Luftkoordinator: Fachberater Luft und Einsatzabschnittsleiter Luft

Trupps und Funktionen

Das Wichtigste in Kürze

  • Luftkoordinatoren sind Führungskräfte, die bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge (Hubschrauber, Drohnen) bei nichtpolizeilichen Einsätzen koordinieren. In Brandenburg gibt es sie wegen der Waldbrände, die LSTE bildet sie seit 2020 aus.
  • Zwei Funktionen: Fachberater Luft (FB Luft) in der Technischen Einsatzleitung und Einsatzabschnittsleiter Luft (EAL Luft) bei komplexen Lagen mit eigenem Abschnitt.
  • Kennzeichnung: Fachberater grüne Weste, Einsatzabschnittsleiter weiße Weste, jeweils mit Klettschild „FB Luft“ oder „EAL Luft“.
  • Voraussetzung: Lehrgang Zugführer (oder Laufbahnlehrgang gehobener Dienst, gleichwertige Qualifikation) und Lehrgang Luftkoordinator. Mindestens drei aktive Luftkoordinatoren je Landkreis und kreisfreier Stadt.
  • Grundregel: Gleichzeitig bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge im selben Bereich: nein. Im Abwurfbereich dürfen sich keine bodengebundenen Kräfte und Fahrzeuge aufhalten.
Rechtsgrundlage
§ 24 Abs. 9 BbgBKG (Aus- und Fortbildung von Führungskräften durch das Land), Fachempfehlung des Ministeriums des Innern und für Kommunales (März 2024)
Abgrenzung
nicht gemeint sind Drohnenpiloten und Luftraumbeobachter des Drohnentrupps der SEG-Führungsunterstützung (VV-Fü vom 16.12.2022), enge Zusammenarbeit
Westen
Einsatzabschnittsleiter weiß, Unterabschnittsleiter grau, Fachberater grün
Ausstattung
weiße Helmkombination mit Augen- und Gehörschutz (möglichst EN 16471), Einsatz- oder Waldbrandschutzkleidung, optional Helmsprechgarnitur, Funkgerät, Handleuchte
Hinweis
Die Fachempfehlung beschreibt Aufgaben, Kennzeichnung, Ausstattung, Ausbildung und Alarmierung. Die Aufgabentabelle ist eine Orientierung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Grundlagen

Warum es Luftkoordinatoren gibt

  • Bei Waldbränden arbeiten Bodenkräfte und verschiedene Luftfahrzeuge unterschiedlicher Träger an derselben Einsatzstelle (Erkundung, Löschen aus der Luft). Dieses Zusammenspiel braucht eine koordinierende Führungskraft.
  • Luftgebundene Maßnahmen sind unter anderem: Bild- und Videoaufnahmen zur Lage, Brandbekämpfung mit Außenlastbehältern, Last- und Materialtransport, Kräftetransport, Menschenrettung, Personen- und Tiersuche, qualifizierter Notfalltransport, Detektion von Gefahrstoffen, Strahlenquellen und Wärmequellen.
  • Beteiligte: Landes- und Bundespolizei, Bundeswehr, Hilfsorganisationen, Feuerwehren und Privatunternehmen.

Fachberater Luft und Einsatzabschnittsleiter Luft

  • Fachberater Luft (FB Luft): Arbeitet in der Technischen Einsatzleitung (TEL). Er beurteilt die Lage einsatztaktisch, berät zu den Möglichkeiten, erklärt Fachbegriffe, kennt Leistungsprofile der Luftfahrzeuge, unterstützt bei der Anforderung, macht Vorschläge zur Kräfte- und Mittelplanung, leitet Aufträge weiter und ist Ansprechpartner der fliegenden Kräfte.
  • Einsatzabschnittsleiter Luft (EAL Luft): Bei komplexen Lagen wird ein eigener Einsatzabschnitt Luft gebildet. Der EAL Luft ist dessen verantwortliche Führungskraft (nach FwDV 100 darf er Unterabschnitte bilden und taktisch führen).
  • Reihenfolge: Vor der Bildung eines EAL Luft sollte die Funktion des Luftkoordinators schon in der TEL eingerichtet sein.

Aufgaben im Einsatz

Verbindung, Sicherheit und Kenntnisse

  • Verbindung halten zwischen TEL und Besatzung bzw. Bedienpersonal: über Digitalfunk BOS oder Verbindungspersonal der anderen BOS; für Flugfunk über Verbindungsperson der Bundeswehr. Bei Bedarf besondere Rufgruppen über die ASBB. An- und Abmeldung zwischen Luftkoordinator und Besatzung, die abgestimmten Mittel dauerhaft besetzen. Schnittstelle zur Deutschen Flugsicherung.
  • Sicherheit der Boden- und der Luftkräfte gewährleisten.
  • Fähigkeiten kennen: zum Beispiel AS 332 Super Puma mit Bambi Bucket (rund 1.900 l), Sikorsky CH-53 mit Smokey-Behälter (rund 5.000 l), NH 90 mit Bambi Bucket und Long Line (rund 2.000 l), außerdem Gewichtsreserven. Außerdem transportable Löschwasserentnahmebehälter in gewässerarmen Gebieten, Wechselwirkung von Fluggeschwindigkeit und Abwurfhöhe.
  • Notfallmanagement vorbereiten: Brandschutz an Außenstationen (zum Beispiel Löschfahrzeug mit mindestens 500 l Wasser und Schwerschaum), technische Hilfeleistung, Rettung, Wasserrettung bei Wasserentnahmestellen (zum Beispiel Mehrzweckboot und Rettungstaucher). Diese Kräfte sind dem Luftkoordinator unterstellt.

Wirksamkeit und Planung

  • Verhältnismäßigkeit prüfen: Ist gleichwertig mit Bodenkräften (ohne zu hohe Eigengefährdung) möglich, sollte der Luftweg verworfen werden. Verringert er langfristig das Schadensausmaß und verhindert die Ausbreitung, kann er beendet werden.
  • Schwerpunkte mit der Besatzung festlegen und Abschnitte für luftgebundene Maßnahmen vorschlagen. Bei Bedarf einen taktischen Abwurfkoordinator am Boden (in sicherer Entfernung zur Abwurflinie) einsetzen.
  • Entnahmestellen: Wassertiefe, hindernisfreier An- und Abflugraum, Flugumlaufzeiten abwägen, Spezialkarten und Erkundung vor Ort nutzen.
  • Außenstation, Betankungsplatz, Start-/Landezone: ebene, tragfähige Fläche, Downwash beachten (keine Sand- oder Ascheflächen), lichter An- und Abflugraum, Zuwegung, Abstände zwischen den Plätzen für bemannte und unbemannte Fahrzeuge. Markieren und sichern.
  • Koordinaten: WGS-84 in Grad, Minuten, Sekunden, zusätzlich UTMREF für die Bundeswehr (siehe Seite „Kartenkunde: Koordinaten und UTMREF“).
  • Lagemeldungen der Luftkräfte an die TEL veranlassen, Verpflegung und Versorgung (Essen, Trinken, Sanitär, Kraftstoffe, Löschmittelzusätze) klären.

Briefing, Koordination und Nachbereitung

  • Einsatzvorbesprechung (Briefing): Lage und Aufgaben, Kartenmaterial, Kommunikationsorganisation, Hinweise zu Gefahren wie Kampfmittelverdachtsflächen.
  • Räumlich oder zeitlich trennen: Bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge nicht gleichzeitig im selben Bereich. Kein Aufstieg unbemannter Fahrzeuge, solange bemannte im Einsatzgebiet in der Luft sind. Mehrere Hubschrauber in einem Bereich lassen sich besser synchronisieren. Luftraum strukturieren (An-/Abflugbereiche, Wartezonen).
  • Abwurfbereich: Während der Abwürfe darf sich dort keine Bodenkraft und kein Fahrzeug aufhalten (Baum- und Astbruch).
  • Nachbesprechung (Debriefing), Datenübermittlung (zum Beispiel Luftbilder), realitätsnahe Übertragung auf die Lagekarte.
  • Dokumentieren: Flugbuch, Abstimmungen im Einsatztagebuch, schriftliche Lagemeldungen und Aufträge. Teilnahme an den Lagebesprechungen der TEL.

Aufgaben des EAL Luft im eigenen Abschnitt

  • Einrichten, absperren und markieren: Außenstationen, Betankungs- und Entnahmeplätze (Wasser, Last), Drohnenlandeplätze.
  • Brandschutz, technische Hilfeleistung und Rettung (Wasserrettung, Sanitätsdienst) sichern.
  • Übergabepunkte und Wasserversorgung bei transportablen Löschwasserbehältern (mit anderen Abschnitten abstimmen).
  • Hindernisse ausleuchten, Kräfte und Mittel nachfordern, Einweiser und Einsprecher am Abwurfgebiet führen.
  • Belehrung zur Sicherheit: farblich abhebende Kleidung, Augen-, Gehör- und Kopfschutz.

Organisation

Kennzeichnung und Ausstattung

  • Westen nach der Verwaltungsvorschrift zur einheitlichen Kennzeichnung von Führungskräften (Land Brandenburg) und der VV-Fü: Einsatzabschnittsleiter weiß, Unterabschnittsleiter grau, Fachberater grün.
  • Klettschild: „EAL Luft“ oder „FB Luft“, ein- oder zweireihig, daneben bleibt Platz für ein zweites Schild (zum Beispiel „Feuerwehr“).
  • Gemeinsame Ausstattung: weiße Helmkombination mit Augen- und Gehörschutz, möglichst nach EN 16471. Schutzkleidung: vorhandene Einsatzkleidung oder spezielle Waldbrand-/Flughelferkleidung. Optional Helmsprechgarnitur, Funkgerät, Handleuchte.
  • Führungsfahrzeug: geländegängiges Fahrzeug, idealerweise gemeinsam mit dem Drohnentrupp (Ausstattung vergleichbar der SEG-Fü). So lassen sich Drohnen und Luftfahrzeuge von einer Befehlsstelle steuern.

Ausbildung, Anbindung und Alarmierung

  • Voraussetzungen: Lehrgang Zugführer (ehrenamtlich) oder Laufbahnlehrgang gehobener feuerwehrtechnischer Dienst oder gleichwertige Führungsqualifikation (zum Beispiel Hilfsorganisationen) und Lehrgang Luftkoordinator. Ausbildung durch die LSTE. Ein Praxisseminar wird freiwillig angeboten.
  • Zuständigkeit: Die Koordination im Einsatzfall liegt in der Regel bei den Landkreisen und kreisfreien Städten (Katastrophenschutz). Je Landkreis und kreisfreier Stadt sollten mindestens drei aktive Luftkoordinatoren verfügbar sein.
  • Alarmierung: nach Alarm- und Ausrückeordnung (AAO), Einsatzplanung oder direkt über die Integrierte Regionalleitstelle. Das gehört in die Vorplanung des Landkreises.

Typische Fehler

Was bei der Luftkoordination schiefgeht

  • Bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge gleichzeitig im selben Bereich.
  • Bodenkräfte im Abwurfbereich.
  • Landezone auf Sand oder Asche (Downwash).
  • Kein Brandschutz an der Außenstation.
  • Koordinaten im falschen Format.
  • Luftunterstützung angefordert, obwohl Bodenkräfte genauso helfen könnten.
  • Briefing und Debriefing ausgelassen.

Weiterführend

Die Landesschule stellt die Fachempfehlung bereit: Fachinformation „Luftkoordination“ der Landesschule (LSTE). Zur Luftunterstützung bei Vegetationsbränden siehe Seite „Vegetationsbrand: Löschwasser und Unterstützung“.

Siehe auch