Das Wichtigste in Kürze
- Ausgelöste CO₂-Löschanlagen können töten. Im Löschbereich gilt: nur unter umluftunabhängigem Atemschutz betreten.
- Die Gefahr ist das CO₂ selbst, nicht der Sauerstoffmangel. Eine Messung nur des Sauerstoffs täuscht. Nur bei gemessenen 21 Vol.-% O₂ kann man CO₂ ausschließen.
- Anfahrt mit dem Wind, Fahrzeuge nicht in Senken aufstellen. Gas ist schwerer als Luft und fließt in Gruben, Schächte und Keller.
- Kaltes CO₂ kann Erfrierungen verursachen und die Sicht nehmen (Nebel). Das gehört in den Einsatzbefehl.
- Mit Vorwarnzeit von mindestens 10 Sekunden: Wer im Raum ist, muss sofort hinaus. Feuerwehr kommt meist erst nach der Auslösung.
- Hochdruckanlage
- CO₂ in Flaschen bei etwa 60 bar, bis etwa 3 t
- Niederdruckanlage
- CO₂ tiefkalt im Behälter bei etwa −20 °C und 20 bar, bis etwa 50 t
- Vorwarnzeit
- Mindestens 10 Sekunden mit Hupe und Licht
- Löschkonzentration
- Etwa 30 bis 60 Vol.-%
- Einströmzeit
- Innerhalb 60 Sekunden, mindestens 10 Minuten halten
- Löschverzug
- Taster im und am Löschbereich, solange gedrückt ist die Anlage inaktiv
- Messung
- Nur O₂ messen reicht nicht, 21 % O₂ schließt Gefahr aus
Wo gibt es CO₂-Löschanlagen?
Man setzt sie ein, wenn keine Löschmittelrückstände entstehen sollen: EDV- und Serverräume (Datenverlust), Schaltschränke (Elektrizität), Lager mit wertvollen Gütern oder Räume, in denen Wasser nicht eingesetzt werden darf (Gefahrstofflager, Lackfabriken). Sie sind weit verbreitet, die Feuerwehr sollte Funktion und Wirkung kennen. Ausgelöste Anlagen können zu schweren oder tödlichen Unfällen führen.
Technik und Funktion
- Hochdruckanlage: CO₂ liegt unter Druck verflüssigt in einer Reihe von Druckgasflaschen bei Raumtemperatur, bei etwa 60 bar, Mengen bis etwa 3 t.
- Niederdruckanlage: für größere Räume, tiefkalt verflüssigt in Spezialbehältern bei etwa −20 °C und 20 bar, bis etwa 50 t.
- Auslösung: durch automatischen Brandmelder oder Handauslösung. Dann läuft eine Vorwarnzeit von mindestens 10 Sekunden mit Hupe (akustisch) und Licht (optisch), damit man den Raum verlassen kann. Mit Löschverzugstastern im und am Löschbereich kann man die Auslösung verzögern: Solange man drückt, ist die Anlage inaktiv, nach dem Loslassen löst sie sofort aus. Die Feuerwehr nutzt das meist nicht, weil die Anlage bei ihrem Eintreffen schon ausgelöst hat.
- Wirkung: Das Gas strömt über Rohre und Düsen ein und erstickt das Feuer, je nach Fall 30 bis 60 Vol.-% CO₂. Es muss innerhalb von 60 Sekunden im Raum sein und dort mindestens 10 Minuten in der geplanten Konzentration bleiben. Überschuss entweicht über Druckentlastungsöffnungen. Das Bereichsventil schließt nach einer Flutungszeit von meist 120 Sekunden wieder.
- Bestandteile (Auswahl): Brandmelder, Brandmelderzentrale, Handfeuermelder, Hupe (elektrisch oder pneumatisch), Löschdüsen, CO₂-Flaschen oder -Behälter, Alarm- und Steuerflasche, Verzögerungseinrichtung, Bereichsventile, Löschventil.
Anfahrt
- Auf CO₂-Anlagen weisen Feuerwehrpläne, Begehungen und Übungen hin. Viele Anlagen sind mit einer Brandmeldeanlage gekoppelt, aber nicht alle. Das Objekt ist mit genormten Hinweisschildern gekennzeichnet.
- Ist mit einer Auslösung zu rechnen: Anfahrt mit dem Wind (Leitstelle fragen), Witterung beachten, nicht in Senken oder Täler dicht am Objekt stellen. Bei Niederdruckanlagen (große Mengen) mit sicherem Abstand aufstellen.
Erkundung in den vier Phasen
- Frontalansicht: Nebelschlieren über dem Dach oder an den Wänden zeigen eine ausgelöste Anlage an.
- Befragung: Was ist passiert? Wo brennt es? Hat die CO₂-Anlage ausgelöst? Sind noch Personen im Löschbereich? Verletzte außerhalb? Atemnot oder Bewusstlose? Wo liegt der Löschbereich, wo die Brandmelde- und Steuerzentrale?
- Innenansicht: Immer unter umluftunabhängigem Atemschutz, wenn die Anlage ausgelöst hat. Das gilt auch für den Weg zur Brandmelderzentrale, weil CO₂ dorthin eindringen kann.
- Gesamtansicht: Ebenfalls unter Atemschutz. Gruben und Schächte um das Objekt prüfen, in die CO₂ geflossen sein kann, und bedenken, ob CO₂ in Wohngebiete gezogen ist.
Messen: In der ersten Phase fehlen meist Geräte für CO₂-Konzentration. Sauerstoffmessungen allein sind mit Vorsicht zu lesen: Die Gefahr liegt nicht im geringeren Sauerstoffanteil (Ersticken), sondern im erhöhten CO₂-Anteil (Wirkung auf Blut, Zellen und Nerven). Nur wenn der Sauerstoffanteil bei 21 Vol.-% liegt, kann man die Gefahr verneinen. Manche Anlagen mischen einen Duftstoff (zum Beispiel Zitrone) bei, damit man das Gas wahrnimmt.
Planung, Befehl, Lagemeldung
- Gefahren aus der Gefahrenmatrix: besonders Atemgifte, daneben Erkrankung und Verletzung, Angstreaktion und Ausbreitung.
- Befehl: Vorgehende Kräfte auf Sichtbehinderung und Erfrierungen durch kaltes CO₂ hinweisen.
- Nachforderung bedenken: Rettungsdienst bei vielen Verletzten, weitere Messgeräte bei großer oder unbekannter Wolke, Atemschutzträger und -geräte (zum Beispiel GW-Atemschutz) bei vielen Kräften im Gefahrenbereich, Großlüfter und Sauglutten zum Vertreiben der Wolke, Polizei zur Absperrung von Straßen und Bereichen im Umkreis.