Das Wichtigste in Kürze
- LACES: Lookout (Beobachter), Anchor point (Ankerpunkt), Communication (Kommunikation), Escape route (Rückzugsweg), Safety zone (Sicherheitszone). Ohne LACES kein Angriff.
- Mindestens ein Lookout, ein Ankerpunkt, ein Rückzugsweg und eine Sicherheitszone an jeder Einsatzstelle, allen bekannt gemacht.
- Kontrollschwellen nach Flammenlänge: bis 0,5 m angreifen, über 1,5 m nie auf die Front, über 3,5 m nur verteidigen, über 8 m Rückzug.
- Rückzugskommando: „Gefahr – alle sofort zurück!“ Jeder wiederholt es. Alle sammeln sich am Ankerpunkt, Schläuche und Werkzeug bleiben liegen.
- Sicherheitszone: Abstand mindestens 8-fache Vegetationshöhe (bei Rückzugsplanung mindestens 100 m). Trupp mindestens 3 Kräfte.
- Hinweis
- Die Regeln folgen bundesweiten Ausbildungsempfehlungen (AG Nationaler Waldbrandschutz). Ob einzelne Regeln in Brandenburg als Weisung eingeführt sind, entscheidet der Träger des Brandschutzes. Brandenburger Vorgaben stehen auf der Seite „Löschwasser und Unterstützung“.
- Kampfmittel
- Auf munitionsbelasteten Flächen: 1000 m Sicherheitsabstand nach DGUV Regel 113-016 (Sprengarbeiten), 500 m bei ausreichender Deckung nach FwDV 500.
Erst prüfen: Darf ich angreifen?
Kontrollschwellen nach Flammenlänge
Flammenlänge ist die schräge Strecke von der Flammenbasis bis zur windgeneigten Spitze und bei Wind länger als die Flammenhöhe. Einzelne Ausreißer (ein brennender Busch) zählen nicht. Alle Werte sind Richtwerte.
- bis 0,5 m (kniehoch), sehr geringe Intensität: Angriff mit Handwerkzeug oder Löschangriff, oder beobachten. Über 0,5 m auf die Front ist gefährlich.
- 0,5 bis 1,5 m (hüfthoch), geringe Intensität: Handwerkzeug (Patsche, Löschrucksack, Schaufel, Laubbläser) und/oder D-Schlauch, Pump & Roll. Über 1,5 m auf die Front nicht angreifen.
- 1,5 bis 2,5 m (mannshoch), mittlere Intensität: Löschangriff über die Flanken, ggf. flankierender Angriff mit schwerem Gerät, taktisches Feuer empfohlen.
- 2,5 bis 3,5 m (fahrzeughoch), hohe Intensität: Flankenangriff nur mit guter Wasserversorgung, Verteidigung mit indirekten Taktiken, schweres Gerät, Luftunterstützung empfohlen. Über 3,5 m umfassende Verteidigung einplanen.
- 3,5 bis 8 m, sehr hohe Intensität: Verteidigung aus großer Entfernung, schweres Gerät nötig, Luftunterstützung empfohlen. Über 8 m nur noch Verteidigung.
- ab 8 m, extreme Intensität: Einsatzkräfte können nicht sicher angreifen. Rückzug und Evakuierung, Schutz von Infrastruktur und Siedlungen.
Die zehn Einsatzgrundsätze
- Wetter und Vorhersage beachten.
- Informiert bleiben, wie sich das Feuer verhält.
- Taktik am aktuellen und erwarteten Feuerverhalten ausrichten.
- Rückzugswege und Safety Zones benennen und mitteilen.
- Beobachter bei Gefahrenlagen einsetzen.
- Wachsam, ruhig, klar, entschlossen handeln.
- Zeitnah und wirksam kommunizieren.
- Klare Anweisungen geben und prüfen, ob sie verstanden wurden.
- Kontrolle über die Einsatzkräfte behalten.
- Aggressiv bekämpfen, aber erst nach Herstellen der Sicherheit.
Vor dem Angriff: LACES
L wie Lookout
- Für jeden Einsatz mindestens ein Lookout, unabhängig von der Lage. Zu Beginn ist es oft der Fahrzeugführer des ersten Fahrzeugs.
- Er beteiligt sich nicht am Löschen, achtet nur auf die Sicherheit seines Bereichs und wechselt bei Bedarf den Standort (zum Beispiel erhöht oder am Gegenhang).
- Er braucht Funk, möglichst Fernglas, Kompass, Karte und Notizmöglichkeit, muss sich im Gelände orientieren können (Kartenkunde!) und überwacht das Wetter (Wind, Temperatur). Windmesser und Thermometer helfen.
- Entdeckt er etwas zuerst (zum Beispiel Spotfeuer im Nachbarabschnitt), sorgt er über den Einheitsführer für die Weitergabe.
- Luftbeobachter ersetzen ihn nie.
A wie Ankerpunkt
- Bezugspunkt, von dem der Einsatz sicher beginnt und zu dem man zurückweicht. Jede Kontrolllinie beginnt an einem Ankerpunkt. Viele Unfälle gehen auf einen Angriff ohne Ankerpunkt zurück.
- Ideal: Fläche ohne zündfähiges Brennmaterial (Weg, Straße, Schwarzbereich, Gewässer). Ggf. Bodenvegetation entfernen und durchnässen.
- Immer mit Strahlrohr gesichert (und Sicherungsposten). Zweck: Das Feuer darf die Kräfte nicht umlaufen.
- Mindestens einer an der Einsatzstelle, bei großen Lagen mehrere. Der erste liegt meist an einer intensitätsarmen Flanke.
- Am Hang regelmäßig den Bereich unterhalb kontrollieren (rollende Glut).
C wie Kommunikation
Unklare Kommunikation löst schwere Unfälle aus. Alle benutzen die einheitlichen Fachbegriffe (Ankerpunkt, rechte Flanke, Flammenlänge). Jeder hat eine Kommunikationsmöglichkeit dabei, bis hinunter zur Signalpfeife. Ausfälle (zum Beispiel zwischen Lookout und Trupp) sind ein Sicherheitsrisiko, also Redundanz vorplanen.
Warnsignale legt die Führungskraft fest. Muster: Einzelton oder -pfiff = Achtung, mehrere kurze Töne oder Pfiffe = Gefahr, Rückzug.
E wie Rückzugsweg
- Möglichst früh (vor dem Befehl zur direkten Brandbekämpfung) erkunden, den Kräften und den nachrückenden Einheiten mitteilen, bei Lageänderung aktualisieren.
- Zu Fuß oder mit dem Fahrzeug nutzbar, frei von Hindernissen, nie hangaufwärts über dem Feuer, nicht entlang des Brandsaums.
- Der Weg führt vom Ankerpunkt zu einer Sicherheitszone.
- Nicht über die Evakuierungsrouten der Bevölkerung führen.
- Kennzeichnen: In Deutschland sind Farben vereinbart: Grün = Rettung und Gefahren (Rückzugsweg, alternativ pinkes Band „Escape Route“), Blau = Wasserversorgung, Rot = Gefahren, Orange und Gelb = Führung und Logistik (Zuordnung laut Vorlage vor Ort prüfen). Hilfsmittel: umweltverträgliche Kreidespray, Forstmarkierungsband, Leitkegel mit der Spitze in Fahrtrichtung.
S wie Sicherheitszone
- Mindestens eine Zone muss festgelegt und allen bekannt sein. Sie ist frei von brennbarem Material oder wird dazu gemacht. Alle Kräfte mit Fahrzeugen müssen Platz haben.
- Geeignet: Schotterflächen, große Parkplätze, Sportplätze, große gemähte Rasenflächen, abgebrannte Flächen.
- Faustformel: Abstand zur Vegetation 8-mal die Vegetationshöhe (bei der Rückzugsplanung: mindestens 100 m). Gelände und Wetter extra berücksichtigen.
- In großen Lagen mehrere Zonen, in jede Lagekarte eintragen und eindeutig benennen.
Gefahren erkennen
Was dich im Gelände bedroht
- Atemgifte: Brandgase (CO, CO₂), Rauch, Asche, Ruß, Staub.
- Ausbreitung: Einschluss durch das Feuer, Spotfeuer im Rücken (bis mehrere Kilometer voraus), hangabwärts rollendes Brandgut, plötzlicher Windwechsel besonders an langen Flanken, Wiederaufflammen nach schlechtem Nachlöschen, Down- und Sidewash von Hubschraubern, der das Feuer anfacht.
- Angstreaktion: eigener Kräfte, von Dritten bei Räumung und von Tieren.
- Elektrizität: heruntergefallene Hochspannungsleitung, abgebrannte Isolierung von Freileitungen.
- Erkrankung und Verletzung: Verbrennungen, Atemwege, Hitzschlag und Dehydrierung (auch durch falsche PSA), Überlastung, Augenverletzungen, Umknicken und Stürze, Insektenstiche und Zecken, Giftpflanzen (Riesen-Bärenklau, Pfaffenhütchen, Eibe), Eichenprozessionsspinner.
- Einsturz und Absturz: Bruchkanten, Glutschächte (ausgebrannte Wurzelstöcke), umstürzende Bäume, herabfallendes Totholz, rollende Steine, Wurfgut aus Außenlastbehältern, Rutschungs- und Bergbaufolgeflächen.
- Explosion: nicht umgesetzte Kampfmittel auf Munitionsverdachtsflächen.
Hinweis: Erkrankungen und Verletzungen (auch Zeckenbiss) im Dienst im Verbandbuch/Meldeblock dokumentieren und im Einsatzbericht vermerken. So lässt sich später der Zusammenhang mit dem Dienst nachweisen.
Regeln im Einsatz
Fahrzeuge, Löschwasser und Trupps
- Fahrzeuge in Fluchtrichtung abstellen (ggf. rückwärts anfahren), Standplatz sichern.
- Keine formstabilen Schnellangriffsschläuche (nicht schnell abzukuppeln).
- Löschwasserreserve für den Eigenschutz: Richtwert 10 % des Tankinhalts, mindestens 200 l.
- Mit Standardfahrzeugen nicht in den heißen Schwarzbereich (kein thermischer Unterbodenschutz).
- Trupp im Gefahrenbereich mindestens 3 Kräfte, wenn er außerhalb von Sicht-, Ruf- oder Funkverbindung arbeitet, damit Erste Hilfe und Hilfeholen möglich sind.
- Taktische Reserven bilden und Einheiten zur Eigensicherung vorhalten.