Das Wichtigste in Kürze
- AFFEN: Ankerpunkt, Flanken aufrollen, Front angreifen, Eindämmen, Nachlöschen. Angriff auf die Front über die Flanken, nie frontal aus dem Grünen.
- Standard ist der Flankenangriff: mobil mit Löschmittel (Pump & Roll, Raupe), mobil ohne Löschmittel (Handwerkzeug), über Schlauchleitung (einfach oder modular).
- Verteidigung mit Kontrolllinien: nasse Streifen (temporär) und trockene Streifen bis auf den Mineralboden. Breite mindestens das Doppelte der erwarteten Flammenlänge.
- Objektverteidigung (Siedlung am Wald): halten, aufgeben oder selektiv verteidigen mit Objekttriage (I einfach, II komplex, III keine Verteidigung).
- Nachlöschen ist unverzichtbar: Das Feuer ist erst „aus“, wenn keine Glutnester mehr zu finden sind. Tandemtaktik und frische Kräfte.
- Hinweis
- Die Regeln folgen bundesweiten Ausbildungsempfehlungen (AG Nationaler Waldbrandschutz). Ob einzelne Regeln in Brandenburg als Weisung eingeführt sind, entscheidet der Träger des Brandschutzes. Brandenburger Vorgaben stehen auf der Seite „Löschwasser und Unterstützung“.
- Merke
- Vegetationsbrände werden am Boden gelöscht. Luftunterstützung hilft den Bodenkräften, ersetzt sie nicht.
Erst entscheiden
Was ist das Ziel?
In dicht besiedeltem Gebiet ist das Ziel, Vegetationsbrände so früh wie möglich zu entdecken und zu bekämpfen. Meist geht es darum, Sachwerte zu schützen und die Ausbreitung zu verhindern. Sicherheit und Gesundheit der Einsatzkräfte gehen vor.
Angreifen, verteidigen oder zurückziehen?
Die Flammenlänge gibt den Rahmen vor (Richtwerte siehe Seite „Vegetationsbrand: Gefahren, LACES und Kontrollschwellen“):
- bis etwa 1,5 m: Angriff über die Flanken mit Werkzeug, D-Schlauch oder Pump & Roll.
- 1,5 bis 2,5 m: Löschangriff nur über die Flanken.
- 2,5 bis 3,5 m: Flankenangriff nur mit guter Wasserversorgung, sonst Verteidigung mit Linien und schwerem Gerät.
- über 3,5 m: Verteidigung, Luftunterstützung anfordern. Ab 8 m: Rückzug.
Vorher gilt immer: Ankerpunkt, Lookout, Kommunikation, Rückzugsweg und Sicherheitszone festlegen (LACES).
Warum nicht frontal auf die Front?
Ein Angriff auf die Front birgt ein sehr hohes, unkalkulierbares Risiko (Flammen, Rauchgase, Windwechsel, Spotfeuer). Er ist grundsätzlich zu unterlassen und kommt nur in Betracht bei:
- sehr geringer Ausbreitungsgeschwindigkeit
- dauerhaft stabilem Wind oder Windstille
- massivem Wassereinsatz mit Wurfweite der Strahlrohre
- Flammenlänge ab 0,5 m steigt die Gefahr rapide, ab 1,5 m unterlassen
Mittel wählen
Handwerkzeug: Schaufel und Patsche
- Schaufeln: Sand oder Erde auf die Flammen werfen, nur Erde, kein brennbares Material.
- Feuerpatschen: erfordern kompaktes, koordiniertes Vorgehen und mehrere Patschen zugleich.
- Sehr kräftezehrend: Getränke, Personalwechsel einplanen, Abstand zwischen den Kräften halten, Werkzeug schärfen.
- Nur bis etwa 1,5 m Flammenhöhe und geringer Intensität.
D-Schlauch: wassersparend vorgehen
Wasser ist knapp, deshalb wassersparend mit D-Schlauch und D-Strahlrohr, niedrigste Durchflussmenge einstellen. Förderleitungen in C.
- Einfache Schlauchverlegung: Die unter Druck stehende D-Leitung wird durch Abknicken oder Abklemmen verlängert (bei geeignetem Druck von Hand). So kommt man schnell und tief ins Gelände.
- Modulare Schlauchverlegung: Von der Pumpe wird eine C-Leitung zum ersten C-DCD-Verteiler gelegt, dann weiter zum nächsten. An den D-Abgängen hängen die D-Angriffsleitungen. Mehrere Strahlrohre, größere Breite, auch Spotfeuer im Grünbereich erreichbar.
Fahrzeug im Gelände: Pump & Roll und Raupe
- Pump & Roll: Das Fahrzeug fährt im Grünen in sicherem Abstand parallel zur Flanke und pumpt dabei. Ein Trupp arbeitet vor dem Fahrzeug, ein zweiter dahinter zum Nachlöschen. Erhöhte Aufmerksamkeit von Maschinist und Einheitsführer, weil die Kräfte nah am Fahrzeug stehen. Schläuche nicht am Fahrzeug festbinden, schnell abkuppelbar halten, Türen müssen jederzeit aufgehen, damit eine Fluchtfahrt nicht blockiert wird.
- Raupentechnik: Das Fahrzeug steht, wenn Wasser abgegeben wird. Der Angriffstrupp arbeitet mit D-Schlauch voraus, der Wassertrupp hinterher. Auf Zeichen des Einheitsführers fährt das Fahrzeug mit abgeschalteter Pumpe weiter, dann wieder Pumpe zu.
Unterstützung aus der Luft
- Grundsatz: Jeder Lufteinsatz unterstützt die Kräfte am Boden und wird von ihnen aktiv begleitet.
- Sinnvoll bei Zeitkritik oder wenn Gelände und Vegetation Bodenkräfte behindern: schwer zugängliches oder absturzgefährdetes Gelände, intensives schnelles Feuer mit bedrohter Infrastruktur, weit entfernte Gebiete.
- Abwurf meist mit Hubschrauber und Außenlastbehälter auf die Randzonen. Er wird mit den Bodenkräften abgesprochen, per Funk durch Flughelfer eingewiesen, mit Rückmeldung Treffer/Fehlabwurf.
- Abwurfbereich frei von Personal und Gerät, und mindestens 30 m beiderseits der Flugachse.
- Am Hang Abschwemmen von Humus und Erde vermeiden (Schlammlawine).
Löschen entlang der Flanke
Das Schema AFFEN
AFFEN ist ein allgemeingültiges Schema, unabhängig von Größe und Kräften, auch bei nicht vollständig erkundeter Lage.
- A – Ankerpunkt: setzen und sichern (wenig brennbar oder schon verbrannt: Feldweg, Straße, befestigte Fläche, Schwarzbereich). Strahlrohr bereitlegen und Sicherungsposten. Besonders wichtig beim Durchbrechen der Flanke.
- F – Flanken aufrollen: vom Ankerpunkt Richtung Front vorgehen. Der erste Angriff geht auf die Flanke in Windrichtung, weil sie zur Front führt. Lückenhaftes Ablöschen führt zur Ausbreitung. Mit mehr Kräften zusätzlich entgegen der Windrichtung über die Rückseite zur anderen Flanke.
- F – Front angreifen: Wer der Flanke folgt, kommt zur Front und löscht sie von der Seite zur Mitte. Kontrollschwellen beachten und das Vorfeld nach Spotfeuern absuchen. Der Anteil des abgelöschten Feuersaums zeigt den Grad der Eindämmung.
- E – Eindämmen: Löscherfolg sichern, entweder einen breiten Streifen (etwa 10 m) im verbrannten Bereich gründlich nachlöschen oder eine Kontrolllinie anlegen, am besten beides. Erst den ganzen Feuersaum sichern, dann das Innere.
- N – Nachlöschen: danach die Fläche systematisch und gründlich nachlöschen.
Verteidigen
Kontrolllinien: nasse und trockene Streifen
Eine Kontrolllinie stoppt die Ausbreitung oder ist Auffanglinie, Anfangs- oder Endpunkt einer Maßnahme. Sie beginnt immer an einem Ankerpunkt. Vorhandene Barrieren (Wege, Straßen) nutzen. Zu beachten: Geschwindigkeit der Front, Intensität, Brennmaterial, Gelände, Wetter, Größe, Ressourcen, Zeit, Schutzgüter.
- Nasser Streifen: temporäre Linie durch Durchnässen des Brennmaterials, am besten bei leichtem Brennmaterial. Beginnt am Ankerpunkt, Breite die doppelte Vegetationshöhe, muss feucht gehalten werden (trocknet schnell aus). Bei Munitionsverdacht mit unbesetzten Geräten (zum Beispiel Kreisregnern). Danach besser eine trockene Linie anlegen.
- Trockener Streifen: jedes Brennmaterial bis auf den Mineralboden entfernen, damit nichts weiterbrennt, auch unterirdisch.
- Zone A: Vegetation reduzieren (Höhe, Menge). Wenig Bewuchs = kurze Flammen.
- Zone B: bis zum Mineralboden freilegen, ohne Feuerbrücken. Bei niedriger Brandlast 0,5 bis 1 m, bei mäßiger 1 bis 2 m, bei Kronenfeuer bis 10 m.
- Regel: A + B zusammen mindestens das Doppelte der erwarteten Flammenlänge.
- Schritte: Brennmaterial bis zur Oberfläche roden (Stämme umgehen oder Umgebung abdecken), tief beastete Bäume bis 3 m entasten, Gerodetes auf der feuerabgewandten Seite ablegen oder abtransportieren, Streu und Äste entfernen, in der Mitte bis zum Mineralboden graben (auch durch Wurzeln hindurch), die Linie kontrollieren und nachbessern.
- Maschinen (Fäll- und Räumgerät) sind händischer Arbeit überlegen, die eine starke Belastung ist.
Siedlung am Wald: Objekte verteidigen
Im Übergang von Natur zu Siedlung (WUI) treffen schnelle Ausbreitung und Gefährdung von Menschen zusammen. Hier hat die Objektverteidigung Vorrang, braucht Einsatzvorplanung, und die Einheiten entscheiden im Rahmen der Auftragstaktik, ob der Auftrag durchführbar ist. Warten auf die Feuerfront ist keine Option, bedrohte Objekte werden in der Zeit vorbereitet. Eigentümer tragen Mitverantwortung für Vorbeugung.
- A) Halten: Räumung, früher Angriff auf den Feuersaum (LACES), Streifen und Kontrolllinien, Überwachung auf Spotfeuer.
- B) Bereiche aufgeben: wenn Kontrollschwellen und LACES nicht einzuhalten sind. Räumen, aufgeben, auf eine Linie zurückziehen, an der Verteidigung realistisch ist.
- C) Selektive Verteidigung: nur einzelne Objekte, wenn nicht genug Kräfte da sind. Objekttriage:
- I – einfach: Sicherheits- und Rückzugszone vorhanden, harte Bedachung, keine besondere Brandlast.
- II – komplex: Zonen vorhanden, aber Bauweise und Brandlast erfordern Maßnahmen.
- III – keine Verteidigung: Zonen fehlen oder Bauweise lässt Anwesenheit beim Durchgang der Feuerfront nicht zu.
- Vorgehen: erst Räumung, dann III ausschließen, I kontrollieren, auf II konzentrieren. Möglichkeiten: räumen und aufgeben; räumen, vorbereiten und verlassen; räumen, vorbereiten und verteidigen.
- Hier ist fast immer Luftunterstützung nötig. Frühzeitig melden und massiv Kräfte inklusive Reserven nachfordern.
In Deutschland war das bisher selten nötig. Die Methoden stammen aus dem Ausland.
Wenn es gefährlich wird
Rückzug planen und durchführen
Intensive Rückzugsplanung spätestens bei Flammen über 1,5 m, bei der 30-30-30-Lage und bei Unwetterpotenzial (Kaltfront).
- Vorbereiten: schnelle taktische Reserve in sicherer Nähe, Fahrzeuge in Fluchtrichtung, Löschwasserreserve, Rückzugswege (frei von Brandlast, nicht am Brandsaum, Laufzeit beachten), Sicherheitszonen mit 8-facher Vegetationshöhe, mindestens 100 m.
- Ablauf bei Gefahr: 1. Warnen („Gefahr – alle zurück!“ und Signal, jeder gibt weiter). 2. Sammeln am Fahrzeug oder Ankerpunkt, Schläuche, Armaturen und Werkzeug dürfen liegen bleiben. Einheitsführer prüft Vollzähligkeit. 3. Melden an die übergeordnete Führung mit Lage und Absicht. 4. Rückzug auf den festgelegten Wegen, Schläuche abkuppeln und zurücklassen. 5. Ggf. die Sicherheitszone mit der Wasserreserve verteidigen. 6. Wenn Wege und Zone nicht erreichbar sind: temporäre Rückzugsbereiche erkunden und nutzen.
Zum Schluss
Nachlöschen, bis keine Glut mehr da ist
Eine Brandstelle gilt auch nach den offenen Flammen als aktiv, bis keine Glutnester mehr auffindbar sind. Schlechtes Nachlöschen lässt Brände wiederaufflammen, manche mussten zwei- oder dreimal bekämpft werden. Bei großen Waldbränden dauert es oft mehrere Stunden.
- Ablauf: offene Flammen löschen, Löscherfolg sichern, dann nachlöschen.
- Tandemtaktik: Auf die Einheit am aktiven Feuersaum folgt sofort eine gut ausgerüstete Einheit, die die niedergeschlagenen Flammen vollständig löscht.
- Zonen zuweisen, gleichmäßige Abstände. Bei großen Flächen einen Korridor ab der Kontrolllinie absuchen (Tiefe nach Windlage, wegen Spotfeuern), bei kleinen die ganze Fläche.
- Suchen mit Wärmebild (Grenzen bei tiefen, isolierten Glutnestern beachten) und Sehen, Riechen, Spüren, Hören.
- Mit Wasser: Glutnest suchen, mit Handwerkzeug öffnen, bis die Glut sichtbar ist, ressourcenschonend (Löschrucksack) direkt auf die Glut und das Boden-Wasser-Gemisch durchmengen.
- Ohne Wasser: Werkzeug und Sand/Erde, Verbranntes von Unverbranntem trennen, glimmende Bereiche abkratzen und mit Erde abdecken. Auf Feldern meist Umbrechen der Fläche mit Agrargerät (Grubber).
- Munitionsflächen: nicht klassisch nachlöschbar, speziell geschützte Technik nötig, die den Behörden meist fehlt. Abkühlung braucht Zeit oder Regen.
- Möglichst frische Kräfte einsetzen.