum Beispiel munitionsbelastet).
- Bodenfeuer: in unteren Schichten (Wurzel, Streu, Kraut). Kann über Feuerbrücken in Strauch- und Kronenschicht gelangen.
- Untergrundfeuer: verbrennt organisches Material unter der Oberfläche, zum Beispiel Torf. Es kann sich mehrere hundert Meter waagerecht und mehrere Meter in die Tiefe ausbreiten, ist schwer zu erkennen (Wärmebild nur begrenzt) und kann weit entfernt wieder an die Oberfläche kommen.
- Kronenfeuer: brennt in den Baumkronen, entsteht durch die Hitze eines stützenden Bodenfeuers und läuft diesem oft voraus. Eine einzelne brennende Krone ist noch kein Kronenfeuer.
- Vollfeuer: die intensivste Art, alle Schichten brennen, Flammenlängen deutlich über 10 m, eigene Feuerwinde. Gefahr, vom Hauptfeuer und Spotfeuern eingeschlossen zu werden.