Ehrenamt stärken: Einsatzkräfte gewinnen und halten

Recht in Brandenburg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Neuen kommen über Menschen: In der großen Ehrenamtsstudie aus Rheinland-Pfalz (2026) wurden 50 Prozent über Freunde oder Bekannte, 41 Prozent über Familienmitglieder und 33 Prozent durch Maßnahmen der Feuerwehr selbst aufmerksam. Persönliche Ansprache halten die Einsatzkräfte in den Workshops für besonders wirksam.
  • Warum Menschen mitmachen: Helfen (95 Prozent Zustimmung), Kameradschaft (89), Spaß (84), Verantwortung übernehmen (83), Technik lernen (72). Ansehen im Ort ist selten ein Motiv (22).
  • Das größte Hindernis ist die Zeit: Im Schnitt 28 Stunden im Monat (Hälfte der Befragten unter 20). Nur 44 Prozent können ihre Arbeitszeit so einrichten, dass genug Zeit für die Feuerwehr bleibt.
  • Wertschätzung kommt vor allem aus der eigenen Wehr (72 Prozent), seltener von der Öffentlichkeit (38) und von Behörden (27).
  • Die Mehrheit bleibt dabei: 79 Prozent wollen im bisherigen Umfang weitermachen, nur etwa 7 Prozent denken ans Aufhören. Unter 16- bis 29-Jährigen will jeder Zweite mehr machen (52 Prozent).
  • Wichtig: Das ist eine Studie aus Rheinland-Pfalz. Die Zahlen gelten nicht automatisch für Brandenburg, die Ideen sind aber für jede Wehr nutzbar.

Wer macht mit? Das Profil der Einsatzkräfte

Die Studie zeichnet für Rheinland-Pfalz folgendes Bild:

  • Alter: 31 Prozent sind 16 bis 29, 46 Prozent 30 bis 49 und 22 Prozent 50 bis 66 Jahre alt. Menschen unter 48 sind in der Feuerwehr überrepräsentiert, ältere Jahrgänge unterrepräsentiert.
  • Frauen: rund 10 Prozent der Einsatzkräfte. Mehr als die Hälfte der Frauen (52 Prozent) ist unter 30, in der Jugendfeuerwehr liegt der Frauenanteil bei etwa 30 Prozent. Frauen kommen häufiger über die Familie zur Feuerwehr (59 Prozent gegenüber 39 Prozent bei Männern).
  • Migrationshintergrund: nur 5 Prozent der Einsatzkräfte, in der Bevölkerung sind es rund 28 Prozent.
  • Beruf: 81 Prozent sind erwerbstätig, 96 Prozent davon in Vollzeit. Bei Frauen mit Kindern unter 18 im Haushalt arbeiten 58 Prozent in Teilzeit, bei Männern 2 Prozent.
  • Dauer: Mehr als die Hälfte ist seit über 15 Jahren dabei, Frauen sind im Schnitt kürzer dabei (37 Prozent seit bis zu 5 Jahren).

Zeit, Belastung und Vereinbarkeit

  • Aufwand: Durchschnittlich 28 Stunden im Monat. Führungskräfte (ab Gruppenführer) kommen auf 31, alle anderen auf 25 Stunden. Einsätze und Übungen kosten je rund 10 Stunden, Verwaltung etwa 7, technische Arbeiten etwa 6.
  • Was belastet: Verwaltungsarbeit empfinden 24 Prozent als (sehr) belastend, Übungen nur 6 Prozent, die Häufigkeit der Einsätze 9 Prozent. In den Workshops wurden gestiegener Verwaltungsaufwand, Bagatelleinsätze (zum Beispiel „Katze auf dem Baum“, Ölspuren) und zu wenig Unterstützung durch die Verwaltung genannt.
  • Beruf: Nur 44 Prozent stimmen (voll) zu, dass sie ihre Arbeitszeit auf die Feuerwehr abstimmen können, 25 Prozent stimmen (gar) nicht zu. Besonders schwierig sind unplanbare Einsätze und fehlende Unterstützung im Betrieb.
  • Familie und Freizeit: 54 Prozent sehen ihre familiären Pflichten gut vereinbar, 58 Prozent haben genug Freizeit.
  • Einsatzzahlen: In kleinen Gemeinden bis 999 Einwohner haben 55 Prozent der Einheiten weniger als einen Einsatz im Monat, in Städten von 20.000 bis 99.999 Einwohnern haben 55 Prozent mehr als 15.

Was dir rechtlich zusteht, steht auf der Seite Freistellung, Lohnfortzahlung und Verdienstausfall.

Anerkennung und Wertschätzung

  • Erhalten haben (Mehrfachnennung): Fort- und Weiterbildung 73 Prozent, Orden und Ehrenzeichen 61 Prozent, Zeugnisse und Zertifikate 45 Prozent, kleine Geschenke oder Vergünstigungen 28 Prozent. Eine Aufwandsentschädigung bekamen 43 Prozent. Zu den staatlichen Ehrungen siehe Jubiläumsprämien, Medaillen und Ehrenzeichen.
  • Wunsch: 81 Prozent halten zusätzliche Anerkennung für nötig, vor allem Rentenpunkte oder eine Feuerwehrrente (73 Prozent) und Aufwandsentschädigungen (43 Prozent). Die Studie weist darauf hin, dass das Ausbleiben nur Unzufriedenheit erzeugt, aber bisher keinen flächendeckenden Rückzug.
  • Ehrenamtskarte (Rheinland-Pfalz): Etwa 51 Prozent erfüllen die Voraussetzung (mindestens 20 Stunden im Monat), aber nur 19 Prozent von ihnen nutzen sie. Genannt werden umständliche Anträge und wenig attraktive Angebote. Die Studie empfiehlt Sammelanträge der Wehr, einen besseren Überblick und eine App.
  • Ausstattung wirkt als Wertschätzung: Gerätehäuser (38 Prozent „gut“) und Dienstkleidung (43 Prozent) schneiden am schlechtesten ab. Frauen nennen vor allem passende Dienstkleidung (57 Prozent) und geeignete Schutzausrüstung (51 Prozent) als wichtige Maßnahme.

Wie die Gewinnung neuer Einsatzkräfte klappt

Nur 19 Prozent finden, dass es ihrer Wehr leichtfällt, Neue zu gewinnen, und 62 Prozent erwarten, dass es schwerer wird. Die Studie empfiehlt sechs Wege:

  1. In Schulen und Kitas präsent sein: Unterrichtsbesuche, Aktionstage, Beteiligung an Schulfesten, langfristig Feuerwehr-AGs. Die Wehr soll auf die Schulen zugehen, die Gemeinde kann vermitteln.
  2. Einsatzkräfte in die Werbung einbinden: Persönliches Gespräch schlägt jede Anzeige. Nicht nur die Wehrführung, sondern kommunikationsstarke und freundliche Kameradinnen und Kameraden ansprechen und für die Mitgliederwerbung gewinnen. Anlässe: Feuerwehrfest, Tag der offenen Tür, Märkte, Stadtfeste, Einsätze in der Nachbarschaft.
  3. Frauen gewinnen: Frauen in die Werbung einbinden, Führungsaufgaben anbieten (auch befristet oder geteilt), passende Dienstkleidung in Frauengrößen beschaffen, Vorurteile durch Teamarbeit abbauen.
  4. Kinderfeuerwehren fördern: Kinder von 6 bis 10 Jahren erreichen, bevor andere Hobbys sie binden. Auch Eltern kommen so in Kontakt. Die Betreuenden müssen keine Pädagogen sein, in Rheinland-Pfalz braucht aber die Leitung eine Jugendgruppenleiterkarte und einen zweitägigen Lehrgang. Brandenburg: Kinderfeuerwehren sind nach § 25 Abs. 3 BbgBKG Teil der Jugendfeuerwehr, die Altersuntergrenze soll sechs Jahre betragen.
  5. Grundausbildung flexibler machen: Die rund 70 bis 80 Stunden gelten in den Workshops als abschreckend. Vorschläge: Module, Wochenendkompaktlehrgänge, hybride Formate, erste Einsatztätigkeit schon nach Teilmodulen („Feuerwehrmann light“). Das braucht Anpassungen bei Ausbildungsordnungen und Anerkennung von Teilqualifikationen.
  6. Öffentlichkeitsarbeit professionalisieren: moderne Webseite, gute Materialien, Social Media. Wer sich auskennt, übernimmt die Aufgabe. Vorlagen und Beratung sollte das Land liefern.

Zielgruppen, die die Einsatzkräfte für wichtig halten (sehr wichtig/wichtig): Mitglieder der Jugendfeuerwehr (92 Prozent), Jugendliche ohne Feuerwehrbezug (87), neu Zugezogene (84), Frauen (81), Erwachsene ohne Feuerwehrbezug (77), Menschen mit Migrationshintergrund (53). Siehe auch Übertritt in die Einsatzabteilung und Frauen gewinnen und halten.

Wie man Einsatzkräfte hält

  • Talente fördern: Stärken und Wünsche der Mitglieder erfragen (Gespräche, Kurzumfragen), Verantwortung abgeben und gezielt an junge Einsatzkräfte übertragen, ohne Erfahrene zu übergehen. Lange Wartezeiten auf Lehrgangsplätze können Motivation kosten.
  • Ausrüstung: Veraltete Kleidung, Gerätehäuser und Fahrzeuge erzeugen Frust. Die Studie schlägt gemeinsame Beschaffung und Rahmenverträge vor, damit kleine Gemeinden nicht benachteiligt sind.
  • Finanzielle Anerkennung: Aufwandsentschädigungen für alle, nicht nur für Funktionen. Eine Feuerwehrrente wird häufig gefordert und existiert zum Beispiel in Thüringen (laut Studie rund 4,6 Millionen Euro im Jahr bei etwa 34.000 Einsatzkräften). Die Studie warnt, dass dafür kein Geld bei Nachwuchsarbeit und Ausrüstung fehlen darf.
  • Ehrenamtskarte und Vergünstigungen sichtbar und einfach machen.

Was heißt das für dich?

  • Sprich Menschen an: Persönliche Ansprache gilt als besonders wirksam. Zielgruppen sind laut Einsatzkräften vor allem die Jugendfeuerwehr, neu Zugezogene, Frauen und Erwachsene ohne Feuerwehrbezug. Eine Einladung zum Übungsabend ist ein einfacher Anfang.
  • Willkommen heißen: Neue brauchen eine feste Ansprechperson, klare erste Aufgaben und einen verständlichen Weg durch die Grundausbildung.
  • Reden über Zeit: Wenn Beruf oder Familie eng werden, sprich es früh in der Wehr an.
  • Wertschätzen: Die eigene Wehr ist laut Studie die wichtigste Quelle gefühlter Wertschätzung (72 Prozent). Dort fängt Anerkennung an.
  • Brandenburg: Einsatzdienst ab 16 bis 67 Jahre, Kinderfeuerwehr ab sechs Jahren. Gesetz im Überblick: BbgBKG.
Studie
Ehrenamtsstudie Freiwillige Feuerwehren in Rheinland-Pfalz, Kurzfassung (Kuhn, Schubert; Januar 2026)
Befragte
12.542 Einsatzkräfte (Rücklauf etwa 22 Prozent), Befragung Nov./Dez. 2024
Zusätzlich
vier Workshops, 15 Experteninterviews (2024/2025)
Zeitaufwand
Durchschnitt 28 Stunden im Monat, Median 20; Einsätze und Übungen je etwa 10 Stunden
Wege zur Feuerwehr
Freunde/Bekannte 50 %, Familie 41 %, Feuerwehr selbst 33 %, Schulen 2 %
Frauenanteil
rund 10 Prozent (Bundesdurchschnitt 11 Prozent)
Brandenburg: Kinderfeuerwehr
§ 25 Abs. 3 BbgBKG: Teil der Jugendfeuerwehr, Untergrenze sechs Jahre
Brandenburg: Einsatzdienst
ab 16 bis 67 Jahre (§ 26 Abs. 1 BbgBKG)

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