Vegetationsbrand: Schutzausrüstung, Geräte und Fahrzeuge

Brandeinsätze

Das Wichtigste in Kürze

  • Mindest-PSA: Schutzanzug, Helm mit Nackenschutz, Schutzhandschuhe, Schutzschuhe. Schwere Brandbekämpfungskleidung ist bei Vegetationsbränden meist nicht sinnvoll (Hitzestau).
  • Nie die Schutzkleidung bewusst nässen: Heißdampf kann durchschlagen und verbrennen.
  • Erweiterte PSA bei langen Einsätzen: einlagiger Anzug, Haube oder Hollandtuch, dichte hitzebeständige Schutzbrille, FFP3-Maske mit Ausatemventil, Signalpfeife.
  • Geräte in drei Gruppen: löschen mit Wasser, löschen ohne Wasser, hacken/räumen/trennen. D-Schlauch spart Wasser.
  • Fahrzeuge im Gelände: Allrad, hohe Bodenfreiheit, niedriger Schwerpunkt, geschützte Leitungen, Pump & Roll möglich. Standardfahrzeuge nicht in den heißen Schwarzbereich.
Hinweis
Die Regeln folgen bundesweiten Ausbildungsempfehlungen (AG Nationaler Waldbrandschutz). Ob einzelne Regeln in Brandenburg als Weisung eingeführt sind, entscheidet der Träger des Brandschutzes. Brandenburger Vorgaben stehen auf der Seite „Löschwasser und Unterstützung“.
Normen
Beladungssätze J1 (Löschfahrzeug) und J2 (Logistik) „Vegetationsbrand“ in DIN 14800-18; ergänzende Anforderungen an Tanklöschfahrzeuge in DIN/TS 14530-29

Standard-PSA

Die PSA richtet sich nach den Gefahren für die Trägerin und den Träger. Die Mindestausstattung der Feuerwehr (Schutzanzug, Helm mit Nackenschutz, Handschuhe, Schuhe) reicht für Vegetationsbrände aus.
Schwere Feuerschutzkleidung (HuPF, DIN EN 469) bringt bei Wärme zu viel Hitzestau, Schwitzen und schnellere Erschöpfung. Der Einheitsführer kann je nach Tätigkeit und Risiko eine Marscherleichterung gewähren oder besser anordnen.
Gefahr: Schutzkleidung bewusst benässen unterlassen, Heißdampf kann durchschlagen und verletzen.

Erweiterte PSA

Bei sehr langen Einsätzen, Hitze und unwegsamem Gelände erhöhen zusätzliche Teile den Schutz. Die verantwortliche Führungskraft ordnet sie an und überwacht den Einsatz (DGUV Regel 105-049):

  • einlagiger Feuerwehrschutzanzug nach Norm mit verstellbaren Arm- und Beinabschlüssen
  • ggf. anderes Schuhwerk nach Gefährdungsbeurteilung
  • einlagige Feuerschutzhaube oder Hollandtuch für offene Hautstellen
  • spezielle Helme für Vegetationsbrand nach europäischer Norm
  • möglichst dichtschließende hitzebeständige Schutzbrille gegen Funken, Rauch, Wärmestrahlung
  • FFP3-Maske mit Ausatemventil (Vorgaben für Filtergeräte beachten)
  • Signalpfeife für Warnung und Rückzugssignal
  • ggf. Gehörschutz

PSA wählen: PSA 12, PSA 11 und Waldbrand-PSA

Die Fachempfehlung des DFV zur persönlichen Schutzausrüstung (2021) zieht die Folgerung aus Hitzesommern, Vegetationsbränden und tagelangen Hochwassereinsätzen: Nicht jede Einsatzkraft braucht die schwerste Schutzkleidung. Überhitzung und Dehydrierung sind echte Gefahren, und die PSA bestimmt, wie viel eine Kraft leisten kann.

Die drei Ausführungen im Vergleich

  • PSA 12 (Brandbekämpfung im Innenangriff, EN 469): Helm EN 443, Jacke und Hose EN 469, Handschuhe EN 659, Stiefel EN 15090. Gesamt etwa 10,4 kg und deutlich mehr Hitzestau.
  • PSA 11 (Brandbekämpfung im Freien): etwas leichter, etwa 8,2 kg. Reicht für alle Einsätze außer dem Innenangriff, zum Beispiel Türöffnung und Verkehrsunfall, und ist bei Sturm- und Hochwassereinsätzen über Stunden und Tage eine große Entlastung.
  • Waldbrand-PSA (aus Elementen europäischer Normen): Helm EN 16471, Jacke und Hose EN 15614, Handschuhe, Stiefel. Gesamt etwa 4,65 kg, also weniger als die Hälfte der PSA 12. Dazu Schutzbrille (EN 166) und FFP3-Maske (EN 149). Zukünftig kommt die weltweite Norm ISO 16073 dazu.

Welche PSA bei welchem Risiko?

Das Risiko ist R = W × F (Wahrscheinlichkeit mal Folgen), nach der DGUV-Information 205-014. Die Folgen werden mit 1, 2, 4 oder 8 bewertet, so liegt R zwischen 0 und 32. Bei lang dauernden Vegetationsbränden im Hochsommer sind Kreislaufstörungen fast sicher, mindestens „mäßig“ ansetzen.

  • R = 0 bis 3: PSA 11 empfohlen (neben der PSA 12 für Atemschutzträger).
  • R = 4 bis 7: PSA 11 (neben PSA 12).
  • R = 8 bis 32: spezielle Waldbrand-PSA.
  • Sondereinheiten und überörtliche Verstärkung sollten immer Waldbrand-PSA haben.

Beschaffungsvarianten

  • A, PSA-Pool: Ein Pool aus PSA 11 (und PSA 12 als Wechselsätze) für lange Einsätze, günstig. Wer sonst PSA 12 hat, rückt gleich mit PSA 11 aus und nimmt die PSA 12 mit.
  • B: PSA-12-Kräfte bekommen zusätzlich persönliche PSA 11 (mindestens die Jacke). Das liefert zugleich Wechselkleidung für die Einsatzstellenhygiene.
  • C, Zwiebelschalen-Prinzip: Über der leichten Jacke trägt man bei Bedarf eine zweite Jacke mit PSA-12-Schutz (Niederlande). Dann wechselt man schnell zwischen den Stufen.
  • D: Zusätzlich zu PSA 12 und PSA 11 eine echte Waldbrand-PSA, für Feuerwehren mit besonderem Waldbrandrisiko oder Sondereinheiten.
  • Grundsätzlich prüfen, dass alle Teile waschbar sind. Schlupfstiefel lassen sich besser reinigen als Schnürstiefel. Verdreckte PSA wird nie weiter benutzt, nur weil die Reinigung dauert.

Gefahren und Anforderungen

  • Tarnwirkung: Im Wald sind Einsatzkräfte schlecht zu sehen, auch für Hubschrauber mit Außenlastbehälter. Wer die Jacke zur Marscherleichterung auszieht, wird noch schlechter erkannt.
  • Qualm und Ruß: Atemgifte (CO, CO₂, PAK, Aromate), Partikel, Reizungen, Orientierungsverlust. Hitze- und Überlastung („heat stress“) ist die größte Gefahr, dazu Atemwiderstand der Masken. Flüssigkeit rechtzeitig zuführen.
  • Wildtiere fliehen in Panik vor dem Feuer, auch Wildschweine, Kreuzottern, Wespen. Stolpern im Gelände, spitze Zweige, Dornen.
  • Besondere Orte (Müllhalden im Wald, Torfböden mit Glutnestern, Munitionsflächen) müssen die örtlichen Kräfte kennen und anreisende Kräfte einweisen.
  • Hören: Der Helm muss Geräusche zulassen.
  • Anforderungen an Kräfte bei Einsätzen über 90 Minuten abseits befestigter Wege: Beweglichkeit, Kondition, Kraft zum Transport von Material, längere Atmung mit erhöhtem Widerstand (je nach Maske G 26.1 oder 26.2), volle Aufmerksamkeit und stetige Fluchtbereitschaft. Auf Hinweise der Ortskundigen hören, auch erfahrene Großstadtkräfte.

Atemschutz bei Vegetationsbränden

  • Pressluftatmer: schützt vor Gasen und Partikeln, stark belastend, Eignung G 26.3, Ausbildung nach FwDV 7. Für überschaubare, kurze Einsätze.
  • Vollmaske mit A2B2E2K2-CO-P3-Filter: Gase und Partikel, weniger belastend, nur bei ausreichend Sauerstoff, Eignung G 26.2. Bei niedrigem Flammengang und ohne Funkenflug.
  • FFP2/FFP3-Halbmaske (EN 149): nur Partikel, kein Schutz vor Brandgasen, vor allem nicht vor Kohlenmonoxid. FFP3 wird empfohlen (schützt auch vor Erregern). Für niedrigen Flammengang und kalte Nachlöscharbeiten. Mindestens eine Führungskraft braucht ein CO-Warngerät. Für Waldbrand hat die FFP3 ein Ausatemventil. Ein Schlauchschal („Buff“) wird nicht empfohlen.
  • Schutzbrillen nach EN 166, dicht am Auge, helmverträglich, Teil der Beladung der Löschgruppenfahrzeuge, nutzbar bei Waldbrand, technischer Hilfeleistung und Infektionsgefahr.

Geräte: drei Gruppen

  • Löschen mit Wasser oder Netzmittel: Schläuche und Armaturen möglichst in D-Größe, weil Wasser knapp ist. Spezial: Kleinlöschgeräte, Löschrucksack. D-Hohlstrahlrohre geben mehr Wasser und ein feineres Sprühbild, DM-Strahlrohre sind unempfindlicher gegen Schmutz im Wasser.
  • Löschen ohne Wasser: Feuerpatschen und Schaufeln (Sand oder Erde werfen, nur Erde, kein brennbares Material). Spezial: Schaufelpatsche. Beides wirkt nur, wenn mehrere Kräfte koordiniert zugleich arbeiten. Bewährt: Patschen plus Löschrucksack.
  • Hacken, Räumen, Trennen: Axt, Spaltaxt, Schaufel, Spaten, Dunghacke, Sägen. Spezial: Wiedehopfhacke, „Gorgui“, McLeod-Tool, Feuerrechen. Sie trennen Brennmaterial vom Feuersaum oder legen Kontrolllinien an.

Wichtig: Spezialgeräte nur mit einem örtlich abgestimmten Konzept aus Beschaffung, Einsatz und Ausbildung. Geräte regelmäßig nachschärfen.

Fahrzeuge im Gelände

  • Fahrgestell: tiefer Schwerpunkt, hohe Bodenfreiheit, Allrad und Differentialsperren, spurgleich, Einzelbereifung, große Rampen- und Überhangwinkel, niedrige Gesamtmasse, gute Massenverteilung. Maschinisten brauchen Geländefahrausbildung.
  • Hitze kann Fahrzeuge lahmlegen: Leitungen (Elektrik, Druckluft, Betriebsstoffe, Abgasanlage) leiden beim Überfahren von Flammen oder Glut. Aufgewirbelte glühende Teile setzen sich in Rahmen und Luftfilter. Heiße Teile (Abgasanlage) können im Grünbereich trockenes Material entzünden.
  • Aufstellfläche: Boden auf Glutnester prüfen, Tragfähigkeit beachten (durchnässter Boden).
  • Schutzelemente: geschützte Leitungsführung (passiv), fest eingebaute Löschdüsen, Löschen aus dem Fahrerhaus (aktiv). Dazu gehört Pumpenbetrieb während der Fahrt und eine Löschwasserreserve für den Eigenschutz.
  • Verbundeinsatz: Im Ausland fahren mehrere Waldbrand-TLF im Verbund. Je nach Region sind kleine, wendige Fahrzeuge mit Löschanlage auf der Pritsche sinnvoll.

Siehe auch