Das Wichtigste in Kürze
- Luftfahrzeuge sind ein Einsatzmittel unter vielen. Sie unterstützen die Brandbekämpfung am Boden, allein gewinnen sie keinen Einsatz. Nach dem Abwurf muss sofort am Boden nachgearbeitet werden.
- Der Einsatzleiter darf alles fordern, der Pilot darf aus fliegerischen Gründen ablehnen. Die fliegerische Verantwortung trägt immer die Pilotin oder der Pilot (PIC).
- Ab regelmäßigem Flugbetrieb braucht es einen Einsatzabschnittsleiter Luft und am Boden einen taktischen Abwurfkoordinator.
- Abwurfzone räumen: etwa 25 bis 30 m seitlich der Flugachse. Im Wald fliegen Äste und Holzsplitter.
- Drohnen und bemannte Luftfahrzeuge nie zugleich im selben Einsatzgebiet. Private Drohnen über dem Einsatzgebiet sind verboten.
- Begriff
- Air Operations (AirOps), Aerial Firefighting
- Fliegerische Verantwortung
- Pilot (PIC)
- Koordinaten für Luftfahrzeuge
- Nur WGS 84 (nicht UTM)
- Sicherheitsabstand Abwurf
- 20 bis 30 m beidseits der Flugachse
- Flugbeschränkungsgebiet
- ED-R über die Deutsche Flugsicherung, Vorlauf etwa 4 Stunden
- Abwurf-Taktik
- AFFE: Anker, Flanken, Front, Eingrenzen
- Abwurf ins Schwarze und Grüne
- Etwa ⅓ ins Schwarze, ⅔ ins Grüne
- Netzmittel
- 0,1 bis 0,3 % (Class-A-Schaum) bei Befüllung am Boden
- Flugzeit
- Höchstens 2 Stunden je Besatzungsmitglied, danach 40 Minuten Pause
Wer führt?
- Die Einsatzleitung bei Vegetationsbränden liegt grundsätzlich bei der Feuerwehr. Im Katastrophenfall geht sie auf die nach dem Landesrecht zuständige Stelle über. Die taktische Führung sollen immer fachkundige Feuerwehrführungskräfte übernehmen.
- Piloten handeln auf Anweisung der Einsatzleitung oder in Absprache mit den Bodenkräften. Bei Gefahr im Verzug dürfen sie unaufschiebbare Sofortmaßnahmen treffen und melden sie danach.
- Bei größeren Lagen bildet man den Einsatzabschnitt Luft mit einem Einsatzabschnittsleiter (EAL) Luft. Er plant, strukturiert den Luftraum (An- und Abflug, Wartebereiche, „Holdings“), teilt Aufträge zu, berät den Einsatzleiter und richtet Landeplätze ein. Als Unterstützung eignen sich ein Führungsassistent Luft (mit Erfahrung in der Koordination von Luftfahrzeugen) und ein Führungsassistent Boden.
- Der taktische Abwurfkoordinator am Boden verbindet EAL Luft und Bodenkräfte. Er lässt die Abwurfzone rechtzeitig räumen, meldet, wie gut der Abwurf gewirkt hat, fordert weitere Anflüge an und gibt den Bodenkräften frei, wieder vorzugehen. Er braucht eine sichere, immer funktionierende Funkverbindung zum EAL Luft.
- Bei Bedarf richtet die Deutsche Flugsicherung auf Anforderung der Leitstelle ein Flugbeschränkungsgebiet (ED-R) ein. Die Vorlaufzeit liegt bei etwa 4 Stunden, erst nach der Bekanntgabe durch NOTAM können Piloten belangt werden. Luftsportvereine in der Nähe sollten informiert werden. Hobbyflieger und Gleitschirmflieger bleiben trotzdem ein Risiko.
- Behörden rechnen sich bei Amtshilfe nur die Mehrkosten gegenseitig ab. Die Anforderungswege sind in den Ländern unterschiedlich. Ein falscher Weg verändert Kosten und Zeit.
Verständigung
- Safety Briefing: Neben dem Auftrag (Landeplatz, Wasserstelle) gehört die Sicherheitseinweisung dazu: Hochspannungsleitungen, Windräder, Seilbahnen und andere Hindernisse. Bei kleinen Lagen übernehmen das die erstanfliegenden Piloten, bei größeren der Einsatzleiter oder EAL Luft.
- Koordinaten: Piloten arbeiten durchgehend mit GPS (WGS 84). In der Kommunikation nur diese Koordinaten benutzen. UTM vorher umrechnen. Die Nordrichtung der Karte und die Benennung der Feuerseiten (nach der Ausbreitungsrichtung, nicht nach der Karte) müssen eindeutig sein.
- Funk: BOS-Funk haben sicher nur Polizei, Bundespolizei, Rettungs- und Zivilschutzhubschrauber und wenige Bundeswehrmuster. Private Betreiber, Bundeswehr und ausländische Truppen brauchen oft Flugfunk oder Betriebsfunk. Der Digitalfunk im Netzbetrieb (TMO) hat hohe Latenzzeiten, für sicherheitskritische Durchsagen (zum Beispiel die Höhe der Last) ist der Direktmodus (DMO) besser. Luft-Luft, Boden-Boden und Luft-Boden müssen vorher geplant werden, die Funkgruppen vorab festlegen.
- Kennzeichnung: Hubschrauber mit einstelligen Ziffern kennzeichnen, damit man sie bei mehreren gleichen Mustern unterscheiden kann.
- Fremdsprachige Besatzungen (zum Beispiel aus der EU-Hilfe) brauchen Dolmetscher und englische Fachbegriffe.
Landeplätze und Bodensicherheit
Außenlandeplatz für Hubschrauber:
- Landeplatz frei halten und sichern, Annäherung nur nach Absprache mit den Piloten.
- Loses Material (Planen, Äste, Müll) entfernen oder festmachen. Staubigen Untergrund wässern. Möglichst ebene Fläche, weit weg von Wohnbebauung, Brücken, Freileitungen.
- Windsack auf Stange, absolutes Rauchverbot.
- Brandschutz und Erste Hilfe vor Ort. Je größer der Hubschrauber, desto mehr Löschmittel: kleiner Hubschrauber mindestens 2.500 Liter Wasser (zum Beispiel HLF 10 oder TLF 2000), mittlerer 4.000 Liter, großer 8.000 Liter und Schaum.
- Lastaufnahme- und -absetzplatz getrennt vom Landeplatz einrichten.
- Notabwurfzonen und Notlandeplätze vorher festlegen, freihalten, allen Kräften bekanntmachen und in die Lagekarte eintragen.
- Feldbetankung nur mit den Luftfahrzeugbetreibern (sie haben die Tankfahrzeuge): mehr als 10 m Abstand zu Gebäuden, mehr als 5 m zwischen Rotor oder Heck und Tankanlage, Löschfahrzeug mit mindestens 4.000 Liter Wasser und Schaum, Auffangwannen.
Downwash: Der Rotor erzeugt kräftigen Luftstrom nach unten und zur Seite. Er wirbelt lose Teile auf und schlägt offene Türen und Tore zu.
Im Wald mit Astbruch rechnen. Fahrzeuge bieten Schutz, können aber bei sehr großen Wassermengen beschädigt werden. Im Notfall kann ein Notabwurf („Emergency Drop") auf die Einheit eine letzte Chance zum Rückzug geben. An- und Abflug mit Behältern nicht über bewohntem Gebiet.
Löschen aus der Luft
Taktik: Der Abwurf erfolgt grundsätzlich mit dem Wind, gegen den Wind nur, wenn Rauch und Thermik es zulassen. Im Gebirge und an Steilhängen fliegt man hangaufwärts oder quer. Die Taktik heißt AFFE:
- Anker: Start an einer natürlichen oder taktischen Haltelinie, in der Regel am Feuerrücken.
- Flanken: Überlappende Abwürfe an den Flanken.
- Front: Vorgehen zur Front.
- Eingrenzen oder Zuschnüren.
- Folgeabwürfe überlappen, sonst läuft das Feuer durch die Lücke. Etwa ⅓ ins Schwarze, ⅔ ins Grüne, damit die Ausbreitung nicht beschleunigt wird. Ein Fehlwurf ins Grüne benetzt wenigstens die Vegetation, ein Fehlwurf ins Schwarze nützt nichts.
- Das Wasser wirkt erstickend und kühlend, aber nur kurz. Deshalb sofort mit Kräften am Boden nachsetzen. Nur im Ausnahmefall (Moor, Steilhang) ist das Luftfahrzeug das einzige Mittel für längere Zeit.
- Vorbeugendes Wässern grüner Flächen aus der Luft ist unwirtschaftlich und soll unterbleiben.
- Vollfeuer (Vollbrand von Bäumen, Flammen über 20 m): Abwürfe aus wirksamer Höhe sind zu gefährlich und oft wirkungslos. Munitionsverdacht: Die Abwurfhöhe richtet sich nach dem Kampfmittelexperten (oft über 500 m) und ist dann meist wirkungslos.
- Punktabwürfe aus dem Schwebeflug und tiefe, langsame Anflüge vermeiden, denn sie fachen das Feuer an und wirbeln Funken auf. Über Gebäuden und Müllhalden stehen Risiko und Nutzen meist in keinem Verhältnis.
- Flughöhe bestimmt den Downwash, Abwurfhöhe die Zerteilung des Strahls. Niedrig gibt einen kompakten Strahl (dichte Vegetation, aber mehr Gefahr am Boden), höher verteilt feiner (Gras, Busch). Zu hoch verdunstet im Hochsommer alles.
- Richtwerte (für einen Bambi-Bucket mit 2.000 Litern am Super Puma): Gras und Schilf schnell (etwa 50 bis 70 kt) und lang gestreckt, wenig Wasser je Quadratmeter. Busch und Heide langsamer (30 bis 40 kt) mit mehr Wasser je Quadratmeter. Punktfeuer mit niedriger Geschwindigkeit und etwa dreifachem Rotordurchmesser Höhe.
- Hubschrauber und Flächenflugzeuge nicht gleichzeitig im selben Abschnitt für denselben Auftrag oder in derselben Höhe. Mehrere Luftfahrzeuge gleichen Typs nur koordiniert im Einrichtungsverkehr. Ein Führungsluftfahrzeug fliegt oberhalb der abwerfenden Maschinen.
- Drohnen nie im Einsatzbereich anderer Luftfahrzeuge, nur z. B. in Tankpausen zur Kontrolle.
Wasser, Behälter und Entnahme
- Außenlastbehälter (ALB) gibt es formstabil (tonnenförmig, zum Beispiel Semat, Smokey) und flexibel (schirmartig, zum Beispiel Bambi-Bucket). Die Länge des Lastaufnahmemittels („Long-Line" bis etwa 18 m oder 50 ft) verändert Downwash, Pendeln und die Möglichkeit, kleine Behälter zu füllen. Je länger die Leine, desto mehr Pendelbewegung. Bei langer Leine brauchen Piloten Einweiser am Boden oder eine Außenlastkamera.
- Zusätze: Netzmittel (Class-A-Schaum, 0,1 bis 0,3 %) bei Bränden im Boden oder in dichtem Totholz, nur bei Befüllung an Landeplätzen. Retardants sind in Deutschland nicht verfügbar, aber über die EU (rescEU) anforderbar.
- Wasserentnahme nahe an der Abwurfstelle. Befüllung per Schlauch oder Behälterwechsel ist besser als offenes Gewässer, wenn dadurch pro Zyklus 1 bis 2 Minuten gespart werden.
- Offene Gewässer: Seen, Stauseen (kein Trinkwasser), gesperrte Kanäle, große Flüsse, Freibäder, Regenrückhaltebecken. Kriterien: Entfernung, Größe, Tiefe, Bewuchs, Hindernisse im und über dem Wasser (Leitungen, Windräder, Brücken, Badestellen). Die Entscheidung trifft die Hubschrauberbesatzung. Absperren und ein Rettungsboot bereithalten, denn Wasseraufnahme und Abwurf sind die gefährlichsten Flugphasen.
- Faltbehälter und Abrollbehälter der Feuerwehr: Boden von spitzen Steinen säubern, feste Behälter ohne Ecken, an denen die Leine hängen bleibt, mindestens 2 m hohe Wände, Wasserhöhe etwa das 1,5-Fache der ALB-Höhe. Die Wasserstelle muss gegen den Downwash gesichert sein.
Einsatzstufen und Hubschraubertypen
- Stufe 1: meist Polizeihubschrauber mit BOS-Funk, schnell verfügbar.
- Stufe 2: auch Bundespolizei, dazu Bundeswehr oder Private ohne BOS-Funk möglich.
- Stufe 3: viele Typen und Betreiber, in der Regel nur Flugfunk.
- Stufe 4: Hubschrauber und Flächenflugzeuge (zum Beispiel über rescEU).
- Stufe L: Lastarbeit mit individuell vorbereiteten Außenlasten (DGUV Information 214-911).
Hubschrauber nach Wassermenge: Typ I (groß, über 2.000 Liter, zum Beispiel Super Puma), Typ II (mittel, 800 bis 2.000 Liter), Typ III (klein, unter 800 Liter, zum Beispiel EC 135). Löschflugzeuge reichen von sehr groß (über 10.000 Liter) bis klein (unter 3.000 Liter). Nachtflug ist die große Ausnahme.
Hubschrauber dienen auch der Waldbrandfrüherkennung, der Erkundung mit Bildübertragung, der Führung anderer Luftfahrzeuge, dem Transport und der Rettung (mit Winde oder Bergetau).